Devillin

Devillin
Rosettenförmiger Devillin aus Raslavice in der Slowakei
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1971 s.p.

IMA-Symbol

Dev

Andere Namen
  • Devillit
  • Herrengrundit
  • Lyellit
  • Úrvölgyit
Chemische Formel
  • CaCu4(SO4)2(OH)6(H2O)3
  • Cu4Ca[(OH)6|(SO4)2]·3H2O
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VI/D.05
VI/D.19-010

7.DD.30
31.06.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe P21/c (Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14
Gitterparameter a = 20,87 Å; b = 6,14 Å; c = 22,19 Å
β = 102,7°
Formeleinheiten Z = 8
Zwillingsbildung nach {010}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,13; berechnet: 3,084
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}, undeutlich nach {110}, {101} und {101}
Bruch; Tenazität spröde
Farbe blaugrün, dunkelsmaragdgrün bis patinagrün
Strichfarbe grünlichweiß bis blassgrün
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, Perlglanz auf den Spaltflächen
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,585
nβ = 1,649
nγ = 1,660
Doppelbrechung δ = 0,075
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = gemessen: 37 bis 41°; berechnet: 42°
Pleochroismus sichtbar: X = hellgrün; Y = blaugrün; Z = dunkelgrün
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten unlöslich in Wasser und verdünnter H2SO4, leicht löslich in verdünnter HNO3

Devillin, auch als Herrengrundit oder Úrvölgyit bekannt, ist ein relativ selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (und Verwandte)“ mit der chemischen Zusammensetzung Cu4Ca[(OH)6|(SO4)2]·3H2O und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Kupfer-Calcium-Sulfat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Devillin kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist nadelige bis dünntafelige Kristalle mit pseudohexagonalem Habitus, die meist in rosettenförmigen oder büscheligen Mineral-Aggregaten zusammentreten. Er findet sich aber auch in Form krustiger Überzüge. Das Mineral ist durchsichtig bis durchscheinend und von blaugrüner oder dunkelsmaragdgrüner bis patinagrüner Farbe. Seine Strichfarbe ist eigenfarbig, aber eher blassgrün.

Die unverletzten Oberflächen der durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Spaltflächen schimmern dagegen eher perlmuttähnlich. Mit einer Mohshärte von etwa 2,5 liegt Devillin zwischen den Referenzmineralen Gips (Härte 2) und Calcit (Härte 3).

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Devillin in der englischen Grafschaft Cornwall und beschrieben 1864 durch M. F. Pisani, der das Mineral nach dem französischen Chemiker Henri Étienne Sainte-Claire Deville (1818–1881) benannte.

Seine Synonyme Herrengrundit und Úrvölgyit erhielt Devillin aufgrund von reichen Mineralfunden und -beschreibungen aus der slowakischen Region Špania Dolina, zu deutsch „Herrengrund“ bzw. ungarisch „Úrvölgy“.

Klassifikation

In der letztmals 1977 überarbeiteten und daher veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Devillin zur Mineralklasse der „Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Sulfate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Kainit, Natrochalcit, Serpierit, Tatarskit und Uklonskovit in der „Kainit-Natrochalcit-Gruppe“ mit der Systemnummer VI/D.05 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/D.19-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Devillin zusammen mit Aldridgeit, Arzrunit, Campigliait, Edwardsit, Kobyashevit, Lautenthalit, Niedermayrit, Orthoserpierit, Serpierit und Tatarskit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/D.19 bildet.

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Devillin in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; Lagen von kantenverknüpften Oktaedern“ zu finden, wo es zusammen mit Campigliait, Niedermayrit, Orthoserpierit und Serpierit die „Devillingruppe“ mit der Systemnummer 7.DD.30 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Devillin die System- und Mineralnummer 31.06.01.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 31.06.01, in der auch Lautenthalit eingeordnet ist.

Kristallstruktur

Devillin kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)Vorlage:Raumgruppe/14 mit den Gitterparametern a = 20,87 Å; b = 6,14 Å; c = 22,19 Å und β = 102,7° sowie acht Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Eigenschaften

Devillin ist ein Mineral mit einer stark ausgeprägten Anisotropie, was bedeutet, dass seine Eigenschaften in den drei Hauptachsen unterschiedlich sind.

Das Mineral ist unlöslich in Wasser und verdünnter Schwefelsäure (H2SO4), jedoch leicht löslich in verdünnter Salpetersäure (HNO3).

Bildung und Fundorte

Nadeliger Devillin aus Staré Hory, Špania Dolina (Herrengrund, Úrvölgy), Slowakei
Devillin (grün) mit Wulfenit (orange) und Serpierit (weiß) aus der Tsumeb Mine in Namibia

Devillin ist ein Sekundärmineral, das in der Oxidationszone von Kupfersulfiden vorkommt. Da es durch Oxidation mit Luftsauerstoff entsteht, kann es auch auf Halden als sekundäres Mineral gebildet werden. Begleitminerale sind unter anderem Antlerit, Azurit, Brochantit, Gips, Langit, Linarit, Malachit und Posnjakit.

Devillin gehört zu den eher selten vorkommenden Mineralen, kann also an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein, ist aber insgesamt wenig verbreitet. Bisher (Stand: 2011) wurden rund 300 Fundorte registriert. Neben seiner Typlokalität Cornwall trat das Mineral im Vereinigten Königreich (Großbritannien) noch in den Regionen Cumbria, Devon, Shropshire und Staffordshire in England; bei Wanlockhead in Schottland sowie in den walisischen Regionen Ceredigion, Gwynedd und Powys auf.

Erwähnenswert aufgrund außergewöhnlicher Devillinfunde ist unter anderem die Region Špania Dolina (Herrengrund, Úrvölgy) in der Slowakei, aus der auch die bisher besten Exemplare an Kristallrosetten mit einem Durchmesser von bis zu einem Zentimeter kommen.

In Deutschland fand sich Devillin bisher vor allem im Schwarzwald in Baden-Württemberg, im bayerischen Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald, bei Frankfurt und Richelsdorf in Hessen, im Harz von Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt, im Niederbergischen Land, Sauerland und Siegerland in Nordrhein-Westfalen, in der Eifel und im Lahntal, am Hunsrück, bei Imsbach und bei Rheinbreitbach in Rheinland-Pfalz, im Erzgebirge und der Oberlausitz in Sachsen, auf Helgoland in Schleswig-Holstein sowie bei Greiz, Ilfeld und der ehemaligen Absetzerhalde bei Ronneburg in Thüringen.

Auch in Gesteinsproben vom Mittelatlantischen Rücken konnte Devillin nachgewiesen werden.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Belgien, Kanada, Chile, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Japan, Kasachstan, der Demokratischen Republik Kongo, Marokko, Mexiko, Namibia, Neuseeland, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der Schweiz, Spanien, Tschechien, Ungarn und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).

Siehe auch

Literatur

Commons: Devilline – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: September 2026. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, September 2026, abgerufen am 28. September 2026 (englisch).
  2. ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 28. September 2026]).
  3. 1 2 3 4 Devillin. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 28. September 2026.
  4. 1 2 3 4 5 6 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 402 (englisch).
  5. ↑ David Barthelmy: Devilline Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 28. September 2026 (englisch).
  6. 1 2 3 4 5 6 7 8 Devilline. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 55 kB; abgerufen am 28. September 2026]).
  7. 1 2 Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  8. 1 2 3 4 5 6 Devilline. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 28. September 2026 (englisch).
  9. ↑ Félix Pisani: Sur une nouvelle espece minérale du Cornouailles, la devilline. In: Comptes Rendus Hebdomadaires des Séances de l’Académie des Sciences. Band 59, S. 813–814 (französisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 7. August 2024 im Internet Archive) [PDF; 337 kB; abgerufen am 28. September 2026]).
  10. ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  11. ↑ Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S. 646 (englisch).
  12. ↑ Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 149.
  13. 1 2 Fundortliste für Devillin beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 28. September 2026.