Louis du Rieux

Philippe Louis Ferdinand du Rieux (eigentlich Durieux, * 26. Mai 1824 in Stettin; † nach 1862) war ein deutscher Dichter und Weltreisender.

Leben

Louis du Rieux stammt aus einer traditionsreichen Hugenotten-Familie und war das einzige Kind eines wohlhabenden Kaufmanns. Schon früh interessierte er sich für Musik sowie für zahlreiche Wissenschaften und studierte von 1849 bis 1851 Philosophie an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. Am 19. Februar 1851 sandte er Robert Schumann in Düsseldorf sein vierteiliges Gedicht Märchenbilder, das den Komponisten wahrscheinlich zu seinem vierteiligen Zyklus Märchenbilder für Klavier und Viola op. 113 anregte, der kurz darauf entstand. Schumann antwortete auf den Brief, er wünsche weitere Dichtungen von Louis du Rieux. Woldemar Bargiel, der in Berlin lebende Halbbruder von Clara Schumann, schrieb dieser am 7. März:

„Den Brief Deines Mannes habe ich richtig abgegeben. Herr Louis de [sic] Rieux, ein junger Mann, bald in Berlin, Paris, Neapel und anderen grossen Städten sich aufhaltend, ist Naturforscher, Poet, Schriftsteller und Musikästhetiker in einer Person. Er schreibt viel, veröffentlicht aber nichts. Kennt Schumanns sämtliche Sachen und interessiert sich überhaupt für alles Bedeutende in Kunst und Wissenschaft. Ich habe bei der Gelegenheit seine Bekanntschaft gemacht und wünschte sehr, sie fortzusetzen.“

Kurz darauf reiste er nach London, wo er Theodor Fontane begegnete und 1852 seine Dichtung Aus den Bergen veröffentlichte. Im Hause des Geographen August Petermann (1822–1878) lernte er dort auch den Afrika-Forscher Eduard Vogel (1829–1856) kennen, dem er später, als Vogel bereits als verschollen galt, einen sehr persönlich gehaltenen Aufsatz widmete.

1853 unternahm er als einer der ersten Europäer eine ausgedehnte Exkursion durch Guatemala, wo er mit dem damaligen Präsidenten des Landes, General Rafael Carrera zusammentraf. Vermutlich bereiste er später auch die USA, zu deren politischen und geographischen Problemen er sich teilweise sehr detailliert äußerte. So gehörte er zu den Autoren der am 1. Juni 1856 für den preußischen Außenminister Otto Theodor von Manteuffel verfassten Denkschrift Mémorial über die zwischen England und den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika mit Rücksicht auf Centro-Amerika in Folge des Clayton-Bulwer-Vertrages schwebenden Streitigkeiten, auf der am 15. Juni Ergänzungen von Louis du Rieux angebracht wurden. In Aufsätzen über seine Reisen bekannte er sich zu seinem Vorbild Alexander von Humboldt und kritisierte die Sklaverei in den Südstaaten der USA.

Von 1854 bis 1857 war er Mitarbeiter der Berliner „Centralstelle für Preßangelegenheiten“, einer Zensurbehörde, in der zur selben Zeit auch Fontane angestellt war. Für 1860 ist eine Reise nach Russland belegt. Am 24. Juni 1861 wurde Louis du Rieux mit der Berufsbezeichnung „Schriftsteller“ in die Französische Gemeinde in Berlin aufgenommen; 1862 verliert sich seine Spur.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Eberhard Möller (Hrsg.): Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit der Familie Bargiel (= Schumann-Briefedition, Serie I, Band 3). Dohr, Köln 2011, S. 250.
  2. ↑ Enno Eimers: Preußen und die USA 1850 bis 1867. Transatlantische Wechselwirkungen (= Quellen und Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, Band 28). Duncker und Humblot, Berlin 2004, S. 160 und 299–300. Der Autor bemerkt irrtümlich: „Ein Louis du Rieux ist um 1856 in Berlin nicht nachweisbar.“
Personendaten
NAME Du Rieux, Louis
ALTERNATIVNAMEN Durieux, Louis; Rieux, Louis Napoléon du
KURZBESCHREIBUNG deutscher Dichter und Weltreisender
GEBURTSDATUM 26. Mai 1824
GEBURTSORT Stettin
STERBEDATUM nach 1861