Entrée zur Ortsmitte an der Beethovenstraße beim Bürgerhaus
Entrée zur Ortsmitte an der Beethovenstraße beim Bürgerhaus
Dudweiler in Gelbfärbung (Nordosten innerhalb Saarbrückens)
Dudweiler ist seit dem 1. Januar 1974 ein Bezirk der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken und hat 27.664 Einwohner (Stand 1. Oktober 2024) auf einer Fläche von 1.670 Hektar. Zu Dudweiler gehören die Ortsteile Jägersfreude, Herrensohr und Scheidt. Vor der Eingemeindung im Jahre 1974 nach Saarbrücken war Dudweiler mit knapp 30.000 Einwohnern die größte selbstständige Stadt des Saarlandes.
Geographie
Geographische Lage
Dudweiler liegt im Sulzbachtal zwischen der Saarbrücker Innenstadt (St. Johann) und der Stadt Sulzbach/Saar. Dudweiler liegt an der Nahetalbahn und wird durch die Linie RB73 Saarbrücken – Neubrücke(Nahe) bedient.
Denkmal für die ehemaligen Dudweiler Steinkohlenbergwerke
Auf dem Gebiet des heutigen Dudweiler wurden etliche stein-, bronze- und eisenzeitliche Funde gemacht. Aus der Keltenzeit stammen zwei Hügelgräber in der Nähe des Dreibannsteins. Überreste eines römischen Tempels fanden sich auf dem Alten Büchel. Die Grühlingsstraße, heute die Autobahn A 623, führt zum Teil über die Trasse einer Römerstraße.
Im Jahr 977 wird Dudweiler erstmals urkundlich erwähnt: Kaiser Otto II. bestätigte dem Nonnenkloster St. Peter in Metz den Besitz der Kapelle in Duodonisvillare (Weiler des Dudo). Dudo wird vielfach als fränkischerEdelmann beschrieben, der hier ein Landgut betrieb. Diese Auffassung ist allerdings umstritten und durch nichts bewiesen. Vielmehr gibt es starke Indizien, dass der Namenspatron Herzog Liudolf (Schwaben) gewesen sein könnte. Er war der Halbbruder von Kaiser Otto II. und wurde auch Dudo genannt.
1542 hatte Dudweiler nur 23 Haushalte, also etwa 150 Einwohner. Im Nebenerwerb wurde bereits nach Kohlen gegraben, doch blieb der kleinbäuerliche Charakter des Dorfes die nächsten zweihundert Jahre erhalten. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gewann der Steinkohlenbergbau immer mehr an Bedeutung. Der sogenannte Nassauer Hof in der Saarbrücker Straße war Mitte des 19. Jahrhunderts für einige Jahre Sitz eines preußischen Bergamtes. Durch den Zuzug von Arbeitskräften in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Dudweiler rasant.
Noch 1950 standen drei Steinkohlenbergwerke in voller Blüte. Das Ende des Bergbaus markierte die Schließung des, nun auf Quierschieder Bann gelegenen, Bergwerkes Camphausen im Jahre 1990. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1944 hatte Dudweiler eine eigene, parteilose Zeitung, die Dudweiler Zeitung.
Um 1960 wurde Dudweiler mit seinen damals 29.000 Einwohnern innerhalb der Region als „das größte Dorf Europas“ bezeichnet. Am 12. September 1962 erhielt Dudweiler die Stadtrechte.
Am 1. Januar 1974 führte die saarländische Gebiets- und Verwaltungsreform zum Verlust der Selbstständigkeit und zur Zwangseingemeindung in die Landeshauptstadt Saarbrücken. Allerdings behielt Dudweiler als einziger Stadtbezirk den Sonderstatus eines hauptamtlichen Bezirksbürgermeisters. Mit 35:26 Stimmen stimmte der Saarbrücker Stadtrat am 29. Januar 2013 für die Abschaffung dieses Postens. Dadurch sollten ab Ende 2014 acht Stellen wegfallen und über 700.000 Euro eingespart werden. Am 1. Juli 2014 wurde Dudweiler ein normaler Stadtbezirk Saarbrückens ohne eigene Verwaltung.
Eine Vielzahl unterschiedlichster Handwerksbetriebe und Dienstleistungsunternehmen prägen heute die Wirtschaft. Echte Industriearbeitsplätze sind nur noch relativ wenige vorhanden. Eine Fußgängerzone befindet sich in der Ortsmitte. Die Nähe zum Campus der Universität des Saarlandes im Saarbrücker Stadtwald macht Dudweiler für die Studentenschaft zu einem beliebten Wohnsitz.
Einwohnerentwicklung von Dudweiler
Jahr
Einwohner
1961*
28.854
1970*
27.659
1974*
29.727
1990*
25.909
2008*
24.067
2014*
23.590
2020
27.380
*ohne Scheidt
Die Zahl von 1974 beinhaltet 1.192 Einwohner aus dem Teil von Jägersfreude, der früher schon zu Saarbrücken gehörte. Die anderen setzten sich wie folgt zusammen:
Zur korrekten Bewertung der Bevölkerungsentwicklung muss man wissen, dass die Zahlen vor 1990 die Einwohner mit Nebenwohnsitzen beinhalten, ab 1990 wurden nur noch die Hauptwohnsitze in der Statistik erfasst. Von 1990 bis 2017 hat Dudweiler ein Einwohnerminus von 9,3%.
Politik
Stadtbezirk Dudweiler
Im Rahmen der Gebietsreform zum 1. Januar 1974 wurde aus Dudweiler (einschließlich seiner Ortsteile Herrensohr und Jägersfreude), dem vorher schon zu Saarbrücken gehörenden Teil von Jägersfreude und der ehemals selbständigen Gemeinde Scheidt der Stadtbezirk Dudweiler als neue Verwaltungseinheit der Stadt Saarbrücken gebildet.
Als Besonderheit erhielt der Stadtbezirk Dudweiler 1974 eine eigene Bezirksverwaltung und einen hauptamtlichen Bezirksbürgermeister. Zum 1. Juli 2014 wurde die Bezirksverwaltung Dudweiler aufgelöst. Dudweiler hat nunmehr den gleichen Status, wie die anderen Saarbrücker Stadtbezirke.
Der Bezirksrat Dudweiler ist das untere kommunalpolitische Gremium mit 21 gewählten, stimmberechtigten Mitgliedern. Er wählt aus seiner Mitte den ehrenamtlichen Bezirksbürgermeister.
In seiner konstituierenden Sitzung am 11. Juli 2024 wurde Karin Altmeyer (SPD) zur neuen Bezirksbürgermeisterin gewählt. Der Bezirksbeigeordnete und somit ihr Stellvertreter ist Ralf-Peter Fritz (CDU).
Die Bezirksratswahlen vom 9. April 2024 brachten folgendes Ergebnis und folgende Sitzverteilung:
12. Mai – 30. Juni 1945: Friedrich Müller (mit der Verwaltung beauftragt)
1. Juli 1945 – April 1946: August Hey
27. Mai – 22. Sept. 1946: Ernst Richard Rauch
1946 – 1949: August Rech
1949 – 1956: Johann Pitz
1956 – 1966: Hermann Mühlenberg
1966 – 1973: Adolf Barth
Bezirksbürgermeister – Hauptamtlich
1974 – 1993: Hermann Schon
1993 – 2006: Heinz Schmidt
2006 – 2014: Walter Rodermann
Bezirksbürgermeister – Ehrenamtlich
2014 – 2019: Reiner Schwarz
2019 – 2024: Ralf-Peter Fritz
2024 – 2025: Karin Altmeyer
seit 2025: Ralf-Peter Fritz
Wirtschaft und Infrastruktur
Arbeitsmarkt
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Geschlecht und Personengruppen Bezirk 3 Dudweiler am 30. Juni 2021
insgesamt
Männer
Frauen
Deutsche
Nicht-Deutsche
absolut
Veränderung gegenüber Vorjahr
absolut
in% der Bev.
absolut
in% der Bev.
absolut
in% der Bev.
absolut
in% der Bev.
absolut
%
in% der Bev.
9.550
117
1,2
53,9
5.197
56,9
4.353
50,8
8.059
59,3
1.491
36,2
Quelle:
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Bezirk 3 Dudweiler nach Alter und Berufsabschluss und ausschließlich geringfügig Beschäftigte am Wohnort am 30. Juni 2021
insgesamt
unter 25
55 und älter
ohne Berufsabschluss
mit Berufsabschluss
mit akademischem Abschluss
ausschließlich geringfügig Beschäftigtige
absolut
in% der Bev.
absolut
in% der Bev.
absolut
in% der Bev.
absolut
in% der Bev.
absolut
in% der Bev.
absolut
in% der Bev.
absolut
in% der Bev.
9.550
53,9
998
34,1
2.325
52,3
1.433
15
5.461
57,2
1.943
20,3
1.607
9,1
Quelle::
Arbeitslose 2021 im Bezirk 3 Dudweiler nach den Rechtskreisen SGB II und SGB III (Jahresdurchschnitt) am 30. Juni 2021 (absolut)
Alter Turm auf dem Schulhof der Turmschule, ein ehemaliger Kirchturm aus dem 13./14. Jahrhundert, eines der ältesten niemals zerstörten Gebäude im Saarland
Gefallenen-Ehrenmal an der Saarbrücker Straße, 1926 von Architekt Heinrich Otto und Bildhauer Kühn, Widmung nach 1945 auf die Opfer beider Weltkriege erweitert
Das Krankenhaus St. Josef der cts-Schwestern v. Hl. Geist gGmbH in der Klosterstraße wurde 1899 eröffnet. Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich ein überregionales Gesundheitszentrum. Zusammen mit der Klinik St. Theresia (Saarbrücken Rastpfuhl) bildet St. Josef heute das CaritasKlinikum Saarbrücken als Verbundkrankenhaus mit zwei Standorten. Die Klinik wird von den Einheimischen nur „Kloster“ genannt. Am 19. März 2019 wurde allerdings nach 152 Jahren der Konvent Dudweiler der „Schwestern vom Heiligen Geist“ aufgelöst, da die Anzahl der Schwestern immer weniger wurde.
Im September 2022 wurde durch den Träger cts entschieden, dass die Innere Medizin mit Zentraler Notaufnahme und Intensivstation, die Chirurgische Abteilung mit Allgemein- und Unfallchirurgie und die jeweiligen Ambulanzen an den Standort St. Theresia (Saarbrücken) verlagert werden sollten.
Am Standort St. Josef sollte nach den Plänen von cts eine Fachklinik mit operativer und konservativer Orthopädie, Schmerzklinik und Psychosomatik verbleiben.
Um die Notfallversorgung im Stadtteil Dudweiler sicherzustellen, planten die Verantwortlichen des CaritasKlinikums, den Notarztstandort in Dudweiler wie zuvor in eigener Besetzung mit qualifizierten Notfallmedizinern aufrechtzuerhalten.
Der Löschbezirk Dudweiler wurde 1869 gegründet und verteilt sich mit den Ausrückebereiche Dudweiler-Mitte und Herrensohr/Jägersfreude auf drei Feuerwehrhäuser. Die Schwerpunkte des Ausrückbereiches Dudweiler-Mitte liegen auf der Menschenrettung, der Brandbekämpfung, der technischen Hilfeleistung und der Dekontamination im ABC-Einsatz. Schwerpunkte des Ausrückebereiches Herrensohr/Jägersfreude sind Menschenrettung, Brandbekämpfung, die Wasserförderung über lange Wegestrecken und die Waldbrandbekämpfung.
Fastnacht
Festausschuss Dudweiler Faasenacht (FDF)
Dudweiler Carneval Club e. V. (DCC)
Geisekippcher Buwe unn Määde e. V.
Heimat- und Kulturverein Dudweiler-Nord 1970 e. V. (HKV)
Große Dudweiler Karnevalsgesellschaft Grüne Nelke e. V.
Hilmar Jaschek (* 1936), Ingenieur, ab 1975 ordentlicher Professor für Systemtheorie der Elektrotechnik in Saarbrücken.
Jochen Schlobach (1938–2003), Romanist und Literaturwissenschaftler in Saarbrücken, lebte in Dudweiler
Literatur
Albert Ruppersberg: Geschichte der Gemeinde Dudweiler., EA 1923 Nachdruck 1980
1000 Jahre Dudweiler 977–1977. Saarbrücker Zeitung Verlag. Saarbrücken 1977.
Rudolf Saam/Gottfried Schabert: Die Mühlen und Ziegeleien auf dem Dudweiler Bann" Band 1, Dudweiler Geschichtswerkstatt, 1989
Karl Heinz Ruth: „Dudweiler und seine Steinkohlengruben“ – Erstes Kohlengraben an der Saar. Jahrbuch zum Saarbrücker Bergmannskalender 1996, Seite 111–118.
Thomas Strauch: Wer war Dudo?. Monatszeitschrift „Vor Ort in Dudweiler“, September 2007, ab Seite 6.
Thomas Strauch: Die Pfarrei St. Barbara Dudweiler und ihre Bergkirche. Monatszeitschrift „Vor Ort in Dudweiler“, Dez. 2008, S. 18 f.
Charly Lehnert: de Freggerd. Erzählungen aus den 1950er Jahren in Dudweiler, Lehnert Verlag, 1997
↑Dudweiler verliert seinen Sonderstatus, Saarbrücker Zeitung, 30. Januar 2013, S. B1
↑2000 – Heute.In:Dudweiler Geschichtswerkstatt.Roland Stephan,abgerufen am 10.Dezember 2018.
↑Wohnbevölkerung nach Stadtteilen (alte Gebietsgliederung) 1895–1979. Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung 1990–2017. LHS Saarbrücken, Amt für Entwicklungsplanung, Statistik und Wahlen vom 26. Oktober 2018.