Durst

Durst (Gemälde von William-Adolphe Bouguereau, 1886)

Durst ist ein Signal des gesunden Körpers, das bei einem Flüssigkeitsdefizit oder bei einem Salzüberschuss verspürt wird. Es meldet damit ein existentielles Bedürfnis. Ihm folgt im Regelfall die Handlungsbereitschaft, zu trinken, um damit das Bedürfnis zu stillen. Mit entsprechender Flüssigkeitszufuhr wird eine Austrocknung verhindert.

Etymologie

Durst heißt auf Lateinisch sitis. Im Lateinischen bedeutet torrere soviel wie rüsten, rösten und dörren.

„Das gemeingermanische Substantiv mittelhochdeutsch und althochdeutsch durst, gotisch daurstei, englisch thirst, schwedisch törst gehört zu der unter dürr dargestellten Wortsippe und bedeutet demnach urspünglich »Trockenheit [in der Kehle]«. Es steht neben dem altgermanischen Verb dürsten.“

„Da beide Bildungen (Substantiv und Adjektiv) gleich naheliegen, lässt sich eine sichere morphologische Entscheidung nicht treffen; doch gehören die Wörter auf jeden Fall zu indogermanisch ters [mit der Bedeutung] trocknen, dorren. Im Altgriechischen térsomai [mit der Bedeutung] ich werde trocken, lateinisch torrere dorren.“

Im Mittelhochdeutschen bedeuteten dürrunge vertrocknet und durstebernde durstig machend.

Im Althochdeutschen bedeuteten thurri, durri, durre soviel wie dürr, trocken, wüst, vertrocknet, thurst, thust, durst, turst Durst oder Dürre und thurstag, durstac, dursdag, durstig, dursteg, tursteg, turstic durstig.

Flüssigkeitsbedarf

Der tägliche Flüssigkeitsbedarf eines Menschen hängt von seinem Volumenhaushalt ab. Bei Erwachsenen beträgt der tägliche Bedarf je nach Lebensalter zwischen 2,25 bis 2,7 Liter. Davon wird ein Teil über die Nahrung aufgenommen. Empfohlen wird derzeit häufig eine tägliche Trinkmenge von etwa 1,5 Litern, die aber abhängig von individuellen Bedingungen schwanken kann (Wetterlage, physische Anstrengung etc.).

Physiologie

Durstlöschen bei Arbeit in der Sonne (Facharbeiter für Straßenbautechnik in Dresden 1973)

Der Körper verliert durch die normalen Ausscheidungsfunktionen, die Atmung, Verdunstung und Schwitzen regelmäßig Flüssigkeit. Bei körperlicher Anstrengung, Fieber, bestimmten Krankheiten oder durch akuten Blutverlust erhöht sich der Flüssigkeitsverlust entsprechend. Durst tritt dann auf, wenn diese Verluste nicht ausreichend ausgeglichen werden, z. B. bei fehlender Flüssigkeitszufuhr oder wenn ernährungs- bzw. erkrankungsbedingt ein Salzüberschuss besteht. Sinkt der Wasseranteil im Körper um circa 0,5 %, wird dies im Gehirn (von Osmorezeptoren im Nucleus supraopticus des Hypothalamus und von Durstrezeptoren in der Lamina terminalis im Vorderhirn) registriert und das Verlangen nach Flüssigkeit ausgelöst.

Ab einem Verlust von circa 10 % Flüssigkeit wird weniger Speichel produziert; es kommt zu einem Trockenheitsgefühl im Mund und zu Sprachstörungen.

Ein weiterer Flüssigkeitsverlust wird durch Produktion des Antidiuretischen Hormons (ADH bzw. Vasopressin) weitgehend eingeschränkt, da es – ausgeschüttet in der Neurohypophyse – die Wasserrückresorption in der Niere steigert. In der Niere befinden sich ebenfalls Osmorezeptoren, welche über das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System wirken, wodurch die Nebennierenrinde vermehrt das Hormon Aldosteron ausschüttet. Auch dieses steigert die Wasserrückresorption durch gesteigerte Na+-Rückresorption.

Da es nach erfolgter Flüssigkeitsaufnahme mehrere dutzend Minuten bis zur tatsächlichen Resorption der Flüssigkeit in den Kreislauf dauert, erfolgt nach dem vorläufigen Stand der Forschung die Durstlöschung mittels zweier neuronaler Phasen: eine "präabsorptive" Phase, welches basierend auf Sinnesreizen von Mund, Rachen, Speiseröhre und oberem Gastrointestinaltrakt die aufgenommene Flüssigkeitsmenge abschätzt und die sofortige Durstlöschung signalisiert, und eine langsamer reagierende "postabsorptive" Phase, welche analog zum Durstmechanismus auf Blutvolumen und osmotische Zusammensetzung reagiert, und bei ausreichendem Flüssigkeitshaushalt oder gar Flüssigkeitsüberschuss den Durst unterdrückt.

Durst bei älteren Personen

Das körpereigene Durstgefühl nimmt ab dem 50. Lebensjahr mit zunehmendem Alter ab. Dadurch entsteht ein höheres Risiko für Dehydratation. Mehrere Studien haben gezeigt, dass ältere Menschen niedrigere Gesamtwasserfassungen als jüngere Erwachsene haben, und dies sei besonders bei Frauen der Fall.

Durstgefühl

Der Begriff Durstgefühl ist ein Pleonasmus, der verdeutlichen soll, dass ein Gefühl gemeint ist, dem nicht zwingend die Handlung des Trinkens folgt. Das Fehlen des Durstgefühls wird als Adipsie bezeichnet. Ein gesteigertes Durstgefühl wird als Polydipsie bezeichnet.

1999 wurde das Kunstwort sitt erfunden, das analog zu satt den gestillten Durst bezeichnen sollte. Es hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch aber nicht durchgesetzt.

Geschichte

Schon im Alten Testament kommt dreimal das Wort Durst vor. „Sie geben mir Essig in meinem großen Durst.“ „nicht Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort“ und „werden die Jünglinge verschmachten vor Durst“. Im Neuen Testament wird der Durst zweimal erwähnt: „Bis auf diese Stunde leiden wir Hunger und Durst.“ und „in Hunger und Durst, in viel Fasten.“

Siehe auch

Wikiquote: Durst – Zitate
Wiktionary: Durst – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Duden: Das Herkunftswörterbuch. Der Duden in zwölf Bänden, 4. Auflage, Nummer 7, Dudenverlag, Mannheim / Zürich 2007, Bibliographisches Institut, ISBN 978-3-411-04074-2, S. 167.
  2. ↑ Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25. Auflage, Walter de Gruyter Verlag, Berlin / Boston 2011, ISBN 978-3-11-022364-4, S. 224.
  3. ↑ Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. 38. Auflage, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-7776-0493-3, S. 381.
  4. ↑ Rudolf Schützeichel: Althochdeutsches Wörterbuch. 5. Auflage, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1995, ISBN 3-484-10637-9, S. 116.
  5. ↑ Dagmar Wiederhold: PflegeFakten. Entscheidungshilfen, Übersichten, Normwerte. Urban & Fischer Verlag/Elsevier, München 2009, S. 214. ISBN 978-3-437-31905-1. Referenzwerte der D-A-CH-Gesellschaften für Ernährung bzw. Ernährungsforschung (2000).
  6. ↑ Mechthild Hoehl, Simone Jochum, Christoph Sebastian Nies, Ricki Nusser-Müller-Busch, Franz Sitzmann, Thomas Werschmöller: ATL Essen und Trinken. In: Susanne Schewior-Popp, Franz Sitzmann, Lothar Ullrich (Hrsg.): Thiemes Pflege. Das Lehrbuch für Pflegende in Ausbildung. 11. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York 2009, ISBN 978-3-13-500011-4, Kapitel 12, S. 346 ff., hier S. 352. - ATL steht in der Pflegewissenschaft für Aktivitäten des täglichen Lebens.
  7. ↑ Vineet Augustine, Sangjun Lee, Yuki Oka: Neural Control and Modulation of Thirst, Sodium Appetite, and Hunger. In: Cell. Band 180, Nr. 1, 2020, doi:10.1016/j.cell.2019.11.040.
  8. ↑ Philip J. Ryan: The neurocircuitry of fluid satiation. In: Physiological Reports. 6. Jahrgang, Nr. 12, 2018, S. e13744, doi:10.14814/phy2.13744, PMID 29932494, PMC 6014472 (freier Volltext) – (englisch).
  9. ↑ L. C. Fish, Kenneth L. Minaker, John W. Rowe: Altered thirst threshold during hypertonic stress in aging men. In: The Gerontologist. Band 25, 1985, S. A 118 – A 119.
  10. ↑ Monique Ferry, Isabelle Hininger-Favier, B. Sidobre, M. F. Mathey: Food and fluid intake of the SENECA population residing in Romans, France. In: The Journal of Nutrition, Health & Aging. Band 5, Nr. 4, 2001, S. 235–237. PMID 11753484. - Seneca ist die Abkürzung von Survey in Europe on Nutrition and the Elderly: A Concerted Action.
  11. ↑ Manfred Winter: Sitt und satt! (PDF; 194 kB) Interaktiv, März 2000; abgerufen am 11. Oktober 2019
  12. ↑ Buch der Psalmen, Psalm 69, Vers 22.
  13. ↑ Buch Amos, Kapitel 8, Vers 11.
  14. ↑ Buch Amos, Kapitel 8, Vers 13.
  15. ↑ 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 4, Vers 11.
  16. ↑ 2. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 11, Vers 27.