
Edward „Ed“ Joseph Ruscha (gesprochen [ruːˈʃeɪ]; * 16. Dezember 1937 in Omaha, Nebraska), genannt Ed Ruscha, ist ein US-amerikanischer Konzeptkünstler, der mit der Pop Art verbunden wird. Bekannt wurde er vor allem durch seine Malerei und Druckgrafik, in der Schrift eine zentrale Rolle spielt, und einer Reihe von 16 Künstlerbüchern mit seriellen Fotografien, die er zwischen 1963 und 1978 publizierte.
Edward „Ed“ Ruscha wurde 1937 gin Omaha, Nebraska, geboren, verbrachte aber über 15 Jahre in Oklahoma City, bevor er ab 1956 das Chouinard Art Institute in Los Angeles besuchte. Er lernte Satz und Druck und arbeitete in der Werbung, dann, nach sieben Monaten mit der Mutter und seinem Bruder in Europa, zwei Jahre Layout für das einflussreiche Kunstmagazin Artforum unter dem Pseudonym „Eddie Russia“, bevor er sich endgültig für die Kunst entschied. Zunächst beeindruckt vom dominierenden Abstrakten Expressionismus eines Willem de Kooning oder Franz Kline, bald auch interessiert an Dada, entdeckte er in (einer Reproduktion von) Target with Four Faces von Jasper Johns (1955) die Verwendung von konkreten Ready-made-Elementen, die Abstraktes auszudrücken vermochten. Seiner eigene Erfahrung mit der Collage als Setzer und Layouter halfen ihm, dort mit seinen künstlerischen Gedanken anzusetzen.
Sein erstes Bild, in der Schrift zum zentralen Objekt wurde, war ein „word painting“ mit seinem Namen, E. Ruscha (1959), der bewusst in der Breite nicht auf die Leinwand passte: die Initiale des Vornamens steht in der linken oberen Ecke, dort, wo man zu lesen beginnt; in der unteren Hälfte stehen in ganzer Breite die ersten vier Buchstaben seines Nachnamens, die letzten zwei Buchstaben sind ergänzend, aber vertauscht darüber gesetzt, ein Pfeil weist auf sie hin. Durch die unterbrochene Schrift entsteht ein Kippbild zwischen abstraktem Wort (hier dem abgekürzten Namen) und der Schrift als Objekt. Large Trademark with Eight Spotlights („Großes Markenzeichen mit acht Scheinwerfern“, 1962) mit dem Logo des Filmstudios 20th Century Fox führte die dreidimensionale Schrift in sein Werk ein. Bald bestand die Typografie der meist klischeehaften Wörter und Slogans in seinen Bildern aus illusionistisch gemalten Tropfen und Schleifen, wie etwa Annie, Poured from Maple Syrup („‚Annie‘, aus Ahornsirup gegossen“) von 1966, in dem auf gelbem Grund der Name „Annie“ in trompe-l’œil mit dem typisch amerikanischen Frühstückszutat geschrieben wurde. Andere Arbeiten mit lautmalerischen Äußerungen wie „oof“ oder „wow“ setzte er suggestiv ein und provozierte ein fast körperlich zu spürendes (innerliche) Nachsprechen. 1962 fing er auch an mit verschiedenen Drucktechniken zu experimentieren, zuerst Lithografien, dann auch Radierung, Aquatinta und Siebdruck.
1963 begann er gänzlich entindividualisierte, ‚stillose‘ Serien von Fotografien als kleinformatige Hefte in Auflagen von 400 bis 2000 Exemplaren im Selbstverlag zu veröffentlichen. Der zum Werk gehörige Titel auf dem Umschlag beschrieb jeweils exakt, was in der Bildserie abgebildet war. Dabei entschied der gelernte Grafikdesigner beim ersten der sechzehn bis 1978 entstandenen Künstlerbücher, Twentysix Gasoline Stations („26 Tankstellen“), die drei Worte rot auf weiß von oben nach unten größer werden zu lassen, was in einfachster Form räumliche Tiefe und Bewegung suggeriert: die Fotos der Tankstellen lagen auf der Strecke zwischen Los Angeles und seiner Heimatstadt Oklahoma City. Every Building on the Sunset Strip („Jedes Gebäude auf dem Sunset Strip“) kam 1966 als Leporello heraus. Mit einer 35-mmm-Kleinbildkamera, die auf der Ladefläche eines Pickup-Trucks montiert war, fotografierte Ruscha die gesamte Randbebauung entlang des etwa zweieinhalb Kilometer langen Sunset Strip. Er reihte die Fotografien ineinander übergehend grob aneinander, je eine Straßenseite auf der Ober- und überkopf auf der Unterkante der über 7 Meter langen Akkordeonfaltung. Später baute er auch gezielt Brüche in das serielle Prinzip ein, wie bei Nine Swimming Pools and a Broken Glass („Neun Schwimmbecken und ein zerbrochenes Glas“, 1968).
Die distanziert sachliche Bildsprache war für Ruscha vor allem der amerikanische Dokumentarfotograf Walker Evans ein Vorbild. Doch soll er sagte er Walter Hopps gesagt haben: „Ich wollte ein Buch machen und ich ließ Fotografie als Medium zweitrangig sein, eine Ausrede für das Buch.“ Für den Kurator der einflussreichen Fotografieausstellung New Topographics 1975 im George Eastman House, Rochester, William Jenkins, war Ruscha ein Ausgangspunkt. Neben Stephen Shore und Lewis Baltz, die auch von Ruscha gelernt hatten, waren als einzige nicht aus den USA stammende Fotografen auch die Düsseldorfer Bernd und Hilla Becher beteiligt. Jenkins bereute später, Ruscha nicht beteiligt zu haben.
Nach 30 Jahren gestaltete er erneut eine Publikation, ein Update zu einer alten Fotoserie, diesmal in einem übergroßen Format von etwa 30 × 45 cm. 1973 hatte Ruscha den Hollywood Boulevard nach dem gleichen Prinzip fotografiert wie beim Sunset Strip. Mit einer motorgesteuerten Nikon F2 auf ein Auto montiert machte er auf insgesamt fast 20 Kilometern 4500 Schwarzweißaufnahmen von Nord- und Südseite der Straße. Damals nicht veröffentlicht, übernahm er für Then & Now. Hollywood Boulevard 1973–2004 die Bildreihung entlang der Seitenkanten. Diesmal jedoch begleitet von zwei weiteren Bändern in Farbe, die er diesmal aus (in 2003 aufgenommenen) 13.000 Kleinbildfotografien zusammensetzte, Das Buch wurde von Steidl in Göttingen herausgegeben.
Eine ganz andere Facette in Ruschas Arbeit mit Fotografie, in dem sein immer wieder erwähnte trockene Humor („deadpan humor“) Komplizen findet, war eine Kooperation mit Mason Williams und Patrick Blackwell. Royal Road Test von 1967 ist die Persiflage eines wissenschaftlichen Feldversuchs (‚am Sonntag, dem 21. August 1966 um 17:07 Uhr wurde eine Schreibmaschine des Typs „Royal“ aus einem fahrenden 1963er Buick LeSabre geworfen‘), dessen Spurensicherung in 36 Schwarzweißfotografien dokumentiert wird. Bis 1980 gab es vier Auflagen mit jeweils bis zu 2000 Exemplaren.
In der ersten Hälfte der 1970er Jahre experimentierte Ruscha mit Schießpulver und verschiedenen Gemüsesäften, die pastellige Bilder entstehen ließen. Eine Dekade später zeigten seine Bilder häufig Sonnenuntergänge in weiten Landschaften, wofür die Leinwand sich in die Breite dehnte. Dies schien auch der zeitlichen Dimension der Sprache zu entsprechen, wobei die Schrift den Fluchtpunkt der Landschaft aufhebt und die Perspektive quasi zu uns umkehrt und so flach und leer wird wie die Worte. Bei anderen Werken der 1980er Jahre, deren Bildraum abstrakter wird, nebulös, unscharf und monochrom, entstehen die Wörter „buchstäblich einfach aus der Abwesenheit von Farbpigment“, zum Beispiel in Those of Us, Who Have Double Parked („Jene unter uns, die in zweiter Reihe geparkt haben“), oder, wie in Drugs, Hardware, Barber, Video („Drogen, Werkzeuge, Barbier, Video“) von 1987, in dem weiße Balken in der Länge der Worte (im Verhältnis zueinander), diese dahinter vermuten lässt.
Die erste Ausstellung seiner Arbeiten in einer Gruppenshow fand 1962 im Pasadena Art Museum statt. Die Ausstellung New Paintings of Common Objects gilt zuweilen als das Gründungsereignis der Pop Art, mit der Ed Ruscha vor allem identifiziert wird. Eine weitere einflussreiche Show, an der Ruscha mit Werken vertreten war, fand 1969 im Museum Morsbroich in Leverkusen (in der Nähe der Kunststadt Köln) statt: Konzeption. Dokumentation einer heutigen Kunstrichtung wurde von Rolf Wedewer und Konrad Fischer kuratiert und zeigte eine ganze Riege für die folgenden Jahrzehnte bestimmende Künstler. Seine erste Einzelausstellung hatte Ruscha 1963 in der Ferus Gallery von Walter Hopps in Los Angeles. Neben vermehrten Einzelausstellungen lag der Themenkreis der Gruppenausstellungen, an denen er beteiligt war, in der Repräsentation als Pop-Art-Künstler, als zeitgenössischer Künstler der Westküste (versus New York), der USA, neuer Landschaftsdarstellung und auch der Schrift (Word and Image, 1965 im Guggenheim Museum, New York). Als Maler fand er dabei genauso Beachtung wie als Zeichner (American Drawings, 1964 im Guggenheim, New York, Contemporary American Drawings im texanischen Fort Worth Art Center 1969 und Mitte der Siebziger Jahre die Wanderausstellung des Arts Council of Great Britain, Prints and Publications 1962–74). Daneben fand er auch Anerkennung als Druckgrafiker und Drucker, auch bei den Institutionen in diesem handwerklichen Fachbereich. So war er vertreten auf der 4th Annual All California Print Exhibition and New Talent in Graphics der Los Angeles Printmaking Society, 17. und 18. Ausgabe der National Print Exhibition 1970 und ’71 im Brooklyn Museum, New York, und erhielt 1969 den Tamarind Lithography Workshop Fellowship des National Endowment for the Arts (mit Ausstellung) und 1989 den Achievement in Printmaking Award des Beirats für Grafische Kunst am Los Angeles County Museum of Art.
Seit 1972 wurde Ruscha vom Galeristen Leo Castelli in New York vertreten. Nach 25 Jahren fand die letzte Ausstellung 1997 in dessen Räumen statt, Castelli starb 1999. Die Gagosian Gallery hatte schon 1993 eine erste Show mit frühen Werken Ruschas gehabt (Romance with Liquids, Paintings 1966–1969), richtete auch eine Abschiedsausstellung für Castelli aus, und übernahm die Vermittlerrolle für Ruschas Werk.
1982 fand die erste Retrospektive seine Werks im San Francisco Museum of Modern Art statt, die auch in New York am Whitney Museum of American Art, im kanadischen Vancouver, in San Antonio, Texas, und in Los Angeles County Museum of Art gezeigt wurde. Das Museum of Contemporary Art in Chicago richtete eine weitere Show 1988 aus, als auch in Japan erstmals seine Arbeiten vorgestellt wurden. In Frankreich folgte 1989 das Musée National d’Art Moderne im Pariser Centre Georges-Pompidou, deren Ausstellung durch Europa nach Rotterdam, Barcelona und London zog, und schließlich in Los Angeles gezeigt wurde. An der Biennale in Venedig nahm er 1970 bei 35., 1976 bei der 37. in der Gruppenausstellung Critical Perspectives in American Art, die vom Fine Arts Center Gallery der University of Massachusetts Amherst übernommen wurde, 1995 und 2005 teil, zuletzt mit Course of Empire im Pavillon der Vereinigten Staaten bei der 51. Ausgabe.
In Deutschland was es zuerst Rudolf Zwirner, der ihn 1968 in seiner Galerie in Köln zeigte, das zu dieser Zeit ein Zentrum der Kunst wurde (der Kölner Kunstmarkt, Vorläufer der Art Cologne, fand erstmals 1967 statt). Harald Szeemann wählte Werke Ruschas für die Documenta 5 1972 aus. 1973 war dann Ursula Wevers die nächste, die Ruscha wiederum in Köln zeigte, deren Kooperation mit Rolf Ricke zu zwei Ausstellungen 1975 und 1978 in seiner Kölner Galerie führte. Der Westfälische Kunstverein in Münster war die erste Institution, die eine größere Auswahl seiner Werke in Deutschland vorstellte, bevor schließlich im Jahr 2000 eine Retrospektive im Kunstmuseum Wolfsburg stattfand, die vom Hirshhorn Museum in Washington organisiert war.
Anlässlich von Ausstellungen werden durch die Institutionen häufig Arbeiten für die eigene Sammlung angekauft, oder Ausstellungen zeigen neue Anschaffungen und deren erste Einordnung in die Sammlung wie in das Werk eines Künstlers. Das Getty Research Institute) in Los Angeles war in der Lage Ruschas Fotoarchiv der Straßen in Los Angeles anzukaufen und präsentierte nach dem Erwerb eines Konvuluts sogenannter Vintage Prints 2013 im Getty Museum ihren Bestand des fotografischen Werks Ed Ruschas in der Ausstellung In Focus (als Teil der kooperativen Getty-Initiative Pacific Standard Time Presents: Modern Architecture in L.A. Das Straßenarchiv beinhaltet bisher unveröffentlichte Bildserien nach dem Prinzip des Sunset Strip von Boulevards wie Wilshire, Sepulveda und des oben genannten Hollywood Boulevards und auch kleineren Straßen in Chinatown, Silver Lake und anderen Vierteln, denen er sich später zuwendete. Mehr als 40 solcher Serien zu einzelnen Straßen mit über eine Million Aufnahmen machte Ruscha bis heute.
Ed Ruscha war von 1962 bis 1972 mit Danna Knege verheiratet. Sie trennten sich und heirateten 1987 noch einmal. Sie haben zwei Kinder, Edward „Eddie“ Ruscha Jr. und Sonny Bjornson. In den späten 1970er Jahren kaufte er Land in der Nähe von Pioneertown in Kalifornien, wo er später sein Haus baute.
2001 wurde Ruscha zum Mitglied der American Academy of Arts and Letters, 2004 zum Ehrenmitglied der Royal Academy of Arts in London sowie zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences gewählt. Neben einer Vielzahl nationaler und internationaler Auszeichnungen erhielt Ed Ruscha aus Deutschland am 2. September 2006 den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) im Museum Ludwig in Köln verliehen. 2014 wurde Edward Ruscha in New York zum Mitglied (NA) der National Academy of Design gewählt.
Die Auswahl soll in etwa die zunehmende Bekanntschaft mit Ruschas Werk in den USA und international aufzeigen.
Eine chronologische Übersicht aller Gemälde von Edward Ruscha wird seit 2004 in einem inzwischen sieben Bände umfassenden Catalogue raisonné veröffentlicht. Sein gesamtes gedrucktes Werk wurde 1999 vom Walker Art Center in zwei Bänden herausgegeben.

Ruscha verfasste in der Zeit von 1963 bis 1978 sechzehn Künstlerbücher:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ruscha, Edward |
| ALTERNATIVNAMEN | Ruscha, Ed; Ruscha, Edward Joseph |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Künstler |
| GEBURTSDATUM | 16. Dezember 1937 |
| GEBURTSORT | Omaha, Nebraska |