Ehrenpreis (Veronica) ist eine Pflanzengattung, die nach molekularbiologischen Untersuchungen zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae) gezählt wird. Mit bis zu 450 Arten ist die Gattung Veronica sehr artenreich. Auch in Mitteleuropa kommen zahlreiche Arten vor.
Etymologie
Der deutschsprachige Gattungsname Ehrenpreis ist seit dem 15. Jahrhundert (im Schwyzer Arzneibuch) belegt und rührt von der historischen Wertschätzung des Wald-Ehrenpreises (Veronica officinalis) in der Naturheilkunde her.
Beschreibung
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Ehrenpreis-Arten sind einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen (etwa 250 Arten). Die früher zur Gattung Hebe gestellten Arten sind strauchig oder sogar baumförmig (etwa 250 Arten). Alles in allem sind es aber meistens „kleinwüchsige“ Pflanzen mit kriechenden oder aufsteigenden Stängeln.
Die gegenständigen Laubblätter sind kurz gestielt oder sitzend.
Die meist relativ kleinen Blüten sind durch Wegfall eines Kelchblattes (bei manchen Arten Wiederauftreten eines kleineren fünften Kelchblattes) bzw. Verwachsen zweier Kronblätter vierzählig. Die Kronblätter sind meist blau, seltener weiß. Die Anzahl der Staubblätter ist von fünf auf zwei reduziert.
Standorte
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Viele der in Mitteleuropa vorkommende Arten gedeihen auf lehmigen Sand- bis milden Lehmböden, beispielsweise als „Unkraut“ in Gärten, auf Wiesen, Weiden und auf Ackerflächen in Hackfruchtfolge. Es gibt aber auch Arten innerhalb von Gewässern.
Die Gattung Veronica wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 9 aufgestellt. Synonyme für VeronicaL. s.l. sind: HebeComm. ex Juss., PetrodoraFourr., PocillaFourr., PseudolysimachionOpiz, VeronicastrumFabr., VeronicellaFabr., AgerellaFourr., AidelusSpreng., AllopleiaRaf., AtelianthusNutt. ex Benth., AzuriniaFourr., BeccabungaHill, BesseyaRydb., CardiaDulac, ChionohebeB.G.Briggs & Ehrend., Cochlidiosperma(Rchb.) Rchb., CoeruliniaFourr., CymbophyllumF.Muell., DerwentiaRaf., DetzneriaSchltr. ex Diels, DiplophyllumLehm., EustachyaRaf., EustaxiaRaf., HebejeebieHeads, HedystachysFourr., HeliohebeGarn.-Jones, LeonohebeHeads, LimnaspidiumFourr., LunelliaNieuwl., OdicardisRaf., OligospermumD.Y.Hong, OmphalosporaBartl., Paederotella(E.Wulff) Kem.-Nath., PanoxisRaf., ParahebeW.R.B.Oliv., PonariaRaf., PygmeaHook. f. nom. illeg., SynthyrisBenth., UranostachysFourr., ZeliaurosRaf.
Die GattungVeronica gehört nach molekularbiologischen Untersuchungen zur Tribus Veroniceae innerhalb der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae), bestätigt in APG III sowie APG IV. In älterer Literatur wird sie in der Regel noch unter den Braunwurzgewächsen/Rachenblütlern (Scrophulariaceae) oder als eigene Familie der Ehrenpreisgewächse (Veronicaceae) geführt.
Die Gattung Veronica wird in etwa 16 Untergattungen (Stand 2022) und Sektionen gegliedert.
Spitzzähniger Ehrenpreis (Veronica argute-serrataRegel & Schmalh.): Er ist Griechenland, Armenien, Transkaukasien, Iran, Irak, Afghanistan, Pakistan, Zentralasien und die chinesische Provinz Xinjiang verbreitet. Er ist in Baden-Württemberg ein Neophyt.
Halbstrauch-Ehrenpreis (Veronica fruticulosaL.): Er kommt in Spanien, Frankreich, Italien, Slowenien, Österreich, Deutschland, in der Schweiz, in Bulgarien und in der Ukraine vor.
Glanzloser Ehrenpreis (Veronica opacaFries): Er kommt in Mittel-, Ost-, Südosteuropa, in Frankreich, Italien, Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland vor.
Niederliegender Ehrenpreis (Veronica prostrataL.): Die zwei Unterarten kommen in Süd-, Mittel- und Osteuropa, in der Türkei, im Kaukasusraum und in Westsibirien vor.
Serpentin-Ehrenpreis (Veronica scardicaGriseb.): Er kommt in Tschechien, Österreich, Ungarn, in der Slowakei, auf der Balkanhalbinsel, in Rumänien, in der Republik Moldau, in der Ukraine, im europäischen Russland, im Libanon, in der Türkei, in Syrien und im Iran vor.
Rispiger Blauweiderich (Veronica spuriaL., Syn.: Veronica foliosaWaldst. & Kit.; Pseudolysimachion spurium(L.) Rauschert): Er kommt in Polen, Tschechien, Österreich, Ungarn, in der Slowakei, in Italien, Südosteuropa, Osteuropa, im Kaukasusraum, in Zentralasien, Sibirien und in der Mongolei vor.
Veronica aznavouriiDörfler: Sie kommt nur Bulgarien, Griechenland und in der Türkei vor.
Veronica bachofeniiHeuffel: Sie ist in Serbien, Bulgarien, Rumänien, der Republik Moldau und in der Ukraine verbreitet.
Veronica baumgarteniiRoem. & Schult.: Sie kommt nur in den Karpaten von Rumänien, in der Slowakei, in der Ukraine, in der Republik Moldau, in Bulgarien und in Serbien vor.
Veronica peduncularisBieb.: Sie ist in der Ukraine, auf der Krim, in Kleinasien und im Kaukasusgebiet verbreitet.
Veronica ponaeGouan: Sie kommt in Spanien und Frankreich vor.
Südlicher Alpen-Ehrenpreis (Veronica pumilaAll., Syn.: Veronica alpina subsp. pumila (All.) Dostál): Er kommt in Finnland, Norwegen, Schweden, Island, Deutschland, Österreich und in der Slowakei vor.
Veronica repensClarion ex DC.: Sie kommt nur in Marokko, Spanien, Frankreich und auf Korsika vor.
Veronica rhodopaea(Velen.) Degen ex Stoj. & Stefanov: Sie kommt nur in Albanien und in den Bergen im südlichen Bulgarien vor.
Veronica roseaDesf.: Sie kommt in Spanien (nur bei Antequera) und in Marokko und in Algerien vor.
Veronica sartorianaBoiss. & Heldr.: Sie kommt in Griechenland, auf Kreta, auf Inseln in der Ägäis und auf den Azoren vor.
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Speziell der Wald-Ehrenpreis, auch Echter Ehrenpreis genannt, wird als Naturheilmittel zur äußeren und inneren Anwendung eingesetzt.
Als mit „Ehrenpreis“ bezeichnete Heilpflanzen kommen in Europa neben dem Echten Ehrenpreis auch andere Ehrenpreis-Arten, vor allem der Quendel-Ehrenpreis, in Frage.
Ehrenpreis ist ein schwach wirkendes Mittel gegen Husten. Das bitterlich herb und etwas balsamisch schmeckende (blütentragende) Kraut (Herba Veronicae) wird im Sommer mit den Blüten gesammelt. Aufgüsse davon werden als Brusttee getrunken; das frische Kraut dient dagegen zur Bereitung von Kräutersäften.
Unter den Inhaltsstoffen des Ehrenpreises befinden sich Bitterstoffe, Gerbstoff und Saponine.
Große Veronica-Bestände auf Viehweiden können bei Rindern zu Vergiftungserscheinungen durch die Saponine führen.
Volksglauben und Etymologie
Im Volksmund heißt der häufig vorkommende blaue Gamander-Ehrenpreis auch Gewitterblümchen, da man glaubte, dass sie entweder in gewitterreichen Jahren vermehrt blühen oder ihr Abpflücken Regen oder Gewitter hervorruft.
Zum Lob ihrer angeblichen Kraft gegen „Hexen“, Blitze, Wunden und „Pest“ erhielt die Pflanze ihren Namen Ehrenpreis (von mittelhochdeutsch ēre „Ehre, Lob, Gnade, Gabe“, und prīs „Preis, Wert, Ruhm, Kampfpreis“, wohl in Anlehnung an den lateinischen Namen veronica, von griechisch berenike „Siegbringerin“).
In der Schweiz, vor allem im Kanton Bern, ist die Pflanze unter dem Namen „Chatzenöigli“ (dt. Katzenäuglein) bekannt.
Literatur
Stuart M. Walters, David A. Webb, N. G. Marchant: Veronica L. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.):Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S.242–251 (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
Heinrich Marzell: Unsere Heilpflanzen, ihre Geschichte und ihre Stellung in der Volkskunde. 2. Auflage. unter dem Titel Geschichte und Volkskunde der deutschen Heilpflanzen. Stuttgart 1938, Neudruck ebenda 1967, S. 233–235.
Dirk C. Albach, María Montserrat Martínez-Ortega, Manfred A. Fischer, Mark W. Chase: A new classification of the Veroniceae – Problems and possible solution. In: Taxon. Band 53, Nr. 2, 2004, S. 429–452, Abstract.
Luz M. Muñoz‐Centeno, Dirk C. Albach, Jose A. Sanchez‐Agudo, María Montserrat Martínez‐Ortega: Systematic Significance of Seed Morphology in Veronica (Plantaginaceae): A Phylogenetic Perspective. In: Annals of Botany. Band 98, Nr. 2, 2006, S. 335–350. doi:10.1093/aob/mcl120 (Abschnitt Systematik)
Dirk C. Albach, María Montserrat Martínez-Ortega, Mark W. Chase: Veronica: Parallel morphological evolution and phylogeography in the Mediterranean. In: Plant Systematics and Evolution. Band 246, Nr. 3–4, 2004, S. 177–194, DOI: 10.1007/s00606-004-0148-9.
Dirk C. Albach, Søren R. Jensen, Fevzi Özkögce, Renée J. Grayer: Veronica: chemical characters for the support of phylogenetic relationships based on nuclear ribosomal and plastid DNA sequence data. In: Biochemical Systematics and Ecology. Band 33, Nr. 11, 2005, S. 1087–1106. doi:10.1016/j.bse.2005.06.002
Dirk C. Albach, Heidi M. Meudt Phylogeny of Veronica in the Southern and Northern Hemispheres based on plastid, nuclear ribosomal and nuclear low-copy DNA. In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 54, 2010, S. 457–471. doi:10.1016/j.ympev.2009.09.030
Nasr M. Hassan, Kadry N. Abdel Khalik: Systematic significance of seed morphology in the genus Veronica (Plantaginaceae), with special reference to the Egyptian taxa. In: Journal of Systematics and Evolution. Band 52, Nr. 2, 2014, S. 215–230. doi:10.1111/jse.12054 (Abschnitt Systematik)
Moslem Doostmohammadi, Firouzeh Bordbar, Dirk C Albach, Mansour Mirtadzadini: Phylogeny and Historical Biogeography of Veronica Subgenus Pentasepalae (Plantaginaceae): Evidence for Its Origin and Subsequent Dispersal. In: Biology (Basel). Volume 11, Issue 5, April 2022, S. 639. doi:10.3390/biology11050639
Einzelnachweise
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Moslem Doostmohammadi, Firouzeh Bordbar, Dirk C Albach, Mansour Mirtadzadini: Phylogeny and Historical Biogeography of Veronica Subgenus Pentasepalae (Plantaginaceae): Evidence for Its Origin and Subsequent Dispersal. In: Biology (Basel). Volume 11, Issue 5, April 2022, S. 639. doi:10.3390/biology11050639
↑Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler und fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger, Hans Wanner, Peter Dalcher, Peter Ott, Hans-Peter Schifferle sowie Hans Bickel und Christoph Landolt. Bände I–XVI: Huber, Frauenfeld 1881–2012, Band XVII: Schwabe, Basel 2015ff., hier: Band V, S. 795.
↑Stichwort ereprijs in: M. Philippa, F. Debrabandere, A. Quak, T. Schoonheim, N. van der Sijs: Etymologisch Woordenboek van het Nederlands. Amsterdam 2003–2009 (Online in Etymologiebank.nl).
12Veronica. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science,abgerufen am 19.Oktober 2025.
123456789101112131415161718192021Veronicaim Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.Abgerufen am 18. Dezember 2017.
↑Erich Oberdorfer:Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S.840.
123Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
↑Vgl. etwa Brigitte Hoppe: Das Kräuterbuch des Hieronymus Bock. Wissenschaftshistorische Untersuchung, mit einem Verzeichnis sämtlicher Pflanzen des Werkes, der literarischen Quellen der Heilanzeigen und der Anwendungen der Pflanzen. Hiersemann, Stuttgart 1969, ISBN 978-3-7772-6931-3, S. 152 f.
↑Rudolf Fritz Weiss: Lehrbuch der Phytotherapie. 5. Auflage. Stuttgart 1982, S. 241.
↑Ernst Gilg: Lehrbuch der Pharmakognosie. 1905; 2. Auflage 1910, S. 318.
↑Vgl. etwa Sechstes u. siebentes Buch Mosis oder Der magisch-sympathetische Hausschatz, das ist Mosis magische Geisterkunst, das Geheimniß aller Geheimnisse, wortgetreu nach einer alten Handschrift mit staunenerregenden Abbildungen. Ohne Ort und ohne Jahr; Neudruck Berlin 1976; Nachdruck des Neudrucks ohne Jahr, auch Bohmeier-Verlag, Leipzig, 2003; ISBN 3-89094-376-4, Band 2, S. 63 („Ehrenpreis als Thee gebraucht ist gut für Lunge und Leber und macht eine weite Brust“).
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