Dieser Artikel behandelt die antike Stadt. Weitere Bedeutungen siehe Elea (Begriffsklärung).
Teile der Ausgrabungsstätte. Der mittelalterliche Turm (Festungsanlage des 15. Jahrhunderts) von Elea wurde aus den Überresten des griechischen Tempels erbaut.
Im Ersten Punischen Krieg war Elea ein enger Verbündeter Roms und avancierte im Zweiten Punischen Krieg zeitweise zu einem wichtigen Militärstützpunkt. 89/88 v.Chr. wurde Elea unter der neuen Namensform Velia zum Municipium erhoben und mit dem Bürgerrecht versehen. Im Küstenumland von Velia unterhielten einflussreiche römische Bürger, wie etwa Marcus Tullius Cicero und der jüngere Cato, gut ausgestattete Wohnsitze.
Durch Verlagerung der Handelsströme und Verlandung des Hafens verarmte die Stadt und wurde schließlich etwa im 9.Jahrhundert vollständig aufgegeben. Heute sind die Ruinen der Stadt ein Teil des Cilento-Nationalparks, der zum UNESCO-Welterbe gehört.
Münzprägung
Die Prägung eigener Münzen setzte bereits vor 500 v.Chr. ein. Die frühen Münzen sind unbeschriftet. Die Vorderseiten der Münzen zeigen häufig die Göttin Athene mit attischem Helm, die Rückseiten oft die Eule nach attischem Vorbild oder einen Löwen. Geprägt wurden zunächst nur Silbermünzen, später (ab ca. 350–300 v.Chr.) auch Bronzemünzen als Kleingeld.
Archäologischer Park
Die ältesten noch sichtbaren Teile der Stadtanlage (4.Jahrhundert v.Chr.) sind im Süden die Porta Marina sud zum ehemaligen Hafen, die Stadtmauer und nördlich davon die Porta Rosa, jeweils aus Sandsteinblöcken bestehend. Im „Südviertel“ verläuft geradlinig die gepflasterte Hauptstraße (Via di Porta Marina) und trennt griechische Wohnhäuser im Nordwesten von augusteischen Gebäuden im Südosten. Die Hauptstraße zieht hinter diesem Gebäudekomplex nach Norden als Via di Porta Rosa bis zu eben diesem Tor weiter, vorbei an den westlich gelegenen Resten von Thermen aus dem 2.Jahrhundert v.Chr. und einem hellenistischen Brunnen (Pozzo Sacro). Ein Asklepios-Heiligtum aus hellenistischer Zeit liegt östlich der Straße, gegenüber dem Akropolis-Hügel. In dessen Hang wurde um 300 v.Chr. das Theater eingebaut, das bis weit in die römische Zeit genutzt und dabei in der ersten Hälfte des 3.Jahrhunderts n.Chr. sowie in der zweiten Hälfte des 5.Jahrhunderts erweitert wurde.
Auf der Akropolis sind die Fundamente eines großen, vermutlich ionischenAthene-Tempels zu sehen, der in die Zeit des frühen Hellenismus datiert wird. In direkter Nachbarschaft dazu befindet sich ein weiterer, noch einmal etwas älterer Tempel, der aus der Gründungsphase der Stadt um 540/530 v.Chr. stammt. In hellenistischer Zeit wurde das gesamte Tempelareal durch die Anlage einer Säulenhalle (Stoa) um den Athene-Tempel deutlich umgestaltet. Auf der Akropolis befinden sich auch die mittelalterlichen Bauwerke von Velia: Der Torre di Sanseverino, ein normannisch-angiovinischerFestungsturm, die Capella Palatina aus dem 12.Jahrhundert sowie ein Stück darunter die Chiesa Santa Maria di Porto Salvo.
Andreas Haller: Cilento. Michael Müller Verlag, Erlangen 2009, ISBN 978-3-89953-500-6, S.133–139.
Gerhard Radke:Velia 1. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 5, Stuttgart 1975, Sp.1157f.
Gerd Sachs: Phokaia und seine Kolonien im Westen. Handelswege in der Antike (= Antiquitates. Band 63). Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2014, ISBN 978-3-8300-7855-5, S.136–169.
Detailstudien
Verena Gassner: Materielle Kultur und kulturelle Identität in Elea in spätarchaisch-frühklassischer Zeit. Untersuchungen zur Gefäß- und Baukeramik aus der Unterstadt (Grabungen 1987–1994) (= Velia-Studien. Band 2; = Archäologische Forschungen. Band 8; = Denkschriften der philosophisch-historischen Klasse. Band 313). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003, ISBN 3-7001-3173-9 (Open Access).
Verena Gassner, Friedrich Krinzinger, Alexander Sokolicek (Hrsg.): 1971–2021: 50 anni di ricerche Austriache a Velia / 1971–2021: 50 Jahre Österreichische Forschungen in Velia. In: Atti del Convegno, Roma 16–18 settembre 2021, organizzato dall’Istituto Storico Austriaco e dal Forum Austriaco di cultura, insieme con l’Istituto d’Archeologia Classica, Università di Vienna / Akten des Kongresses, Rom 16.–18.September 2021, organisiert vom Österreichischen Historischen Institut und dem Österreichischen Kulturforum gemeinsam mit dem Institut für Klassische Archäologie, Universität Wien. Phoibos Verlag, Wien 2023, ISBN 978-3-85161-285-1.
↑Markus Wolf: Hellenistische Heiligtümer in Kampanien. Sakralarchitektur im Grenzgebiet zwischen Großgriechenland und Rom (= Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Rom: Sonderschriften. Band 26). Harrassowitz, Wiesbaden 2023, ISBN 978-3-447-11940-5, S. 71–76.