Ivrea

Ivrea
Ivrea (Italien)
Ivrea (Italien)
Staat Italien
Region Piemont
Metropolitanstadt Turin (TO)
Koordinaten 45° 28′ N, 7° 53′ OKoordinaten: 45° 28′ 0″ N, 7° 53′ 0″ O
Höhe 253 m s.l.m.
Fläche 30,19 km²
Einwohner 22.544 (31. Dez. 2025)
Fraktionen Torre Balfredo
Postleitzahl 10015
Vorwahl +39-0125
ISTAT-Nummer 001125
Bezeichnung der Bewohner Eporediesi
Schutzpatron San Savino
Website Ivrea

Lage von Ivrea in der Metropolitanstadt Turin
Ivrea, an industrial city of the 20th century
UNESCO-Welterbe

Blick auf die Dora Baltea
Vertragsstaat(en): Italien Italien
Typ: Kultur
Kriterien: (iv)
Fläche: 30,19 km² ha
Referenz-Nr.: 1538
UNESCO-Region: Europa und Nordamerika
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2018  (Sitzung 42)
Das Kastell von Ivrea

Ivrea (piemontesisch Ivréa, im lokalen Dialekt Ivreja, walserdeutsch Eebri) ist eine italienische Stadt in der Metropolitanstadt Turin, Region Piemont.

Lage und Einwohner

Die Stadt befindet sich am nördlichen Rand der Po-Ebene zwischen Turin und dem Aostatal auf einer Höhe von 253 m s.l.m. Sie liegt am Fuße eines 25 km langen Bergrückens moränischen Ursprungs, bekannt unter dem Namen La Serra. Durch die Stadt fließt der Fluss Dora Baltea. Vom Fluss zweigt der Naviglio di Ivrea ab, der bis nach Vercelli führt. Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 30 km² und hat 22.544 Einwohner (Stand 31. Dezember 2025).

Die Nachbargemeinden sind Chiaverano, Montalto Dora, Burolo, Bollengo, Cascinette d’Ivrea, Fiorano Canavese, Banchette, Salerano Canavese, Pavone Canavese, Albiano d’Ivrea, Romano Canavese, Strambino und Vestignè.

Bevölkerungsentwicklung

Geologie

Nach der Stadt ist der Ivrea-Körper benannt. Dieser ist ein schräg aus dem oberen Erdmantel emporragender Körper von deutlich größerer Dichte, der massive regionale Lotabweichungen sowie eine unregelmäßige Verbiegung des südalpinen Geoids bewirkt.

Im Tal des Flusses Sesia, einem Nebenfluss des Po, kann man eine Schichtenfolge finden, die den Aufbau der Erdkruste bis hin zum oberen Erdmantel genau nachbildet. Man nimmt an, dass dieser Körper bei der Entstehung der Alpen verkippt wurde.

Geographie

Geschichte

Stadtplan des Stadtzentrums
Überreste des Amphitheaters von Ivrea

Das Gebiet, auf dem später das römische Eporedia entstand, war von den keltischen Salassern besiedelt. Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich über das Canavese, das Gebiet von Biella und das heutige Aostatal. Den keltischen Namen der Stadt erklärt Plinius der Ältere mit den Worten „Eporedias Galli bonos equorum domitores vocant“. Er stünde demnach mit der besonderen Fähigkeit der Kelten im Umgang mit Pferden in Zusammenhang.

Als bedeutendste Siedlung der Salasser im Raum Ivrea vor der Gründung der römischen Kolonie gilt der Brich Appareglio, örtlich Paraj Àuta genannt, bei Pavone Canavese, etwa drei Kilometer südlich des historischen Stadtkerns. Die Siedlung war von der Endbronzezeit bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. bewohnt. Nach einer Unterbrechung wurde der Ort im fortgeschrittenen 2. Jahrhundert v. Chr. für kurze Zeit erneut besiedelt. Diese Besiedlung endete vermutlich mit der Gründung der römischen Kolonie Eporedia im Jahr 100 v. Chr.

Die römische Kolonie Eporedia wurde nach Velleius Paterculus im Jahr 100 v. Chr., während des sechsten Konsulats des Gaius Marius, gegründet. Als Kolonie römischer Bürger (colonia civium Romanorum) lag sie am linken Ufer der Dora Baltea, an einem strategisch wichtigen Zugang zum Aostatal und zu den Alpenpässen. Sie diente der Kontrolle des Gebiets der Salasser, die 25 v. Chr. endgültig von den Römern unterworfen wurden. Zu den bedeutendsten archäologischen Zeugnissen der römischen Stadt gehören das in flavischer Zeit außerhalb des Stadtgebiets auf den Resten einer augusteischen Villa errichtete Amphitheater, die im Untergrund der Altstadt erhaltenen Überreste des Theaters sowie die Reste der ursprünglich zehnbogigen römischen Brücke über die Dora Baltea. Letztere liegen heute unter Wasser und sind nur bei gelegentlichen künstlichen Absenkungen des Flusspegels sichtbar.

Nach dem Gotenkrieg könnte Ivrea Teil des byzantinischen Verteidigungssystems in Nordwestitalien gewesen sein. Einige Forscher haben vorgeschlagen, die Stadt mit dem in der Descriptio orbis Romani des Georgios Kyprios erwähnten kástron Eourías zu identifizieren. In langobardischer Zeit war Ivrea Sitz eines Herzogtums. Im Liber Pontificalis wird Tunnone als Herzog von Ivrea erwähnt. König Desiderius entsandte ihn im Jahr 772 zusammen mit Teodicius, dem Herzog von Spoleto, zu Papst Hadrian I., um die freundschaftlichen Beziehungen zum Papst wiederherzustellen.

Im 6./7. Jahrhundert nach der Trennung von der Diözese Vercelli wird Ivrea Bischofssitz. Sie war Zentrum eines langobardischen Herzogtums und der Markgrafschaft Ivrea in nachkarolingischer Zeit. Nach der Familie der Anskarier, die im 10. Jahrhundert in der Stadt bestimmend waren, übernahm Arduin von Ivrea etwa 990 die Macht und führte mehrere Kriege gegen seine Nachbarn, besonders gegen Bischof Leo von Vercelli, der seinerseits vom ottonischen Kaiserhaus unterstützt wurde.

Nach Arduins Tod zerfiel die Markgrafschaft und die Bischöfe von Ivrea wurden zusammen mit den kommunalen Einrichtungen die bestimmende Kraft: im 12. Jahrhundert ging man gegen Friedrich Barbarossa vor. Der Blüte Anfang des 12. Jahrhunderts folgte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Eingliederung in die Markgrafschaft Montferrat und damit der Niedergang der kommunalen Strukturen. Im 14. Jahrhundert geriet die Stadt unter den Einfluss des Hauses Savoyen und wurde 1356 von Amadeus VI. Savoyen angegliedert. Dieser ließ ab 1358 das bis heute erhaltene Kastell erbauen.

Karneval in Ivrea

Kultur

Ivrea ist für seinen historischen Karneval bekannt, bei dem eine „Orangenschlacht“ (battaglia delle arance) ausgetragen wird. Der Ursprung dieser Tradition geht auf das Jahr 1808 zurück, in dem die napoleonischen Herrscher den Zusammenschluss der verschiedenen Karnevalsfeste zu einem einzigen beschlossen.

Architektur

Wirtschaft

In Ivrea wurde im Jahre 1908 die Firma Olivetti gegründet. Die wirtschaftliche und soziale Struktur der Stadt ist eng mit der Unternehmensgeschichte von Olivetti verflochten, das lange der größte und wichtigste Arbeitgeber der Stadt war. Seit der schweren Krise der Firma Anfang der 1990er Jahre haben sich jedoch auch mehrere mittelständische Unternehmen zu wichtigen Arbeitgebern entwickelt.

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Ivrea – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2025. ISTAT. (Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2025).
  2. ↑ Plinius der Ältere: Naturalis historia. Band 3, Nr. 123.
  3. ↑ Francesco Rubat Borel,: Ivrea e il Canavese nella preistoria e protostoria. In: Ada Gabucci, Luisella Pejrani Baricco e Stefania Ratto (Hrsg.): Per il Museo di Ivrea. La sezione archeologica del Museo civico P.A. Garda (= Archeologia Piemonte). Band 3, Nr. 3. All'insegna del giglio, Sesto Fiorentino (FI) 2014, ISBN 978-88-7814-605-1, S. 23–45.
  4. ↑ Velleio Patercolo: Historiae Romanae. Band I, S. 5, 5.
  5. ↑ Sandro Caranzano: Piemonte romano. Città, monumenti e testimonianze archeologiche del Piemonte in età romana. Edizioni del Capricorno, Torino 2023, ISBN 978-88-7707-716-5.
  6. ↑ Vincenzo Promis: «Memorie di Carlo Promis sugli avanzi del teatro romano d’Ivrea». In: Atti della Società di Archeologia e Belle Arti per la Provincia di Torino. vol. IV. Torino 1883, S. 87–94.
  7. ↑ Silvana Finocchi: Banchina romana su palificata trovata a Ivrea nell’alveo della Dora. In: Studi di archeologia dedicati a Pietro Barocelli. Soprintendenza archeologica del Piemonte, Torino 1980, S. 89–93.
  8. ↑ Adriano La Regina: Ivrea bizantina , n. 8, 1988, pp. 59–64. In: Quaderni della Soprintendenza archeologica del Piemonte. Band 8. Torino 1988, S. 59–64.
  9. ↑ Caterina Giostra: Il ducato longobardo di Ivrea: la grande necropoli di Borgomasino. In: Ada Gabucci, Luisella Pejrani Baricco e Stefania Ratto (Hrsg.): Per il Museo di Ivrea. La sezione archeologica del Museo civico Pier Alessandro Garda. All’Insegna del Giglio,, Sesto Fiorentino 2014, ISBN 978-88-7814-605-1, S. 155–175.
  10. ↑ Ivrea, Industriestadt des 20. Jahrhunderts auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).
Navigationsleiste „Via Francigena“

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