Erasmus Cantzler

Erasmus Cantzler (* 24. August 1523 in Tauberbischofsheim; † 20. Dezember 1599 in Rothenburg ob der Tauber) war ein Tuchscherer und Kaufmann, der als Ratsherr, Baumeister und später Bürgermeister von Kitzingen und Rothenburg ob der Tauber Karriere machte.

Leben

In Kitzingen

Erasmus Cantzler wurde am 24. August 1523 in Bischofsheim, dem heutigen Tauberbischofsheim geboren. Die Familie gehörte zu den reichsten Geschlechtern der Stadt. Die Mutter hatte nach dem Tod des Vaters einen kurmainzischen Finanzbeamten geheiratet, der Erasmus und seine Brüder auch adoptierte. Mit 17 Jahren zog Cantzler nach Kitzingen, wo er am 16. November 1540 die Witwe Margaretha Mertz ehelichte. Hier übernahm er das Tuchscherergeschäft der Ehefrau und war daneben als Weinhändler und Geldverleiher tätig.

Die Ehefrau starb allerdings vor 1550, was einige Veränderungen im Leben Cantzlers zur Folge hatte. Er gab 1554 das Tuchscherergeschäft auf und konzentrierte sich fortan vor allem auf den Weinbau. Im gleichen Jahr begann Cantzler sich in Kitzingen politisch zu engagieren. Er wurde zunächst zum Ungelter, einem Steuereintreiber, ernannt. Im Februar desselben Jahres wurde er außerdem Mitglied des Kitzinger Stadtrates und im Zuge des Zweiten Markgrafenkrieges zum Zeugwart. Immer wieder leistete er Militärdienst. Bis 1557 war er Mitglied des Äußeren Rates, ab 1558 bis 1568 dann Mitglied des Inneren Rates.

Im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Stadtrat können weitere Ämter wie Baumeister, Spitalpfleger und Hauptmann fassbar gemacht werden. Im November 1560 wurde er erstmals zum Oberbürgermeister Kitzingens gewählt, wobei er turnusgemäß nur ein halbes Jahr im Amt blieb. Ein zweites Mal wurde er 1566 Oberbürgermeister. Im Jahr 1559 übernahm Cantzler die Bauaufsicht über den Bau des neuen Rathauses. Nach der Fertigstellung des Hauses wurde eine Gedenktafel mit dem Namen Cantzlers im 2. Obergeschoss angebracht.

Konflikt und Wechsel nach Rothenburg

Im Jahr 1567 begannen Auseinandersetzungen mit den anderen Mitgliedern des Rates: Am 12. September 1564 war Cantzler zum Spitalpfleger des Kitzinger Spitals ernannt und trat damit die Nachfolge des Chronisten Friedrich Bernbeck an. Als er turnusmäßig im Jahr 1567 abberufen werden sollte, vertrösteten ihn die Ratsmitglieder. Obwohl er auch 1568 zum Spitalpfleger gewählt wurde, verließ Cantzler die Stadt und gab sein Bürgerrecht auf.

Inschrift am Rothenburger Rathaus, das Cantzler-Wappen auf der rechten Seite in der Mitte

In der Folge kann Cantzler am 1. Oktober 1568 in der Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber fassbar gemacht werden. Er hatte mit der Stadt einen Vertrag geschlossen, in dem ihm erlaubt wurde zwei Jahre lang als Pfahlbürger in Rothenburg zu wohnen. Nach Ablauf der Frist nahm er das Rothenburger Bürgerrecht an. Schon 1572 wurde er in den Äußeren Rat der Stadt gewählt, 1573 folgte die Berufung in den Inneren Rat. Auch in Rothenburg können verschiedene Ämter für Cantzler fassbar gemacht werden. Er wirkte als Sankt-Wolfgangs-Pfleger, Marksteinsetzer und war Landvogt der Reichsstadt.

Außerdem arbeitete er auch in Rothenburg als Baumeister am neuen Rathaus mit, sodass auch hier eine Inschrift mit seinem Wappen angebracht wurde; das Wappen ist auch am Hegereiterhaus zu finden. Zwischen 1576 und 1595 wurde Erasmus Cantzler insgesamt neunmal zum regierenden Bürgermeister der Reichsstadt gewählt. Im Jahr 1590 starb seine zweite Ehefrau Barbara und er heiratete erneut. Im Jahr 1598 gab Cantzler seinen Ratssitz altersbedingt auf. Erasmus Cantzler starb am 20. Dezember 1599 in Rothenburg und wurde am 22. Dezember in der Stadt beerdigt.

Wappen

Das persönliche Wappen des Erasmus Cantzler hat sich in Rothenburg ob der Tauber an zwei bedeutenden Gebäuden erhalten. Am Rathaus und am sogenannten Hegereiterhaus wurde das Zeichen verewigt. Blasonierung: In Rot ein gekreuzter, silberner Doppelhaken auf einem roten Dreiberg. Als Helmzier ist das Wappen auf Federn zu finden. Die Helmdecken in Rot und Silber.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Helga Walter: Aus dem Leben des Erasmus Cantzler (1523–1599) in Kitzingen (1540–1568) und Rothenburg ob der Tauber (1568–1599). In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 67 (= Archiv des Historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg Bd. 138). Spurbuch, Würzburg 2015, ISBN 978-3-88778-466-9. S. 135.
  2. ↑ Ludwig Schnurrer: Erasmus Cantzler (1523–1599) – Ein Lebensbild aus dem 16. Jahrhundert. In: Ludwig Schnurrer (Hrsg.): Rothenburger Profile (= Jahrbuch des Vereins Alt-Rothenburg). Rothenburg ob der Tauber 2002. S. 170–172.
  3. ↑ Helga Walter: Aus dem Leben des Erasmus Cantzler (1523–1599) in Kitzingen (1540–1568) und Rothenburg ob der Tauber (1568–1599). In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 67 (= Archiv des Historischen Vereins für Unterfranken und Aschaffenburg Bd. 138). Spurbuch, Würzburg 2015, ISBN 978-3-88778-466-9. S. 141.
  4. ↑ Ludwig Schnurrer: Erasmus Cantzler (1523–1599) – Ein Lebensbild aus dem 16. Jahrhundert. In: Ludwig Schnurrer (Hrsg.): Rothenburger Profile (= Jahrbuch des Vereins Alt-Rothenburg). Rothenburg ob der Tauber 2002. S. 167 (Abbildung).
Personendaten
NAME Cantzler, Erasmus
KURZBESCHREIBUNG Baumeister und Bürgermeister in Kitzingen und Rothenburg ob der Tauber
GEBURTSDATUM 24. August 1523
GEBURTSORT Tauberbischofsheim
STERBEDATUM 20. Dezember 1599
STERBEORT Rothenburg ob der Tauber