Von 1988 bis 1992 bearbeitete Grothe im Auftrag des Hessischen Landtags eine Aktenedition zur Geschichte des kurhessischen Parlamentarismus im Vormärz. Zwischen 1992 und 1995 war er Kollegiat des Graduiertenkollegs „Mittelalterliche und neuzeitliche Staatlichkeit (10.–19. Jahrhundert)“ an der Universität Gießen und von 1993 bis 1995 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der „Forschungsstelle Georg Büchner – Literatur und Geschichte des Vormärz“ an der Universität Marburg. Er wurde 1994 in Marburg bei Hellmut Seier mit einer Dissertation über die Verfassungsgeschichte des Kurfürstentums Hessen in den 1830er Jahren promoviert. 1995 ging er als Wissenschaftlicher Assistent von Hartwig Brandt an die Bergische Universität Wuppertal, an der er sich 2003 zur deutschen Verfassungsgeschichtsschreibung im 20. Jahrhundert habilitierte. 2004 wurde er in Wuppertal zum Privatdozenten ernannt. Er lehrt seit 2007 auch an der Universität zu Köln. 2007/2008 war er Lehrbeauftragter am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel. Von 2006 bis 2010 war er Betreuer im Promotionskolleg „Gesellschaftliche Interessen und politische Willensbildung. Verfassungskulturen im historischen Kontext“ am Historischen Institut der FernUniversität in Hagen. 2009 wurde er an der Universität Wuppertal zum außerplanmäßigen Professor ernannt.
Sowohl die Dissertation als auch die Habilitationsschrift wurden in der Wissenschaft rezipiert. Zur Doktorarbeit äußerte Hans-Christof Kraus, sie zähle „zu den Büchern, bei deren Lektüre sich der Leser mehr als einmal fragt, warum sie nicht schon längst geschrieben worden sind.“ Die Habilitationsschrift über die deutsche Verfassungsgeschichtsschreibung gehört nach dem Urteil von Hans Boldt „in eine Reihe mit den neuen großen Werken der Wissenschaftsgeschichtsschreibung, mit Wilhelm Bleeks ‚Geschichte der Politikwissenschaft’ und der ‚Geschichte des öffentlichen Rechts’ von Michael Stolleis.“ Wilhelm Bleek zufolge „schließt sie eine wichtige Lücke in der wissenschaftsgeschichtlichen Literatur“.
seit 2013 Mitglied des Gesamtvorstandes und von 2017 bis 2025 Vorsitzender der Fachgruppe 6 (Archive der Parlamente, politischen Parteien, Stiftungen und Verbände) des Verbandes deutscher Archivarinnen und Archivare,
Grothe ist Mitherausgeber der Quellen zur Brüder Grimm-Forschung (seit 2010) (gemeinsam mit Rotraut Fischer u.a.) sowie der Veröffentlichungen des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften (seit 2015) (gemeinsam mit Arthur Benz u.a.).
Schriften (Auswahl)
Monographien
Verfassungsgebung und Verfassungskonflikt. Das Kurfürstentum Hessen in der ersten Ära Hassenpflug 1830–1837, Duncker & Humblot, Berlin 1996 (= Schriften zur Verfassungsgeschichte, Bd. 48), ISBN 3-428-08509-4 (Zugleich: Marburg, Univ., Diss., 1994).
Zwischen Geschichte und Recht. Deutsche Verfassungsgeschichtsschreibung 1900–1970, Oldenbourg, München 2005 (= Ordnungssysteme, Bd. 16), ISBN 3-486-57784-0 (Zugleich: Wuppertal, Universität, Habilitationsschrift, 2003).
Aufsatzsammlung
Freiheitliche Ideen. Der schwierige Weg zur liberalen Demokratie. CEP Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2023, ISBN 978-3-86393-160-5.
Editionen (Herausgeber, Mitherausgeber bzw. Mitbearbeiter)
Bearb. mit Hellmut Seier: Akten und Briefe aus den Anfängen der kurhessischen Verfassungszeit 1830–1837, hrsg. v. Hellmut Seier, Elwert, Marburg 1992 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Bd. 48,4; Vorgeschichte und Geschichte des Parlamentarismus in Hessen, Bd. 8), ISBN 3-7708-0993-9.
Hrsg.: Brüder Grimm. Briefwechsel mit Ludwig Hassenpflug (einschließlich der Briefwechsel zwischen Ludwig Hassenpflug und Dorothea Grimm, geb. Wild, Charlotte Hassenpflug, geb. Grimm, ihren Kindern und Amalie Hassenpflug). Brüder Grimm-Gesellschaft, Kassel/Berlin 2000, ISBN 3-929633-64-7 (= Brüder Grimm. Werke und Briefwechsel. Kasseler Ausgabe. Briefe, Bd. 2).
Hrsg. mit Hartwig Brandt: Quellen zur Alltagsgeschichte der Deutschen 1815–1870, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005 (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte der Neuzeit. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Reihe B, Bd. 44), ISBN 3-534-12775-7.
Bearb. mit Klaus Hassenpflug: Amalie Hassenpflug: Souvenirs d’enfance. De Vars et Guillestre aux frères Grimm. L’Emigration du Dauphiné en Hesse, Brüder Grimm-Gesellschaft, Guillestre/Kassel 2007 (= Cahiers Franco-Allemands, Heft 1), ISBN 978-3-929633-98-6.
Hrsg.: Ludwig Hassenpflug: Denkwürdigkeiten aus der Zeit des zweiten Ministeriums 1850–1855, Historische Kommission für Hessen, Marburg 2008 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Bd. 48,11; Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen, Bd. 32), ISBN 978-3-7708-1317-9.
mit Bernhard Lauer: Ludwig Hassenpflug: Jugenderinnerungen (1794 bis 1821), hrsg. v. Klaus Hassenpflug, Brüder Grimm-Gesellschaft, Kassel 2010 (= Quellen zur Brüder Grimm-Forschung, Bd. 4), ISBN 978-3-940614-14-8.
Hrsg.: Carl Schmitt – Ernst Rudolf Huber. Briefwechsel 1926–1981. Mit ergänzenden Materialien, Duncker & Humblot, Berlin 2014, ISBN 978-3-428-14170-8.
Hrsg.: Die Abgeordneten der kurhessischen Ständeversammlungen 1830–1866, Historische Kommission für Hessen, Marburg 2016 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Bd. 48, 13; Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen, Bd. 43), ISBN 978-3-923150-63-2.
Bearb. mit Knut Bergmann und Gundula Heinen: Walter Scheel: Unerhörte Reden. Hrsg. von Knut Bergmann, be.bra Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-89809-188-6.
Bearb.: Wandel beginnt im Kopf. 50 Jahre Freiburger Thesen. Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Potsdam 2021, ISBN 978-3-948950-18-7. Online auf der Webseite der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.
Sammelbände (Herausgeber bzw. Mitherausgeber)
mit Bernd Heidenreich: Kultur und Politik – Die Grimms, Societäts-Verlag, Frankfurt a.M. 2003, ISBN 3-7973-0852-3, 2. Aufl. unter dem Titel: Die Grimms – Kultur und Politik, Societäts-Verlag, Frankfurt a.M. 2008, ISBN 978-3-7973-1072-9.
mit Hartwig Brandt: Rheinbündischer Konstitutionalismus, Peter Lang Verlag, Frankfurt a.M. usw. 2007 (= Rechtshistorische Reihe, Bd. 350), ISBN 978-3-631-56489-9.
Konservative deutsche Politiker im 19. Jahrhundert. Wirken – Wirkung – Wahrnehmung, Historische Kommission für Hessen, Marburg 2010 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Bd. 75), ISBN 978-3-942225-09-0.
mit Aubrey Pomerance und Andreas Schulz: Ludwig Haas. Ein deutscher Jude und Kämpfer für die Demokratie, Droste Verlag, Düsseldorf 2017 (= Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 174), ISBN 978-3-7700-5335-3. Engl.: Ludwig Haas. A German Jew and Fighter for Democracy. Greytown (Neuseeland) 2020, ISBN 978-0-47353320-5.
mit Hans-Peter Becht: Karl von Rotteck und Karl Theodor Welcker. Liberale Professoren, Politiker und Publizisten. Nomos Verlag, Baden-Baden 2018 (= Staatsverständnisse, Bd. 108), ISBN 978-3-8487-4551-7.
mit Jens Hacke: Liberales Denken in der Krise der Weltkriegsepoche. Moritz Julius Bonn. Steiner Verlag, Stuttgart 2018 (= Staatsdiskurse, Bd. 36), ISBN 978-3-515-12234-4.
mit Susanne Ackermann und Jürgen Frölich: 50 Jahre Archiv des Liberalismus. Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach 2018, ISBN 978-3-00-061056-1 (PDF; 8,8MB).
mit Arthur Schlegelmilch: Constitutional Moments. Erträge des Symposions des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften, des Instituts für Geschichte und Biographie und des Archivs des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit am 13. und 14. April 2018 an der FernUniversität in Hagen. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2020 (= Veröffentlichungen des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften, Bd. 20), ISBN 978-3-8305-3982-7.
mit Jürgen Frölich und Wolther von Kieseritzky: Fortschritt durch sozialen Liberalismus. Politik und Gesellschaft bei Friedrich Naumann. Nomos Verlag, Baden-Baden 2021 (= Staatsverständnisse. Bd. 151), ISBN 978-3-8487-6696-3.
mit Peter Schiffauer: Gesellschaftliche Voraussetzungen demokratischer Verfassungen. Berliner Wissenschafts-Verlag, Stuttgart 2024 (= Veröffentlichungen des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften, Bd. 23), ISBN 978-3-8305-5578-0.
mit Wolther von Kieseritzky: Vernunftrepublikaner, Reichskanzler, liberaler Außenminister. Das Staatsverständnis von Gustav Stresemann. Nomos Verlag, Baden-Baden 2025 (= Staatsverständnisse. Bd. 184), ISBN 978-3-8487-8719-7.
mit Michael Borchard: Die Selbstbehauptung der liberalen Demokratie. Das Krisenjahr 1923 (= Weimarer Schriften zur Republik. Bd. 28). Steiner, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-515-13930-4.
mit Anja Kruke: Fragile Akten? Herausforderungen digitaler Überlieferungsbildung und Faktizität (= Beiträge aus dem Archiv der sozialen Demokratie. Heft 25). Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 2026, ISBN 978-3-98628-817-4.
Literatur
Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 2018. 30. Ausgabe. Bd. 1: A–G, De Gruyter, Berlin/Boston 2018, ISBN 978-3-11-051766-8, S. 1169 f.
Gabriele Rose: Die Brüder Grimm. Mehr als Märchen. Film mit mehreren Interviewausschnitten von Grothe. Ausgestrahlt in Arte. 2. Februar 2022, abgerufen am 17. Mai 2022
↑Rezension von Harald Stockert. In: sehepunkte 9 (2009), Nr. 6, 15. Juni 2009; Rezension von Jürgen Müller. In: Historische Zeitschrift 289 (2009).
↑Rezension von Jens Hacke. In: H-Soz-Kult, 23. Januar 2015; Rezension von Ellen Thümmler. In: Archiv für Sozialgeschichte 56 (2016), 23. Dezember 2015; Rezension von Hans-Christof Kraus in Der Staat 54 (2015), S. 615–617. Insgesamt erschienen über dreißig Rezensionen.
↑Meldung auf der Homepage der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Abgerufen am 30. März 2021; Rezension von Norbert Reichel. In: Demokratischer Salon, 21. November 2021.
↑Rezension von Klaus A. Lankheit: Auf das Ministeramt verzichtet. Ludwig Haas und die Deutsche Demokratische Partei. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Januar 2018; Rezension von Max Bloch. In: Archiv für Sozialgeschichte, online 58 (2018).