
Fantu Cheru (* 1949 in Gondar, Äthiopien; † 31. Mai 2026 in Stockholm) war ein äthiopisch-US-amerikanischer Politökonom und Entwicklungsforscher, der zu globaler politischer Ökonomie, afrikanischer Entwicklung, regionaler Integration, Urbanisierung, Konflikt, Demokratie und sozialer Transformation arbeitete. Er war Professor an der School of International Service der American University in Washington, D.C., Forschungsleiter am Nordic Africa Institute in Uppsala und Senior Researcher am African Studies Centre Leiden. Er wirkte als UN-Mandatsträger im Bereich Auslandsverschuldung und Strukturanpassung sowie als Berater in Entwicklungs- und Afrikafragen.
Cheru wurde 1949 in Äthiopien geboren, war Staatsbürger Äthiopiens und der Vereinigten Staaten und ging für sein Studium in die Vereinigten Staaten. Er erwarb 1975 einen Bachelorabschluss in Politikwissenschaften am Colorado College, 1978 einen Masterabschluss in Politikwissenschaften an der Portland State University und promovierte 1983 in politischer Ökonomie und Stadtplanung an derselben Universität. Von 1984 bis 2007 lehrte er African and Development Studies an der School of International Service der American University; anschließend war er von 2007 bis 2012 Forschungsleiter am Nordic Africa Institute in Uppsala. Später war er Senior Researcher am African Studies Centre Leiden, Associate Senior Fellow am Stockholm International Peace Research Institute, Distinguished Research Associate am North-South Institute in Ottawa und Professor-in-Practice bzw. Adjunct Professor an äthiopischen Universitäten in Bahir Dar und Gondar. Von 2014 bis 2019 arbeitete er als Senior Researcher am African Studies Centre Leiden. Er starb am 31. Mai 2026.
Cherus wissenschaftliche Arbeit umfasste globale politische Ökonomie, Entwicklungsforschung, vergleichende und regionale Politik, Handel, regionale Integration, ländliche Entwicklung, afrikanische Urbanisierung, Konfliktforschung, Demokratie und soziale Transformation. Als Mitglied eines Beratungsgremiums des UN-Generalsekretärs zur internationalen Unterstützung der New Partnership for African Development beriet er zur Mobilisierung internationaler Ressourcen für afrikanische Entwicklungsprogramme. Außerdem leitete er den Global Economy Track des Helsinki Process on Globalisation and Democracy, einer gemeinsamen Initiative Finnlands und Tansanias. In seiner UN-Arbeit zu Auslandsverschuldung und Strukturanpassung befasste er sich mit der Einbindung menschenrechtlicher Normen in makroökonomische und handelspolitische Politik sowie mit Vorschlägen zu Schuldenerleichterung und sozialen Investitionen. In einem Beitrag von Africa Renewal trat er 2016 für eine vorsichtige, produktionsorientierte Strategie regionaler Integration in Afrika ein. Zu seinen Büchern und Herausgeberschaften zählen The Silent Revolution in Africa: Debt, Development and Democracy, African Renaissance: Roadmaps to the Challenge of Globalization, The Millennium Development Goals: Mobilizing Resources to Tackle World Poverty und The Rise of China and India in Africa: Challenges, Opportunities and Critical Interventions. Gemeinsam mit Scarlett Cornelissen und Timothy M. Shaw gab er Africa and International Relations in the 21st Century heraus. Mit Christopher Cramer und Arkebe Oqubay gab er 2019 The Oxford Handbook of the Ethiopian Economy heraus, das als erstes ökonomisches Handbuch zu einem einzelnen afrikanischen Land auf strukturelle Transformation ausgerichtet war. Das Handbuch ist als umfangreiches Werk mit 50 Kapiteln von 70 äthiopischen und internationalen Wissenschaftlern angelegt. CODESRIA würdigte Cheru nach seinem Tod als politischen Ökonomen, Entwicklungsscholar und langjähriges Mitglied seiner wissenschaftlichen Gemeinschaft, das auch die erste Thandika Mkandawire Memorial Lecture gehalten hatte.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cheru, Fantu |
| KURZBESCHREIBUNG | äthiopisch-US-amerikanischer Politökonom und Entwicklungsforscher |
| GEBURTSDATUM | 1949 |
| GEBURTSORT | Gondar, Äthiopien |
| STERBEDATUM | 31. Mai 2026 |
| STERBEORT | Stockholm |