

Félix Edouard Vallotton (* 28. Dezember 1865 in Lausanne; † 29. Dezember 1925 in Neuilly-sur-Seine bei Paris; heimatberechtigt in Vallorbe) war ein Schweizer, später auch französischer Maler, Grafiker, Holzstecher, Kunstkritiker und Schriftsteller.
Félix Vallotton war der Sohn des Apothekers und späteren Chocolatiers Armand Adrien und der Emma Vallotton, geborene Roseng. Er hatte einen älteren Bruder, Paul (1864–1936), und eine jüngere Schwester, Hélène (1867–1947) und entstammte einer protestantischen Familie, die seit dem 15. Jahrhundert in Vallorbe im Kanton Waadt verzeichnet ist. Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte er in Lausanne, wo er auch das kantonale Gymnasium besuchte. Mit sechzehn Jahren ging er nach Paris und liess sich an der Académie Julian bei Gustave Boulanger und Jules-Joseph Lefebvre zum Maler ausbilden.
1899 heiratete er Gabrielle Bernheim (1863–1932), geschiedene Rodrigues-Henriques, Tochter des Pariser Kunsthändlers und Inhabers der Galerie Bernheim-Jeune, Alexandre Bernheim (1836–1915), und Schwester von Joseph Bernheim-Jeune (1870–1941) und Gaston Bernheim de Villers (1870–1953). Ab diesem Jahr widmete er sich hauptsächlich der Malerei. 1900 wurde er französischer Staatsbürger. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg nahm er an zahlreichen internationalen Ausstellungen teil.

Im Alter von 60 Jahren starb Félix Vallotton im Jahr 1925 an den Folgen einer Krebsoperation in Neuilly-sur-Seine bei Paris. Sein Grab befindet sich auf dem Pariser Cimetière du Montparnasse.
Vallottons Werk ist vielfältig und umfasst über 200 Holzschnitte, zahlreiche Zeichnungen, etwa 1700 Gemälde und einige Skulpturen. In seiner Malerei orientierte er sich an Gustave Courbet und Édouard Manet, legte jedoch besonderes Gewicht auf kräftige Umrisse und übersteigerte Plastizität der Gestalten.
1909 erhielt Vallotton in Zürich seine erste Museumsausstellung. In Paris wurde er von der renommierten Galerie Druet unter Vertrag genommen.
Zusätzlich verfasste er drei Romane, darunter La vie meurtrière (1905) und Corbehaut (1920), mehrere Theaterstücke und eine Reihe von Essays und Kunstkritiken.

Vallotton suchte Inspiration in der scharfsinnigen Objektivität der grossen Vertreter des historischen Realismus, bei Lucas Cranach dem Älteren, Albrecht Dürer und Hans Holbein, bei Nicolas Poussin und Jean-Auguste-Dominique Ingres. Seine Leitprinzipien waren Redlichkeit und Ehrlichkeit, ein Erbe der protestantischen Ethik, die seine Jugend prägte, aber auch ein Leitfaden für die kommenden Jahre, in denen er sich als scharfer Kritiker der Unterdrückung des einfachen Volkes und der Heuchelei des Bürgertums etablieren sollte. Die Porträtmalerei bot ihm die Möglichkeit, die Ablehnung der Idealisierung durch die ungeschönte Beobachtung seiner Modelle – seien es Familienmitglieder oder sein eigenes Spiegelbild – in die Praxis umzusetzen.
Im Jahr 1885 stellte er zum ersten Mal im Salon des Champs-Élysées aus und begann sein Livre de raison, ein chronologisches Verzeichnis seines Œuvres, das er bis zu seinem Tod weiterführte. Im Jahr 1890 nahm er an der ersten «Exposition nationale suisse des Beaux-Arts» in Bern teil, und 1891 stellte er im Salon des Indépendents aus.





1889 lernte er Hélène Chatenay kennen, die sein Modell wurde. 1890 schrieb er seine erste Kunstkritik für La Gazette de Lausanne, die bis 1897 insgesamt 28 seiner Artikel veröffentlichen sollte.
In den 1890er Jahren wurde Vallotton vor allem durch seine Holzschnitte bekannt, die mit einer neuartigen Flächenaufteilung und ihren harten Schwarz-Weiss-Kontrasten für Aufsehen sorgten und in Zeitschriften wie La Revue blanche, Pan und Die Insel erschienen. Im Jahr 1892 wurde er Mitglied der Künstlergruppe Nabis.

1908 lernte er die Sammlerin Hedy Hahnloser-Bühler kennen, die ihn in seinem Pariser Atelier besuchte. Sie förderte den Künstler zeitlebens und kaufte viele seiner Werke. Ebenso machte sie ihn in der Deutschschweiz bekannt und liess sich und ihre Familie von ihm in ihrer Winterthurer Villa Flora porträtieren. Matthias Frehner beschreibt Hahnloser im Historischen Lexikon der Schweiz als die bedeutendste Schweizer Kunstsammlerin ihrer Generation. 1936 verfasste sie den Œuvrekatalog über Vallotton.
Vallotton war auch als Schriftsteller aktiv. Er verfasste drei Romane, zahlreiche Theaterstücke, Essays sowie Kunstkritiken. Die Romane sind stark von seiner eigenen Biografie und von psychologischer Tiefe geprägt, wie z. B. der Roman "La Vie meurtrière (Das mörderische Leben)", der sich mit der Psyche eines Künstlers beschäftigt. Ab ca. 1902 verfasste Vallotton auch Dramen, die Familie, Ehe, Geld und gesellschaftliche Reputation thematisieren in durchaus auch sarkastischer Manier. Er zählte zur intellektuellen Pariser Avantgarde und schrieb regelmäßig Beiträge für Zeitschriften. In seinen Essays und Kunstkritiken setzte er sich unter anderem mit den Werken seiner Künstlerkollegen auseinander. Sein 1907 entstandenes Porträt der Schriftstellerin Gertrude Stein ist berühmt.
Die weltweit bedeutendste Sammlung von Vallottons Werken, darunter auch zahlreiche Deposita der Gottfried Keller-Stiftung, wie das Archiv des Künstlers ebenso, befinden sich im Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne, auf der Plateforme 10, dem Kunst- und Kulturzentrum im Herzen der Stadt. Betreut wird das Œuvre von der 1998 gegründeten Fondation Felix Vallotton. Katia Poletti ist seit 2005 Konservatorin der Stiftung.
Im Sikart-Lexikon des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft sind rund 350 Einzel- und Gruppenausstellungen des Künstlers erfasst.

In Martin Suters Roman Der letzte Weynfeldt spielen Vallottons Bild Femme nue devant une salamandre (Nackte Frau vor einem Salamander) und eine Fälschung dieses Gemäldes eine zentrale Rolle.
In der Verfilmung eines Romans von Metin Arditi, Juliette dans son bain (dt.: Juliette im Bade), wird Vallottons Gemälde Le ballon zur Illustration eines zentralen Motivs der Geschichte, «Hinsehen lernen», verwendet.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vallotton, Félix |
| ALTERNATIVNAMEN | Vallotton, Félix Edouard |
| KURZBESCHREIBUNG | französisch-schweizerischer Maler, Grafiker und Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 28. Dezember 1865 |
| GEBURTSORT | Lausanne |
| STERBEDATUM | 29. Dezember 1925 |
| STERBEORT | Paris |