| Felsenburg Althirschstein | ||
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| Alternativname(n) | Wehranlage Althirschstein | |
| Staat | Deutschland | |
| Ort | Hirschstein | |
| Burgentyp | Höhenburg, Felsklippenlage | |
| Erhaltungszustand | Burgstall; Abschnittsgraben erhalten | |
| Geographische Lage | 51° 16′ N, 13° 24′ O | |
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Die Felsenburg Althirschstein ist eine abgegangene mittelalterliche Befestigung auf dem linken Hochufer der Elbe im Gebiet der Gemeinde Hirschstein im Landkreis Meißen. Von der Anlage haben sich keine aufgehenden Bauteile erhalten; kennzeichnendes und im Gelände noch ablesbares Merkmal ist ein Abschnittsgraben, der die Felsklippe von der rückwärtigen Hochfläche trennt. Die Burgstelle ist als Bodendenkmal geschützt und wird in der amtlichen Aufstellung als Wehranlage „Althirschstein“ geführt.
Die Felsenburg gehört zu einer Gruppe von drei befestigten Plätzen, die sich auf dem Abschnitt des Elbhochufers zwischen den heutigen Ortsteilen Althirschstein und Neuhirschstein nachweisen lassen. Neben ihr sind dies ein slawenzeitlicher Ringwall weiter nördlich und eine mittelalterliche Spornburg im südlichen Gutsbereich von Neuhirschstein, die durch das heutige Schloss Hirschstein überbaut wurde. Zur Anlage selbst liegen weder Vermessungen noch publizierte Grabungsergebnisse vor; ihre Datierung, ihre Funktion und ihr Verhältnis zu den beiden Nachbarplätzen sind entsprechend unsicher.
Die Burgstelle liegt auf einer bewaldeten Felsklippe des linken Elbhochufers, nördlich von Neuhirschstein und südsüdöstlich von Althirschstein. Die Bodendenkmalpflege bestimmt ihre Lage ausdrücklich als südsüdöstlich sowohl des Dorfes Althirschstein als auch des slawenzeitlichen Ringwalls. Erschlossen wird der Bereich durch die Wanderwege „Zur alten Försterei“ und den Hermann-Ludwig-Weg; die in verschiedenen Verzeichnissen angegebenen Koordinaten schwanken um wenige Hundert Meter.
Naturräumlich liegt der Platz dort, wo die Lößrandstufe, ein 20 bis 30 Meter hoher Geländeabsatz, von Westen kommend bei Althirschstein die Elbe erreicht.
Verkehrsgeographisch war der Abschnitt durch den Elbübergang bei Merschwitz bestimmt. Über die Furt zwischen Boritz und Merschwitz führte der südliche Zug der Hohen Straße nach Großenhain; die Verbindung zwischen den Elbfurten von Strehla und Boritz/Merschwitz war im Hoch- und Spätmittelalter eine geläufige Route in die Oberlausitz. Der strategische Bezug der Wehranlagen dieses Elbabschnitts auf den Fluss – zugleich als Schifffahrtsweg und über die Übergänge mit Furt und Fähre – ist nach Gerhard Billig unverkennbar und reicht in seinen Grundzügen bis in die Bronzezeit zurück.
Die Anlage nutzte eine aus dem Hochufer vorspringende Felsklippe, die auf drei Seiten durch die Steilhänge zur Elbaue natürlich gesichert war. Die einzige leicht zugängliche Landseite wurde durch einen quer über den Rücken geführten Abschnittsgraben abgeriegelt. Dieser Graben ist der einzige heute noch deutlich erkennbare Bestandteil der Befestigung; Mauerwerk oder Wallreste sind obertägig nicht überliefert. Angaben zur Größe der Innenfläche, zu Grabenmaßen oder zu einer möglichen Innenbebauung sind nach dem allgemein zugänglichen Forschungsstand nicht publiziert; systematische Ausgrabungen sind nicht bekannt.
Die Bezeichnung „Felsenburg“ folgt der Benennung in der Bodendenkmalliste und ist nicht als typologische Zuweisung im Sinne der sächsischen Burgenforschung zu verstehen. Billig fasst die eigentlichen Felsenburgen als Sonderform auf, die schwerpunktmäßig im Elbsandsteingebirge auftritt und als späte Erscheinung des ausgehenden 14. und des 15. Jahrhunderts aus einem gesteigerten Schutzbedürfnis hervorging; kennzeichnend sind dabei die Abrückung der Wehranlage von der Siedlung sowie aufwendige Lösungen für Zugang und Wasserversorgung. Der Befund von Althirschstein – befestigte Felsklippe mit vorgelegtem Abschnittsgraben – ist deshalb nicht ohne Weiteres dieser späten Gruppe zuzurechnen; kleine Wehranlagen mit Abschnittsgraben treten in Sachsen auch als hoch- und frühmittelalterliche Vorgängeranlagen auf.
Der Elbabschnitt zwischen Meißen und Strehla gehörte im Früh- und Hochmittelalter zum Netz der Burgwarde. Nach Billig lagen die Burgwardmittelpunkte elbabwärts der Landesburg Meißen überwiegend auf dem westlichen Ufer; flussabwärts folgten auf Zehren mit dem gegenüberliegenden Zadel die Bezirke Boritz, Leckwitz, Gröba und Strehla. Die Organisation dieses Abschnitts erscheint 979/984 mit dem Elbzoll zwischen Strehla – dem ältesten Übergang der Hohen Straße – und Meißen verbunden.
Der Burgward Boritz ist schriftlich fassbar: 983 wurde dem Meißner Domkapitel dort das ius laborandi et inquirendi übertragen, das Walter Schlesinger als Rodungsrecht deutet. 1065 übertrug König Heinrich IV. die drei Elbburgwarde Strehla, Gröba und Boritz an das Bistum Naumburg, das in ihnen bis in das frühe 13. Jahrhundert eine eigene Landesherrschaft mit der Burggrafschaft Strehla aufbaute. Im Burgward Boritz überschnitten sich dabei früh mehrere Herrschaftsträger; seit dem beginnenden 12. Jahrhundert traten vor allem das naumburgische Eigenkloster Riesa und das Domkapitel Meißen als rivalisierende Kräfte auf.
Im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts war der Verfall der Burgwardorganisation in den drei naumburgischen Elbburgwarden abgeschlossen. Mit ihm verschwanden die Burganlagen zwischen Meißen und Strehla, unter ihnen Boritz. Wo der befestigte Mittelpunkt des Burgwards Boritz genau lag, wird in der Forschung nicht bestimmt; für den benachbarten Burgward Gröba hält Billig ausdrücklich fest, dass ein sicherer befestigter Mittelpunkt im heutigen Bild unbestimmbar bleibe.
Im beginnenden 13. Jahrhundert entstanden zwischen den aufgegebenen Burgwardplätzen die Anlagen von Seußlitz und Hirschstein neu – nunmehr eingeordnet in die markgräfliche Landesherrschaft, aber mit denselben Aufgaben gegenüber Fluss und Talraum. In seiner Übersicht der sächsischen Burgwarde vermerkt Billig zum Burgward Boritz ausdrücklich „Benachbart Hirschstein, Ablösung“ und bestimmt Hirschstein damit als den Nachfolgeplatz des früheren Burgwardmittelpunktes.
1205 erscheint erstmals der Ministeriale Wignand von Hirschstein, den Billig mit dem Bau der Burg auf dem markanten Felsstock im Elbtal – dem später vom Schloss überbauten Platz in Neuhirschstein – in Verbindung bringt. Die Herren von Hirschstein stammten aus Nonnewitz bei Zeitz; ob sie im Gefolge des Bischofs von Naumburg oder des Markgrafen Dietrich des Bedrängten in das Meißner Elbtal gelangten, ist nicht geklärt. Seit 1205 zählten sie zur Klientel des Markgrafen und gehörten gemeinsam mit Otte von Seußlitz zu der von Dietrich dem Bedrängten neu formierten Meißner Burgmannschaft. Nachdem Seußlitz 1268 zum Klarissenkloster umgestaltet worden war, übernahm Hirschstein allein die Kontrolle des Elblaufs in diesem Abschnitt.
Billig behandelt die Felsenburg Althirschstein in diesem Zusammenhang nicht gesondert. Sein Modell – Aufgabe der frühmittelalterlichen Befestigungen im frühen 12. Jahrhundert, Neugründung um 1200 auf dem Felssporn von Neuhirschstein – bietet gleichwohl den Rahmen, in den die drei Fundplätze des Abschnitts einzuordnen sind, und macht eine Verlagerung des Herrschaftsmittelpunktes von den älteren, heute im Wald gelegenen Plätzen auf den verkehrsgünstigeren Sporn oberhalb der späteren Gutssiedlung wahrscheinlich.
Die regionale Literatur setzt die Ersterwähnung der Felsenburg in das Jahr 979 und nimmt anhand des Fundmaterials eine Nutzung bis in das 12. Jahrhundert an. Diese Zuweisung ist nicht gesichert. Die für die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts überlieferten Nachrichten betreffen den Burgward Boritz, nicht eine namentlich genannte Burg Hirschstein; einschlägig sind die Zollnachricht von 979/984 und die Übertragung des Rodungsrechts an das Meißner Domkapitel im Jahr 983. Ebenso dürfte die in der Heimatliteratur verbreitete Angabe, Heinrich IV. habe die Burg Hirschstein 1064/65 verlehnt, auf die Übertragung der Burgwarde Strehla, Gröba und Boritz an das Bistum Naumburg im Jahr 1065 zurückgehen.
Ein Teil der Burgenliteratur lokalisiert den Burgwardsitz auf dem benachbarten slawenzeitlichen Ringwall, dessen Keramikfunde in das 10. bis 12. Jahrhundert datiert werden und der im Volksmund ebenfalls „Boritz“ genannt worden sei. Eine eindeutige Verknüpfung der Schriftquellen mit einem der drei Fundplätze ist nach dem gegenwärtigen Forschungsstand nicht möglich.
Urkundlich zweifelsfrei fassbar wird der Ortsname erst 1205 mit Wicnandus de Herstein; die zugehörige Burg ist seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar und wird der später vom Schloss überbauten Spornburg zugeordnet. Der Name des Dorfes Althirschstein erscheint 1427 als Alden Herstein; die Unterscheidung von „Alt-“ und „Neuhirschstein“ setzt damit spätestens im 15. Jahrhundert ein.
Eine zusammenfassende Untersuchung beider Burgen legte Reinhard Spehr 2012 in der Reihe Burgenforschung aus Sachsen vor.
Der Bereich nördlich des Schlosses Hirschstein wurde im 18. und frühen 19. Jahrhundert durch die Grafen von Loß in den Landschaftspark des Rittergutes einbezogen; dabei wurde nach der denkmalpflegerischen Dokumentation ausdrücklich auch die Ringwallanlage in die Parkgestaltung integriert. Auf einer als „Altes Schloss“ beziehungsweise Burg- oder Wartberg bezeichneten Porphyrformation ließ Graf von Loß 1810 eine künstliche Ruine errichten, die heute nicht mehr vorhanden ist. Ob und in welchem Umfang diese Parkgestaltung auch die Felsenburg berührte, ist in der Literatur nicht geklärt; die Benennungen „Altes Schloss“, „Alter Wall“ und „Burgberg“ werden in Ortsüberlieferung und Kartenwerken uneinheitlich verwendet.
Die Felsenburg ist in der Aufstellung der geschützten Bodendenkmale des ehemaligen Bezirks Dresden von Harald Quietzsch und Heinz Jacob (1982) als Wehranlage „Althirschstein“ verzeichnet; für Sachsen liegen bislang keine neueren allgemein zugänglichen Bodendenkmallisten vor. Ausgrabungen sowie Veränderungen am Bodendenkmal sind genehmigungspflichtig.