Florentine „Tita“ Naylor (* 19. Februar 1922 in Grünberg, Provinz Niederschlesien als Florentine Felicitas Isabel Agnes Jancke; † 2013 vermutlich in Ratekau bei Lübeck) war eine deutsche literarische Übersetzerin und Schriftstellerin.
Florentine Jancke, wie sie vor ihrer Heirat hieß, wurde 1922 in der niederschlesischen Stadt Grünberg geboren. Ihre Eltern waren Karl Gustav Jancke (1886–1934), der Eigentümer der Tuch- und Kunstwollwerke Jancke & Co., und dessen aus Lübeck stammende Ehefrau Felicitas, geb. Vermehren (1898–1977). Sie absolvierte 1942 ihr Abitur in Lübeck und begann in Berlin ein Journalismus-Studium, das sie jedoch wegen des Zweiten Weltkriegs nicht beenden konnte. Auch eine Ausbildung zur Keramikerin in Bunzlau konnte sie nicht abschließen.
Noch vor dem Kriegsende heiratete Florentine Jancke 1943 in Lübeck-Travemünde den Textilingenieur Hans Edmund Naylor (1917–1999), dessen Vater George Naylor nach dem frühen Tod ihres Vaters die Leitung der elterlichen Textilfabrik in Grünberg übernommen hatte. Aus ihrer Ehe gingen drei Töchter hervor.
In den 1950er und 1960er Jahren lebte Florentine Naylor mit ihrer Familie im Ausland. 1953 zog sie zunächst nach Aalborg in Dänemark und 1956 weiter in die Niederlande, wo sie zuerst in Leiden und später in Tilburg wohnte. 1968 kehrte sie nach Deutschland zurück. Sie nutzte ihre umfangreichen in den Niederlanden erworbenen Sprachkenntnisse nun beruflich als vereidigte Dolmetscherin für die niederländische Sprache und als Übersetzerin für Gerichte und Buchverlage.
Zumeist gemeinsam mit ihrem Ehemann H. E. Naylor übersetzte sie zahlreiche Bücher aus dem Niederländischen ins Deutsche – darunter mehrere Kinderbücher der niederländischen Schriftstellerin Dieuwke Winsemius (1916–2013), die sich mit Umweltproblemen und mit Tieren befassen. Laut dem niederländischen Lexicon van de jeugdliteratuur (Lexikon der Jugendliteratur) war die deutsche Übersetzung von De vondeling van het wad (Das Findelkind vom Watt), das nach einem Besuch der Seehund-Aufzuchtstation Pieterburen entstanden war, besonders erfolgreich und verkaufte sich 80.000 Mal. Daneben übersetzte sie auch einige niederländische Sachbücher aus unterschiedlichsten Themengebieten.
Ihre niedergeschriebenen Erinnerungen an ihre Kriegserlebnisse als junge Frau in Lübeck wurden 1982 in einer Ausgabe des Lübecker Heimatjahrbuchs Der Wagen veröffentlicht. Sie bestehen aus ihrem Abituraufsatz Im Zauber einer alten Stadt aus dem Jahr 1942, ihrem Bericht Der Angriff über die Bombardierung Lübecks 1942 sowie dem dritten Teil mit dem Titel Das Wiedersehen, in dem sie ihre Perspektive auf Lübeck nach fast vierzig Jahren schildert. In einer Besprechung zur angekündigten Neuerscheinung Der Wagen 1982 hieß es in den Lübeckischen Blättern:
„Sehr eindrucksvoll schreibt Florentine, genannt Tita, Jancke, jetzt Naylor, vom alten, vom zerstörten und vom auferstandenen Lübeck. Zugrunde liegt ihr Abiturientenaufsatz „Im Zauber einer alten Stadt“, der wenige Tage vor dem britischen Bombardement auf Lübeck in der Nacht vom 28. auf den 29.3.1942 in einer Feierstunde verlesen wurde. „Der Angriff“ heißt dann ihr im gleichen Jahr niedergeschriebener Bericht über die persönlichen Erlebnisse des kriegerischen Ereignisses, das 300 Menschenleben kostete und große Teile der Altstadt vernichtete. Nach fast vierzig Jahren kommt sie wieder in die Hansestadt: „Das Wiedersehen“ ist der dritte Teil ihrer Liebeserklärung an diesen Ort.“
Jahrzehnte später, in hohem Alter, veröffentlichte Naylor das autobiografisch geprägte Werk Späte Früchte für die Seele. Passend zum Titel illustrierte sie Einband und Text des Buchs mit eigenen Aquarellen heimischer Früchte. Es erschien 2011 im Berliner Zeitgut Verlag, der sich auf die Publikation von Zeitzeugen-Erinnerungen konzentriert. In 22 Einzelbetrachtungen schildert Naylor in ihrem Buch den Alltag von heute aus ihrer Sicht als älterer Mensch und als Zeitzeugin mit acht Jahrzehnten Lebenserfahrung. 2012 verfasste sie noch zwei Beiträge zu einer Anthologie mit Kindergeschichten.
Seit 1999 verwitwet, lebte Florentine Naylor zuletzt in der Nähe von Lübeck und starb 2013. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof in Ratekau.
Ihr Großvater mütterlicherseits war der Jurist und Senator der Hansestadt Lübeck, Julius Vermehren.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Naylor, Florentine |
| ALTERNATIVNAMEN | Jancke, Florentine Felicitas Isabel Agnes (vollständiger Name); Jancke, Tita (Kurzname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Übersetzerin und Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 19. Februar 1922 |
| GEBURTSORT | Grünberg in Schlesien |
| STERBEDATUM | 2013 |
| STERBEORT | unsicher: Ratekau |