Frühling

Frühlingswiese: Sumpfdotterblume,
Wiesenschaumkraut, im Hintergrund: Schlehdorn
Konstellation von Erde und Sonne zu verschiedenen Jahreszeiten (nicht maßstabsgetreu)

Der Frühling oder Lenz (von mittelhochdeutsch lenze, von germanisch *langat-tin von *tina ‚Tag‘, nach den länger werdenden Tagen), auch das Frühjahr genannt, ist eine der vier Jahreszeiten und folgt auf den Winter. Die astronomisch bestimmte Jahreszeit Frühling beginnt mit einer Tag-und-Nacht-Gleiche und endet mit der Sommersonnenwende.

Im Laufe eines Jahres ändern sich Tageslänge (als Dauer des lichten Tages) und Tagbogen der Sonne (mit höchstem mittäglichem Sonnenstand) abhängig von der geographischen Breite eines Ortes verschieden stark. Dies führt in mittleren Breiten zu deutlich ausgeprägten Jahreszeiten, die sich auf beiden Hemisphären der Erde in jährlichem Turnus wiederholen. Während auf der einen Hemisphäre Herbst ist, ist auf der anderen Frühling; vom Südfrühling der Südhalbkugel wird daher der Nordfrühling der Nordhalbkugel unterschieden. In den gemäßigten Zonen ist es die Zeit der erwachenden und sprießenden Natur.

Entstehung

Zeitraum

Der Frühlingsbeginn kann auf unterschiedliche Weise festgelegt werden; astronomisch geschieht dies nach der Stellung der Erde zur Sonne, meteorologisch meist nach Kalendermonaten und phänologisch nach den Stadien sich entwickelnder Pflanzen, etwa ihrer Blüte. Meteorologisch wird er meist auf Anfang März angesetzt und dauert drei Monate.

Astronomisch beginnt der Frühling mit dem Äquinoktium, einer „Tag-und-Nacht-Gleiche“:

Mit dem astronomischen Sommerbeginn zur Sommersonnenwende am 21. Juni endet der astronomische Frühling gegenwärtig immer am gleichen Tag.

Meteorologisch beginnt der Frühling:

Er ist (meteorologisch gesehen) – wie auch die drei anderen Jahreszeiten Sommer, Herbst und Winter – genau drei Monate lang und wurde aus Gründen der Statistik so festgelegt. Aus diesen statistischen Zeiträumen dürfen aber keine Erwartungen an das Wetter abgeleitet werden, sie sind jeweils die drei Kalendermonate, in denen am ehesten ein sommerliches etc. Wetter zu erwarten ist. Durch diese Einteilung können Monate einfacher in „trocken“, „heiß“, „kalt“ usw. eingeteilt werden.

Schneeglöckchen, Galanthus

Phänologisch beginnt der Frühling mit dem ersten Blühen regional unterschiedlicher Pflanzenarten.

In Mitteleuropa beginnt demnach der Vorfrühling, von Mitte Februar bis Ende März, bereits mit den ersten Blüten der Schneeglöckchen. Der Vollfrühling, von Ende April bis Ende Mai, ist aber erst mit dem Blühbeginn der Apfelbäume erreicht. Dieser Zeitraum, in dem die Natur erwacht, wird im deutschen Sprachgebrauch allgemein als Frühjahr bezeichnet.

Wirkung auf den Menschen

Zärtlichkeiten unter Apfelblüten

Mit der steigenden Lichtintensität werden vermehrt Serotonin, und die Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron ausgeschüttet. Serotonin sorgt für ein besseres Allgemeinbefinden und kann eine leicht euphorische Stimmung bewirken. Daher erwachen bei vielen Menschen besonders im Frühling die sogenannten Frühlingsgefühle, – falls noch nicht vorhanden – die Suche nach einem Partner und Verliebtheit. Das gleiche Phänomen gibt es in der Tierwelt (Appetenzverhalten, Balz, Brut- und Setzzeit). Vermutlich spielen beim Menschen auch optische Reize durch leichtere Kleidung eine Rolle. Bei manchen Menschen jedoch stellt sich stattdessen eine Frühjahrsmüdigkeit ein.

Sonstiges

Redewendungen

Literatur und Musik

Zahlreiche Gedichte, Anthologien und Frühlingslieder widmen sich dem Frühling und seinen Eigenheiten.

Siehe auch

Commons: Frühling – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Frühling – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Frühling – Zitate
Wikisource: Frühling – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ↑ FRÜHLING, m. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 4: Forschel–Gefolgsmann – (IV, 1. Abteilung, Teil 1). S. Hirzel, Leipzig 1878, Sp. 294–298 (woerterbuchnetz.de).
  2. ↑ LENZ, m. In: Deutsches Wörterbuch. Band 12, 1885, Sp. 753–756 (woerterbuchnetz.de).
  3. ↑ Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 436 (Lenz).
  4. ↑ FRÜHJAHR, n. In: Deutsches Wörterbuch. Band 4, 1878, Sp. 293 (woerterbuchnetz.de).
  5. ↑ Eintrag Frühjahr in duden.online.
  6. ↑ Zur Geschichte verschiedener Wörter für „Frühling“ siehe Christoph Landolt: Frühling auf Schweizerdeutsch: Uustag, Huustage & Langsi, Lanzig. Wortgeschichte vom 28. März 2023, hrsg. von der Redaktion des Schweizerischen Idiotikons.
  7. ↑ Hayk S. Arakelyan: Springtime lethargxy. In: Medical Biorhytmology, 2019.
  8. ↑ Sonne steigert Lust auf Sex
  9. ↑ Tanja Müller: Testosteron erhöht das Balzverhalten (Memento vom 24. August 2018 im Internet Archive) In: Südwest Presse vom 3. April 2018
  10. ↑ J. S. Lonstein, K. Linning-Duffy, L. Yan: Low Daytime Light Intensity Disrupts Male Copulatory Behavior, and Upregulates Medial Preoptic Area Steroid Hormone and Dopamine Receptor Expression, in a Diurnal Rodent Model of Seasonal Affective Disorder. In: Frontiers in behavioral neuroscience. Band 13, 2019, S. 72, doi:10.3389/fnbeh.2019.00072, PMID 31031606, PMC 6473160 (freier Volltext).
  11. ↑ Junfeng Chen, Kousuke Okimura, Takashi Yoshimura: Light and Hormones in Seasonal Regulation of Reproduction and Mood
  12. ↑ Hayk S. Arakelyan: Springtime lethargxy. In: Medical Biorhytmology, 2019.
  13. ↑ Frühlingsgefühle im Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache
  14. ↑ Frühlingsgefühle, zusammengestellt von Helen Lenz, mit Vignetten von Sabine Seliger, Philipp Reclam jun., Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-010591-7
  15. ↑ Und wie schön ist noch die Welt, Frühlingsgedichte, mit farb. Fotogr. von Isolde Ohlbaum, Hrsg. Matthias Reiner, Insel Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-458-20007-9.