
Francesco Morandini (auch il Poppi; * um 1544 in Poppi, Provinz Arezzo; † zwischen dem 3. und 9. April 1597 in Florenz) war ein italienischer Maler des Manierismus, der vor allem in Florenz tätig war. Bereits im Jahr 1584 würdigte Raffaello Borghini Francesco Morandini in seinem Traktat Il Riposo mit einer eigenen Biografie. Der im Testament von 1588 erwähnte Zeichnungskonvex, von dem 77 Blätter in den Uffizien erhalten sind, gilt aufgrund seiner Systematik und sorgfältigen Ausführung in schwarzer Kreide als eine Art Zeichenlehrbuch. In der kunsthistorischen Forschung wird er als eigenständiges Zeugnis von Morandinis Studienpraxis gewertet.
Francesco Morandini wurde 1544 in Poppi im Casentino als Sohn des Notars Stefano Morandini geboren. Im Alter von etwa 20 Jahren trat er in die Werkstatt Giorgio Vasaris in Florenz ein. Von Beginn seiner künstlerischen Laufbahn an wurde er von Vasaris Freund und ikonographischem Berater Vincenzo Borghini gefördert, der das Florentiner Findelhaus (Spedale degli Innocenti) leitete und in dem Morandini zunächst auch wohnte. Für das Spedale degli Innocenti malte er um 1565/66 ein Altarbild mit der thronenden Maria mit Kind als Beschützerin der Waisenkinder. Das Bild befindet sich heute in der Sala del Priore.
Im Herbst 1565 wirkte Morandini am Festapparat anlässlich der Hochzeit von Francesco de’ Medici mit Johanna von Österreich mit. Zwei Jahre später erhielt er von dem jungen Regenten den Auftrag für eine Darstellung des Goldenen Zeitalters (National Gallery of Scotland, Edinburgh), für die er eine Entwurfszeichnung Vasaris (Louvre, Paris) verwendete. In den Jahren 1568/69 gestaltete er mehrere kleinformatige Szenen an der Predella des monumentalen Hochaltars von Santa Croce in Boscomarengo im Piemont. Dieser Auftrag stammte von Papst Pius V. und wurde von Vasari gemeinsam mit Mitarbeitern ausgeführt – neben Morandini waren dies Giovanni Battista Naldini und Jacopo Zucchi.

Unterstützt von Zucchi freskierte Morandini das Tonnengewölbe im Studiolo von Francesco I. im Palazzo Vecchio. An dessen Bildausstattung war er 1570/71 zudem mit den ovalen Tafeln Die Bronzegießerei und Alexander der Große überlässt Apelles seine Geliebte Kampaspe beteiligt. Am 29. September 1572 bezog er das Haus des Bildhauers Vincenzo Danti in der heutigen Via San Reparata in Florenz. In dieser Zeit dürfte die Tafel Tobias und der Engel für die Compagnia dell’Arcangelo Raffaele in Prato entstanden sein (heute im Museo Civico di Prato). Kurz darauf malte er die vielfigurige Beweinung Christi, flankiert von den Heiligen Petrus Martyr und Jakobus d. Ä., für den Altar der Grifoni-Kapelle in San Domenico in San Miniato al Tedesco.
In den Jahren 1575/76 hielt sich Morandini bei seiner Familie in Poppi auf. Dort malte er mehrere Altarbilder für Kirchen im Casentino und berichtete Vincenzo Borghini in Florenz in Briefen über den Fortgang seiner Arbeiten. Anlässlich der Taufe Filippos de’ Medici im Jahr 1577 betreute er die ephemere Dekoration der Außenwände des Baptisteriums in Florenz und führte die Darstellungen Die Taufe Konstantins und Der heilige Felix tauft die Florentiner aus, die heute nicht mehr existieren. In seinem 1584 erschienenen Traktat Il Riposo widmete Raffaello Borghini Morandini eine kurze Biografie und erwähnte mehrere zu dieser Zeit noch in Arbeit befindliche Altarbilder, darunter ein Letztes Abendmahl (Castelfiorentino, Chiesa del Gesù) und eine Darstellung im Tempel (Pistoia, San Francesco). Zur Bildausstattung der Cappella Salviati in San Marco steuerte Morandini neben Alessandro Allori und Naldini das Seitengemälde Christus heilt den Aussätzigen bei, das vor 1588 entstand.
In seinem Testament vom 17. Juli 1588 wird ein Libro de’ disegni di sua mano erwähnt, von dem 77 Blätter im Gabinetto dei disegni e delle stampe der Uffizien erhalten sind. Es handelt sich um Studien nach der Natur, nach antiken und modernen Skulpturen sowie nach Fresken Andrea del Sartos, die über mehrere Jahre entstanden. Morandini porträtierte unter anderem seinen Förderer Vincenzo Borghini (Karlsruhe, Kunsthalle), Großherzog Francesco I. de’ Medici und Pier Francesco de’ Ricci (Prato, Palazzo Comunale). Im Museo di Casa Martelli in Florenz befindet sich ein Ganzfigurporträt des jungen Patriziers Antonio de’ Ricci.
Zu seinen späteren Arbeiten zählen Der heilige Thomas von Aquin vor dem Kruzifix (1593, Sant’Agostino, Prato) und die Gürtelspende Mariens für die Compagnia di Santa Monica in Cortona (1596, Dom von Cortona). Letztere wurde von seinen Malerkollegen Domenico Cresti und Francesco Mati auf 175 Scudi geschätzt. Morandini war aktives Mitglied und Funktionsträger der Accademia del Disegno in Florenz. Nach seinem Tod wurde er im gemeinschaftlichen Grab der Maler in der Kirche Santissima Annunziata beigesetzt.

Francesco Morandinis malerisches Werk steht in der Tradition des florentinischen Manierismus und zeigt insbesondere Einflüsse von Jacopo Pontormo und Francesco Salviati. Charakteristisch sind das Streben nach Eleganz, extravagante Figurenposen, zuweilen dicht gefüllte Kompositionen sowie eine Vorliebe für flackernde Lichtführung. Diesem Stilideal blieb er auch treu, als sich in der Florentiner Malerei des ausgehenden 16. Jahrhunderts, beginnend mit Santi di Tito, eine stärker wirklichkeitsnahe und gefühlsbetonte Darstellungsweise durchzusetzen begann. Werke Morandinis befinden sich unter anderem in Altopascio (San Jacopo), Arezzo (Museo di Casa Vasari), Berlin (Gemäldegalerie), Castiglion Fiorentino, Colle di Val d’Elsa (Dom), Douai (Musée de la Chartreuse), Florenz (Dom Santa Maria del Fiore, San Bartolomeo a Monte Oliveto, Santa Croce, San Michele Visdomini, San Niccolò Oltrarno, Uffizien, Galleria dell’Accademia), Livorno (Santa Caterina da Siena), Neapel (Basilica dell’Incoronata a Capodimonte) und Poppi (Badia di San Fedele).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Morandini, Francesco |
| ALTERNATIVNAMEN | il Poppi |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Historien- und Porträtmaler des Manierismus |
| GEBURTSDATUM | um 1544 |
| GEBURTSORT | Poppi |
| STERBEDATUM | zwischen 3. April 1597 und 9. April 1597 |
| STERBEORT | Florenz |