Franz Leitner (* 4. Mai 1897 in Knittelfeld; † 16. August 1960 in Graz) war ein österreichischer Manager und Montanist.
Franz Leitner wurde am 4. Mai 1897 als Sohn von Johann Leitner (* 15. November 1855 in Linz; † 27. März 1934), Maschinenführer bei den k.k. Staatsbahnen, und dessen Ehefrau Maria (geborene Kettl; * 26. Oktober 1860; † 6. Oktober 1932) in Knittelfeld geboren und am Folgetag auf den Namen Franz (Franciscus) getauft. Seine damals an der Linzer Landstraße lebenden Eltern hatten am 4. November 1883 in der damaligen Linzer Josefspfarre geheiratet. In seiner Geburtsstadt absolvierte Leitner die allgemeine Schulausbildung, die er mit dortigen der Oberrealschule beendete. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Italien rückte er als Kriegsfreiwilliger ins Heer ein, wurde im Zuge des Krieges mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille I. Klasse ausgezeichnet und kehrte im Anschluss aus dem Krieg zurück.
Im Jahr 1920 beendete er sein Studium an der Montanistischen Hochschule in Leoben, an der er bereits während der Kriegsjahre inskribiert war. Seine Staatsprüfungsarbeit trug den Titel Chemisch-metallographische Untersuchung der Nachblaseperiode einer Thomascharge. Nach mehreren kurzen beruflichen Zwischenstationen trat er 1922 in die Dienste der Stahlwerke Gebr. Böhler & Co. AG, für die er während des Großteils seiner beruflichen Laufbahn tätig war. Sein beruflicher Aufstieg im Konzern wird etwa im BHM als „steil und unaufhaltsam“ beschrieben. Mit der Dissertation Fehlstellen im Chrom-Nickel-Stahl. Ihre ursächlichen Zusammenhänge unter besonderer Berücksichtigung der primären Kristallausbildung – laut anderen Quellen auch Primärkristallteile in Chrom-Nickelstählen. Ihre Beeinflussbarkeit und ihre Bedeutung für Fehlstellen (1925) – promovierte er nebenbei im Jahr 1924 an der Montanistischen Hochschule Leoben zum Dr. mont. Bei Böhler war er bereits 1926 Stahlwerkschef, gefolgt vom Stahlwerksdirektor 1931 und dem Betriebsdirektor 1935. Im Jahr des Anschlusses Österreichs stieg er zum Vorstandsmitglied und technischen Zentraldirektor auf, ehe er noch vor Kriegsende zum Leiter sämtlicher Werke des Konzerns und damit zum Generaldirektor wurde.
Zu seinen Leistungen zählen die Erweiterung der bestehenden und die Erbauung neuer Werke, wie etwa die Planung und der Bau des Elektrostahlwerks in St. Marein im Mürztal, des damals modernsten Elektrostahlwerks des Deutschen Reiches bzw. Europas. Dieser Standort stellte neben dem Stammwerk in Kapfenberg-Redfeld und dem Werk in Kapfenberg-Deuchendorf den dritten größeren Böhler-Standort in der Region dar. Nach dessen teilweiser Fertigstellung und der Betriebsaufnahme im Juni bzw. Juli 1944 übernahm Helmut Weitzer die Direktionsleitung des Werks. Als damaliger technischer Zentraldirektor in Kapfenberg war Leitner bereits seit 1942 im Planungsstab für das St. Mareiner Werk, dessen Bau 1943 beschlossen worden war, tätig gewesen. Da eine weitere Vergrößerung der Stahlwerks- und Walzwerksanlagen im Stammwerk aus Raummangel unmöglich war, entschied man sich für das nahegelegene St. Marein als neuen Werksstandort. Ursprüngliche Pläne einer Errichtung an der Donau in der Nähe von Wien oder in Linz waren verworfen worden. In seinem äußeren Erscheinungsbild ähnelte das Werk den ab Kriegsbeginn in Deuchendorf errichteten Werksanlagen.
Das noch weitgehend unfertige Elektrostahlwerk in St. Marein hatte jedoch nur kurze Zeit Bestand, da es während der sowjetischen Besatzung nach Kriegsende zwischen Mai und Juli 1945 wieder demontiert wurde. 1944 waren die ersten beiden 30-Tonnen-Elektrolichtbogenöfen errichtet und in Betrieb genommen worden. Die erste Ausbaustufe des Werkes konnte bis Kriegsende jedoch nicht mehr fertiggestellt werden. Beim Bau der Großanlage, für die sich neben Leitner unter anderem auch der bereits erwähnte Helmut Weitzer besonders verdient gemacht hatte, setzte man erstmals eine Reihe völlig neuer Ideen um, von denen einige von Heinrich Müller in dessen im Februar 1941 in Düsseldorf gehaltenen Vortrag Der zweckmäßigste Bau von Lichtbogenofen-Stahlwerken aufgezeigt worden waren. Der Vortrag basierte auf dessen 1940 durch die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen approbierten Dissertation gleichen Titels. Zwei weitere 50-Tonnen-Elektrolichtbogenöfen (bereits weitestgehend fertig, jedoch noch nicht in Betrieb genommen) und zwei 70-Tonnen-Siemens-Martin-Öfen wären noch geplant gewesen. Dieses Elektrostahlwerk war weltweit das erste, bei dem die Öfen in einem separaten Rauchschiff untergebracht waren, in dessen Gerüst sowohl die Ofendeckel als auch die Elektrodenhalterung verankert waren. Dadurch standen die Ofengefäße frei auf Hüttenflur und die Niederspannungsleitungen konnten durch die ebenfalls erhöht positionierten Transformatoren äußerst kurz gehalten werden. Während seines nur zehneinhalb Monate dauernden Betriebs (20. Juni 1944 bis 7. Mai 1945) produzierte das Elektrostahlwerk in St. Marein 21.877 Tonnen Rohstahl in 787 Chargen. Am ehemaligen Werksgelände befindet sich heute (Stand: 2026) das Werk des Treppenbauers Minka (Minka Holz- & Metallverarbeitungs GmbH) sowie eine Wohnsiedlung.
Wie die meisten seiner Kollegen, darunter auch der vier Jahre jüngere Weitzer, musste sich auch Leitner nach Kriegsende ein anderes Betätigungsfeld suchen. Während Weitzer 1947 zur VÖEST nach Linz wechselte, wurde Leitner im selben Jahr Generalkonsulent der Eisenholding GmbH, die wiederum als Dachorganisation der verstaatlichten Eisen- und Stahlbetriebe gegründet worden war. Drei Jahre später trat er 1950 als Gesellschafter und Vorstandsmitglied in das Unternehmen Vogel & Noot in Wartberg ein und war ab dieser Zeit zudem geschäftsführender Gesellschafter beim Eisenwerk Breitenfeld in Mitterdorf. Im Jahr 1956 stieg er zum Vorstandsvorsitzenden von Vogel & Noot auf, wobei die Werke durch ihn einen außergewöhnlichen Aufschwung erlangten. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er 1954 die Aufgabe erhalten, den Ausbau der Werksanlagen der Schoeller-Bleckmann AG zu prüfen und deren Betriebsergebnisse zu verbessern. Nachdem er diese Aufgabe erfolgreich zum Abschluss gebracht hatte, wurde er in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen, dem er fortan als Vizepräsident angehörte. Darüber hinaus gehörte er seit 1956 dem Aufsichtsrat der Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerken (VÖEST) in Linz an. Durch seine vielfältigen Tätigkeiten nahm Leitner maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung weiter Teile der österreichischen Stahlindustrie.
Ab 1926 verfasste er verschiedene Aufsätze in der Fachzeitschrift Stahl und Eisen. Vor allem eine Reihe von Beiträgen und Veröffentlichungen über das Schweißen machten Leitner über Österreich hinaus bekannt. In ebendiesem Fachbereich promovierte er 1933 an der Technischen Hochschule Graz zum Dr. techn.; seine Dissertation trug den Titel Das Schweißen bei hohen Geschwindigkeiten. Auf dem Gebiet der Verbesserung des Schweißens austenitischer Stähle trat Leitner wiederholt als Erfinder in Erscheinung. Zusammen mit Erwin Plöckinger publizierte er im Jahr 1950 im Springer Verlag das Standardwerk Die Edelstahlerzeugung. Schmelzen, Gießen, Prüfen. Der damals in Wartberg wohnhafte Leitner befasste sich vor allem in den letzten Jahren vor seinem Tod im Werk Breitenfeld und in seinen Veröffentlichungen vermehrt mit dem Stranggussverfahren, dessen Bedeutung er als einer der ersten erkannt hatte.
Leitner, der in seiner Freizeit vor allem der Jagd – zumeist in der Veitsch – nachging, sich als Maler und Porträtzeichner versuchte und als fürsorglicher Familienvater galt, starb am 16. August 1960 im Alter von 63 Jahren in Graz. Seine letzte Ruhestätte fand er am Friedhof in Wartberg.
Ihm zu Ehren trägt ein alle zwei Jahre vom technisch-wissenschaftlichen Verein ASMET und der voestalpine Böhler Welding Austria GmbH gemeinsam vergebener Preis für herausragende Leistungen junger Forscher bis 35 Jahre auf dem Gebiet der Schweißtechnik seinen Namen. Der sogenannte Franz-Leitner-Preis ist aktuell (Stand: 2026) mit 2.000 Euro für die beste Dissertation und 1.000 Euro für die beste Masterarbeit dotiert.
In seiner Geburtsstadt Knittelfeld ist die Franz-Leitner-Straße, in der sich unter anderem das Schulzentrum der Stadt befindet, nach ihm benannt.
Zeitlebens wurde Leitner vielfach geehrt. So wurde ihm etwa 1936 vom Verein Deutscher Ingenieure der Ehrenring „Für Arbeit und Leistung“ verliehen. 1956 erfolgte die Auszeichnung zum Bergrat h.c., gefolgt von seiner Ernennung zum Honorarprofessor seiner Alma Mater, der Montanistischen Hochschule Leoben im Jahr 1957. Wiederum ein Jahr später wurde ihm vom Verein Österreichischer Chemiker die Auer-von-Weslbach-Medaille verliehen. Nur wenige Monate vor seinem Tod wurde er im März 1960 von der TH Graz zum Dr. techn. h.c. ernannt. Sein vollständiger Titel und Name zum Zeitpunkt seines Todes lautete: Bergrat h. c., Hon.-Prof., Dr. techn. h. c., Dr. mont., Dr. techn., Dipl.-Ing. Franz Leitner.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Leitner, Franz |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Manager und Montanist |
| GEBURTSDATUM | 4. Mai 1897 |
| GEBURTSORT | Knittelfeld, Österreich-Ungarn |
| STERBEDATUM | 16. August 1960 |
| STERBEORT | Graz, Österreich |