„CandidatusJordarchaeum“ (GTDB: Jordiarchaeum) und „CandidatusFreyarchaeum“ sind Kandidaten-Gattungen der Asgard-Archaeen (Phylum Promethearchaeota bzw. Asgardarchaeota wie in der GTDB, monotypisch im Reich Promethearchaeati).
„Candidatus Freyrarchaeum“ ist eine weitere Kandidaten-Gattung von Archaeen (Reich Promethearchaeati), die aber gemäß LPSN und NCBI-Taxonomie einem eigenen Phylum „Candidatus Freyrarchaeota“ (laut NCBI innerhalb des Reichs Promethearchaeati) zugeordnet wird.
Mit Stand 7. Januar 2026 gibt es vorschlagsgemäß nur jeweils eine Art in diesen Gattungen,
„Ca.Jordarchaeum madagascariense“, [Schreibvariante „Ca.Jordarchaeum madagascarense“] mit Referenzstamm (MAG) EB_bin_7,
„Ca.Freyarchaeum deiterrae“ mit Referenzstamm (MAG) SRVP19_Freyarchaeia-1
„Ca.Freyrarchaeum guaymasense“ mit Referenzstamm (MAG) GB_128
Die Genome Taxonomy Database (GTDB) listet zu diesen Gattungen noch weitere Stämme (MAGs), wobei sie die Gattung „Ca. Freyarchaeum“ mit „Ca. Jordarchaeum“ (dort Jordiachaeum genannt) synonymisiert. Die Familie „Ca. Freyarchaeaceae“ (dort Freyrarchaeaceae genannt) verbleibt aber mit einer zusätzlichen Metagenomik-Gattung (provisorische Bezeichnung DTBI01). Mit einher geht eine abweichende Aufteilung der Stämme, Spezies und Gattungen auf die beiden Familien.
Die beide Familien enthaltenden höheren Taxa (Ordnung bis Klasse) sind in der GTDB synonymisiert. Als Phylum ist dort Asgardarchaeota angegeben (heute offiziell Promethearchaeota, monotypisch im Reich Promethearchaeati), d.h. übereinstimmend die Asgard-Archaeen.
Stamm QZM_A2(N,G) – Fundort: Metagenom aus Thermalquelle, Gemeinde Quchomo (alias Qǔzhuómù, QuZhuoMu) im Kreis Cona (Shannan) (alias CuoNa, Tshona), Tibet(N)
Stamm QZM_A2_3(N,G) alias QZMA23B3 – Fundort: ebenda(N) (siehe Asgardviren)
In der GTDB hat die Gattung Jord(i)archaeum (Fam. Jord(i)archaeaceae) einige Mitglieder an die Gattung DTBI01 (Fam. Frey(r)archaeaceae) abgegeben, andererseits aber die Gattung Freyarchaeum (von dieser Familie) aufgenommen.
Das folgende Kladogramm gibt die Taxonomie in vereinfachter Form an:
Aus dem Genom abgeleitete Rückschlüsse auf den Stoffwechsel (Metabolismus) lassen vermuten, dass beiden Klassen „Ca. Jordarchaeia“ und „Ca.Sifarchaeia“ hetero-organotrophe Acetogene (Säurebildner) darstellen, die auch die Fähigkeit besitzen, Methylgruppen wie methylierte Amine zu verwerten, wobei Acetat das wahrscheinliche Endprodukt in den in diesen Gruppen im Lauf ihrer Evolution verbliebenen Überresten des Kern-Stoffwechsele ihrer methanogene n Vorfahren ist. Sun et al. (2021) nahmen an, dass dieser abgeleitete Modus der Energieerhaltung durch Erweiterungen des genetischen Codes, d.h. durch die Umcodierung von Stoppcodons, verbessert wurde, wodurch die Einbindung der seltenen 21. und 22. AminosäurenSelenocystein (Sec) bei „Ca. Jordarchaeia“ bzw. Pyrrolysin (Pyl) bei „Ca. Sifarchaeia“ ermöglicht wird. Sec-Recodierung wurde nicht nur in „Ca. Jordarchaeia“, sondern auch in anderen Klassen der Asgard-Archaeen gefunden, von denen angenommen wird, dass sie von erhöhten katalytischen Aktivitäten Sec-haltiger Enzyme profitieren.
Etymologie
Der neulateinische Gattungsname Jordiarchaeum bzw. Jordarchaeum ist benannt nach der Göttin der Erde Jörd (oder Jord) der nordischen Mythologie, die am meist mit Liebe und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht wird; der Suffix stammt von altgriechischἀρχαῖοςarchaîos, deutsch ‚archaisch‘, latinisiert zu archaeum‚Archaeon‘; der Name bezeichnet also das „Archaeon der Freya“.
Der ebenfalls neulat. Gattungsname Freyarchaeum ist benannt nach der nordische Göttin Freya; der Suffix ist wieder derselbe.
Im Gegensatz dazu verweist der neulat. Gattungsname Freyrarchaeum auf den nordische Gott Freyr, der Gott des Friedens in der nordischen Mythologie.
Der Artnamenszusatz madagascariense bzw. madagascarense ist ein neulat. Adjektiv mit der Bedeutung ‚von Madagaskar‘ oder ‚zu Madagaskar gehörend‘.
Der Artnamenszusatz deiterrae kommt von lateinischdea‚Göttin‘ (bzw. dem Genitiv von deus‚Gott‘) und dem Genitiv von terra‚Erde‘, meint also „der Göttin (des Gottes) der Erde“.
Anmerkungen
↑insbesondere gehört der Stamm SRVP19_Freyarchaeia-1 dort zur Spezies Jordiarchaeum deiterrae, zudem enthält die Spezies Jordiarchaeum sp030587365 Stämme, die nach NCBI der einen bzw. der anderen Klade zugeteilt werden
12345Luis E. Valentin-Alvarado, Kathryn E. Appler, Valerie De Anda, Marie C. Schoelmerich, Jacob West-Roberts, Veronika Kivenson, Alexander Crits-Christoph, Lynn Ly, Rohan Sachdeva, Chris Greening, David F. Savage, Brett J. Baker, Jillian F. Banfield:Asgard archaea modulate potential methanogenesis substrates in wetland soil. In: Nature Communications. 15. Jahrgang, Nr.1, 31.Juli 2024, ISSN2041-1723, S.6384, doi:10.1038/s41467-024-49872-z, PMID 39085194, PMC11291895(freier Volltext) – (englisch).
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Hiroyuki Imachi, Masaru K. Nobu, Shingo Kato, Yoshihiro Takaki, Masayuki Miyazaki, Makoto Miyata, Miyuki Ogawara, Yumi Saito, Sanae Sakai, Yuhei O. Tahara, Yoshinori Takano, Eiji Tasumi, Katsuyuki Uematsu, Toshihiro Yoshimura, Takashi Itoh: Promethearchaeum syntrophicum gen. nov., sp. nov., an anaerobic, obligately syntrophic archaeon, the first isolate of the lineage ‘Asgard’ archaea, and proposal of the new archaeal phylum Promethearchaeota phyl. nov. and kingdom Promethearchaeati regn. nov. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 74, Nr.7, 5. Juli 2024, ISSN1466-5034, S.006435; doi:10.1099/ijsem.0.006435, PMC11316595(freier Volltext), PMID 38967634 (englisch).
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Jiarui Sun, Paul N. Evans, Emma J. Gagen, Ben J. Woodcroft, Brian P. Hedlund, Tanja Woyke, Philip Hugenholtz, Christian Rinke: Recoding of stop codons expands the metabolic potential of two novel Asgardarchaeota lineages. In: ISME Communications, Band 1, Nr.1, Dezember 2021, S.30; doi:10.1038/s43705-021-00032-0, PMC9723677(freier Volltext), PMID 36739331, Epub: 28. Juni 2021 (englisch). Dazu:
123Luis E. Valentin-Alvarado, Ling-Dong Shi, Kathryn E. Appler, Alexander Crits-Christoph, Valerie De Anda, Benjamin A. Adler, Michael L. Cui, Lynn Ly, Pedro Leão, Richard J. Roberts, Rohan Sachdeva, Brett J. Baker, David F. Savage, Jillian F. Banfield:Complete genomes of Asgard archaea reveal diverse integrated and mobile genetic elements. In: Genome Research. 34. Jahrgang, Nr.10, 27.August 2024, ISSN1088-9051, S.1595–1609, doi:10.1101/gr.279480.124, PMID 39406503, PMC11529989(freier Volltext) – (englisch).