Friedl Schlichtinger

Friedl Schlichtinger (* 3. Juli 1911 in Regensburg als Friederike Schlichtinger; † 26. März 1965 ebenda) war eine deutsche Politikerin (SPD).

Leben und Wirken

Friedl (eigentlich Friederike) Schlichtinger entstammte einer traditionsreichen sozialdemokratischen Familie. Sie wurde am 3. Juli 1911 in Regensburg als Tochter von Margarethe und Rudolf Schlichtinger (1864–1937) geboren. Ihr Vater war Oberlehrer, Stadtrat und SPD-Landtagsabgeordneter, ihr vier Jahre jüngerer Bruder war der Landtagsabgeordnete und Oberbürgermeister von Regensburg Rudolf Schlichtinger.

Nach der Mädchenoberschule und der Frauenfachschule in Regensburg besuchte Friedl Schlichtinger die Soziale Frauenschule in München. Von 1928 bis 1931 arbeitete sie als Wohlfahrtspraktikantin in Regensburg und legte 1933 das Staatsexamen für Wohlfahrtspflegerinnen ab. Von 1935 an war sie als Wohlfahrtspflegerin im Eisenbahndienst tätig und leitete ab 1945 die Bezirksfürsorgestelle bei der Eisenbahndirektion Regensburg.

Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zählte Schlichtinger bereits im Juni 1945 zu einem kleinen Kreis überzeugter Sozialdemokraten, die mit der Neugründung der Regensburger SPD begannen. Sie wurde 1946 als eine von wenigen Frauen in den Regensburger Stadtrat gewählt. Bei den Kommunalwahlen 1948 und 1952 wurde sie jeweils wiedergewählt. Als ihr Bruder zum neuen Oberbürgermeister gewählt worden war, musste sie ihren Sitz im Stadtrat aufgeben.

Im Jahr 1950 gehörte sie ein halbes Jahr lang dem Bayerischen Landtag an: Am 5. Juni rückte sie für verstorbenen Christian Endemann bis zum Ende der laufenden Wahlperiode am 11. Dezember 1950 ins Parlament nach. Im Landtag gehörte sie dem Ausschuss für soziale Fragen an; außerdem war sie Mitglied des Gefängnisbeirats der Strafanstalt Amberg. Damit war sie die erste weibliche SPD-Abgeordnete im Bayerischen Nachkriegslandtag.

Ab 1946 baute Schlichtinger die Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Regierungsbezirk Niederbayern-Oberpfalz wieder auf. Von 1946 bis 1950 war sie erste Bezirksvorsitzende der AWO in Niederbayern-Oberpfalz und Mitglied des Landesvorstandes des Verbandes.

Friedl Schlichtinger blieb zeitlebens unverheiratet. Sie wohnte im elterlichen Haus in der Regensburger Spiegelgasse, wo sie am 26. März 1965 im Alter von 53 Jahren starb.

Gedenken

Die Universitätsbibliothekarin Marianne Groß würdigte sie gemeinsam mit Johanna Dachs durch einen mehrseitigen Beitrag in ihrem Buch Regensburger Frauenspuren, das 1995 erschien.

In der 2020 zum 100-jährigen Bestehen der AWO in Bayern erschienenen Ausstellungspublikation Macherinnen. Helferinnen. Frauen und die AWO ist Friedl Schlichtinger gemeinsam mit weiteren Frauen auf dem Titelbild abgebildet und wird im Text als eine der Pionierinnen der bayerischen AWO dargestellt.

Anlässlich des Internationalen Weltfrauentages am 8. März 2024 würdigte der Bayerische Landtag Friedl Schlichtinger als eine der ersten fünf weiblichen Abgeordneten des Landtags der ersten Legislaturperiode. In einer Reihe von Kurzporträts stellte das Parlament ihre Verdienste heraus und erinnerte daran, dass – trotz eines Frauenanteils von nur rund drei Prozent – der Einfluss dieser fünf Frauen beachtlich war. Neben Schlichtinger wurden auch Maria Probst, Zita Zehner, Franziska Gröber und Maria Deku porträtiert.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Susanne Sander: Karrieren und Barrieren. Landtagspolitikerinnen der BRD in der Nachkriegszeit von 1946 bis 1960. Ulrike Helmer Verlag, Königstein 2004, ISBN 3-89741-163-6, S. 307.
  2. ↑ Biografien. Menschen aus Bayern: Rudolf Schlichtinger. Geologe und Politiker. Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 11. April 2026.
  3. ↑ Biografien. Menschen aus Bayern: Rudolf Schlichtinger. Lehrer, Oberbürgermeister. Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 11. April 2026.
  4. 1 2 Landtag 1945–1950: fünf Frauen mit großem politischen Einfluss. Heute: Der politische Weg von Friedl Schlichtinger. Bayerischer Landtag, 8. März 2024, abgerufen am 11. April 2026 (mit Foto von Friedl Schlichtinger in der SPD-Fraktion des Bayerischen Landtags).
  5. ↑ Geschichte des bayerischen Parlaments seit 1819: Schlichtinger Friedl. In: bavariathek.bayern. Abgerufen am 11. April 2026 (mit Foto von Friedl Schlichtinger).
  6. ↑ Macherinnen. Helferinnen. Frauen und die AWO. Jubiläumsausstellung 100 Jahre AWO in Bayern. 2020 (awo-bayern.de (Volltext)), abgerufen am 11. April 2026.
Personendaten
NAME Schlichtinger, Friedl
ALTERNATIVNAMEN Schlichtinger, Friederike (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Politikerin (SPD)
GEBURTSDATUM 3. Juli 1911
GEBURTSORT Regensburg
STERBEDATUM 26. März 1965
STERBEORT Regensburg