Johanna Dachs

Johanna Dachs, auch bekannt als Hanna Dachs (* 4. Dezember 1900 in Weiden in der Oberpfalz als Johanna Kurz; † 28. Januar 1974 in Tegernheim), war eine deutsche Politikerin (CSU). Von 1947 bis 1950 gehörte sie als nichtberufsrichterliches Mitglied dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof an.

Leben und Wirken

Johanna Dachs wurde als Tochter des königlichen Bauamtmanns Leopold Kurz geboren, der einer Kammmacher-Familie entstammte. Ihr fortschrittlich gesinnter Vater ließ seinen Töchtern eine höhere Schulbildung zukommen, die ihnen eine akademische Ausbildung ermöglichen würde. So wurde Johanna Schülerin bei den Englischen Fräulein in Regensburg und beschloss ihre Schulzeit im Sommer 1920 mit dem Abitur. Sie studierte Maschinenbau an der TU in München, brach das Studium jedoch wegen ihrer bevorstehenden Heirat ab. Nach der Verlobung an Weihnachten 1920 heiratete sie 1921 ihren früheren Lehrer, den Historiker Hans Dachs, der inzwischen am Alten Gymnasium in Regensburg tätig war. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: eine Tochter (1922, starb kurz nach der Geburt) sowie zwei Söhne (1927 und 1929). Schilderungen von Bekannten beschreiben sie als gute Hausfrau und Mutter sowie Inspirationsquelle für ihren Mann.

Im Dritten Reich versteckte Johanna Dachs die Manuskripte ihrer Schulfreundin Marieluise Fleißer. Am 7. Oktober 1941 organisierte sie eine Frauendemonstration gegen den „Kruzifix-Erlass“ des Kultusministers Adolf Wagner, auf dessen Anordnung die Kruzifixe aus den Schulen entfernt werden sollten. Die Versammlung mit etwa 1000 Frauen und das zeitgleiche Vorsprechen von Johanna Dachs, zusammen mit Luise Giese und Maria Anna von Thurn und Taxis bei dem NSDAP-Kreisleiter Wolfgang Weigert und dem amtierenden Schulrat in Regensburg bewirkte ein Wiederanbringen der Kreuze. Als Folge daraus wurde ihr Ehemann als Vorstand des Historischen Vereins abgesetzt und zum geschäftsführenden Vorstand degradiert.

Nach dem Krieg war Johanna Dachs Gründungsmitglied der Regensburger CSU und gehörte zu den Initiatorinnen einer lokalen CSU-Frauengruppe. Sie gehörte auch der Landesversammlung der CSU an.

1946 wurde Johanna Dachs mit vier weiteren Frauen in den Regensburger Stadtrat gewählt, dem sie bis 1948 angehörte. Sie galt, auch teilweise entgegen dem Fraktionszwang ihrer Partei, als offen und liberal. Sie trat für die Wiederverbeamtung der als Mitläufer eingestuften, entlassenen Beamten ein.

Im Bayerischen Landtag wurde Dachs am 17. Juli 1947 von der CSU-Fraktion als nichtberufsrichterliches Mitglied am Bayerischen Verfassungsgerichtshof vorgeschlagen und mit Mehrheitsvotum gewählt. Sowohl im Sitzungsprotokoll als auch in der zugehörigen Beilage ist sie mit falscher Schreibweise ihres Familiennamens als „Dax Hanna, Professorsgattin in Regensburg“ verzeichnet.

Am 29. November 1948 organisierte sie eine Kundgebung zur Freigabe der beschlagnahmten Ganghoferschule (heute St.-Wolfgang-Schule), die von der Internationalen Flüchtlingsorganisation (IRO) besetzt war. Der Inhalt der am 3. Dezember 1948 abgesandten Petition wurde von der Deutschen Nachrichtenagentur verbreitet und in mehreren süddeutschen Zeitungen thematisiert. Dies veranlasste am 28. Januar 1949 Kultusminister Alois Hundhammer zu einer Klarstellung vor dem Landtagsplenum. Nach Zwischenlösungen wurde die Schule nach den erforderlichen Instandsetzungsarbeiten am 13. November 1950 wieder zur Benutzung überlassen. Ähnlich verlief Dachs’ Engagement zur Freigabe des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder. Sie setzte sich auch für eine Tanzerlaubnis in der Fastenzeit ein.

Ab 1947 engagierte sich Dachs durch Öffentlichkeitsarbeit und zahlreiche Eingaben für die Errichtung einer Universität in Regensburg, was dann 1964 durch Bayerischen Landtag beschlossen und später realisiert wurde.

1950 bewarb sie sich als CSU-Listenkandidatin für den Bayerischen Landtag (Platz 10), erreichte mit 17.369 Stimmen den 16. Platz und führte damit die Liste der möglichen Nachrücker als Erste an.

In der nächsten Wahlperiode zur Mitgliedschaft am Bayerischen Verfassungsgerichtshof wurde sie am 8. Februar 1951 von ihrer Partei als stellvertretendes nichtrichterliches Mitglied des Verfassungsgerichtshofs benannt und gewählt.

Auch außerhalb der Politik engagierte sich Johanna Dachs stark: So war sie seit ihrem 21. Lebensjahr Mitglied des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, dessen Ausschuss sie in späteren Jahren angehörte. 1953 gründete sie mit Eberhard Dünninger den Regensburger Filmclub, der bis 1956 einmal im Monat die künstlerisch bedeutsamsten Filme ausländischer und deutscher Regisseure in einem Regensburger Filmtheater zeigte. Beharrlich trat sie für die Renovierung der vom Verfall bedrohten Grabstätte von Coelestin Steiglehner – des letzten Fürstabts von St. Emmeran zu Regensburg – am Oberen Katholischen Friedhof ein und bewirkte die Bereitstellung der erforderlichen Geldmittel.

In ihrer Witwenzeit ab 1966 rezensierte Johanna Dachs für den Historischen Verein neben den Neuerscheinungen zur Geschichte Regensburgs, der Oberpfalz und Bayerns auch schwierige kunstgeschichtliche und naturwissenschaftliche Veröffentlichungen. Ihre Buchbesprechungen erschienen im Vereinsorgan, den Verhandlungen des Historischen Vereins. In fast zweijähriger Arbeit bearbeitete sie das Register der Bände 75 bis 90 der Verhandlungen, dessen Manuskript bei ihrem plötzlichen Tod fast druckfertig fertiggestellt war.

Johanna Dachs starb am 28. Januar 1974 im Alter von 73 Jahren in Tegernheim bei einem Verkehrsunfall und wurde am 1. Februar am Oberen Katholischen Friedhof in Regensburg beigesetzt.

Gedenken

Straßenschild in Regensburg

Literatur (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Willi Keßel: Hanna Dachs im kulturellen und politischen Leben Regensburgs. In: Verhandlungen des historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. Band 114. Regensburg 1974, S. 333–370 (heimatforschung-regensburg.de [PDF] Nachruf).
  2. 1 2 3 4 Marianne Groß: Immer das Wohl der Stadt im Auge behalten. Die Stadträtinnen Friedel Schlichtinger und Johanna Dachs. In: Regensburger Frauenspuren, eine historische Entdeckungsreise. Pustet, Regensburg 1995, ISBN 3-7917-1483-X, S. 247–249.
  3. ↑ Johanna Dachs. Persönliche Daten. In: Geschichte der CSU. Ein Portal der Hanns-Seidel-Stiftung. Abgerufen am 2. April 2026.
  4. 1 2 3 Frauen außer Haus: Spurensuche durch zwei Jahrtausende. Hrsg.: Arbeitskreis Geschichte der Frauen in Regensburg des EBW, Regensburg 1993, S. 51–52.
  5. ↑ Gerhard Waldherr (Hrsg.): Frauengeschichte(n): Ausstellung vom 25. Juli – 29. September 1991, Regensburg, Runtinger-Säle und Stadtarchiv (= Ausstellungskataloge zur Regensburger Geschichte. Band 3). Regensburg 1991, ISBN 3-925753-20-6, S. 126.
  6. 1 2 Porträt Johanna Dachs. In: Mittelbayerische Zeitung. 8. Januar 2014, abgerufen am 8. April 2026.
  7. ↑ Wahlen nach § 4 des Verfassungsgerichtshofgesetzes. In: Bayerischer Landtag (Hrsg.): Stenographischer Bericht über die Verhandlungen des Bayerischen Landtags. Band I, Nr. 25. München 17. Juli 1947, S. 813 (landtag.de [PDF]).
  8. ↑ Bayerischer Landtag (Hrsg.): Beilage 584. Beschluss. München 17. Juli 1947 (landtag.de [PDF]).
  9. ↑ Wahl der richterlichen und nichtrichterlichen Mitglieder des Verfassungsgerichtshofs. In: Bayerischer Landtag (Hrsg.): Bayerischer Landtag. Stenographischer Bericht. 11. Sitzung. Donnerstag, den 8. Februar 1951. 8. Februar 1951, S. 174 (landtag.de [PDF] diesmal als „Frau Dachs Hanna Regensburg“).
Personendaten
NAME Dachs, Johanna
ALTERNATIVNAMEN Kurz, Johanna (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Politikerin (CSU)
GEBURTSDATUM 4. Dezember 1900
GEBURTSORT Weiden in der Oberpfalz
STERBEDATUM 28. Januar 1974
STERBEORT Tegernheim