Quartier von Lugano | |
|---|---|
| Koordinaten | 721091 / 96131 |
| Höhe | Ø 292 m (270–1033 m) |
| Fläche | 3,45 km² |
| Einwohner | 285 (31. Dez. 2025) |
| Bevölkerungsdichte | 83 Einwohner/km² |
| Eingemeindung | 4. Apr. 2004 |
| BFS-Nr. | 519-2014 |
| Postleitzahl | 6978 |





Gandria ist ein Quartier der Stadt Lugano im Schweizer Kanton Tessin. Bis zur Eingemeindung in die Stadt Lugano am 4. April 2004 bildete es eine selbstständige politische Gemeinde. Der Ort hat 285 Einwohner (Stand 31. Dezember 2025), ein paar Gaststätten, winzige Gassen, Treppen und alte Bauten.
Das Dorf liegt auf 295 m ü. M. am Nordufer des Luganersees am steilen Hang des Monte Brè, 5 km östlich vom Bahnhof Lugano. Zum Quartier gehört auch die Siedlung Cantine di Gandria am gegenüberliegenden Südufer des Luganersees.
Das Dorf Gandria ist über die Hauptstrasse, die entlang des Nordufers des Luganersees verläuft, mit Lugano und Italien (Gemeinde Valsolda) verbunden. Diese Strasse führt oberhalb des Dorfzentrums vorbei, welches aufgrund seiner extrem engen Gassen und steilen Hänge für Fahrzeuge unzugänglich ist.
Gandria kann von Lugano (Ortsteil Castagnola) aus zu Fuss auf einem dem Luganersee-Nordufer entlangführenden Pfad («Sentiero dell'olivo», Olivenweg) erreicht werden.
Ein regelmässiger Schiffsbetrieb zwischen Gandria und anderen Orten am See wird von der Società Navigazione del Lago di Lugano (SNL) angeboten. Dasselbe Unternehmen betreibt auch eine Busverbindung zwischen Gandria und Lugano.
Der Teil von Gandria auf der Südseite des Sees, rund um Cantine di Gandria und das Schweizerische Zollmuseum, hat keine Strassenanbindung. Der Fussweg am Seeufer, der das Gebiet mit Caprino verbindet, ist steinschlag- und erdrutschgefährdet und sollte daher nur bei stabiler Witterung begangen werden. Die SNL bietet täglich mehrere Überfahrten vom Dorf Gandria (und dem Zentrum von Lugano) zu den Anlegestellen in Cantine di Gandria und am Zollmuseum an.
Das Dorf wurde 1237 erstmals als Gandrio erwähnt. Eine selbständige Gemeinde bestand schon 1463 und stand lange Zeit wegen der Grenzen und Weiden auf dem rechten (nördlichen) Ufer des Luganersees in Streit mit den Gemeinden Albogasio, Ramponio Verna, Lanzo d’Intelvi und Oria, die damals den Erzbischöfen von Mailand unterstanden. Die Tagsatzung, der Erzbischof und der Gesandte von Mailand, selbst der Nuntius wurden in diesen Zwist hineingezogen, der von 1543 bis 1659 dauerte. 1624 wurden deswegen selbst die Stipendien für den Kanton Schwyz am Helvetischen Kollegium in Mailand aufgehoben.
2004 wurde die bis dahin selbständige politische Gemeinde in die Stadt Lugano eingemeindet.
| Gandria: Einwohnerzahlen von 1600 bis 2025 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1600 | 295 | |||
| 1683 | 182 | |||
| 1719 | 169 | |||
| 1769 | 155 | |||
| 1799 | 167 | |||
| 1808 | 157 | |||
| 1824 | 187 | |||
| 1836 | 210 | |||
| 1850 | 235 | |||
| 1860 | 239 | |||
| 1870 | 247 | |||
| 1880 | 241 | |||
| 1888 | 257 | |||
| 1900 | 235 | |||
| 1910 | 266 | |||
| 1920 | 209 | |||
| 1930 | 197 | |||
| 1941 | 209 | |||
| 1950 | 227 | |||
| 1960 | 256 | |||
| 1970 | 297 | |||
| 1980 | 221 | |||
| 1990 | 179 | |||
| 2000 | 207 | |||
| 2003 | 210 | |||
| 2020 | ? | |||
| 2025 | 285 | |||
| Quelle(n): Bundesamt für Statistik Jahr 2025 lt. Statistik Comune di Lugano | ||||
Das Dorfbild ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.
Die Kirche San Vigilio löste sich im Jahr 1463 von der Mutterkirche San Lorenzo in Lugano und wurde zur eigenständigen Pfarrkirche erhoben. Der älteste Teil ist die graue, unverputzte Wand zum See hin, die mit Gedenktafeln bekannter lokaler Familien geschmückt ist. Die barocken Fassaden wurden in den 1870er-Jahren vollendet. Hinter dem Altar der Kirche befindet sich ein grosses Ölgemälde von Giovanni und Giuseppe Torricelli, das das Martyrium des heiligen Vigilio zeigt – eines Bischofs von Trient in Italien, der von heidnischen Hirten gesteinigt wurde.
Die Verbindung zu Gandria geht auf einheimische Handwerker zurück, die am Bau der Kathedrale in Trient mitwirkten und vermutlich vom Schutzpatron beeindruckt waren. Die Gebrüder Torricelli malten auch Szenen im Haus des lokalen Architekten Vigilio Rabaglio, der durch den Entwurf des königlichen Palastes der Bourbonen in Segovia in Spanien Berühmtheit erlangte. Ein archäologischer Führer der Region weist darauf hin, dass in den Mauern und auf den Türschwellen rund um die Kirche San Vigilio Steine mit keltischen Schalenformen (Schalensteine) zu sehen sind, die von Dorfbewohnern in vergangenen Jahrhunderten dorthin getragen wurden.
In der Kirche steht die Statue Madonna del Rosario des Bildhauers Antonio Pini aus Bellagio.
Es gibt eine Marschmusik für Blasmusik, komponiert von Gian Battista Mantegazzi, die dem Dorf Gandria gewidmet ist und Gandria-Marsch (bzw. Marcia Gandria) heisst.
Belletristik