
Gano di Fazio (auch Gano da Siena; in Teilen der älteren Forschung, insbesondere bei Thieme-Becker, unter dem Namen Galgano di Giovanni Senese geführt und dabei mit einer anderen Person verwechselt; * nicht vor 1270; † 1317 oder 1318) war ein italienischer Bildhauer der Sieneser Schule des ausgehenden 13. und frühen 14. Jahrhunderts.
Gano di Fazios genaues Geburtsjahr ist nicht bekannt, doch wurde er laut Ascani (1999) nicht vor 1270 geboren. Zwischen 1302 und 1316 ist er als Bürger von Siena und als Magister der Steinmetzkunst dokumentarisch nachweisbar (Bacci, 1944). Er wohnte im Popolo von San Giovanni in der Contrada Vallepiatta di Sotto. Seine Witwe Gemma wird 1324 im Zusammenhang mit dem Verkauf eines Hauses erwähnt. Gano di Fazio starb zwischen 1317 und 1318; für das Jahr 1318 sind seine Töchter Agnese und Ganuccia als seine Erben belegt. Die erhaltenen Dokumente geben keine Auskunft über seine künstlerische Tätigkeit im engeren Sinne, weshalb die Zuordnung von Werken zu seiner Person im Wesentlichen über eine signierte Arbeit sowie stilistische Vergleiche erfolgt. In der älteren Forschung wurde Gano di Fazio lange mit dem Baumeister und Mönch Galgano di Giovanni verwechselt.

Das einzige durch eine Signatur gesicherte Werk ist das Grabmal des Tommaso Andrei, Bischof von Pistoia, in der Collegiata von Casole d’Elsa, der Heimatstadt des im Jahr 1303 verstorbenen Prälaten. Das Monument trägt die Inschrift Celavit Ganus opus hoc insigne senensis: laudibus immensis est sua digna manus. Ein Epitaph nennt die Brüder des Bischofs, Jacopo und Sozzo Andrei, als Auftraggeber. Sie ließen das Grabmal wahrscheinlich bald nach dessen Tod zwischen 1303 und 1305 errichten.
Es zählt zu den frühesten auf Konsolen ruhenden Wandgrabmälern mit einer lebensgroßen Figur des Verstorbenen. Ältere Grabmäler, etwa jene von Arnolfo di Cambio, waren dagegen vom Boden aus aufgebaut. Dieser neue Typus der Grabarchitektur verbreitete sich im weiteren Verlauf des Trecento. Gano di Fazios Figuren sind durch wenige, das Volumen betonende Linien charakterisiert. Seine Skulpturen zeigen eine Beeinflussung durch Arnolfo di Cambio, nehmen aber auch Anregungen der zeitgenössischen Sieneser Malerei auf.
Möglicherweise schuf Gano di Fazio im Auftrag der Brüder des Bischofs eine lebensgroße, stehende Statue des Tommaso Andrei für ein Kenotaph in der Kirche San Tommaso a Querceto bei Casole d’Elsa. Von dieser Figur ist nur der Kopf erhalten (Casole d’Elsa, Museo archeologico e della Collegiata), der sich durch bemerkenswerten Realismus auszeichnet.
Als frühes Werk Ganos aus der Mitte der 1290er Jahre gilt das Konsolengrabmal für den zwischen 1290 und 1296 verstorbenen Ranieri Ubertini, Bischof von Arezzo, in der Kirche San Domenico in Arezzo. Es entstand nach dem vermutlich Anfang der 1290er Jahre ausgeführten Grabmal Papst Gregor X. (1276) im Dom zu Arezzo. Gano schuf zur gleichen Zeit wahrscheinlich ein weiteres Papstgrabmal, von dem nur die Figur des Verstorbenen mit Tiara erhalten ist. Im 17. Jahrhundert wurde die Tiara umgearbeitet und in eine Mitra umgestaltet, sodass die Figur zu einer Bischofsfigur wurde. Anschließend wurde sie in das neu zusammengesetzte Grabmal des Aretiner Bischofs Ranieri Ubertini (gest. 1348) in San Francesco in Cortona integriert.
Einige Jahre nach dem signierten Grabmal des Tommaso Andrei entstand ein Grabmonument für den seligen Servitenbruder Gioacchino Piccolomini in Santa Maria dei Servi in Siena. Auch dieses ist ein von Konsolen getragenes Wandgrab mit Sarkophag. Von diesem sind drei Reliefs mit Darstellungen von Wundern des Seligen erhalten. Zum Grabmal gehörte zudem ein Altar. Eine frühere Datierung des Monuments auf die Jahre 1308/11, die auf einen vermuteten Bezug zu einer Rückseitentafel der Maestà Duccios gestützt war, gilt als nicht stichhaltig. Wahrscheinlicher ist eine Entstehung kurz nach dem Tod des Servitenbruders im Jahr 1305. Ein Giebelrelief mit dem segnenden Christus in San Domenico in Siena ist der einzige erhaltene Rest eines weiteren Grabmals und wird ebenfalls Gano zugeschrieben.

Das Grabmal und der Altar der heiligen Margareta von Cortona in der ihr geweihten Kirche wurden traditionell den Bildhauern Angelo und Francesco di Pietro d’Assisi zugeschrieben. Sie sollen im Jahr 1362 entstanden sein. Da wiederholt stilistische Beziehungen dieser Skulpturen zum Werk Ganos festgestellt wurden und sich der Widerspruch zwischen einer Stildatierung ins frühe Trecento und der urkundlichen Datierung nach 1362 nicht auflösen ließ, wurde vorgeschlagen, das Dokument von 1362 dahingehend zu deuten, dass Angelo und Francesco di Pietro d’Assisi nicht mit der Errichtung des Grabmals selbst, sondern nur mit der Einrichtung der Grabnische der Heiligen befasst waren. Nach dieser Lesart könnte das Grabmonument der heiligen Margherita Gano zugeschrieben werden, der es um 1317 geschaffen haben soll. Diese Zuschreibung und Datierung ist in der Forschung jedoch umstritten.
Zu den vermutlich späteren Werken Ganos, die sich durch eine stärkere Neigung zu Bewegtheit auszeichnen, zählen möglicherweise elf Statuetten von Heiligen und Propheten im Dom von Massa Marittima sowie eine Büste der Magdalena in der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin. Ausdrücklich nicht Gano zuzuschreiben ist das Kenotaph für Beltramo del Porrina in der Collegiata von Casole d’Elsa. In der älteren Forschung wurde dieses mit Gano in Verbindung gebracht, später wurde es jedoch überzeugend Marco Romano zugeschrieben.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gano di Fazio |
| ALTERNATIVNAMEN | Gano da Siena; Galgano di Giovanni Senese |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Bildhauer der Sieneser Schule |
| GEBURTSDATUM | nach 1270 |
| GEBURTSORT | Siena |
| STERBEDATUM | 1317 oder 1318 |