Gaupropagandaleiter

Gaupropagandaleiter (offizielle Parteibezeichnung oft auch Gaupropagandaleiter der NSDAP) war die Bezeichnung für einen hochrangigen Politischen Leiter der NSDAP auf der regionalen Mittelebene (dem Gau). Der Inhaber dieses Amtes leitete das Gaupropagandaamt innerhalb einer Gauleitung. In Personalunion fungierten diese Funktionäre ab 1937 in der Regel auch als Leiter der staatlichen Reichspropagandaämter (zuvor Landesstellen) des Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP).

Hierarchische Einordnung und Kompetenzen

Die Organisationsstruktur der NSDAP unterteilte das Reichsgebiet ab 1926 und verstärkt nach der Machtergreifung 1933 in sogenannte Gaue (deren Anzahl bis 1941 auf 43 anstieg). An der Spitze eines Gaues stand der von Hitler ernannte Gauleiter. Dem Gauleiter direkt unterstellt war der Stab der Gauleitung, dem wiederum der Gaupropagandaleiter als Leiter des regionalen Propagandaamtes angehörte. Organisatorisch wies die Position eine typisch nationalsozialistische Doppelstruktur auf:

  1. Partei-Ebene: Fachlich war der Gaupropagandaleiter der von Joseph Goebbels geführten Reichspropagandaleitung (RPL) der NSDAP in München bzw. Berlin untergeordnet.
  2. Staatliche Ebene: Durch die Zusammenführung von Staat und Partei übernahmen die Gaupropagandaleiter ab 1933 meist auch die Führung der regionalen Landesstellen des staatlichen Propagandaministeriums (RMVP). Im Jahr 1937 wurden diese Dienststellen offiziell in Reichspropagandaämter umgewandelt. Diese Personalunion führte in der Praxis häufig zu Kompetenz- und Loyalitätskonflikten zwischen den fachlichen Weisungen von Joseph Goebbels als Minister und den machtpolitischen Ansprüchen der jeweiligen regionalen Gauleiter vor Ort.

Untergeordnet waren dem Gaupropagandaleiter die Kreispropagandaleiter: Als Politische Leiter waren sie maßgeblich an der Durchsetzung der NS-Ideologie, der Steuerung der öffentlichen Meinung vor Ort und z. B. der Inszenierung von Regime-Feiertagen (wie dem 1. Mai) beteiligt. Unter diesen standen die Ortsgruppenpropagandaleiter. Sie waren als Politische Leiter maßgeblich für die Steuerung der öffentlichen Meinung vor Ort, die Durchsetzung der NS-Ideologie im Alltag sowie für die praktische Inszenierung von Kundgebungen in den einzelnen Gemeinden zuständig, und in die NSDAP-Ortsgruppe eingegliedert.

Aufgabenbereiche

Die Hauptaufgabe des Gaupropagandaleiters bestand in der lückenlosen Durchsetzung der nationalsozialistischen Weltanschauung und der Mobilisierung der regionalen Bevölkerung. Zu den Kernbereichen gehörten:

Uniformierung und Rangabzeichen

Die Funktion des Gaupropagandaleiters besaß kein spezifisches, auf das Ressort Propaganda hindeutendes Abzeichen oder Symbol auf der Dienstkleidung. Die Uniformierung und die Ausgestaltung der Kragenspiegel richteten sich stattdessen nach den allgemeinen Bestimmungen der NSDAP für Politische Leiter auf der jeweiligen Organisationsebene. Da das Amt strukturell in die Gauleitung eingebunden war, spiegelten die Kragenspiegel stets die Kennzeichen dieser regionalen Mittelebene wider.

Entwicklung bis 1939

In der Phase von 1936 bis Mitte 1939 war die Uniformierung durch das damalige System der funktionsgebundenen Dienstränge geregelt. In diesem Zeitraum trugen alle ordentlichen Amtsleiter innerhalb einer Gauleitung einheitliche Kragenspiegel, unabhängig von ihrer spezifischen Abteilung (wie Propaganda, Personal oder Kassenwesen). Diese zeichneten sich durch eine rote Grundfläche und eine dunkelrote (weinrote) Paspelierung aus. Als Rangabzeichen für einen Amtsleiter der Gauleitung diente zu dieser Zeit ein gold gestickter NSDAP-Adler im Lorbeerkranz, ergänzt durch eine umlaufende goldene Litze am Rand des Spiegels.

Neuregelung ab 1939

Mit der umfassenden Reform des Abzeichensystems im Jahr 1939 wurde die strikte Trennung zwischen dem administrativen Amt (Dienststellung) und dem persönlichen Rang (Dienstgrad) eingeführt. Fortan bestimmten die neu geschaffenen Dienstgrade das Aussehen der Stickereien. Die Kragenspiegel für Angehörige der Gauleitung behielten die dunkelrote Grundfarbe und die weinrote (burgunderfarbene) Umrandung (Paspel).

Da der Gaupropagandaleiter das übergeordnete Gaupropagandaamt leitete, bekleideten die Amtsinhaber in der Regel hohe politische Dienstgrade wie Hauptbereichsleiter, Dienstleiter oder Hauptdienstleiter. Die Kragenspiegel zeigten dementsprechend aufwendige Kombinationen aus dem goldgestickten nationalsozialistischen Hoheitszeichen, Eichenlaubblättern und Rangsternen.

Bekannte Amtsträger (Auswahl)

Wilhelm Maul (rechts) als Teilnehmer zum Empfang des millionsten Umsiedlers im Reichsgau Wartheland (1944)

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Biografie zu Albert Hoffmann Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
  2. ↑ Jürgen John: Gau (NSDAP). In: Historisches Lexikon Bayerns, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  3. ↑ Reichspropagandaleiter der NSDAP. In: The EHRI Portal (European Holocaust Research Infrastructure), abgerufen am 20. Oktober 2026.
  4. ↑ Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (Bestand). In: Archivportal-D / Bundesarchiv, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  5. ↑ Gau (NSDAP) Detailansicht. In: Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  6. ↑ Nazi Propaganda Handbook: Propagandisten-Fibel. In: German Propaganda Archive (Calvin University), abgerufen am 20. Oktober 2026.
  7. ↑ NSDAP Gauleitung. In: Virtuelle Gedenkstätte Viersen 1933–1945, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  8. ↑ Der Reichsorganisationsleiter der NSDAP: Organisationsbuch der NSDAP. 4. Auflage. Franz Eher Nachf., München 1937, S. Tafel 7 (Dienstrangabzeichen der Gauleitung).
  9. ↑ Moritz Ruhl Verlag: Deutsche Uniformen. 15. Auflage. Leipzig 1939, S. 22.
  10. 1 2 Robert Ley: Organisationsbuch der NSDAP. Hrsg.: Zentralverlag der NSDAP. 7. Auflage. Franz Eher Nachf., München 1943, S. Abschnitt: Die Uniform des Politischen Leiters.