Gender Policing

Unter Gender Policing (zu Deutsch: Geschlechterkontrolle) versteht man die Auferlegung oder Durchsetzung normativer Geschlechtsausdrücke. Laut Judith Butler ist die Ablehnung von Menschen mit nicht-normativem Geschlechtsausdruck Teil der Bildung der eigenen Geschlechtsidentität. Vom Gender Policing besonders betroffen sind geschlechtsnonkonforme und transgeschlechtliche Menschen.

Häufig werden normative Geschlechtsausdrücke gefördert und belohnt, während nicht-normative Ausdrucksformen durch Bestrafung oder negative Reaktionen unterbunden werden. Die Intensität der Kontrolle nicht-normativer Ausdrucksformen reicht von vergleichsweise harmlosen abschreckenden Kommentaren bis hin zu brutalen Gewalttaten. Auch die Maßnahmen des Gender Policing variieren stark und hängen zum Teil vom wahrgenommenen Geschlecht der jeweiligen Zielperson ab.

Auf internationaler Ebene ist das Thema bislang noch wenig erforscht. In den Vereinigten Staaten gibt es zwar ethnografische Studien zum Gender Policing im Zusammenhang mit Mobbing in der Schule, ihre Rolle in familiären Beziehungen ist jedoch nach wie vor unzureichend erforscht.

Heteronormativität, Cisnormativität und das binäre Geschlechtermodell

Das Gender Policing zielt darauf ab, Geschlechterrollen starr zu halten und entsprechend der Geschlechterbinärität auszurichten. Die Geschlechterbinärität ist das Konzept, dass Geschlecht nur in den Formen „Mann“ oder „Frau“ existieren kann. Heteronormativität ist eine Erweiterung dieser Überzeugung, die davon ausgeht, dass Heterosexualität die bevorzugte oder normale sexuelle Orientierung ist. Dieser biologische Funktionalismus entspringt der Vorstellung, dass männliche und weibliche Genitalien ausschließlich dem Zweck der Fortpflanzung dienen, wodurch der Sexualität ein spezifischer biologischer Zweck innerhalb der Gesellschaft zugewiesen wird.

In The Traffic in Women stellt die Feministin Gayle Rubin einen Zusammenhang zwischen der Entstehung der binären Geschlechterordnung und der Unterordnung der Frauen in der westlichen Gesellschaft her. Um ein besseres Verständnis für die Entstehung des „Sex/Gender-Systems“ zu erlangen, untersuchte Rubin die Werke von Karl Marx, Sigmund Freud und Claude Lévi-Strauss. Sie stellte fest, dass „Frau“ eine Rolle ist, die im Gegensatz zum „Mann“ geschaffen wurde, um durch den Austausch von Frauen im Rahmen der Ehe Macht, Handelsbeziehungen und gegenseitige Hilfe aufzubauen. Diese Verwandtschaftssysteme erforderten Regeln, deren Einhaltung überwacht werden musste, um ihr Fortbestehen zu sichern. So kristallisierten sich diese Regeln zur Heteronormativität heraus und verankerten die kulturellen Regeln für akzeptierte Sexualität in der westlichen Gesellschaft.

Die binäre Geschlechterordnung in der westlichen Gesellschaft wurde aus den Interpretationen der Rollen von Männern und Frauen während der Jäger- und Sammler-Zeiten abgeleitet. Während des Mesolithikums in Nordwesteuropa waren Jagd und Nahrungssuche eine wichtige Überlebensstrategie. Frühe Interpretationen dieser Überlebenstechniken sind einer der Hauptgründe für die heutige Vorstellung von der binären Geschlechterordnung in der westlichen Gesellschaft. In seiner Auswertung der Ethnographie des Sammelns von Schalentieren ging Clive Bonsall fälschlicherweise davon aus, dass Frauen und Kinder in erster Linie Sammler waren und Männer aufgrund ihrer größeren Fähigkeiten die Jäger. Diese Annahmen über vergangene Gesellschaften prägten die heutige Struktur der westlichen Gesellschaft und führten zu der Überzeugung, dass Männer die Versorger und Frauen die Unterstützerinnen sind. Zudem entstand die Vorstellung von der heterosexuellen Ehe als gesellschaftlicher Norm aus der Analyse der Interaktionen zwischen verschiedenen mesolithischen Bevölkerungsgruppen.

Eine weitere Denkweise, die das binäre Geschlechtermodell in der westlichen Gesellschaft verstärkt, ist die Rollenverteilung zwischen Krieger und Gebärende. In dieser Vorstellung wird Männlichkeit durch die Eigenschaften des vorbildlichen Kriegers definiert: Er ist stark, furchtlos und dennoch entbehrlich. Weiblichkeit und das Frausein drehen sich hingegen um die Fortpflanzung. In dieser Beziehung gibt es demnach nur zwei Arten von Menschen und somit zwei Geschlechter. Diese Dichotomie wird geschätzt, da sie in Kriegszeiten für die Sicherheit der Gesellschaft sorgt. Die Krieger kämpfen und schützen, während die Gebärenden die gefallenen Krieger ersetzen.

Ausgehend von den Aktivitäten von LGBTQ-Gruppen in den späten 1980er- bis in die 1990er-Jahre entstand die Queer-Theorie in Verbindung mit den einflussreichen Werken von Michel Foucault und Eve Kosofsky Sedgwick. Die Queer-Theorie schafft einen Raum außerhalb der binären Geschlechterordnung. Sie dekonstruiert und entkräftet die Vorstellung einer binären Geschlechterordnung. Die Missachtung dieser Ordnung löst in der westlichen Gesellschaft Ängste aus, was letztendlich wiederum zu verstärktem Gender Policing führt, um die Vorstellung der binären Geschlechterordnung aufrechtzuerhalten.

Die Kategorien „Mann“ und „Frau“ können nicht ohne den jeweils anderen existieren, um zu definieren, was sie sind und was nicht. Dasselbe gilt für Heterosexualität und Homosexualität. Diese Kategorien entstehen aus ihrem Gegensatz zueinander und bilden Machtdynamiken. Michel Foucault bezeichnete die Schaffung von Identitäten durch die Erzeugung eines Diskurses rund um ein Ideal als „umgekehrten Diskurs“. Diese antagonistische Beziehung zwischen Identitäten bildet die Grundlage für das Gender Policing. Abweichungen vom normativen Ausdruck, sei es in Bezug auf das Geschlecht oder die Sexualität, werden oft mit unterschiedlich starker Gewalt beantwortet.

Das Gender Policing dient auch dazu, die Cisnormativität zu festigen. Aspekte der Durchsetzung von Cisnormativität durch Gender Policing sind international noch wenig erforscht, da die Forschung zu cisgeschlechtlichen queeren Menschen die Erfahrungen transgeschlechtlicher Jugendlicher lange Zeit außer Acht gelassen hat.

Patriarchat und hegemoniale Männlichkeit

Patriarchalische Gesellschaften zementieren die männliche Dominanz in allen Lebensbereichen. Das Patriarchat privilegiert männliches Denken und Ausdrucksverhalten und schafft so eine Geschlechterhierarchie, in der Frauen und das Weibliche untergeordnet sind. Das Konzept der hegemonialen Männlichkeit beschreibt eine Hierarchie sogar innerhalb der Männlichkeit selbst. Hegemoniale Männlichkeit ermöglicht es, die Begriffe und Ausdrucksformen von Männlichkeit je nach Zeit, Kultur und Klassenstatus neu zu verhandeln, wodurch die Rationalisierung ihrer anhaltenden Dominanz ermöglicht wird.

Die Soziologin Raewyn Connell entwickelte die Theorie der hegemonialen Männlichkeit, um die Beziehungen zwischen Männern und Frauen sowie innerhalb der Männerklasse in einem patriarchalischen System zu erklären. Diese Theorie basiert auf Antonio Gramscis Konzept der Hegemonie – der Konformität oder Unterordnung einer Gruppe, die zu einer klassenbasierten Herrschaft führt. Connells Theorie erläutert, inwiefern ideale oder normierte männliche Eigenschaften in der westlichen Gesellschaft den höchsten Stellenwert einnehmen. Zu diesen männlichen Attributen zählen Reichtum, Kontrolle über Ressourcen, Fruchtbarkeit, Attraktivität, Heterosexualität, körperliche Stärke und emotionale Distanziertheit. Demetrakis Z. Demetriou unterteilte die hegemoniale Männlichkeit weiter in zwei Typen: die externe und die interne. Externe hegemoniale Männlichkeit bezieht sich auf die Unterordnung von Frauen unter Männer. Interne hegemoniale Männlichkeit ist das Spektrum der Männlichkeit, das sich innerhalb der Männer zeigt. Dieses Spektrum wird durch das Ausmaß an Macht und Männlichkeit definiert, über das ein Mann verfügt. Das Patriarchat benötigt hegemoniale Männlichkeit, um seine Macht aufrechtzuerhalten. Um diese Macht zu bewahren, müssen Männer kontrolliert und Frauen beherrscht werden. Da die ideale Form der Männlichkeit von der patriarchalischen Macht vorgegeben wird, gelten Männer, die dieser Norm entsprechen, als Verkörperung dessen, was ein Mensch sein sollte.

Die durch das Patriarchat und die hegemoniale Männlichkeit geschaffene Geschlechterhierarchie führt zu einem Wettstreit um Dominanz, der eine Kontrolle von Geschlecht und Sexualität zur Folge hat. Die Kontrolle der Männlichkeit in einer heteronormativen Gesellschaft verstärkt die binäre Geschlechterordnung. Personen, die ihre Position in einer männlichen Hierarchie bekräftigen wollen, suchen nach Personen, die den Erwartungen nicht genügen, und üben Kontrolle über sie aus. Männer aus sexuellen Minderheiten werden häufiger als geschlechtsnonkonform identifiziert als heterosexuelle Männer und sind möglicherweise anfälliger für gesellschaftliche Botschaften, die darauf abzielen, Männer dazu zu drängen, sich auf traditionell männliche Weise zu verhalten. Diejenigen, die den Erwartungen nicht genügen, müssen sich entweder an die akzeptierten Formen des Geschlechts und des sexuellen Ausdrucks anpassen oder Gewalt und Ausgrenzung riskieren.

Väter neigen eher als Mütter dazu, Geschlechtergrenzen durchzusetzen oder das geschlechtsspezifische Verhalten ihrer Kinder zu kontrollieren. Zweitens setzen sowohl Väter als auch Mütter Geschlechtergrenzen bei Söhnen häufiger durch als bei Töchtern. Untersuchungen zum Thema elterlichem Gender Policing haben gezeigt, dass Mädchen, die traditionell männliche Eigenschaften oder Verhaltensweisen zeigen, mehr soziale und elterliche Akzeptanz erfahren als Jungen, die traditionell weibliche Tendenzen aufweisen. Viele Wissenschaftler, die sich mit diesem Thema befassen, argumentieren, dass dies auf den höheren Stellenwert zurückzuführen ist, der „männlichen“ Eigenschaften oder Verhaltensweisen im Vergleich zu „weiblichen“ beigemessen wird, und/oder auf die Überzeugung, dass ein jungenhaftes Verhalten nur vorübergehend ist. Mindestens eine Studie deutet darauf hin, dass Eltern aus verschiedenen sozialen Schichten das geschlechtsuntypische Verhalten ihrer Töchter im Vorschulalter begrüßen und fördern, beispielsweise das Tragen von Sportkleidung und die Teilnahme an traditionell männlichen Aktivitäten. Andere Untersuchungen zeigen jedoch, dass „Tomboys“ – also Mädchen mit „männlichen“ Eigenschaften oder Verhaltenstendenzen – teilweise aufgrund des Drucks durch Gleichaltrige und Eltern diese Tendenzen im Jugendalter häufig entweder aufgeben oder sich femininer geben, dabei jedoch viele männliche Fähigkeiten und Eigenschaften beibehalten. Der Druck, sich an Geschlechternormen anzupassen, nimmt mit zunehmendem Alter zu und äußert sich oft darin, dass diese Kinder „angewiesen oder beschämt werden, sich an traditionelle Weiblichkeit anzupassen – in Bezug auf Kleidung, Aussehen, Körperhaltung, Umgangsformen, Interessen und Partnersuche.“

Femmephobie

Laut der feministischen Soziologin Rhea Ashley Hoskin fungiert Femmephobie, eine Form der Diskriminierung und Unterdrückung von Menschen mit femininer Geschlechtsausdrucksweise, häufig als Gender Policing. Femmephobie schreibt Frauen enge Regeln für eine „ideale Weiblichkeit“ vor, die jedoch in jedem Fall als der Männlichkeit unterlegen angesehen wird.

Psychoanalyse

Auch Wissensgebiete, die den Anspruch erheben, universell zu sein, entstehen nach wie vor innerhalb gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, die ihren eigenen Regeln und Vorurteilen unterliegen. Eine patriarchalische Gesellschaft privilegiert männliches Denken und schließt andere Sichtweisen und Geschichtsauffassungen aus. Man kann sagen, dass jeder Diskurs, der in einer patriarchalischen Gesellschaft entsteht, sich der hegemonialen Männlichkeit unterwirft.

Michel Foucault betrachtete die Psychoanalyse als eine säkulare Bekenntnisform, bei der es darum geht, unser natürliches sexuelles Selbst zu finden. Das Problem, so argumentierte Foucault, bestehe darin, dass Sexualität kulturell geprägt sei und jede um sie herum geschaffene Erzählung dem Subjekt eher die Illusion einer Identität als tatsächliche Erfahrung vermittle. Eine in einer heteronormativen Gesellschaft praktizierte Psychoanalyse würde jede Abweichung als Versagen beim Erreichen dieses Ideals betrachten. Anstatt dass jemand als Ausübender einer Handlung gesehen würde, würde er als Verkörperung dessen angesehen werden, was die Gesellschaft als unzureichend erachte.

Gayle Rubin schrieb in The Traffic In Women über Sigmund Freuds psychoanalytische Theorie. Rubin führt aus, dass Jacques Lacans Analyse von Freud den Ödipuskomplex als die Krise betrachtet, die ein Kind durchlebt, wenn es die Regeln der Verwandtschaft verinnerlicht. Das Kind wird sich des Systems von biologischem Geschlecht und sozialem Geschlecht (Sex/Gender) bewusst und richtet sich entsprechend darauf aus. Eine Neurose wird als das Verständnis dieses Systems bei gleichzeitiger Unfähigkeit, sich daran anzupassen, angesehen. Lacans Trennung des Phallus vom physischen Penis verdeutlicht die Privilegierung des Männlichen in der Gesellschaft und die Trennung des Geschlechts von der Biologie. Nach Rubins Ansicht kontrollierte die Psychiatrie akzeptierte Geschlechts- und sexuelle Ausdrucksformen zusätzlich, indem sie nicht normkonformes Verhalten als geistig und emotional unterentwickelt einstufte. Rubin erkannte zudem, dass dieses System der Verinnerlichung von Normen heterosexuelle Männlichkeit privilegierte, und skizzierte gleichzeitig die psychische Unterdrückung, die die Gesellschaft Frauen und der Weiblichkeit auferlegt.

Intersektionalität

Gender Policing wirkt sich auf verschiedene soziale Identitäten auf unterschiedliche Weise aus. Neben dem Geschlecht stehen charakteristische Merkmale wie ethnische Zugehörigkeit, Geschlechtsidentität, soziale Klasse, sexuelle Orientierung, Alter, Religion, Weltanschauung und Behinderung in Wechselwirkung miteinander und werden vom Gender Policing unterschiedlich beeinflusst. Die Auswirkungen der Überschneidung dieser sozialen Kategorien werden in der Intersektionalitätstheorie untersucht. Um Intersektionalität im Rahmen des Gender Policing zu verstehen, kann man die Beziehung zwischen ethnischer Zugehörigkeit und Geschlecht in der Geschichte zurückverfolgen und analysieren. Ethnische Zugehörigkeit und Geschlecht haben im Laufe der Zeit innerhalb ihrer jeweiligen Kategorien Hierarchien hervorgebracht. Ähnlich wie die Klassifizierung „Mann“ nicht ohne „Frau“ existieren kann, können „weiße“ Menschen nicht ohne „schwarze“ Menschen existieren. Ethnische Zugehörigkeit als Klassifizierung entstand aus dem europäischen kapitalistischen Kolonialismus. Europäische Kolonialisten betrachteten diejenigen, die nicht „weiß“ waren, als primitiv und als der Herrschaft und „Zivilisierung“ bedürftig. Der globale Kolonialismus der europäischen Kapitalisten zwang den von ihnen kolonialisierten Völkern europäische Wissens- und Lebensweisen auf. Dazu gehörte auch eine rassistische und patriarchalische Auffassung von Geschlecht. Die Sichtweise, kolonisierte Völker als primitiv anzusehen, schuf eine Unterscheidung zwischen „Weißen“ (Menschen) und „Schwarzen“ (Eigentum oder Unmenschen). Die Auffassung, „Schwarze“ als nicht-menschlich zu betrachten, schloss „schwarze“ Menschen aus den Klassifizierungen des Geschlechts aus. In der westlichen Gesellschaft prägen „Weißsein“ und die Zugehörigkeit zur Mittelschicht weiterhin die Geschlechternormen, wodurch „nicht-weiße“ Menschen daran gehindert werden, akzeptierte Formen von Weiblichkeit oder Männlichkeit auszuleben.

In der heutigen Zeit betrifft Intersektionalität mittlerweile auch verschiedene andere Formen der menschlichen Charakterisierung und wirkt sich auf unzählige unterschiedliche Weisen auf Menschen aus. Wie eine weiße transgeschlechtliche Frau Gender Policing erlebt, unterscheidet sich erheblich davon, wie eine asiatische heterosexuelle Frau diese erlebt (usw.). In den USA sind schwarze Mädchen überproportional von rassistischen und sexistischen Kleidungsvorschriften betroffen, bei denen es sich um rassistisch geprägte Gender Policing handelt..

Sozialisation

Die geschlechtliche Selbstdarstellung (Gender Expression) eines Menschen wird oft schon in sehr jungen Jahren zunächst von den Eltern sowie von anderen älteren Bezugspersonen wie Lehrkräften und Erziehern kontrolliert. Diese Kontrolle ist Teil des Prozesses der „Geschlechtssozialisierung“ von Kindern, d. h. ihrer Sozialisierung in einer Weise, die gemäß konventionellen Vorstellungen ihrem zugewiesenen Geschlecht entspricht. Sobald Kindern Geschlechternormen vermittelt werden und sie deren Durchsetzung erleben, beginnen sie wahrscheinlich, andere zu kontrollieren – sowohl Gleichaltrige als auch Ältere.

In sozialen Kontexten

Die Durchsetzung von Geschlechternormen findet in verschiedenen sozialen Umfeldern statt (Schulen, Familien und am Arbeitsplatz). Im schulischen Umfeld spielen Gruppen eine Rolle bei der Durchsetzung von Geschlechternormen, oft durch Hänseleien, Mobbing oder soziale Ausgrenzung. Ethnografische Untersuchungen haben gezeigt, dass Jugendliche Sprache und Verhalten nutzen, um die Erwartungen an Männlichkeit und Weiblichkeit zu bekräftigen. Innerhalb von Familien prägen Eltern und Bezugspersonen häufig den frühen Geschlechtsausdruck, indem sie Verhaltensweisen fördern, die traditionellen Normen entsprechen, und Abweichungen davon unterbinden.

Am Arbeitsplatz kann Gender Policing durch Erwartungen hinsichtlich des Aussehens, des Kommunikationsstils und des beruflichen Verhaltens stattfinden. Menschen, die diesen Erwartungen nicht entsprechen, können Diskriminierung ausgesetzt sein oder eingeschränkte Chancen haben. Untersuchungen zur Kommunikation am Arbeitsplatz zeigen, dass Erwartungen darüber, wie Menschen „sprechen sollten“, oft vom Geschlecht geprägt sind. Von Frauen wird häufiger erwartet, dass sie einen sanfteren, beziehungsorientierteren und zurückhaltenderen Kommunikationsstil verwenden, während von Männern im Allgemeinen erwartet wird, dass sie direkter, selbstbewusster und autoritärer auftreten.

Frühe Kindheit

Gender Policing beginnt mit der Durchsetzung von Geschlechterrollen durch Eltern, die ihren Kindern beibringen, was im traditionellen Sinne dieser Begriffe „männlich“ und was „weiblich“ ist. Diese traditionellen Vorstellungen von Geschlecht werden durch Praktiken wie die Bezeichnung von Kindern als „Jungen“ und „Mädchen“ verstärkt, was „das biologische Geschlecht bzw. das soziale Geschlecht zum zentralen Bestandteil dessen macht, wie Kinder sich selbst wahrnehmen, ihre soziale Gruppe verstehen und sich selbst mit den Augen ihrer Eltern betrachten“. Wie Jane Ward, Professorin für Gender- und Sexualitätsstudien an der University of California, Riverside, in ihrem Kapitel des Buches Chasing Rainbows: Exploring Gender Fluid Parenting Practices schreibt, verstärken selbst Eltern, die „Jungensein“ oder „Mädchensein“ neu definieren möchten (indem sie beispielsweise einer Tomboy-Tochter Freiraum lassen oder einen Sohn in Kleider kleiden), dennoch das Konzept des Geschlechts als eine biologisch determinierte Zweigeschlechtlichkeit. Die Geschlechterbinärität wird bereits an offensichtlichen Stellen durchgesetzt, wie zum Beispiel bei der Trennung von Spielzeug in Geschäften.

Auch ethnografische Untersuchungen in Kindergärten haben zum Wissensbestand im Zusammenhang mit dem Gender Policing beigetragen. Diese Untersuchungen deuten darauf hin, dass Erzieher ihren Kindern geschlechtsspezifische Anweisungen geben, wie sie mit ihrem Körper umgehen sollen. In mehreren Einrichtungen gaben Erzieher Jungen häufiger explizite Anweisungen zum Körper als Mädchen, was darauf hindeutet, dass die Körper von Jungen häufiger kontrolliert werden als die von Mädchen. Dies könnte jedoch daran liegen, dass Erzieher ihre Anweisungen gegenüber Mädchen eindringlicher formulierten, die zudem in der Regel schneller darauf reagierten, sodass die Erzieherinnen sich nicht so oft wiederholen mussten. Außerdem wiesen Erzieher Jungen eher an, bestimmte Verhaltensweisen einzustellen (z. B. rennen, Gegenstände werfen), während sie Mädchen eher dazu anleiteten, diese zu ändern. Beispielsweise erhielten Mädchen direktive körperliche Anweisungen wie „Sprich mit ihr, schrei nicht, setz dich hierhin, heb das auf, sei vorsichtig, sei behutsam, gib es mir, leg es dort hin.“ Infolgedessen steht Jungen ein breiteres Spektrum potenzieller Aktivitäten zur Verfügung als Mädchen, denn obwohl sie von manchen Aktivitäten abgehalten werden, werden sie nicht so oft wie Mädchen dazu angeleitet, bestimmte Aktivitäten auszuüben. Laut Martin, dem Wissenschaftler und Soziologen, der diese Untersuchung durchgeführt hat, „bildet die geschlechtliche Prägung des Körpers in der Kindheit die Grundlage, auf der die weitere geschlechtliche Prägung des Körpers im Laufe des Lebens stattfindet. Die geschlechtliche Prägung der Körper von Kindern lässt Geschlechtsunterschiede als natürlich empfunden und erscheinen, wodurch sich solche körperlichen Unterschiede im Laufe des Lebens herausbilden können.“

In relativ jüngerer Zeit wurden Anstrengungen unternommen, um das Gender Policing einzuschränken, insbesondere im Kindesalter. Die Reform des schwedischen Schulsystems im Jahr 1962 führte zu einem neuen Lehrplan, der Ziele zur Einschränkung des Gender Policings in der frühkindlichen Bildung enthielt. In diesem neuen Lehrplan wurde festgelegt, dass „Vorschulen darauf hinwirken sollten, traditionellen Geschlechtervorstellungen und Geschlechterrollen entgegenzuwirken. Mädchen und Jungen in Vorschulen sollten die gleichen Möglichkeiten haben, ihre Fähigkeiten und Interessen auszuprobieren und zu entwickeln, ohne durch stereotype Geschlechterrollen eingeschränkt zu werden.“ Diese Vorschulen, Grundschulen und weiterführenden Schulen zielen darauf ab, die geschlechtsspezifische Normierung, der Kinder ausgesetzt sind, zu verringern; dabei müssen sie jedoch aufzeigen, wie Lehrkräfte und andere pädagogisch tätige Erwachsene unbeabsichtigt Geschlechterklischees verstärken können. Zu den Instrumenten, die Lehrkräfte einsetzen, um dem entgegenzuwirken, gehören Methoden wie das Führen von Tagebüchern und das Aufzeichnen von Interaktionen im Klassenzimmer auf Video (eine von Susanne Rithander vorgeschlagene Praxis). Eine allgemeine pädagogische Praxis an diesen schwedischen Schulen ist die sogenannte kompensatorische Pädagogik, die auf der Idee basiert, dass Jungen gemäß traditionellen Geschlechterrollen dazu ermutigt werden, ihre Eigenständigkeit zu bewahren, während Mädchen dazu ermutigt werden, Nähe zu anderen aufzubauen. Die kompensatorische Pädagogik hinterfragt diese traditionellen Geschlechterrollen, indem sie Mädchen dazu ermutigt, ihre Eigenständigkeit zu bewahren, und Jungen dazu, Nähe zu anderen aufzubauen.

Einige Eltern haben versucht, das Gender Policing durch ihren Erziehungsstil einzuschränken, wie im Fall von Storms Eltern, die sich dafür entschieden haben, ihrem Kind kein Geschlecht zuzuweisen, sondern abzuwarten, bis es selbst entscheiden kann. Im Gegensatz zum bisherigen relativen Erfolg schwedischer Schulen bei der Eindämmung des Gender Policing stießen die individuellen Bemühungen von Kathy und David, Storms Eltern, auf heftige Kritik in den Medien. In dem Kapitel mit dem Titel Get Your Gender Binary Off My Childhood!: Towards a Movement for Children’s Gender Self-Determination zeigt Ward, wie Storms Eltern oft als betrügerisch und manipulativ bezeichnet wurden; wie Ward es formuliert: „Weil sie nicht offenlegten, was sie über Storms Genitalien wussten, wurde Kathy und David vorgeworfen, Storms eigentliche Identität zu verbergen.“

Wie die feministische Rechtswissenschaftlerin Mary Ann Case in den Anmerkungen zu ihrem Artikel Disaggregating Gender from Sex and Sexual Orientation: The Effeminate Man in the Law and Feminist Jurisprudence (1995) hervorhob, ist die Kontrolle des geschlechtsspezifischen Verhaltens kleiner Kinder in Russland wesentlich strenger als in den Vereinigten Staaten. Mädchen wird bereits im Vorschulalter allgemein beigebracht, große Schleifen und goldene Ohrringe zu tragen und schüchtern zu sein.

Adoleszenz

Die Adoleszenz ist eine Entwicklungsphase, in der Peergroups eine besonders wichtige Rolle spielen und Beziehungen zu Gleichaltrigen Vorrang vor familiären Beziehungen haben. Es ist zudem eine Phase, in der die Überwachung der Geschlechterrollen unter Gleichaltrigen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Bereits in der Kindheit wurden Jugendliche von Erwachsenen mit normativen Geschlechtsausdrücken und den damit verbundenen sozialen Erwartungen vertraut gemacht. Diese Erwartungen werden dann während der Adoleszenz verstärkt, vor allem dadurch, dass Gleichaltrige sich gegenseitig hinsichtlich ihrer Geschlechterrollen kontrollieren. In dieser (und jeder anderen) Entwicklungsphase ist das Gender Policing besonders in explizit geschlechtsspezifischen Umgebungen verbreitet, wie beispielsweise in Toiletten, Umkleideräumen und Sportmannschaften.

Dude, You’re a Fag, ein Buch von der US-amerikanischen Soziologin C. J. Pascoe, untersucht anhand ethnografischer Forschung Männlichkeit und Gender Policing an weiterführenden Schulen. Pascoe konzentriert sich dabei vor allem darauf, wie männliche Schüler den Schimpfbegriff „Schwuchtel“ verwenden, um ihre eigene Männlichkeit zu bekräftigen, indem sie die Männlichkeit anderer in Frage stellen oder anzweifeln. In diesem Zusammenhang ist die Verwendung des Schimpfworts „Schwuchtel“ eine Form des Gender Policing, die häufig gegen Jungen gerichtet ist, denen es an heterosexueller Potenz mangelt oder die als nicht ausreichend männlich oder stark gelten. Laut Pascoe ist „[die Schwuchtel-Identität] fließend genug, dass Jungen ihr Verhalten aus Angst vor einer dauerhaften Zuordnung zu dieser Identität kontrollieren, und gleichzeitig eindeutig genug, dass Jungen ein ‚schwules‘ Verhalten erkennen und danach streben, es zu vermeiden“.

Eine Studie unter männlichen Schülern einer koedukativen, katholischen Oberschule liefert Einblicke von jugendlichen Männern selbst in Bezug auf das Gender Policing. Diese Studie beleuchtet das Gender Policing unter Männern, indem sie die Arten des Mobbings untersucht, die dort praktiziert werden. Formen des Mobbings (und des Gender Policing) ergeben sich aus Vorwürfen, Männer seien homosexuell. Ein Teilnehmer der Studie erklärt, dass er gemobbt wurde, weil er Ballett tanzte, und beschrieb das Mobbing mit den Worten: „Das hat einfach viel damit zu tun, eine Frau zu sein.“ Damit zeigt er einen Zusammenhang zwischen bestimmten Aktivitäten und einem bestimmten Geschlecht auf (und dass die Abweichung von typischen Geschlechterrollen als wahrgenommener Grund für Mobbing dient). Anhand der durchgeführten Interviews untersucht die Studie kurz eine beobachtete Kontrolle männlichen Verhaltens durch Frauen. Eine Befragte „scheint die Aufmerksamkeit auf die unterschiedlichen Normen zu lenken, die das Verhalten von Mädchen regeln, welche die Mobbingpraktiken von Jungen durch eine Verurteilung gewalttätigen Verhaltens kontrollieren“. Die Befragten weisen zudem auf die Bestätigung und Verfestigung von Einstellungen und Verhaltensweisen hin, die unter Männern als „männlich“ gelten. Darüber hinaus werden diese „männlichen“ Identitätsmerkmale durch die Interaktion mit Frauen und deren Bestätigung weiter verfestigt. Bei der Durchführung dieser Interviews zeigte sich zudem, dass Jugendliche das stereotype Konzept von Männlichkeit als ein Konzept betrachten, das schon früh in ihrem Leben verankert und „von ihren Vätern weitergegeben“ wird.

Intersektionalität spielt auch eine Rolle beim Verständnis des Gender Policing während des Sozialisationsprozesses im Jugendalter. Es wurde beobachtet, dass die kontrollierenden Vorstellungen von schwarzen Frauen oft auf junge schwarze Mädchen übertragen werden und diese entsprechend bestraft und kontrolliert werden, beispielsweise indem sie in der Schule für ihre Wut bestraft werden. Darüber hinaus gibt es viele Wege, auf denen die sich überschneidenden Identitäten einer Person beeinflussen, wie sie behandelt wird und wie ihre Männlichkeit und Weiblichkeit zensiert und kontrolliert werden.

Erwachsenenalter

Im Erwachsenenalter wird das Gender Policing im Allgemeinen subtiler. Für Personen, deren Geschlecht als mehrdeutig wahrgenommen wird, gibt es jedoch nach wie vor offensichtliche Formen. Diese reichen von neugierigen Fragen von Kindern (z. B. „Bist du ein Junge oder ein Mädchen?“) bis hin zum Gender Policing in Toiletten (die im folgenden Abschnitt behandelt wird). Menschen, deren Erscheinungsbild den Geschlechternormen entspricht, erleben vor allem eine geschlechtsspezifische Kontrolle des Verhaltens, wie etwa Aufforderungen, sich weiblicher oder männlicher zu verhalten. Männer werden häufiger wegen weiblichen Verhaltens zurechtgewiesen und beschämt als Frauen wegen männlichen Verhaltens. Es wird vermutet, dass dies zumindest teilweise auf den höheren gesellschaftlichen Wert von Männlichkeit zurückzuführen ist.

Das Gender Policing wird bei Erwachsenen schon seit vielen Jahren verstärkt. Wie die US-amerikanische Bürgerrechtlerin Angela Y. Davis hervorhebt, setzten frühe Frauengefängnisse auf Gender Policing als Mittel zur Resozialisierung. Die erste Frauenbesserungsanstalt in den USA wurde in Indiana eröffnet und umfasste Bereiche, die als Küchen, Wohnzimmer und Kinderzimmer konzipiert waren. Die Idee dahinter war, Frauen durch Tätigkeiten wie Kochen, Nähen und Putzen in häuslichen Fertigkeiten zu schulen.

Geschlechtstests und -überprüfungen im Sport und in der Leichtathletik zeigen, dass das Gender Policing in der jüngeren Geschichte für viele Länder und Sportorganisationen nach wie vor eine relevante Praxis ist. Im Fall der neunzehnjährigen Läuferin Helen Stephens aus Missouri bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin, die im 100-Meter-Lauf den ersten Platz belegte, stellten viele ihr Geschlecht in Frage, da sie sich nicht vorstellen konnten, dass eine Frau so schnell laufen könnte. Geschlechtstests und -überprüfungen gibt es seit jeher in der Geschichte der Menschheit; sie lassen sich sogar bis zu Praktiken bei Wettkämpfen im antiken Griechenland zurückverfolgen. Im Rahmen dieser griechischen Traditionen wurden Frauen von der Teilnahme und manchmal sogar vom Zuschauen abgehalten. Sowohl an den Beispielen der griechischen Praktiken als auch an der Geschichte von Helen Stephens aus Missouri lässt sich erkennen, dass Frauen häufig eher Geschlechtsüberprüfungen und Betrugsvorwürfen ausgesetzt sind (d. h., Frauen werden oft beschuldigt, in Wirklichkeit als Frauen getarnte Männer zu sein; Männer werden hingegen selten beschuldigt, als Männer getarnte Frauen zu sein).

Erwachsene können am Arbeitsplatz von ihren Arbeitgebern mit Gender Policing und Geschlechterstereotypen konfrontiert werden, beispielsweise indem sie wegen geschlechtsnonkonformen Verhaltens entlassen werden. Gender Policings am Arbeitsplatz können als sexuelle Belästigung eingestuft werden.

Erwachsene können auch in missbräuchlichen Beziehungen mit Gender Policing konfrontiert werden.

Trans, androgyne und geschlechtsnonkonforme Personen

Die Härte des Gender Policing ist oft proportional zur Extremen der Abweichung von der Norm. So sind beispielsweise transgeschlechtliche Personen häufig Opfer der extremsten und gewalttätigsten Formen der Gender Policing. Untersuchungen zu Konformitätsdruck und Geschlechterwiderstand bei transfemininen Personen (Personen, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde, die sich jedoch als Frau identifizieren) zeigen, dass diese Personen „intensiven und allgegenwärtigen“ Druck verspürten, sich an traditionelle Männlichkeitsvorstellungen anzupassen, und befürchteten, dass die Offenlegung ihrer Geschlechtsidentität zu körperlicher Gefahr oder zum Verlust ihrer rechtlichen, wirtschaftlichen oder sozialen Stellung führen würde. Daher müssen sich transgeschlechtliche Personen oft zwischen Selbsterhaltung und dem Ausdruck ihres selbstidentifizierten Geschlechts entscheiden.

Gender Policing ist in Toiletten besonders verbreitet, da das Geschlecht in explizit geschlechtsspezifischen Umgebungen (und der erzwungenen Zweiteilung in „Männer“ und „Frauen“) eine größere Rolle spielt. Während dieses Problem vor allem von trans und nicht-binären Personen erlebt wird, sind in geringerem Maße auch Personen mit androgynem oder geschlechtsambivalentem Erscheinungsbild davon betroffen. Für Menschen mit nicht-normativen Geschlechtsidentitäten ist die Entscheidung, welche Toilette sie benutzen sollen, oft mit „Angst, Ambivalenz und der Erwartung von Belästigung“ behaftet. Es ist nicht ungewöhnlich, dass geschlechtsnormative Menschen das Sicherheitspersonal auf die Anwesenheit von trans Personen (oder androgynen Personen) in einer Toilette aufmerksam machen, unabhängig davon, ob die von ihnen genutzte Toilette ihrem biologischen Geschlecht oder ihrer Geschlechtsidentität entspricht. Laut Jack Halberstam besteht der Hauptunterschied zwischen dem Gender Policing in der Damentoilette und in der Herrentoilette darin, dass im ersteren Fall nicht nur trans Frauen, sondern alle geschlechtsambigeren Frauen genau unter die Lupe genommen werden, während im letzteren Fall cisgeschlechtliche Männer seltener als fehl am Platz angesehen werden. Darüber hinaus werden trans Männer in der Herrentoilette im Vergleich zu trans Frauen in der Damentoilette wahrscheinlich weniger genau unter die Lupe genommen, da Männer gegenüber Eindringlingen weniger wachsam sind als Frauen. Allerdings ist es wahrscheinlicher, dass ein trans Mann in der Herrentoilette Gewalt ausgesetzt wird, wenn es ihm nicht gelingt, als Mann zu passen.

Trans Frauen und trans Männer sind „sechsmal häufiger von Diskriminierung betroffen“ als cisgeschlechtliche Personen. Im Jahr 2013 wurden der National Coalition of Anti-Violence Programs über 2.000 Fälle von Hassverbrechen gegen LGBTQ-Personen gemeldet. Im Jahr 2014 wurde eine landesweite Studie zu Gewalt gegen trans Personen durchgeführt, deren Ergebnisse zeigten, dass „53 % der Befragten von verbalen Übergriffen und 8 % von körperlichen Übergriffen in öffentlichen Einrichtungen berichteten“. Als Orte, an denen Geschlechternormen kontrolliert werden, sind Toiletten die häufigsten öffentlichen Einrichtungen, in denen trans Personen und geschlechtsnonkonforme Menschen Hassgewalt erleben. Die Menschen neigen dazu zu glauben, dass ein Zusammenhang zwischen Genitalien und Geschlecht besteht. Daher basiert die geschlechtsspezifische Trennung von Toiletten auf der Beschaffenheit der Genitalien. Aufgrund dieser „Übereinstimmung“ zwischen Genitalien und Geschlecht werden trans Personen oft als „Betrüger“ abgestempelt und für die Gewalt verantwortlich gemacht. Wenn eine trans oder androgyne Person im WC befragt wird, besteht die Reaktion darin, „nicht die Willkür der geschlechtsspezifischen Trennung von Toiletten zu hinterfragen, sondern die trans oder geschlechtsnonkonforme Person gewaltsam hinauszuwerfen“. Die Nutzung einer öffentlichen Toilette ist für trans und geschlechtsnonkonforme Menschen keine einfache Angelegenheit mehr.

Zum März 2017 haben 19 Bundesstaaten (unter anderem Kalifornien, Nevada, Hawaii und New York), der District of Columbia und über 200 Städte ein Antidiskriminierungsgesetz zugunsten von transgeschlechtlichen Personen umgesetzt. Dieses Gesetz erlaubt es ihnen, jede öffentliche Toilette zu benutzen, die ihrem Geschlecht entspricht. Zudem haben viele öffentlichen Einrichtungen ihre Toilettenbeschilderung angepasst, sodass dort nun neben der Angabe der beiden Geschlechter auch die Texte „Geschlechtsneutrale Toilette” oder „Inklusive Toilette” zu finden sind. Diese Gesetze wurden als Reaktion auf den sogenannten Bathroom Bill vom März 2016 in North Carolina verabschiedet. In den Entwürfen wurde argumentiert, dass es unangemessen sei, Menschen aufgrund des in ihrer Geburtsurkunde angegebenen biologischen Geschlechts die Nutzung öffentlicher Toiletten ihrer Wahl zu verbieten. Allerdings ist seit dem Aufkommen der Transfeindlichkeit in den 2020er Jahren eine neue Welle sogenannter Ballroom Bills zu beobachten, mit denen das Gender Policing in Toiletten gesetzlich durchgesetzt werden soll.

Die Forscher S. F. Hall und M. J. DeLaney weisen im Journal of Homosexuality darauf hin, dass trans Personen in den Vereinigten Staaten in LGBTQ-Kreisen häufig einem Gender Policing innerhalb der eigenen Gruppe ausgesetzt sind, auch durch andere trans Personen, die ihnen vorwerfen, „nicht trans genug“ zu sein, falls sie nicht den Vorstellungen der binären Geschlechterordnung entsprechen.

Mode und der moderne Widerstand

Im Jahr 1924 akzeptierten und bekräftigten Geschlechternormen Ideologien, die Freuds hegemoniale These untermauerten, wonach „die Biologie der entscheidende Faktor für die Geschlechtsidentität ist“. Diese Normen waren fest in der kulturellen Ordnung verankert und beeinflussten die Geschlechtsidentität im Alltag, im Recht und in der Politik. Strategien zum Gender Policing setzten diese Normen durch, wobei eine weit verbreitete Taktik darin bestand, kulturell vorgeschriebene Kleidungsvorschriften als Mittel einzusetzen, um Menschen in binäre Geschlechterrollen zu zwingen. Im Laufe der Geschichte haben sich jedoch progressive Bewegungen energisch dafür eingesetzt, sich dieser Kontrolle zu widersetzen, indem sie restriktive Normen durch Missachtung und Reformierung der vorgeschriebenen Geschlechternormen bekämpften. Die Anhängerschaft an Freuds Theorie hat stetig abgenommen, und neue Studien lassen zunehmend eine weit verbreitete Theorie aufkommen, wonach Individuen selbst entscheiden, welche Geschlechtsunterscheidungen für sie gelten. Der moderne Widerstand gegen Geschlechternormen lässt die veraltete Kontrolle über die Anpassung an die Normen des eigenen Geschlechts immer mehr in den Hintergrund treten. Laut einer Studie der Intelligence Group, einem Unternehmen für Verbraucherforschung, „stimmen mehr als zwei Drittel der 14- bis 34-Jährigen zu, dass das Geschlecht eine Person nicht mehr so definieren muss wie früher … und 6 von 10 sagen, dass Männer und Frauen sich nicht mehr an traditionelle Geschlechterrollen oder Verhaltensweisen halten müssen.“

Geschlechtsspezifische Kleidungsvorschriften und -verordnungen

Ältere Modevorschriften setzten systematisch normative Geschlechterbinaritäten durch und zwangen Menschen dazu, sich so zu kleiden und zu schmücken, dass dies ihrem biologischen Geschlecht entsprach. Die Gesellschaft griff auf Taktiken des Gender Policing zurück, um die kulturelle und gesellschaftliche Akzeptanz einer geschlechtsspezifischen Kleiderordnung durchzusetzen. Die früheste Verordnung zu geschlechtsspezifischer Kleidung in den Vereinigten Staaten wurde 1848 in Columbus, Ohio, erlassen. Die Verordnung verbot es, „in einem Kleidungsstück zu erscheinen, das nicht dem eigenen Geschlecht entspricht“. Im 19. Jahrhundert verabschiedeten vierzig amerikanische Städte Verordnungen gegen Drag und Crossdressing. Diese Verordnungen griffen häufig auf Formulierungen zurück, die sich auf öffentliche Unanständigkeit beriefen, wie beispielsweise das Gesetz von St. Louis aus dem Jahr 1864, in dem es hieß: „Wer in dieser Stadt an einem öffentlichen Ort nackt oder in einer Kleidung erscheint, die nicht seinem oder ihrem Geschlecht entspricht, oder in einer unanständigen oder anzüglichen Kleidung …, wird eines Vergehens für schuldig befunden.“ Andere Verordnungen wurden unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Sicherheit formuliert. Ein Gesetz des Staates New York aus dem Jahr 1845 definierte beispielsweise einen rechtswidrigen Landstreicher als „[eine] Person, die mit bemaltem, verfärbtem, bedecktem oder verborgenem Gesicht oder auf andere Weise verkleidet in einer Weise auf einer Straße oder einer öffentlichen Verkehrsstraße erscheint, die darauf abzielt, ihre Identifizierung zu verhindern.“ Viele geschlechtsspezifische Kleidungsgesetze aus dem frühen 20. Jahrhundert konzentrierten sich insbesondere darauf, Personen, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde, das Tragen von Frauenkleidung zu verbieten. Solche geschlechtsspezifischen Gesetze wurden 1944 in Detroit, Michigan, 1954 in Denver, Colorado, und 1965 in Miami, Florida, verabschiedet.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden einige Gesetze zum Crossdressing aufgrund ihrer Unklarheit und der Schwierigkeiten bei der Durchsetzung angefochten. Der Oberste Gerichtshof von Ohio befasste sich 1975 mit dem Fall Columbus v. Rogers, in dem die städtische Verordnung angefochten und aufgehoben wurde. Der Richter am Obersten Gerichtshof von Ohio, O’Neill, schrieb, die Verordnung sei „wegen Unbestimmtheit verfassungswidrig und nichtig, da sie keine angemessenen Maßstäbe vorsehe, anhand derer eine Handlung als legal oder illegal eingestuft werden könne“. Später in seiner Urteilsbegründung präzisierte er: „Die Kleidungsstile sowohl von Männern als auch von Frauen unterliegen historisch gesehen Modetrends. Heutzutage wird Kleidung für beide Geschlechter verkauft, die sich äußerlich so stark ähnelt, dass eine Person mit durchschnittlicher Intelligenz möglicherweise nicht in der Lage ist, sie als männliche oder weibliche Kleidung zu identifizieren.“

Dragqueen aufgrund von Anti-Crossdressing-Gesetzen in New York City festgenommen, 1962

Mode als Mittel des modernen Widerstands

Diese Reformbewegung gegen geschlechtsspezifische Konformität hat sich darauf konzentriert, kulturelle Akzeptanz für Fluidität in modernen Kleidungsvorschriften zu schaffen. Heutzutage werden Entscheidungen zur Geschlechtsidentität als selbstbestimmt und als eine Form des „Selbstausdrucks“ angesehen. Eine weit verbreitete Art, die eigene Identität auszudrücken und sich nicht an Geschlechternormen zu orientieren, ist die persönliche Stilwahl. Zu diesen Entscheidungen gehören Kleidung, Accessoires und Schönheitsgewohnheiten. Stil hat eine „symbolische Bedeutung“ der Selbstdarstellung und „gibt uns ein Mittel an die Hand, unsere eigenen Vorstellungen von der Kultur, die wir um uns herum erleben, zu kultivieren“. Daher wird modische Nonkonformität von einer Reihe von Millennials begrüßt, die daran glauben, die in der Vergangenheit erzwungenen geschlechtlichen Binärsysteme aufzubrechen. Sie tun dies, indem sie die Kleidervorschriften ignorieren, die früher dazu dienten, Menschen auf ihr Geschlecht festzulegen. Indem sie eine Kleiderordnung missachten, die als Mittel zur Durchsetzung der binären Geschlechterordnung eingesetzt wurde, haben diese Millennials eine wirkungsvolle Form des Widerstands gegen das Gender Policing gefunden.

Die moderne, geschlechtsspezifische Mode ist flexibler gegenüber persönlichen Vorlieben geworden und wendet sich sichtbar stärker gegen alte, geschlechtsspezifische Stilvorgaben. Die Weigerung, sich den Regeln veralteter Modekonventionen anzupassen, wird von der aktuellen Mode und dem Mainstream-Stil begrüßt. Ein aktueller Trend bei Kleidung und Accessoires, der geschlechtsspezifische Stilnormen überschreitet, hat sich zunehmend durchgesetzt, und wegweisende Modetrends zeigen sich immer offener für die Verschmelzung von normalerweise geschlechtsspezifischen Stildetails. Trendige, konventionsbrechende Stile ermächtigen Frauen dazu, sich auf eine inklusiv „männliche“ Art zu kleiden, und ermöglichen es Männern, „weibliche“ Attribute in ihren Stil zu integrieren – beispielsweise Frauen, die sich dafür entscheiden, Anzüge zur Arbeit zu tragen, oder Männer, die Nagellack tragen, usw.

Gesundheit

Gender Policing wird mit einer Reihe negativer psychologischer und sozialer Folgen in Verbindung gebracht. Menschen, die häufig mit der Durchsetzung von Geschlechternormen konfrontiert sind, können unter erhöhtem Stress, Ängsten und einem verminderten Selbstwertgefühl leiden. Gender Policing bei Jungen können das Risiko für Alkoholkonsum, Angstzustände und Depressionen erhöhen.

Das Minderheitenstressmodell erklärt, dass die chronische Konfrontation mit Stigmatisierung und sozialer Regulierung zu negativen psychischen Gesundheitsfolgen bei geschlechtlichen und sexuellen Minderheiten beiträgt. Für transgeschlechtliche und geschlechtsdiversen Personen kann Gender Policing aufgrund anhaltender Erfahrungen von Entwertung und Diskriminierung zu dauerhaftem Stress beitragen.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

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