
Georg Tyllack (* 7. Februar 1911 in Berlin; † 28. August 1975 in Berlin) war ein deutscher Bildhauer und Holzbildhauer, der in Berlin lebte und arbeitete. Er schuf zahlreiche sakrale Kunstwerke, darunter lebensgroße Holzskulpturen und wurde so zu einem bekannten Meister der Kirchenplastik in Berlin und Nordostdeutschland.
Georg Tyllacks Familie lebte in der damaligen selbstständigen Gemeinde Lichtenberg bei Berlin. Nach dem Schulabschluss erlernte Georg das Holzbildhauer-Handwerk beim Berliner Bildhauer Max Stopp. Nach seiner Meisterprüfung machte er sich selbstständig und eröffnete im Jahr 1936 in der Lichtenberger Hubertusstraße, in Nachbarschaft zum Hubertusbad, eine kleine Werkstatt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, Anfang der 1950er Jahre, erweiterte er die Werkstatt, baute ein Atelier und führte seine freiberufliche künstlerische Arbeit fort. Er wurde Mitglied im Verband bildender Künstler Deutschlands.
Ab Ende der 1940er Jahre begann eine äußerst fruchtbare Phase im Schaffen von Georg Tyllack, in der vor allem sakrale Werke entstanden, teils lebensgroße Marienfiguren, Kruzifixe und andere Skulpturen, auch ganze Altäre oder die bildhauerische Ausstattung von Kapellen, meist in Eichenholz geschnitzt. Er erhielt zahlreiche Aufträge für Kirchen in Berlin und im nordostdeutschen Raum (dem heutigen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern) sowie für öffentliche Bauten in Berlin. In seinen Arbeiten entfernte sich Georg Tyllack von der in dieser Zeit vorherrschenden traditionellen Darstellung sakraler Figuren und entwickelte einen eigenen Gestaltungsstil. Er wählte eine reduzierte Formensprache bei den Gewändern und konzentrierte sich auf die Gesichter. Die Skulpturen wirken durch ihre klaren Linien und die Ruhe, die sie ausstrahlen. Er verzichtete bewusst auf farbliche Fassungen, so dass die natürliche Struktur und Wärme des Holzes zur Geltung kamen.
Seine Werke umfassten die ganze Palette der Holzbildhauerei von figürlichen Arbeiten, Reliefs, Ornamentik, Schriftgestaltung, Wappen, auch Restaurierungsarbeiten an Kirchenskulpturen oder historisch wertvollen Möbeln sowie anderem Kulturgut. Er schnitzte originalgetreu fehlende Hände und Füße sowie Gewandteile historischer Heiligenfiguren nach und ergänzte auch barocke Ornamente von Wandverkleidungen.

Schon in der Frühphase seiner Tätigkeit als Bildhauer schuf Georg Tyllack zahlreiche Porträts, die er teilweise in Holz schnitzte, eine zu seiner Zeit in Norddeutschland seltene künstlerische Technik, da sie keine Korrekturmöglichkeiten erlaubte. Weitere Porträt-Büsten wurden in Bronze oder Gips umgesetzt. – Ein weiteres Feld seines Schaffens waren künstlerisch gestaltete Holzgrabmale, teils mit figürlichen Arbeiten, wie Kruzifixe, und in unterschiedlichsten Gestaltungsformen. Einige größere Grabmale sind noch auf Berliner Friedhöfen vorhanden. Im Berliner Adressbuch warb Georg Tyllack mit: „Holzbildhauermeister, Künstlerische Holzgrabkreuze“.
Georg Tyllack war Obermeister der Berliner Holzbildhauerinnung und bildete Holzbildhauer aus. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem der spätere Bildhauer Richard Hess, der spätere Bildhauer Michael Klein sowie seine Kinder, die ebenfalls bei ihm das Holzbildhauer-Handwerk erlernten.
Erfolgreiche Projekte waren die Restaurierungsarbeiten im Ermeler-Haus 1968/69 und in den 1970er Jahren im Otto-Nagel-Haus am Märkischen Ufer in Berlin.
Georg Tyllacks letzter Großauftrag war die Ausstattung eines großen Spielplatzes im Schlosspark in Berlin-Biesdorf, wofür mehrere Figuren gestaltet wurden. Im Mittelpunkt stand eine über 2,5 m hohe Häuptlingsskulptur, die von seinem Sohn Norbert Tyllack vollendet wurde.
Nach seinem frühen Tod übernahm Sohn Norbert Tyllack zum Februar 1976 die Holzbildhauerwerkstatt in der Lichtenberger Hubertusstraße.

Georg Tyllack wurde in der Familiengrabstätte auf dem katholischen St. Pius-Friedhof in Berlin-Alt-Hohenschönhausen beigesetzt. Das hier aufgestellte Grabmal, ein Christus am Kreuz (siehe nebenstehendes Bild) hat sein Sohn Norbert gestaltet und bereits einige Male restauriert.
| Jahr | was | Standort | Kurzinformationen, ggf. Bild |
|---|---|---|---|
| 1952 | Muttergottes-Altar | Kirche Maria Meeresstern in Sellin | Stellt die über die Ostsee schreitende Maria mit dem segnenden Jesuskind auf dem Arm dar. Die Finanzierung ermöglichten gestiftete Gelder von Pilgern. |
| 1952 | neue Skulpturen Maria mit dem Jesuskind und Josef | für die Kirchengemeinde Stella Maris von Heringsdorf | |
| 1952 | Kreuzwegstationen | Kirche St. Franziskus in Berlin-Friedrichshagen | Seit dem Jahr 2001 in der Sakristei eingelagert |
| 1953 | neue Heiligenfiguren | katholische St.-Otto-Kapelle in Zinnowitz | insbesondere der heilige Otto |
| 1954 | Schnitzaltar mit Altarkreuz, Figurengruppe Don Bosco mit Dominikus Savio sowie ein dreiteiliges Relief der Weihnachtsgeschichte | Kapelle des Don-Bosco-Jugendheimes in Berlin-Mitte (Große Hamburger Str. 19) | |
| 1955 | neue Figuren der Maria und des Josef | katholische Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Angermünde | Neuerschaffung |
| um 1955 | Kreuzweg | katholische Kirche in Angermünde | Restaurierung des historischen Kreuzwegs; unter Pfarrer Arthur Frucht |
| 1956 | Holzhochrelief St. Michael und eine hölzerne Marienfigur | römisch-katholische Kirche St. Michael in Müncheberg | dargestellt ist der „jugendliche Ritter im Kampf mit dem Satan“. |
| 1956/1957 | Schutzmantelmadonna und Skulptur Josef als Wanderer | St. Josef-Kirche Weißensee | |
| Nach 1957 | großes Kruzifix, Skulptur des Hl. Josef und eine Weihnachtskrippe | Kapelle des St. Joseph-Krankenhauses in Berlin-Weißensee | Josef und das Kruzifix aus Eichenholz, die Krippe aus Lindenholz |
| um 1958 | lebensgroße Joseffigur mit Jesuskind und Kirchenmodell sowie geschnitzte Reliefs der Kreuzwegstationen | Kapelle Herz Jesu im St. Joseph-Haus in der Biesdorfer Fortunaallee | |
| 1959 | Josef als Zimmermann und Schutzpatron mit Kirchenmodell | Kirche Mariä Himmelfahrt in Gransee | |
| um 1959/1960 | Altarkreuz/Kruzifix | Dorfkirche in Französisch-Buchholz | Neuanfertigung |
| 1960er Jahre | Josefsfigur, ein Modell des Kirchengebäudes präsentierend, und Marienfigur | Kirche Mariä Himmelfahrt in Hoppenwalde | Neuanfertigung der im Vorraum der Kirche platzierten Skulpturen |
| 1960er Jahre | Weihnachtskrippe | Dorfkirche Friedrichsfelde | |
| 1961 | Knieender Knabe | Zentralfriedhof Friedrichsfelde | aus Eichenholz geschnitzt für einen Schöpfbrunnen (siehe Einleitungsfoto) |
| 1962 | Kruzifix | St. Josef in Köpenick | im Vorgarten des Pfarrhauses platziert; die Inschrift erinnert an die in der Gemeinde 1962 durchgeführte katholische Kirchenmission. Im Jahr 1981 ergänzte ein anderer Holzkünstler das Werk zu der neuerlichen Mission. |
| 1962 | Gedenkkreuz | Pfarrei St. Franziskus in Friedrichshagen | im Vorgarten der Kirche, ebenfalls zur Erinnerung an die Volksmissionen 1951 und 1962 |
| 1960er Jahre | Relief-Wand mit 12 Tafeln | im Verwaltungsgebäude der 1953 gegründeten Ost-Berliner Handwerkskammer | Stellt Handwerker bei der Arbeit dar. |
| 1960er Jahre | Altar-Teile | St. Josefskirche in Berlin-Weißensee | |
| 1968/1969 | Wand- und Türornamente | Ermeler-Haus | |
| 1970er Jahre | hölzerne Ausstattungsstücke | Otto-Nagel-Haus in Berlin-Mitte | Restaurierung und Ergänzung |
| 1974/1975 | Holzbildhauerarbeiten | für den Indianerspielplatz im Schlosspark Biesdorf | wie oben dargestellt; das Bild zeigt das verkleinerte Gipsmodell |
Da Tyllacks sakrale Arbeiten im Zuge von Innenraum-Umgestaltungen in DDR-Kirchen (insbesondere bei nachkonziliaren Umbauten in den 1970er/80er Jahren) oft versetzt, in Gemeinderäume überführt oder an Depots abgegeben wurden, ist ihr Verbleib häufig nicht im Hauptverzeichnis des Kirchenraums dokumentiert.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tyllack, Georg |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bildhauer und Holzbildhauer |
| GEBURTSDATUM | 7. Februar 1911 |
| GEBURTSORT | Lichtenberg bei Berlin |
| STERBEDATUM | 28. August 1975 |
| STERBEORT | Berlin |