George Curzon, 1. Marquess Curzon of Kedleston

George Curzon, 1. Marquess Curzon of Kedleston (um 1900)

George Nathaniel Curzon, 1. Marquess Curzon of Kedleston, KG, GCSI, GCIE, PC (* 11. Januar 1859 in Kedleston Hall, Derbyshire; † 20. März 1925 in London) war ein konservativer britischer Staatsmann und von 1899 bis 1905 mit kurzer Unterbrechung Vizekönig von Indien. Von 1908 bis zu seinem Tod gehörte er als Representative Peer der Peerage of Ireland dem House of Lords an. Von 1919 bis 1924 war er Außenminister des Vereinigten Königreichs. Davor und danach gehörte er als Lord President of the Council der Regierung an (1916–1919 und 1924–1925), zudem war er Leader of the House of Lords.

Leben

George Curzon mit seiner Ehefrau Mary Curzon auf dem Elefanten „Lakshman Prasad“ in Delhi am 29. Dezember 1902

Beginn der Karriere

George Curzon war der älteste Sohn von Alfred Curzon, 4. Baron Scarsdale. Während seines Studiums am Balliol College der Universität Oxford war er Vorsitzender der Studenten- und Debattiervereinigung Oxford Union. Er war 1885 stellvertretender Privatsekretär des konservativen Premierministers Lord Salisbury. Im Jahr darauf wurde er erstmals als Konservativer in das Unterhaus des britischen Parlaments gewählt, wo er bis 1898 den Wahlkreis Southport (Grafschaft Lancashire) vertrat. In den Jahren 1888 bis 1895 unternahm er mehrere Reisen durch verschiedene Regionen Asiens – von Persien bis Korea – und veröffentlichte Bücher über Zentral- und Ostasien sowie die politischen Fragestellungen zu diesen Regionen aus britischer Sicht. In der zweiten bzw. dritten Regierung von Lord Salisbury war er von 1891 bis 1892 Unterstaatssekretär im India Office und von 1895 bis 1898 Unterstaatssekretär im Außenministerium.

Vizekönig von Indien

Lord Curzon mit Ehefrau auf Tigerjagd (1903)

Königin Victoria ernannte Curzon Anfang 1899 zum Generalgouverneur und Vizekönig von Indien, was er bis 1905 mit einer kurzen Unterbrechung blieb. In den Jahren 1904 und 1905 war er zudem Lord Warden of the Cinque Ports.

Er leitete umfangreiche Reformen ein, zu denen auch die Gründung der North-West Frontier Province gehörte. Die von ihm durchgeführte Teilung Bengalens 1905 provozierte eine national-indische Massenbewegung gegen die Kolonialmacht. Es gelang ihm, den britischen Einfluss auf Tibet, Persien und Afghanistan auszudehnen. Er schuf ein Generaldirektorat für Archäologie und verachtfachte das Budget für Restaurierungen; speziell an jener des Taj Mahal lag ihm viel. In seine Regierungszeit als Vizekönig fielen zwei große Hungersnöte (1896–1897 und 1899–1900), bei denen 6,1 bis 19 Millionen Menschen starben. Curzon ergriff wenig Gegenmaßnahmen. Curzon drängte erfolgreich auf eine Verlängerung seiner Amtszeit über die fünf üblichen Jahre hinaus, da er den Erfolg seiner Reformen sehen wollte – Premierminister Arthur Balfour bezeichnete seine Zustimmung später als seinen größten Fehler als britischer Premierminister. Curzon meinte, dass der Oberbefehlshaber dem Militärberater des Vizekönigs unterstellt sein solle. Lord Kitchener, Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Indien, lehnte dies ab. Curzon bat Balfour, sich zwischen ihm und Kitchener zu entscheiden. Kitchener konnte sich durchsetzen; Curzon trat 1906 vom Amt des Vizekönigs zurück und wurde Kanzler der Universität Oxford.

1908 wurde er Ehrenmitglied der British Academy.

Peer und Außenminister

Als Representative Peer, d. h. einer der Vertreter des Adels von Britisch-Irland wurde Curzon 1908 auf Lebenszeit ins britische Oberhaus gewählt. Während des Ersten Weltkrieges war Curzon von Mai 1915 bis Dezember 1916 Lordsiegelbewahrer im Allparteienkabinett von Premierminister Herbert Asquith. Er war der weitestgereiste Mann, der je in einem britischen Kabinett saß – dies obwohl ihn seit 1878 eine Rückgratverkrümmung zum Tragen eines stählernen Korsetts zwang. Im Dezember 1916 wurde Curzon unter Lloyd George als Lord President of the Council Mitglied des Kriegskabinetts.

Lord Curzon (rechts) mit Premierminister Stanley Baldwin (Januar 1924)

Nach Kriegsende erhielt Curzon im Oktober 1919 die lang erstrebte Ernennung zum Außenminister; er hatte dieses Amt bis Januar 1924 inne. Lloyd George war während der Versailler Friedenskonferenz der dominante Politiker der britischen Delegation; auch Curzon hatte eine hohe Reputation. 1919 schlug eine Kommission der Pariser Friedenskonferenz, der Curzon angehörte, die berühmt gewordene „Curzon-Linie“ als Grenze zwischen Polen und dem jungen Sowjetrussland vor. In der türkischen Frage war es Curzons Leistung, eine Lösung herbeizuführen und den Vertrag von Lausanne vorzubereiten. Nach dem Sturz Lloyd Georges 1922 avancierte Curzon im Kabinett von Andrew Bonar Law zum zweiten Mann hinter dem Premierminister. Als Bonar Law wegen seiner Erkrankung zurücktrat, galt Curzon (obwohl er im House of Lords saß) als aussichtsreichster Nachfolger. Er wurde jedoch zu Gunsten von Stanley Baldwin übergangen.

Curzon blieb Außenminister unter Baldwin, bis er von diesem im November 1924 zum Lord President of the Council und Leader of the House of Lords ernannt wurde. Im März 1925 erkrankte Curzon schwer; nach einer erfolglosen Operation starb er am 20. März 1925 in London.

Curzon war ein erklärter Gegner des Frauenwahlrechts, Mitglied und ab 1912 Co-Präsident der National League for Opposing Woman Suffrage (Nationale Liga in Gegnerschaft weiblichen Wahlrechts).

Privatleben

Mary Victoria Leiter, erste Frau von George Curzon; Porträt von Franz von Lenbach, 1902

Curzon war in erster Ehe ab 1895 mit der Amerikanerin Mary Victoria Leiter verheiratet, die 1906 starb. Aus dieser Ehe stammen drei Töchter. Alle drei (Mary Irene, Cynthia und Alexandra) waren bekannte Persönlichkeiten im Vereinigten Königreich der Zwischenkriegszeit. Nach längerer außerehelicher Beziehung mit der Schriftstellerin und Society-Dame Elinor Glyn heiratete er 1917 Grace Elvina Duggan, geborene Hinds. Die Eheleute trennten sich, nachdem der von Curzon ersehnte männliche Titelerbe nach mehreren Fehlgeburten ausgeblieben war und Grace eine Affäre mit dem britischen Faschistenführer Sir Oswald Mosley, dem Ehemann ihrer Stieftochter Cynthia, hatte.

Adelstitel

Curzon wurde 1898 als Baron Curzon of Kedleston in der Peerage of Ireland in den erblichen Adelsstand erhoben. Da es sich um einen irischen Titel handelte, war damit nicht automatisch ein Sitz im House of Lords verbunden. Ab 1908 war er jedoch als gewählter Representative Peer Mitglied des Oberhauses. Der Titel erlosch 1925, als Curzon ohne männlichen Abkömmling starb.

1911 wurde Curzon zum Earl Curzon of Kedleston, Viscount Scarsdale und Baron Ravensdale, alle in der Peerage of the United Kingdom erhoben. Die Earlswürde konnte, wie üblich, nur an männliche Abkömmlinge übergehen und erlosch daher mit Curzons Tod. Die Viscountswürde erhielt einen speziellen Vermerk, dass sie in Ermangelung eines Sohnes auf seinen Vater und dessen männliche Abkömmlinge übergehen könne, was dann auch geschah. Der Vermerk bei der Baronie erlaubte einen Übergang auf die Töchter und deren männliche Abkömmlinge, so dass dieser Titel auf die älteste Tochter Mary überging.

Fünf Jahre später erbte Curzon nach dem Tode seines Vaters dessen Titel Baron Scarsdale, der zur Peerage of Great Britain gehört.

1921 wurde Curzon zum Marquess Curzon of Kedleston mit dem nachgeordneten Titel Earl of Kedleston erhoben. Diese beiden Titel in der Peerage of the United Kingdom erloschen mit Curzons Tod.

Erinnerung

Curzon Hall, nach Curzon benanntes Heim der Fakultät der Wissenschaften an der University of Dhaka

Winston Churchill widmete Curzon 1937 ein Kapitel in seinem Buch Great Contemporaries. Jawaharlal Nehru würdigte Curzon später: „After every other Viceroy has been forgotten, Curzon will be remembered because he restored all that was beautiful in India.“ (Wenn bereits jeder andere Vizekönig vergessen sein wird, so wird man sich immer noch an Curzon erinnern, weil er alles wiederherstellte, was schön in Indien ist.) Ihm zu Ehren benannt sind die Curzon-Inseln in der Antarktis.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Literatur

Commons: George Curzon, 1st Marquess Curzon of Kedleston – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 David Gilmour: Curzon, George Nathaniel, Marquess of Kedleston (1859–1925). In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Band 14: Cranfield–Dalwood. Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861364-4, S. 792–802; doi:10.1093/ref:odnb/32680 (Lizenz erforderlich), Stand: 2004.
  2. ↑ Kavalam Madhava Panikkar: A survey of Indian History. 12. Auflage. Asia Publishing House, Bombay 1962, S. 221.
  3. ↑ Ein Resümee von Curzons indischen Jahren und eine Skizze seiner Persönlichkeit findet sich in Edward Denison Ross’ Autobiografie Both ends of the candle (1943), S. 136–146.
  4. ↑ Deceased Fellows. British Academy, abgerufen am 18. Mai 2020.
  5. ↑ David Gilmour: Curzon: Imperial Statesman. Farrar Straus & Giroux, London 2006, S. 582–586
  6. ↑ Julia Bush: National League for Opposing Woman Suffrage. In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X; doi:10.1093/ref:odnb/92492 (Lizenz erforderlich), Stand: 2007.
  7. ↑ When-Curzon-rescued-Ahmedabads-icon. timesofindia, 6. Mai 2012, abgerufen am 7. Juni 2015.
VorgängerAmtNachfolger
Victor Bruce, 9. Earl of ElginVizekönig von Indien
1899–1905
Gilbert Elliot-Murray-Kynynmound, 4. Earl of Minto
Titel neu geschaffenBaron Curzon of Kedleston
1898–1925
Titel erloschen
Titel neu geschaffenEarl Curzon of Kedleston
1911–1925
Titel erloschen
Titel neu geschaffenViscount Scarsdale
1911–1925
Richard Curzon
Titel neu geschaffenBaron Ravensdale
1911–1925
Mary Irene Curzon
Alfred CurzonBaron Scarsdale
1916–1925
Richard Curzon
Titel neu geschaffenMarquess Curzon of Kedleston
1921–1925
Titel erloschen
Personendaten
NAME Curzon, George, 1. Marquess Curzon of Kedleston
ALTERNATIVNAMEN Curzon, George Nathaniel, 1. Marquess Curzon of Kedleston
KURZBESCHREIBUNG konservativer britischer Staatsmann und Vizekönig von Indien (1899–1905)
GEBURTSDATUM 11. Januar 1859
GEBURTSORT Kedleston Hall, Derbyshire
STERBEDATUM 20. März 1925
STERBEORT London