Gerhard Dengler (* 24. Mai 1914 in Reinhausen; † 3. Januar 2007 in Hennigsdorf) war ein deutscher Journalist und Vizepräsident des Nationalrats der Nationalen Front.
Gerhard Dengler wurde am 24. Mai 1914 in Reinhausen, Göttingen als Sohn des Forstwissenschaftlers und Rektors der Forstakademie Eberswalde, Alfred Dengler geboren und wuchs in Chorin, Brandenburg und in Eberswalde bei Berlin auf. Von 1934 bis 1935 und 1937 bis 1939 studierte er in München und Berlin Zeitungswissenschaften und wurde 1939 bei Professor Emil Domifat zum Doctor der Philosophie promoviert. Zwischen 1935 und 1937 absolvierte er seinen Wehrdienst als Offiziersanwärter beim Artillerieregiment 3 in Frankfurt (Oder). Während seines Studiums in München ist er Mitglied des "Corps Franconia", einer schlagenden Verbindung. Am 11. Oktober 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.470.128). Dengler war auch Mitglied der SA, nachdem er schon seit 1932 Mitglied im Jung-Stahlhelm war.
Nach seiner Promotion wurde er im Zuge der allgemeinen Mobilmachung zur Wehrmacht einberufen. Mit dem Artillerieregiment 3 nahm er zuerst als Zugführer am Überfall auf Polen und danach am Feldzug gegen Frankreich teil. Hier wurde er zeitweise Standortkommandant von Autun. Zu Beginn des Überfalls auf die Soviet Union am 22. Juni 19411 war er Oberleutnant und Chef der Regimentsstabsbatterie des Artillerie Regimentes 3 (mot.). Das Regiment nahm beim Angriff auf Leningrad teil, stand Ende 1941 vor Moskau und wurde dann zur Heeresgruppe Süd an den Don verlegt. Während der Schlacht bei Stalingrad sicherte das Regiment für die 6. Armee das Steilufer der Wolga. Nach der Umschließung der Stadt durch die Rote Armee im November 1942 nahm Dengler als Hauptmann und Chef der 5. Batterie an der Verteidigung des Kessels teil.
Dengler ergab sich am 28. Januar 1943 mit den Resten seiner 5. Batterie noch vor der allgemeinen Kapitulation der 6. Armee und ging in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Er infizierte sich mit Flecktyphus. Im Lager Oranki bei Gorki wurde er im Herbst 1943 Mitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland. Er wurde auf die Antifa-Schule nach Krasnogorsk entsendet und studierte Marxismus-Leninismus. Am Hauptsitz des Nationalkomitees in Lunowo wurde er mit Zeitungs- und Rundfunkarbeit beauftragt. Ab 1944 sprach er über den Rundfunk zu deutschen Soldaten; er unterschrieb auch Flugblätter, auf denen sie zum Überlaufen aufgefordert wurden. Seine Beiträge, die er mit Namen und Dienstgrad zeichnete, hatten in Deutschland ernste Konsequenzen: Dengler wurde wegen Hochverrats in Abwesenheit zum Tode verurteilt, seine Eltern wurden in Sippenhaft genommen. Sein Vater nahm sich im Oktober 1944 das Leben. Im Rückblick auf diese Zeit sprach Gerhard Dengler 1949 – unter Verwendung der damals im europäischen Marxismus üblichen Rhetorik – auf einem regionalen Parteitag davon, wie er sich „von seiner Klasse getrennt“ habe. Jahrzehnte später sagte er dazu 2001 in einem Interview im Deutschlandfunk: In Stalingrad ist mein bürgerliches Bewusstsein gestorben. Alles, was bürgerlich-honorig gewesen war für mich bis dahin, hat in Stalingrad die Probe des Lebens nicht bestanden. Und deswegen habe ich gesagt: Mit denen möchte ich nichts mehr zu tun haben. Deswegen ist nachher auf der Zentralen Antifa-Schule – ich möchte sagen – der Marxismus von mir aufgesogen worden wie der trockne Schwamm das Wasser. Ich war ja leer.
1945 begab sich Dengler mit der Gruppe Ulbricht in die Sowjetische Besatzungszone und wurde 1946 Mitglied der SED. Zunächst war er bei der Sächsischen Zeitung in Dresden tätig, von 1946 bis 1948 war er Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung. Von November 1948 bis Mai 1949 war er außerdem Chefredakteur bei der DEFA-Wochenschau Der Augenzeuge. 1950 wurde er auf Betreiben seines Mentors Hermann Matern zum Redakteur des Neuen Deutschlands (ND) ernannt. Zwischen 1954 und 1959 war Dengler für das Zentralorgan der SED als Korrespondent in Bonn tätig. Nach Berlin zurückgekehrt, wurde Dengler 1958 Chefkommentator des Deutschlandsenders; er löste dabei Karl-Eduard von Schnitzler ab. 1959 trat er als stellvertretender Vorsitzender in das Büro des Präsidiums des Nationalrats der Nationalen Front ein. 1966 wurde er zum Vizepräsidenten des Nationalrates der Nationalen Front ernannt. Dieses Amt übte er bis 1969 aus. Von 1962 bis 1967 leitete er die Arbeitsgruppe Braunbuch im Nationalrat, welche die Biographien von 1200 faschistisch belasteten Personen in Staat, Verwaltung, Wirtschaft, Justiz, Wissenschaft und Bundeswehr der Bundesrepublik zusammentrug. 1969 wechselte er an die Deutsche Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft, wo er 1968 zum Dozenten ernannt wurde und nach seiner Habilitation 1978 zum Professor berufen wurde. Bis zu seiner Emeritierung 1979 leitete er dort die Sektion Auslandsinformation. 1961 wurde ihm der Vaterländische Verdienstorden in Bronze und 1964 in Silber verliehen. 1989 erhielt er den Orden Stern der Völkerfreundschaft in Silber.
Gerhard Dengler trat 1990 in die PDS über und war bis zu seinem Lebensende im Verband Deutscher in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung „Freies Deutschland“ (DRAFD) e. V. aktiv. 1993 nahm Dengler an einer Veteranen-Reise gemeinsam mit russischen Soldaten nach Stalingrad teil und beschrieb die Erfahrung wie folgt: Echte Emotionen kamen auf, als deutsche und ehemalige sowjetische Veteranen – die Brust voller Orden – bei der Eröffnung einer Ausstellung im Museum der Schlacht von Stalingrad zwanglos zusammentrafen. Jeder hat mich umarmt. Niemand hat uns dafür beschimpft, dass wir Deutsche sind. Es ist unvergesslich. Dengler verbrachte seinen Lebensabend in Berlin-Pankow. Er starb am 7. Januar 2007 und ist auf dem Klosterfriedhof Chorin gemeinsam mit seiner Ehefrau Gerda (1913–1998) begraben.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Dengler, Gerhard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Journalist, Vizepräsident der Nationalen Front |
| GEBURTSDATUM | 24. Mai 1914 |
| GEBURTSORT | Reinhausen (Gleichen) |
| STERBEDATUM | 3. Januar 2007 |
| STERBEORT | Hennigsdorf |