Gerhard Flatow (* 1. Dezember 1910 in Berlin; † 31. März 1980 in Hongkong) war ein deutscher Manager, Agent und Kommunistischer Funktionär.
Nach dem Abitur auf dem Arndt-Gymnasium Dahlem studierte Flatow kurze Zeit Jura in Frankfurt (Main). Dort wurde er Mitglied eines kommunistischen Jugendverbandes. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurde er für kurze Zeit verhaftet. Er floh nach seiner Freilassung nach Italien, wo bereits seine Familie lebte. Ein Bekannter seines früh verstorbenen Vaters, der für den Otto-Wolff-Konzern nach Shanghai ging, nahm ihn dann mit nach China. Der Otto-Wolff-Konzern lieferte vor allem Waffen und Fahrzeuge an das Chiang Kai-shek-Regime, welches zu dem Zeitpunkt im Kampf gegen japanische Invasionstruppen stand.
Nach dem Krieg heuerte Flatow beim Sohn des Firmengründers, Otto Wolff von Amerongen an, der große Geschäftspläne mit der Sowjetunion und China hatte. Der Wolff-Konzern betätigte sich im Korea-Krieg als Blockadebrecher zugunsten Chinas – bis die Amerikaner eingriffen und das Geschäft zum Erliegen kam. Der Konzern hatte von den Chinesen schon eine Vorauszahlung für Güter bekommen, die nicht mehr verschifft werden konnten. Auch das gezahlte Geld konnte nicht mehr zurück überwiesen werden. Vermutlich deshalb wurde Flatow verhaftet und verbrachte ohne Gerichtsurteil 1951 bis 1956 in einem Umerziehungslager. Als Flatow im September 1956 aus dem Gefängnis in China entlassen wurde, ist er überzeugter Mao-Anhänger und bestrebt, sich künftig für das kommunistische Regime einzusetzen.
Als neuer Direktor der Asien-Abteilung des Kölner Stahlkonzerns Otto Wolff bemühte sich Flatow um den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen, die seit dem Koreakrieg 1950–1953 auf Druck der Amerikaner fast vollständig zum Stillstand gekommen waren. Zugleich wollte er den Einfluss der damals weitgehend isolierten Volksrepublik China in der Bundesrepublik erweitern. Am 7. September 1957 gründete er gemeinsam mit seinem alten Bekannten Wolf Schenke – einem ehemaligen China-Korrespondenten der Nazi-Parteizeitung Völkischer Beobachter – die Deutsche China-Gesellschaft. Sie half dem damals weltweit isolierten China, Kontakte zur deutschen Wirtschaft zu knüpfen und ihre Interessen Schritt für Schritt auch in der Politik durchzusetzen. Zu den Pionieren des deutschen China-Geschäfts gehörte damals Otto Wolff von Amerongen, der sehr komplizierte Verhandlungen führen musste, bevor der erste Handelsvertrag mit China zustande kam. Dabei blieb ihm verborgen, dass der Chef seines Chinas-Büros auch deren Interessen vertrat.
1963 bereitete Flatow gemeinsam mit seinem Vorstandschef Otto Wolff von Amerongen die Gründung einer deutsch-chinesischen Handelsgesellschaft in Düsseldorf vor, der ersten ihrer Art in der Bundesrepublik. Doch die westlichen Geheimdienste, die Flatow seit vielen Jahren beobachten, stellten sich quer. Auch sein nächster Versuch scheiterte, von Hongkong aus die Geschäfte anzukurbeln. Die Behörden der damaligen britischen Kronkolonie erklärten Flatow als Einflussagenten der Rotchinesen zum „Sicherheitsrisiko“ und verweigerten ihm eine Aufenthaltsgenehmigung. Flatow war daraufhin als leitender Mitarbeiter der Otto-Wolff-AG nicht mehr zu halten und verließ die Firma mit einer großzügigen Abfindungsregelung – er bekam fünf weitere Jahre sein Gehalt gezahlt.
Flatow machte sich 1965 selbstständig und übernahm eine Doppelrolle: Auf der einen Seite suchte er Mitkämpfer für die Gründung einer maoistischen Partei in der Bundesrepublik, auf der anderen Seite trieb er auf eigene Faust Handel mit den Chinesen. Sein neues Büro in Luxemburg wurde so zeitweilig zu einer wichtigen Drehscheibe für die Bemühungen der Volksrepublik China, die politische und wirtschaftliche Isolierung zu durchbrechen. Mao machte 1963 den Bruch mit dem gesamten sowjetischen Lager öffentlich und startete eine „Polemik über die Generallinie der kommunistischen Weltbewegung“. In Westeuropa setzten China nun mit aller Macht auf die Spaltung der jeweiligen kommunistischen Parteien.
Flatow gehörte am Silvestertag 1968 zu den Gründungsmitgliedern der KPD/ML und saß in der Zentralen Kontrollkommission, die für die Einhaltung des Statuts zuständig war. Jahrelang leitete er den Landesverband in Nordrhein-Westfalen. Flatow fand sich nach einigen Spaltungen in einer anderen K-Gruppe wieder, dem KABD (der heutigen MLPD), der ihn jedoch im Sommer 1978 wegen seiner Unterstützung für die „chinesischen Revisionisten“ ausschloss. Als er 1980 nach vielen Jahren wieder China besuchen wollte, starb er kurz vor der Einreise am 31. März 1980 in Hongkong an einem Herzschlag.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Flatow, Gerhard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Manager und Agent |
| GEBURTSDATUM | 1. Dezember 1910 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 31. März 1980 |
| STERBEORT | Hongkong |