Gerzeh

Gerzeh (auch Girza; جرزه Gerzeh) ist ein Ort in Ägypten, ca. 80 km südlich von Kairo im Gouvernement al-Dschiza. In der Nähe von Gerzeh, in der Wüste, wurde 1911 unter Leitung von Gerald Averay Wainwright und J. P. Bushe-Fox ein vorgeschichtlicher Friedhof mit ca. 277 Gräbern ausgegraben, der zwischen 3500 bis 3000 v. Chr. belegt wurde. Nahe diesem Friedhof liegt das spätere Gräberfeld von Riqqeh.

Friedhof

Die Bestattungen sind meist einfache Körpergräber. Die Gräber waren in der Regel noch gut erhalten. Als Beigaben fanden sich vor allem Keramikgefäße, Steingefäße, Schmuck und Schminkpaletten. Einige Leichen sind nach dem Tod eventuell zerschnitten worden. Dies mag als Beleg für Versuche in Richtung Mumifizierung gelten.

In Grab 67 wurde eine Halskette aus stabförmigen Kettengliedern, die um 3200 v. Chr. angefertigt wurde. Die einzelnen Kettenglieder bestehen aus durchbohrten Lapislazuli, Karneol, Achat und aufgerollte Blechen aus Eisen (vier Perlen) und Gold. Zwei weitere Eisenperlen lagen an der Hüfte. Zwei weitere Perlen lagen in Grab 133 in der Nähe der Hände, zusammen mit Perlen aus Lapislazuli, Obsidian, Gold, Karneol, Calcit, Chalcedon, Steatit, Fayence, Granat und Serpentin. Insgesamt wurden also neun Röllchen aus Meteoriteneisen gefunden. Das Eisen der Eisenröllchen entstammt einem Eisenmeteoriten, wie ihr Nickel-Gehalt beweist, der durch eine Prompte-Gamma-Neutronen-Aktivierungs-Analyse (PGNAA) nachgewiesen wurde. Diese Eisenröllchen gehören zu den ältesten ägyptischen Belegen einer Bearbeitung von Eisen durch Kalthämmern. Die Perlen aus Lapislazuli aus Badachschan belegen den Fernhandel.

Kulturelle Zuordnung

Der Friedhof wird der Naqada-Kultur zugeordnet, die sich in Oberägypten entwickelte und dann langsam nach Norden ausbreitete. Die Naqadakultur wird in zwei Hauptphasen unterteilt (Naqada I und Naqada II). Diese Unterteilung arbeitete Petrie anhand dieses Friedhofes heraus, Naqada II wurde deshalb in der älteren Forschung nach dem Fundort oft als Girzéen oder Girza-Kultur bezeichnet. Die Funde von Gerzeh gehören in die Phasen Naqada IIC bis IIIA.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Älteste Eisen-Artefakte sind extraterrestrischen Ursprungs. Der Standard, 20. August 2013, abgerufen am 3. Februar 2025.
  2. ↑ Thilo Rehren, Tamas Belgya, Albert Jambon, György Káli, Zsolt Kasztovszky, Zoltan Kis, Imre Kovács, Boglarka Maróti, Marcos Martinón-Torres, Gianluca Miniaci, Vincent Pigott, Miljana Radivojević, L. Rosta, László Szentmiklósi, Z. Szőkefalvi-Nagy: 5,000 years old Egyptian iron beads made from hammered meteoritic iron. In: Journal of Archaeological Science. Band 40, Nr. 12, 2013, S. 4785–4792, doi:10.1016/j.jas.2013.06.002 (englisch, sciencedirect.com [PDF]).

Koordinaten: 29° 27′ N, 31° 12′ O