
Giorgio Gori (* 24. März 1960 in Bergamo) ist ein italienischer Politiker (PD). Er war Bürgermeister von Bergamo und ist seit 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments.
Der in Bergamo geborene Gori ging am Liceo classico Paolo Sarpi zur Schule. Bereits während seiner Schulzeit engagierte er sich politisch und wurde Mitglied des Collettivi degli Studenti Socialisti, welcher der Partito Socialista Italiano nahestand.
Im Alter von 18 Jahren begann er für die Zeitung Giornale di Bergamo zu arbeiten, später wechselte er zu Bergamo TV und Radio Bergamo. Gleichzeitig studierte Gori Architektur am Polytechnikum Mailand. Im Jahr 1980 gehörte er zu einer Gruppe junger Freiwilliger aus Bergamo, die in den Tagen unmittelbar nach dem verheerenden Erdbeben nach Irpinia kamen; aus diesem Grund wurde ihm am 25. November 2011 die Ehrenbürgerschaft von Frigento (Avellino) verliehen.
1984 begann er für den Fernsehsender Rete 4 als Assistent des Moderators Carlo Freccero zu arbeiten. Im Jahr 1988 wurde er dann gemeinsam mit Roberto Giovalli Programmdirektor der drei Fininvest-Sender. 1989 löste Gori Giovalli ab und übernahm die Verantwortung für die Programmplanung der drei Sender der Mediaset-Gruppe; im Juni 1991 wurde er Direktor von Canale 5, dem wichtigsten Fernsehsender von Mediaset. Im Juni 1997 übernahm er die Leitung von Italia 1, wo er bis März 1999 blieb, um einige Monate später zum Hauptsender von Mediaset, Canale 5, zurückzukehren – ebenfalls in der Funktion des Direktors. Im Frühjahr 2001 verließ Gori Mediaset und gründete gemeinsam mit Ilaria Dallatana und Francesca Canetta die Fernsehproduktionsfirma Magnolia, die sich auf Unterhaltungs- und Infotainment-Formate spezialisiert hat und deren Ziel die Entwicklung von Originalformaten für das Fernsehen und interaktive Medien ist. Er arbeitete hierbei mit Rai und Mediaset zusammen.
Im November 2011 trat er als Vorsitzender von Magnolia und der Zodiak Media Group zurück, im September 2012 kündigte er seinen Rücktritt von allen Ämtern im Fernsehbereich sowie den Verkauf seiner gesamten Zodiak-Aktien an, um in die Politik zu gehen.
Gori ist mit der Journalistin und TV-Moderatorin Cristina Parodi verheiratet und ist Vater von drei Kindern.
Im Dezember 2011 wurde Gori Mitglied des Partito Democratico und Teil der Sektion in Bergamo. Im Dezember 2012 nahm er an den Vorwahlen der PD zur Auswahl der Parlamentskandidaten für die bevorstehenden Parlamentswahlen teil und gehörte mit 2.552 Stimmen zu den Kandidaten mit den wenigsten Stimmen in Bergamo; dennoch wurde er auf Platz 23 der Liste der Demokratischen Partei im Wahlkreis Lombardei als Kandidat für den Senat der Republik aufgestellt, wurde jedoch nicht gewählt.
Im Vorfeld der Kommunalwahlen in Italien 2014 gab Gori bekannt für das Amt des Bürgermeisters von Bergamo zu kandidieren und trat in den Vorwahlen des mitte-links-Lagers an. Diese konnte er für sich entscheiden und trat so mit Unterstützung des PD, sowie der Sinistra Ecologia Libertà, der Italia dei Valori, der Moderati und des Partito Socialista Italiano zur Wahl an. Bei dieser setzte er sich mit 53,5 % der Stimmen der gegen den Kandidaten der mitte-rechts-Koalition Franco Tentorio durch. Parallel zu seinem Amt als Bürgermeister war er ab 2014 ebenfalls im Provinzrat von Bergamo.

Nach der erfolgreichen Wahl wurde Gori als Bürgermeister von Bergamo vereidigt. Seine Regierung verabschiedete im Februar 2015 ein Paket aus Anreizen und Rabatten, um die Ansiedlung von Hightech-Produktions- und Dienstleistungsunternehmen zu fördern und damit die Sanierung stillgelegter Industriegebiete voranzutreiben. Verschiedene Initiativen von Gori als Bürgermeister rückten ins nationale Rampenlicht, wie beispielsweise sein Kampf gegen das Glücksspiel in der Stadt: Der Bürgermeister verabschiedete nämlich eine auf nationaler Ebene innovative Verordnung, die Zeitfenster festlegt, in denen nicht gespielt werden darf, sowie gezielte Werbeverbote für Glücksspiele. Die Verordnung führte ein Jahr nach ihrer Verabschiedung zu greifbaren Ergebnissen: Der Glücksspielkonsum in Bergamo ging zurück, was im Gegensatz zum damaligen landesweiten Trend in Italien stand. Das Dokument wurde von den italienischen Glücksspiel-Lobbys angefochten, die die Stadt Bergamo vor Gericht brangen: Das Urteil fiel in den meisten angefochtenen Punkten zugunsten der Stadt Bergamo aus.
Während seiner Amtszeit kam auch die Entscheidung der UNESCO zur Kandidatur der venezianischen Stadtmauern von Bergamo: Zehn Jahre nach Einleitung des Verfahrens nahm die in Krakau tagende Kommission die „Venezianischen Verteidigungsanlagen aus dem 16. und 17. Jahrhundert“ in die Liste des Weltkulturerbes auf.
Am 1. Juni 2017 kündigte er an, bei den Regionalwahlen im folgenden Jahr für das Amt des Präsidenten der Region Lombardei zu kandidieren, wobei er von der PD, +Europa, Italia Europa Insieme, Civica Popolare, Lombardia Progressista sowie den Listen „Gori Presidente“ und „Obiettivo Lombardia per le Autonomie“ unterstützt wurde. Die Linke trat bei diesen geteilt auf, so fehlten Gori unter anderem die Stimmen von Liberi e uguali. Bei der Wahl erhielt er 29,09 % der Stimmen und wurde vom Kandidaten des Mitte-Rechts-Lagers sowie ehemaligen Bürgermeister von Varese, Attilio Fontana (49,75 %), geschlagen, was das schlechteste Ergebnis für einen Kandidaten des Mitte-Links-Lagers bei den Regionalwahlen in der Lombardei seit dem Jahr 2000 darstellte. Er wurde jedoch als zweitplatzierter Präsidentschaftskandidat in den Regionalrat der Lombardei gewählt, trat jedoch am 10. April von diesem Amt zurück, um Bürgermeister von Bergamo zu bleiben, da die beiden Ämter unvereinbar sind.
Am 9. Oktober 2018 gab Gori bekannt bei den Kommunalwahlen in Italien 2019 für eine zweite Amtszeit als Bürgermeister von Bergamo zu kandidieren. Mit Unterstützung verschiedener Parteien und Listen gelang die Wiederwahl.
Während seiner zweiten Amtszeit gab Gori den Startschuss für einige Großprojekte: den neuen Autobahnknotenpunkt (ein Projekt auf Initiative der Region Lombardei); die Überführung bzw. die dritte Ebene des „Rondò delle Valli“; die Sanierung des Bahnhofs und das Projekt „Porta Sud“ sowie der Bau des neuen Gewiss-Stadions. Diese Maßnahmen zielten auf die Modernisierung der städtischen Infrastruktur und die touristische Ausrichtung der Gemeinde ab, zeitgleich mit ihrer Rolle als Kulturhauptstadt 2023 gemeinsam mit Brescia.
Goris Amtszeit umfasste ebenfalls den Ausbruch der COVID-19-Pandemie, von welcher Bergamo stark betroffen war.

Bei den Europawahlen 2024 trat Gori für die PD im Wahlbezirk Nordwestitalien an und wurde ins Europäische Parlament gewählt. Er ist dort stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie sowie Mitglied der Delegation für die Beziehungen zu den Maghreb-Ländern und der Union des Arabischen Maghreb.
Gori vertritt reformistische Positionen und gehört innerhalb der PD zu der Minderheit, welche Elly Schlein bei der Wahl nicht unterstützt hat. Gori setzt sich für die Rückkehr der Kernenergie in Italien ein, für die Abschaffung des Bossi-Fini-Gesetzes und für eine neue Steuerung der Einwanderung sowie dafür, dass die Linke wieder die schwächsten Bevölkerungsgruppen schützt, indem sie sich eine Agenda zum Thema städtische Sicherheit gibt. Er setzt sich für die Stärkung der Sicherheit und der strategischen Autonomie der EU-Staaten, für einen stärkeren Zusammenhalt zwischen den Staaten der Union und für einen besseren Schutz der Unternehmen auf dem Kontinent ein.
Gori hat sich gemeinsam mit den anderen Bürgermeistern der PD für die Abschaffung des Straftatbestands des Amtsmissbrauchs sowie für den europäischen Verteidigungsplan ReArm Europe ausgesprochen und war lange Zeit auch gegen das Bündnis der PD mit der Fünf-Sterne-Bewegung.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gori, Giorgio |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Politiker, MdEP |
| GEBURTSDATUM | 24. März 1960 |
| GEBURTSORT | Bergamo |