Die Bahnhofshalle (auch Bahnhalle, Bahnsteighalle, Gleishalle oder Perronhalle) ist eine Halle, welche die Bahnsteige und Gleise eines Bahnhofs überdeckt und Eisenbahn-Nutzende und Besuchende sowie Reisende und Wartende vor allem gegen Witterungseinflüsse schützt, außerdem Begegnungen ermöglichen und Einkaufsmöglichkeiten bieten kann. Oft werden auch Schalter- bzw. Wartehallen als „Bahnhofshalle“ bezeichnet.
Geschichte und Architektur
Am Anfang der Geschichte der Eisenbahn wurden in der Regel an das Empfangsgebäude (auch Aufnahmegebäude) hölzerne Einzelhallen gebaut. Diese älteren Hallen bestanden vielfach ganz aus Holz oder aus Holz in Verbindung mit Eisen. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aber kamen beim Um- oder Neubau von Bahnhöfen mit großem Personenverkehrsaufkommen auch größere Gruppen von Hallen, mehrschiffige Bahnhofshallen zur Ausführung und gaben diesen eine monumentale Wirkung. Mit der zunehmenden Vergrößerung der Hallenspannweiten ging man zu gusseisernen und stählernen Konstruktionen über und verwendet heute auch viel Glas.
Mittelgroße bis große Bahnhöfe in den Industrienationen sind stets überdacht und verfügen über eine Halle als „Unterstand“ für die Züge und die Reisenden. Der Grund für die meist große Höhe der Bahnhofshallen liegt zum einen am Rußausstoß der Dampflokomotiven, was früher der Hauptgrund war, zum anderen an praktischen Gegebenheiten: Große Räume fangen Lärm besser auf und sind überschaubar. Ein weiterer Grund für große Bahnhofshallen ist, dass sie Repräsentationsbauten einer Stadt sind.
Dresden Hauptbahnhof um 1900, eine der drei BahnhofshallenBahnhof Bern 1860, Satteldach mit Dachstuhl aus Holz, Entlüftung im FirstBerlin-Spandau, mit 440 m längste Bahnhofshalle (erbaut 1997/98)
Liste der Bahnhofshallen
Europa
Deutschland
Bad Ems (2009)Lübeck Hauptbahnhof, Bahnhofshalle von 2007Dieselbe Halle, Gegenrichtung (1915)Berlin Anhalter Bahnhof im Bau (1880)Halle des ersten Freiburger Hauptbahnhofs aus Nord- und Westseite gesehenAlter Bahnhof in Heilbronn (um 1850)Einsteighalle in Hof, als Feuerwehrhaus genutztBayerischer Bahnhof in Leipzig, nur Portikus erhalten
Gleishalle des Hauptbahnhofs Oldenburg 2024 während der Sanierung (Blick auf Gleis 7/8)
Ohne Bahnbetrieb oder abgebrochen
Augsburg München-Augsburger Bahn, gemauerte Wände und Dachstuhl aus Holz, Ingenieur Ulrich Himbsel, bereits 1844 Umnutzung wegen Verlegung des Bahnhofs, derzeit Straßenbahndepot
Bahnhof in BadenPerronhalle oder Gleishalle Hauptbahnhof Zürich, seit 1930Die Haupthalle oder Wannerhalle, erste Bahnhofshalle von ZürichBahnhöfen mit Perronhallen in der Schweiz (Karte gelokalisierter Fotos)
Barnard Castle 1965Birkenhead Woodside 1961Bishop Auckland 1965Bradford exchange 1961Bristol Temple MeadsLiverpool Crown Street 1833Manchester MayfieldMirfield Bahnsteighalle, Abriss im Oktober 1977Nottingham Victoria Station kurz nach 1900Penzance, etwa 1915York, frühes 20. Jahrhundert
Rühl:Hallen. In:Viktor von Röll (Hrsg.):Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 2.Auflage. Band6: Güterverkehr–Krisen. Urban & Schwarzenberg, Berlin/ Wien 1914,S.77–104Bahnsteigdächer, Bahnhofshallen. Inhalt: I. Zweck und allgemeine Anordnung, II. Hauptglieder des Tragwerks, III. Baustoffe des Tragwerks, IV. Eindeckung, V. Grundlagen für den Entwurf, VI. Bauarten der Dächer und Hallen, A. Anordnung der Binder und Hallenabschluß, B. Zwischenkonstruktion, C. Vergleich zwischen Dächern und Hallen, VII. Aufstellung..
Erich Preuß: Bahnhofshallen. In: Oliver Strüber [vorm. Erich Preuß] (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe (= 2. Ergänzungsausgabe). GeraNova Zeitschriftenverlag, München 1996, ISSN0949-2127 (2 Bl., 4 S.).
↑Martin Ortner, Otfried Knoll:Vision wird Himmelstreppe. 1. Auflage. Railway-Media-Group, Wien 2015, ISBN 978-3-902894-28-1, S.98 (rmg-verlag.at[PDF; 1,9MB; abgerufen am 1.Juni 2023]).
↑Hannah Franz u. a.: Inventory Strategies for Historical French Metallic Train Sheds. In: SBB Fachstelle Denkmalpflege / ETH Zürich – Lehrstuhl für Konstruktionserbe und Denkmalpflege (Hg.): Tagung Eisenbahndenkmalpflege. Dokumentationsband zur internationalen Tagung vom 23.–25. Juni 2022. Schwabe, 2024. ISBN 978-3-7965-4960-1, S. 190–197.