Gottfried Biewer

Gottfried Biewer, 2014

Gottfried Biewer (* 23. Februar 1955 in Hermeskeil) ist ein deutscher Bildungswissenschaftler und Hochschullehrer.

Leben und Wirken

Nach Tätigkeiten als Sonderpädagoge im Schuldienst arbeitete Biewer als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ludwig-Maximilians-Universität München und vertrat eine Professur an der Universität Gießen. Von 2004 bis 2020 war er Professor für Sonder- und Heilpädagogik am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien und danach Gastprofessor am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin.

Fachlich steht er für die Begründung reformpädagogisch orientierten Unterrichts mit behinderten Kindern in Sonderschulen und in der schulischen Integration. In einer empirischen Studie konnte er zu Beginn der 1990er Jahre aufzeigen, dass der didaktische Ansatz Maria Montessoris mit freier Arbeit auch bei Schülern mit einer geistigen Behinderung umsetzbar ist. Er stellte in den späten 1990er Jahren im Rahmen seiner Habilitation (Veröffentlichung 2001 unter dem Titel Vom Integrationsmodell für Behinderte zur Schule für alle Kinder) die Verbindung zwischen der Integrationsdebatte deutschsprachiger Länder und dem Diskurs über „inclusive schools“ des angloamerikanischen Sprachraums her, der mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention ab 2009 für Deutschland bildungspolitisch erhöhte Aufmerksamkeit erfuhr.

Inklusive Pädagogik definiert er als „Theorien zur Bildung, Erziehung und Entwicklung, die Etikettierungen und Klassifizierungen ablehnen, ihren Ausgang von den Rechten vulnerabler und marginalisierter Menschen nehmen, für deren Partizipation in allen Lebensbereichen plädieren und auf eine strukturelle Veränderung der regulären Institutionen zielen, um der Verschiedenheit der Voraussetzungen und Bedürfnisse aller Nutzer/innen gerecht zu werden“. Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit ist die Schnittstelle zwischen Inklusiver Pädagogik und Heil- und Sonderpädagogik in internationaler und vergleichender Perspektive. In diesem Rahmen wurden mehrere Forschungsprojekte von ihm geleitet, darunter:

Im Jahre 2020 leitete er die Arbeitsgruppe zur Evaluierung des Nationalen Aktionsplans Behinderung 2012–2020 der österreichischen Bundesregierung. Der Abschlussbericht zu diesem Projekt sollte dokumentieren, inwieweit Österreich die UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt hat und gleichzeitig Vorschläge für den neuen Nationalen Aktionsplan Behinderung 2022–2030 enthalten.

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Persönliche Website von Gottfried Biewer an der Universität Wien
  2. ↑ Gottfried Biewer (1997): Montessori-Pädagogik mit geistig behinderten Schülern (2. Aufl.). Bad Heilbrunn: Klinkhardt. (ISBN 3-7815-0872-2)
  3. ↑ Gottfried Biewer (2010): Grundlagen der Heilpädagogik und Inklusiven Pädagogik (2. Aufl.). Bad Heilbrunn: Klinkhardt (UTB), S. 193, (ISBN 978-3-8252-2985-6)
  4. ↑ Homepage des Projektes "Berufliche Teilhabe"
  5. ↑ Homepage des Projektes CLASDISA (englisch)
  6. ↑ Homepage des Projektes RESPOND-HER (englisch)
  7. ↑ Homepage des Projektes INEDIS (englisch)
  8. ↑ Homepage des Projektes Quali-TYDES (englisch)
  9. ↑ Projektabschlussbericht zur Evaluierung des NAP Behinderung
Personendaten
NAME Biewer, Gottfried
KURZBESCHREIBUNG deutscher Bildungswissenschaftler und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 23. Februar 1955
GEBURTSORT Hermeskeil