

Die Grafschaft Hesdin war ein kleines mittelalterliches Feudalterritorium in Frankreich, gelegen in der historischen Landschaft Picardie. Mit der Kleinstadt Hesdin (heute Hesdin-la-Forêt) als Zentrum hatte sie deren nähere Umgebung entsprechend dem Kanton Auxi-le-Château umfasst, gelegen im heutigen Département Pas-de-Calais in der Region Hauts-de-France.
Die Grafschaft entstand vermutlich im späten 10. Jahrhundert und hatte sich im südwestlichen Teil des alten fränkischen pagus Teruanensis etabliert, aus dessen nordöstlicher Hälfte die Grafschaft Saint-Pol entstand. Im Süden und Südwesten waren die Grafschaften Amiens und Ponthieu und im Nordwesten die Grafschaft Boulogne benachbart.
Im Jahr 1000 wird mit Alulfe ein erster Graf von Hesdin (Alulphum comitem…Hisdini) als Beschützer (advocatus) der Abtei Saint-Saulve zu Montreuil genannt. Ein weiterer Alulfe, vermutlich ein Sohn, erscheint im Mai 1047 als urkundlicher Zeuge für Graf Balduin V. von Flandern. Graf Walter I. war 1065 einer der Unterzeichner eines Diploms König Philipps I., in dem dieser der Abtei von Hanson diverse Privilegien verbriefte. Nur ein Jahr darauf nahm der Ritter Ernulf von Hesdin an der Eroberung Englands teil und wurde dort ein reich begüterter Magnat. Als Großvater mütterlicherseits von Walter fitz Alan wurde er ein Ahn des schottischen Königshauses der Stewart. Inwiefern der Ritter Ernulf mit dem Grafenhaus verwandt war, ist unklar.
1094 stifteten Graf Engelram (Enguerrand) und seine Frau Mathilde die Kirche Saint-Georges der Abtei Saint-Sauveur zu Anchin. Derselbe Graf hatte zuvor um 1079 die Abtei Saint-Silvin zu Auchy gegründet. Graf Balduin VII. von Flandern bestätigte diese Gründung am 15. Februar 1113 und stellte dazu fest, dass Graf Walter II. als Neffe Engelrams die Schutzherrschaft über diese Abtei obliege. Aber nur wenige Jahre darauf verbündete sich Walter II. mit Graf Hugo III. Candavène von Saint-Pol gegen ihren übermächtigen Nachbarn im Norden, was Graf Karl von Flandern zwischen 1119 und 1126 zum Anlass nahm, Hesdin zu besetzten und seinen letzten Graf zu vertreiben. Dazu hatte er die Klostergründung Engelrams noch einmal bestätigt, aber auch festgestellt, dass Walter II. sich einiger Güter und eines Hauses, das einst Gräfin Mathilde der Abtei gestiftet hatte, widerrechtlich angeeignet habe, womit er dessen Vertreibung zusätzlich begründete.
Der Graf von Saint-Pol setzte den Kampf gegen Flandern fort und konnte die Ermordung Karls 1127 ausnutzen, um seinerseits Hesdin zu besetzen. Aber die nachfolgenden Grafen Flanderns konnten die Stadt bald zurückerobern und nun dauerhaft mit ihrem umfangreichen Territorialkonglomerat verbinden. Von ihnen wurde Hesdin zusammen mit der Grafschaft Artois 1180 als Mitgift in die Ehe der Isabella von Hennegau mit König Philipp II. August gegeben. Als deren Enkel, Prinz Robert, 1237 mit dem Artois beliehen wurde, hatte er dazu auch Hesdin erhalten.