
Graham Platner (* 1. September 1984 in Blue Hill) ist ein US-amerikanischer Veteran des United States Marine Corps und Politiker (Demokratische Partei). Er war bis Juli 2026 im Bundesstaat Maine Kandidat seiner Partei für die Senatswahl 2026.
Platner wurde in der Gemeinde Blue Hill im Hancock County geboren und wuchs im nahegelegenen Sullivan an der Küste auf. Einen Teil seiner Kindheit verbrachte er ebenfalls in der Stadt Ellsworth. Sein Vater war beruflich als Anwalt im Bereich Immobilien aktiv, seine Mutter war lokal unternehmerisch aktiv. Seine Eltern trennten sich jedoch als Platner sechs Jahre alt war. Sein Großvater, Warren Platner, war ein bekannter Architekt der Moderne, welcher unter anderem am Restaurant Windows on the World beteiligt war.
Platner besuchte ein Semester lang die renommierte Hotchkiss School in Lakeville, bevor er von dieser ausgeschlossen wurde. Er besuchte daraufhin die John Bapst Memorial High School, eine Privatschule in Bangor. Der damals 18-Jährige war bereits zu Schulzeiten politisch und protestierte 2002 gegen die Irakpolitik von George W. Bush als dieser eine Rede am Flughafen Bangor hielt. Nach seinem Schulabschluss verbrachte er ein Jahr damit durch Europa und Afrika zu reisen und am Appalachian Trail zu arbeiten. Er arbeitete ebenfalls kurzzeitig in einem Callcenter in Orono.
Platner ist seit 2023 verheiratet und lebt in der Gemeinde Sullivan an der Küste von Maine. Er ist Sportschütze und Schießausbilder. Im Januar 2026, nachdem sie Möglichkeiten in den Vereinigten Staaten geprüft und diese als zu teuer empfunden hatten, gaben Platner und seine Frau bekannt, dass sie versuchen würden, in Norwegen mittels In-vitro-Fertilisation ein Kind zu zeugen. Im April gaben sie bekannt, dass seine Frau eine Fehlgeburt erlitten hatte.
Nach dem Ende seiner Ausbildung trat Platner ohne die Erlaubnis seiner Eltern in das United States Marine Corps ein. Er besuchte die Marine Corps School of Infantry und wurde zum Maschinengewehrschützen ausgebildet bevor er 2005 in den Irak entsandt wurde. Seine erste Tour of Duty war 2005 in Falludscha, 2006 war er dann in Ramadi stationiert. Seinen dritten Einsatz absolvierte er als Teil einer Marine Expeditionary Unit und war unter anderem an der Küste von Somalia, Bahrain und dem Balkan stationiert. Als Platner im Jahr 2025 gefragt wurde, warum er im Irakkrieg gedient habe, obwohl er zuvor dagegen protestiert hatte, antwortete er: „Ich dachte, ich könnte etwas Gutes bewirken. Und ich wollte Soldat spielen. Vielleicht habe ich zu viel Hemingway gelesen.“
Nach vier Jahren Dienstzeit begann er ein Studium an der George Washington University, welches von der G. I. Bill finanziert wurde. Er wohnte eine Zeit lang in Foggy Bottom. Kurz nach Beginn seiner Studien trat er der Nationalgarde bei und leistete einen weiteren Einsatz im Krieg in Afghanistan. 2011 kehrte er nach Washington zurück, studierte weiter und arbeitete als Barkeeper. Von 2011 bis 2016 lebte er abwechselnd in Washington, D.C., und war im Militäreinsatz, bevor er sich 2016 von der GWU exmatrikulierte und nach Maine zurückkehrte, um sich dort wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung und anderer militärbedingter Verletzungen behandeln zu lassen.
Im Jahr 2018 war Platner für etwa sechs Monate als Sicherheitsmitarbeiter des Außenministeriums wieder in Afghanistan, wo er für die Sicherheit des US-Botschafters sorgte. Im selben Jahr kehrte er nach Maine zurück und erklärte, er sei zunehmend desillusioniert vom Militär und von der, wie er es nannte, betrügerischen Weiterleitung von Steuergeldern an private Rüstungsunternehmen.
Noch während seinem Einsatz in Afghanistan 2018 begann Platner, als er auf Urlaub war, zwei Wochen lang für ein Unternehmen Austern zu züchten. Platner erklärte, dass er sich bei seiner Arbeit als Sicherheitskraft „elend“ gefühlt habe, und seine Mutter einen Plan ausgeheckt habe, um ihn mit Hilfe eines Freundes der Familie, dem die Farm gehörte, nach Maine zurückzuholen; Platner sagte, das Geschäft sei ihm „einfach so in den Schoß gefallen“. Er kündigte daraufhin seine Arbeit als Sicherheitsmitarbeiter und begann vollzeit Austern zu züchten. Er übernahm 2020 das Unternehmen und führt dieses mit seiner Frau und einem weiteren Geschäftspartner.
Platner äußerte sich bereits in seiner Jugend politisch und schrieb viele politische Beiträge auf Reddit. So schrieb er, dass er die Präsidentschaftskandidatur von Bernie Sanders unterstützte und äußerte sich kritisch gegenüber Donald Trump. Er gab ebenfalls bekannt, Mitglied der Democratic Socialists of America zu sein.
Platner war Hafenkapitän in Sullivan und der Vorsitzende des Planungsausschusses der Gemeinde. Er hat sich zudem in der Basisarbeit engagiert und politische Initiativen der Aktivistengruppe „Acadia Action“ geleitet.

Platner wurde im Juli 2025 von einer Koalition aus Gewerkschaften und Bürgerinitiativen angesprochen, welche ihm nahelegten für den Senat der Vereinigten Staaten zu kandidieren. Rückblickend meinte er, seine erste Reaktion sei gewesen, die Idee abzulehnen, doch als die Gruppe mit einem detaillierten Plan zurückkam, habe er sie gemeinsam mit seiner Frau noch einmal überdacht. Die Überprüfung von Kandidaten, die bei vielen US-Wahlen gängige Praxis ist, dauert oft Wochen und kostet Zehntausende Dollar. Der demokratische Stratege und Platner-Mitarbeiter Daniel Moraff zahlte 6250 Dollar für eine Hintergrundüberprüfung Platners, die drei Tage in Anspruch nahm.
Die Kampagne startete am 19. August 2025 mit einem Werbevideo von Morris Katz, einem Strategen der unter anderem für Zohran Mamdani gearbeitet hatte. Kernpunkte waren der Kampf gegen Oligarchie und Kritik an der Senatorin Susan Collins. Mit über 2,5 Millionen Aufrufen in den ersten 24 Stunden ging das Video viral und Platner erreichte größere Bekanntheit. Unterstützung bekam Platner von den Senatoren Bernie Sanders, Ruben Gallego, Martin Heinrich und Elizabeth Warren. Auch Ro Khanna sprach sich für Platner aus. Auch Gewerkschaften wie die United Auto Workers unterstützten seine Kandidatur.
Im Herbst kam es jedoch zum Rückzug mehrerer Mitarbeiter der Kampagne. Am 17. Oktober trat Platners politische Leiterin, Genevieve McDonald, zurück. Platner bot ihr eine Abfindung in Höhe von 15.000 Dollar an, sofern sie eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterzeichnen würde, doch sie lehnte das Angebot ab. Auch der Wahlkampfleiter Kevin Brown und der Leiter für Wahlkampffinanzierung Ronald Holmes traten zurück.
Ab März hatte Platner dennoch in den Umfragen einen Vorsprung gegenüber seiner Hauptkonkurrentin, der Gouverneurin Janet Mills. Sie stoppte ihre Kampagne am 30. April, womit keine größere Konkurrenz für Platner übrig blieb. Die Vorwahl im Juni gewann Platner letztendlich mit 72 % der Stimmen, womit er zum Kandidaten der demokratischen Partei zur Senatswahl in Maine wurde. Seine Stimmenzahl stellte einen Rekord bei den Vorwahlen der Demokraten in Maine für den US-Senat auf und übertraf die von Sara Gideon aus dem Jahr 2020 um mehr als 40.000 Stimmen.
Noch vor den internen demokratischen Vorwahlen im Juni 2026 kam es bereits im Jahr zuvor zu Skandalen rund um Platners Kampagne. Im Oktober 2025 enthüllten mehrere Nachrichtenseiten alte Beiträge Platners auf Reddit, in welchen er sich unter anderem als „Kommunisten“ bezeichnete, die Parole „all cops are bastards“ verwendete und einem Beitrag zustimmte, in dem weiße Amerikaner aus ländlichen Gebieten als „rassistisch und dumm“ bezeichnet wurden. Weitere Kontroversen löste ein Reddit-Beitrag vom Januar 2020 aus, in dem Platner auf die Frage, warum er zu den Marines gegangen sei, antwortete: „Ich wollte ein Abenteuer erleben und ein paar Leute umbringen.“ In später geführten Interviews gab er an seine Handlungen und die Invasionen in Irak und Afghanistan zu verurteilen. Sein Fehlverhalten sei auf Alkoholmissbrauch und psychische Probleme zurückzuführen.
Kontrovers war ebenfalls eine Tätowierung auf Platners Brust; dabei handelt es sich um das Totenkopf-Symbol, das von der nationalsozialistischen Schutzstaffel (SS) und den SS-Totenkopfverbänden verwendet wurde. In einem Interview bei Pod Save America erklärte Platner, er und andere Marines hätten sich das Tattoo 2007 während eines Urlaubs in Kroatien stechen lassen, und er habe damals nichts von dessen historischem Bezug gewusst. Später habe er das Tattoo überdecken lassen.
Am 30. Mai 2026 berichteten die New York Times und andere Nachrichtenmedien, dass Platners Ehefrau im Jahr 2025 einem hochrangigen Wahlkampfmitarbeiter mitgeteilt habe, Platner habe mit mehreren anderen Frauen Sexting betrieben hatte. Ein Vertreter des Platner-Wahlkampfteams erklärte, er habe mit nicht mehr als sechs Frauen kommuniziert, und das Verhalten habe vor Beginn des Wahlkampfs aufgehört. Gertner sagte, die Angelegenheit sei durch Beratung geklärt worden.
Am 4. Juni enthüllte die New York Times, dass Platner sich bedrohlich gegenüber Partnerinnen verhalten haben soll. Eine ehemalige Freundin behauptete, Platner habe sie wiederholt so fest gepackt, dass Spuren zurückblieben, und ihr einmal den Arm hinter den Rücken verdreht, sie in einen Raum gestoßen und sie gegen ihren Willen bis zum Morgen dort eingesperrt. Platner hat diese Vorwürfe zurückgewiesen. Am 6. Juli veröffentlichte Politico den Bericht einer ehemaligen Freundin Platners, welche ihn beschuldigte, sie Ende 2021 im betrunkenen Zustand vergewaltigt zu haben. Sie gab an seine politischen Positionen zu teilen und die Vorwürfe deshalb lange nicht öffentlich machte. Platner bestritt ebenfalls diesen Vorwurf. Am 7. Juli berichtete die Washington Post, dass eine weitere Frau, die eine Beziehung mit Platner gehabt hatte, behauptete, er habe beim Sex ohne ihre Zustimmung Kondome abgenommen. Sie sagte, wenn sie ihn während oder nach dem Sex damit konfrontierte, habe er die Situation heruntergespielt. Sie gab an, Platner habe dies während ihrer Beziehung etwa sechs Mal getan.
Nachdem mehrere Vorwürfe rund um sexuelles Fehlverhalten in den Medien diskutiert wurde, zogen sowohl Ruben Gallego als auch Ro Khanna ihre Unterstützung für Platner zurück. Die Maine Democratic Party veröffentlichte eine Erklärung, in welcher sie ihn aufforderte seine Kampagne auf Eis zu legen. Alle Senatoren, welche sich für Platner ausgesprochen hatten, wandten sich von ihm ab und das Democratic Senatorial Campaign Committee gab an ihre Finanzierung der Kampagne zu stoppen sollte er Kandidat bleiben.
Am 8. Juli 2026 erklärte informel die Kampagne zu beenden und postete ein Video auf X, in welchem er die Vorwürfe als falsch bezeichnete und meinte, dass das Establishment der Demokraten „diese Anschuldigungen nutzen, um uns all das zu nehmen, was wir für den Wahlkampf brauchen“. Offiziell zog er seine Kandidatur am 10. Juli zurück und erklärte, dass das Ersatzverfahren „offen, transparent und demokratisch sein und den Willen seiner Unterstützer widerspiegeln“ sollte. Verschiedene Demokraten wollten seinen Platz einnehmen, am Ende setzte sich Troy Jackson als neuer Kandidat für Maine durch.
Platner gehört zum progressiven linken Flügel der Demokratischen Partei, wobei er mehrfach als Populist bezeichnet wurde. Platner hat es ausdrücklich abgelehnt, als progressiv oder liberal bezeichnet zu werden, und erklärte: „Ich finde es albern, dass man schon als eine Art Linker gilt, nur weil man der Meinung ist, dass denkende Menschen ein Recht auf Gesundheitsversorgung haben. Aber ich halte diese Maßnahmen zugunsten der Arbeiterklasse durchaus für notwendig.“
Im Mittelpunkt seines Wahlprogramms stehen Themen wie bezahlbarer Wohnraum, die Stärkung der Gewerkschaften, eine allgemeine Gesundheitsversorgung durch Medicare for All, der Abbau des politischen Einflusses von Milliardären und die Beendigung der Beteiligung der USA an Kriegen, die er als „sinnlos“ bezeichnet. Kernpunkt war dabei eine Opposition gegenüber dem Establishment und den Eliten. Er erklärte, dass die Demokratie in den Vereinigten Staaten vom Faschismus bedroht wäre.
Platner versprach, Chuck Schumer nicht als Mehrheitsführer im Senat zu unterstützen, sollten die Demokraten die Kontrolle über den Senat erlangen. Er befürwortet die Abschaffung der ICE, was er als „die moderate Position“ bezeichnet. Platner argumentierte, die Demokratische Partei tue nicht genug, um den Abschiebungen in der zweiten Amtszeit von Trump entgegenzuwirken. Er forderte das Amtsenthebungsverfahren und die Absetzung der Richter Clarence Thomas und Samuel Alito am Obersten Gerichtshof und befürwortet eine Erhöhung der Anzahl der Sitze am Obersten Gerichtshof.
Platner hat den Krieg im Gazastreifen als „die ultimative moralische Bewährungsprobe unserer Zeit“ und als Genozid bezeichnet. Er hat die AIPAC kritisiert und versprochen, keine Wahlkampfspenden von dieser Organisation anzunehmen, „noch von irgendeiner anderen Gruppe, die den Völkermord im Gazastreifen unterstützt“.Platner lehnt den Irankrieg 2026 ab, hat ihn als „schrecklichen Krieg aus freier Entscheidung“ bezeichnet und erklärt, der Senator von Pennsylvania, John Fetterman, solle abgewählt werden, weil er diesen Krieg unterstütze. Generell ist er gegenüber dem militärischen Vorgehen der Vereinigten Staaten kritisch eingestellt, befürwortete jedoch Waffenlieferungen an die Ukraine.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Platner, Graham |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 1. September 1984 |
| GEBURTSORT | Blue Hill |