Grazio Braccioli (1682 in Ferrara – 26. Juli 1752 ebenda) war ein italienischer Librettist.
Braccioli war im Hauptberuf Jurist und Doktor der Rechts. Er lebte vorwiegend in Ferrara. Sein erstes Opernlibretto Crisippo schrieb er im Jahr 1710 für den Komponisten Floriano Arresti. Anschließend hielt er sich bis 1715 in Venedig auf, wo er als eine Art Haus-Librettist für das damals von Antonio Vivaldi geführte Teatro Sant’Angelo insgesamt neun weitere Opernlibretti schrieb. Sein bekanntestes Werk ist der Orlando furioso nach dem Epos Der rasende Roland von Ludovico Ariosto. Es wurde 1713 zunächst von Giovanni Alberto Ristori vertont und im folgenden Jahr von Vivaldi überarbeitet. 1727 erstellte Vivaldi eine Neufassung dieser Oper mit dem Titel Orlando. Außerdem entstanden diverse Pasticcio-Fassungen. Vivaldi selbst vertonte 1714 auch sein Libretto Orlando finto pazzo.
Nach seiner Rückkehr nach Ferrara schrieb Braccioli keine weiteren Opernlibretti mehr, betätigte sich aber in anderen literarischen Gebieten. Er war in Ferrara unter dem Pseudonym „Nigello Preteo“ Mitglied des dortigen Zweigs der Accademia dell’Arcadia.
In seinen Libretti verarbeitete er Episoden aus den epischen Werken von Ariosto, Matteo Maria Boiardo und Torquato Tasso. Sie zeichnen sich durch Phantasie und Einfallsreichtum aus und bewahren trotz der Reformbestrebungen der Zeit noch einige Charakteristiken der jeweiligen Vorlage.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Braccioli, Grazio |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Librettist |
| GEBURTSDATUM | 1682 |
| GEBURTSORT | Ferrara |
| STERBEDATUM | 26. Juli 1752 |
| STERBEORT | Ferrara |