Guglielmo Locella (auch Baron Guglielmo von Locella; * 26. Januar 1848 in Venedig; † 10. Juni 1908 in Mailand) war ein italienischer Philologe, Wörterbuch-Autor, Schriftsteller, Übersetzer, Diplomat, Herausgeber und Dante-Gelehrter. Er war mit Freifrau Marie von Locella, geb. v. Tiedemann (1855–1935) verheiratet.

Baron Guglielmo von Locella wurde am 26. Januar 1848 in Venedig als Sohn eines Seeoffiziers geboren. Er verlor früh den Vater und kam in eine militärische Erziehungsanstalt in Stupinigi bei Turin. Als die Vorboten des Kriegssturmes von 1866 den Gedanken der Einigung Italiens verbreiteten, trat Locella in ein Freikorps Garibaldis ein, das, nach Kurzem aufgelöst, ein Bestandteil der regulären Armee Piemonts wurde. Das Lancieri-Regiment, in dem Locella nun diente, wurde ins Südtirol versetzt, wo General La Marmora die militärische Aktion leitete. Als junger Leutnant wurde er am 17. Juni 1866 auf einen Rekognoszierungsritt ausgeschickt, der mit einem heftigen Vorpostengefecht bei Ceraino endete. Hierbei wurde er durch drei Schüsse schwer verwundet. In der zu einem Lazarett umgewandelten Kirche Sant’ Anastasia in Verona lag er wochenlang und wurde dann mit anderen verwundeten Offizieren in die Privatklinik des Professors Gelmi († 1893) nach Mailand überführt. Hier besuchte König Viktor Emanuel II. die Verwundeten und legte die silberne Tapferkeitsmedaille auf Locellas Krankenbett. Fast zwei Jahre währte es, bis er ohne Krücken gehen konnte. Dann schloss er sich einer befreundeten Familie an, lernte den Orient und die Küstenländer Nordafrikas kennen und kehrte über Spanien und Frankreich zurück. Er trat dann in den Dienst des Österreichischen Lloyd in Triest. Da ihn diese Stellung nicht lange fesselte, begann er sich Sprachstudien zu widmen und empfing einen buchhändlerischen Auftrag, der ihn nach Paris führte. Dort arbeitete er mehr als ein Jahr lang im Verlagshaus von Hachette. Dann ging er, stets mit sprachwissenschaftlichen Studien beschäftigt, nach Wien und Pest. Am Todestag Manzonis (22. Mai 1873) langte er in Leipzig an, wo er lernend und lehrend eine eifrige Tätigkeit entfaltete und bald der Mittelpunkt der zahlreichen, damals dort studierenden Italiener wurde. Er gründete dort einen italienischen Unterstützungsverein, wie auch später in Dresden, wohin er im Frühjahr 1879 übersiedelte, um das italienische Konsulat zu verwalten. Dieses Amt bekleidete er bis zu seinem Tod, wobei der Hauptteil seiner Zeit mit philologischen und literarischen Arbeiten und Vorträgen ausgefüllt war. Besonders beschäftigte ihn der Plan eines großen, fachwissenschaftlichen Wörterbuchs, das den Zollverkehr erleichtern sollte und das er nach einem neuen, selbsterdachten System aufbaute. Diesem großangelegten Werk opferte er zahllose Stunden, ohne es vollenden zu können, da er Ende der Neunzigerjahre durch eine schwere Krankheit zur Schonung gewungen war. Während einer Erholungsreise in Italien starb er in Mailand am 10. Juni 1908, bevor er das geplante Buch über Dantes Francesca da Rimini in ihrem Fortleben in der Literatur, den bildenden Künsten und der Musik beenden konnte, für das er bis zuletzt Darstellungen und Notizen sammelte.
Im Jahr 1888 beauftragte der Verband der deutschen Neuphilologen die Literaturwissenschaftler Wilhelm Scheffler, Julius Sahr und Guglielmo Locella, im Anschluss an seinen im Sommer 1888 in Dreden tagenden Kongress (3. Allgemeiner Deutscher Neuphilologentag), in der Aula der technischen Hochschule eine Fachausstellung mit dem Fokus von visuellen und plastischen Darstellungen zu Autoren wie Dante, Shakespeare, Molière, Walter Scott und Robert Burns zu organisieren.
„Baron Guglielmo de Locella, geboren am 26. Januar 1848 in Venedig, gestorben am 10. VI. 1908, ein glühender Patriot, der für die Freiheit seines Landes tapfer sein Blut vergoss; seinen italienischen Mitbürgern in Dresden stand er stets mit Rat und Tat zur Seite, was diese mit dem Titel „Vater der Italiener“ würdigten; ein herausragender Dante-Forscher, der mit Feder und Wort unermüdlich den literarischen Ruhm Italiens verkündete.“
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Locella, Guglielmo |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Philologe, Wörterbuch-Spezialist, Schriftsteller, Diplomat, Herausgeber, Übersetzer und Dante-Gelehrter |
| GEBURTSDATUM | 26. Januar 1848 |
| GEBURTSORT | Venedig |
| STERBEDATUM | 10. Juni 1908 |
| STERBEORT | Mailand |