Guildhall Art Gallery

Guildhall Art Gallery (2019)
John Singleton Copley: The Defeat of the Floating Batteries at Gibraltar, September 1782
Überreste und Rekonstruktion des antiken römischen Amphitheaters in London (Londinium)

Die Guildhall Art Gallery ist ein Kunstmuseum im Stadtbezirk City of London im Herzen der britischen Hauptstadt London. Der Steinbau im postmodernen Stil ist auf das benachbarte historische Gebäude der Guildhall abgestimmt und mit diesem intern verbunden. In der Galerie ist die Kunstsammlung der City of London Corporation untergebracht. Im Untergeschoss sind die freigelegten Überreste des römischen Amphitheaters von Londinium zu sehen.

Geschichte

Anfänge der Sammlung

Die Anfänge der Sammlung reichen bis ins Jahr 1670 zurück. Damals beauftragte der Court of Aldermen die Anfertigung von zweiundzwanzig Gemälden, die im neu restaurierten Guildhall aufgehängt werden sollten. Es handelte sich um Porträts der sogenannten Fire Judges – Männer, die nach dem Großen Brand von London im Jahr 1666 mit der Beurteilung von Entschädigungsansprüchen betraut worden waren. Aus diesem ersten Auftrag heraus entstand die Kunstsammlung der Corporation of London, die heute rund 4500 Werke umfasst. Die Corporation gab in der Folge weitere Porträts des Königshauses und einzelner Wohltäter der City of London in Auftrag und erwarb sie. Zu den erhaltenen Werken zählen Porträts von Wilhelm III. und Königin Maria II. (1690) des niederländischen Malers Jan van der Vaardt sowie Bildnisse von Georg II. und Königin Caroline (1727) von Charles Jervas. Alderman John Boydell, ehemaliger Lord Mayor of London und erfolgreicher Verleger, schenkte der Corporation of London in den 1790er Jahren 28 Gemälde. Darunter befanden sich Porträts von Militärbefehlshabern sowie Darstellungen von Seeschlachten, historischen Sujets und allegorischen Szenen.

Das erste Galeriegebäude (1885–1941)

Das erste Gebäude der Guildhall Art Gallery wurde 1885 errichtet, um die wachsende Kunstsammlung der City of London Corporation zu präsentieren. Das Projekt wurde durch den Erfolg von Galerien angeregt, die von Kommunalbehörden in Liverpool, Manchester und Leeds unterstützt wurden. Die ursprüngliche Kunstgalerie wurde 1886 eröffnet. Unter der Leitung ihres ersten Direktors, Alfred Temple, organisierte die Galerie eine Reihe populärer und einflussreicher Ausstellungen und erweiterte ihre Sammlung zeitgenössischer Gemälde des 19. Jahrhunderts. Eine bedeutende Schenkung erfolgte durch das Vermächtnis des Geschäftsmanns und Kunstsammlers Charles Gassiot im Jahr 1902: Er hinterließ der Galerie mehr als hundert Gemälde. Dies verbesserte die Guildhall-Sammlung viktorianischer Kunst erheblich und umfasste Werke von Clarkson Stanfield, David Roberts, John Everett Millais, William Dyce und James Tissot. Die viktorianische Galerie wurde durch einen schweren Luftangriff im Zweiten Weltkrieg am 10. Mai 1941 nahezu vollständig zerstört. Zwar waren große Teile der Sammlung zuvor in unterirdische Lager in Wiltshire gebracht worden, doch gingen 164 Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken sowie 20 Skulpturen verloren.

Nachkriegszeit und Übergangsbetrieb

Nach der Zerstörung des Galeriegebäudes wurde der Ausstellungsbetrieb in reduziertem Umfang fortgesetzt. Im Jahr 1943 wurde die Spezialisierung der Stadtsammlung auf Londoner Motive beschlossen. Die City organisierte zwei jährliche Ausstellungen – den Lord Mayor's Art Award und die City of London Art Exhibition – sowie eine Reihe bedeutender Leihausstellungen zu Themen wie Canaletto in England, David Roberts, Samuel Scott und Sir James Thornhill zwischen 1952 und 1972.

Neubau und archäologische Entdeckung (ab 1985)

Im Jahr 1985 beschloss die Stadt, das Gelände neu zu entwickeln und in den unteren Ebenen eine neue Galerie zu errichten. Der Architekt war Richard Gilbert Scott (1923–2017), der zuvor an der Restaurierung der Guildhall gearbeitet und die neue Guildhall Library sowie den West Wing von 1974 entworfen hatte. Im Jahr 1987 wurden die Überreste der ursprünglichen Galerie abgerissen. Während der vorbereitenden Ausgrabungen für das neue Galeriegebäude machten Archäologen des Museum of London im Jahr 1988 eine sensationelle Entdeckung: Das einzige römische Amphitheater Londons befand sich unter dem Guildhall Yard. Das erste römische Amphitheater Londons war im Jahr 70 n. Chr. aus Holz errichtet worden und wurde im frühen 2. Jahrhundert mit gefliesten Eingängen und Bruchsteinmauern ausgebaut. Da sich auf dem Gelände zudem kurze Abschnitte römischer Mauern fanden, wurde die Stätte unter Denkmalschutz gestellt. Die City of London Corporation entschied, die Überreste in die Planung der neuen Galerie zu integrieren. Die Bauarbeiten begannen 1992 und wurden von laufenden Ausgrabungen begleitet. Die Galerie wurde im Jahr 1999 von Elisabeth II. eröffnet – 14 Jahre, nachdem die Neuentwicklung des Geländes im Jahr 1985 begonnen hatte. Die Überreste des Amphitheaters wurden im Jahr 2002 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Fundort ist heute ein Scheduled Monument.

Guildhall und Guildhall Art gallery

Sammlung

Umfang und Schwerpunkte

Die Sammlung der Guildhall Art Gallery umfasst mehr als 4500 Werke, darunter über 1300 Ölgemälde aus dem Zeitraum von 1670 bis heute. Die Sammlung ist besonders reich an viktorianischen Gemälden und verfügt über eine Reihe bedeutender Werke der Präraffaeliten sowie wichtige historische Gemälde und topographische Darstellungen. Die Galerie zeigt gleichzeitig 150 bis 175 Gemälde, während die übrigen Werke in Depots aufbewahrt oder als Leihgaben an andere Institutionen verliehen werden.

Porträts und frühe Werke

Die Porträtsammlung umfasst Werke von Sir Peter Lely, Sir Joshua Reynolds und Sir John Lavery sowie weiteren namhaften Künstlern. Die ältesten Bestände gehen auf die Porträts der Fire Judges aus dem Jahr 1670 zurück. Zwanzig dieser Porträts wurden im Dezember 1940 bei dem Bombenangriff auf die Galerie beschädigt, zwei blieben erhalten.

Topographische und Londoner Darstellungen

Die Sammlung topographischer Londonansichten reicht vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie umfasst Werke von Künstlern wie Samuel Scott und William Marlow sowie zeremonielle Sujets, etwa William Logsdails Ninth of November.

Viktorianische Malerei und Präraffaeliten

Die Guildhall Art Gallery besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen viktorianischer Malerei außerhalb der nationalen Museen. Den Kern der viktorianischen Bestände bilden Gemälde, die der Wein- und Spirituosenhändler Charles Gassiot und seine Ehefrau Georgiana der Stadt London schenkten. Als erste Erwerbung Gassiots gilt Alma-Tademas The Pyrrhic Dance. Weitere Werke sind John Constables Vollstudie in Öl Salisbury Cathedral from the Meadows (1829–1831) sowie John Everett Millais’ Porträts seiner Tochter Effie: My First Sermon (1863) und My Second Sermon (1864). Zu den Hauptwerken der Präraffaeliten in der Sammlung gehört La Ghirlandata (1873) von Dante Gabriel Rossetti. Im Jahr 2019 wurde dieses Gemälde im Rahmen eines einjährigen Restaurierungsprojekts konserviert.

Das Copley-Gemälde

Die Gemälde des 18. Jahrhunderts werden durch das monumentale Werk des amerikanischen Künstlers John Singleton Copley dominiert: The Defeat of the Floating Batteries at Gibraltar, September 1782. Dieses Gemälde wurde von der City of London Corporation in Auftrag gegeben, um an den britischen Sieg zu erinnern. Das großformatige Ölgemälde erstreckt sich über zwei Stockwerke, ist eines der größten Ölgemälde Großbritanniens und war maßgeblich für die Gestaltung des Galeriegebäudes. Es wurde an prominenter Stelle in der Eingangshalle der Galerie platziert.

Alte Meister

Ein besonderer Bestandteil der Sammlung ist eine kleine Gruppe von Gemälden alter Meister aus dem Vermächtnis von William Dunnett aus dem Jahr 1888: Dunnett war ein Londoner Bürger, der einen Großteil seines Lebens in Vicopelago in Italien verbrachte und eine vielfältige Sammlung von Gemälden, Antiken und anderen Objekten aufbaute. Darunter befindet sich ein Stillleben des Niederländers Pieter van de Venne aus dem Jahr 1655.

Von der Guildhall Art Gallery wird zudem die Sammlung Harold Samuel verwaltet, deren Werke der niederländischen Malerei sich jedoch überwiegend im Mansion House befinden. Hierzu gehören Werke von Hendrick Avercamp, Frans Hals, Jan van der Heyden und Jacob van Ruisdael.

Literatur

Commons: Guildhall Art Gallery – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 History of Guildhall Art Gallery. Abgerufen am 12. April 2026 (englisch).
  2. ↑ Court of Aldermen. In: Livery Committee. Abgerufen am 12. April 2026 (britisches Englisch).
  3. 1 2 Collections History. Abgerufen am 12. April 2026 (englisch).
  4. ↑ Philip Bradley: Charles Gassiot-The Man Behind The Road. In: Tooting History Group. 26. August 2024, abgerufen am 12. April 2026 (englisch).
  5. ↑ Visit London's Roman Amphitheatre. In: City of London. Abgerufen am 12. April 2026 (englisch).
  6. 1 2 3 4 Permanent Galleries. Abgerufen am 12. April 2026 (englisch).
  7. ↑ Angaben zur Sammlung Harold Samuel Auf der Website des Mansion House.