
Gulielma Lister (* 28. Oktober 1860 in Leytonstone, Essex, England; † 18. Mai 1949 ebenda) war eine britische Botanikerin, Mykologin und Illustratorin. Sie galt als weltweit anerkannte Expertin für Myxomyceten.
Lister war eines von sieben Kindern und die dritte von vier Töchtern des Londoner Weinhändlers und Naturforschers Arthur Lister und seiner Frau Susanna. Der Physiker und Mikroskopiker J. J. Lister war ihr Großvater und der Naturforscher Joseph Jackson Lister war ihr Bruder. Sie wurde zu Hause unterrichtet und eignete sich um 1876 am Bedford College for Women Grundkenntnisse in systematischer und struktureller Botanik an.
Lister unterstützte ihren Vater bei seinen naturkundlichen Studien und Ende der 1880er Jahre schloss sie sich ihm bei den Untersuchungen der Myxomyceten an. Gemeinsam bearbeiteten sie Sammlungen im British Museum, in den Royal Botanic Gardens (Kew), im Muséum national d’histoire naturelle in Paris und in der Sammlung von Anton de Bary an der Universität Straßburg. Lister fertigte dabei Notizen und Zeichnungen an. Das Ergebnis ihrer Arbeit war Arthur Listers Monograph of the Mycetozoa (1894). Das Werk fand sowohl in Großbritannien als auch im Ausland großes Interesse und brachte dem British Museum eine Fülle neuen Materials ein, was zur Entdeckung neuer Formen und zu Kenntnissen über die geografische Verbreitung führte. Nach dem Tod ihres Vaters veröffentlichte Lister 1911 eine erweiterte zweite Auflage und 1925 eine dritte, nochmals erweiterte und mit farbigen Tafeln illustrierte Ausgabe mit einer Sammlung ihrer Aquarelle.
Listers enge Verbindung zum British Museum währte von den späten 1880er Jahren bis 1939, als die Kriegszeit sie an Reisen nach London hinderte. Sie war viele Jahre lang Ehrenkuratorin der Myxomyceten-Sammlung, die sie maßgeblich mitgestaltete und zur bedeutendsten und vollständigsten ihrer Zeit machte. Sie hatte zahlreiche Korrespondenzpartner in vielen Ländern, darunter den japanischen Kaiser, dem zu Ehren sie ein Exemplar aus den Palastgärten benannte und dessen Geschenk zwei Porzellanvasen an sie waren.



1904 wurde sie als eine der ersten weiblichen Fellows der Linnean Society gewählt, gehörte 1915 und 1927 dem Rat an und wurde 1929 Vizepräsidentin.
Lister war Gründungsmitglied der British Mycological Society, war 1912 und 1932 Präsidentin und wurde 1924 in Anerkennung ihrer Verdienste um die Wissenschaft und die Gesellschaft zum Ehrenmitglied ernannt.
1907 wurde sie Mitglied des Essex Field Club, 1916 dessen erste Präsidentin und anschließend ständige Vizepräsidentin. Sie engagierte sich besonders für das Museum in Stratford, dem sie sowohl Myxomyceten als auch botanische Sammlungen stiftete.
Ebenso wie ihr Vater war sie eine vielseitige Naturforscherin. Gemeinsam mit Alice Hibbert-Ware widmete sie sich insbesondere der Vogelwelt. Sie fertigte Illustrationen an sowohl für die Illustrated Monograph of British Hieracia (1889) ihres Cousins F. J. Hanbury als auch für Dallimore und Jacksons Handbook of Coniferae (1923) und F. J. Hanburys Illustrated Monograph of the British Hieracia. 1912 veröffentlichte sie in der Reihe Clare Island (Proc. RI Acad., 31, Teil 63) eine vollständige Liste mit Fundortangaben aller bis dahin in Irland gefundenen Arten.

Lister starb 1949 an den Folgen eines Schlaganfalls in ihrem Haus in Essex. Ihre Asche wurde auf dem Friedhof des Versammlungshauses der Quäker in Wanstead über dem Grab ihrer Mutter verstreut.
Die Autorenabkürzung G.Lister wird verwendet, um sie als Autorin anzugeben, wenn ein botanischer Name zitiert wird.
Die über sechzig Jahre ununterbrochen fortgeführten Forschungen der Listers, die sie die letzten vierzig Jahre allein durchführte, wurden in einer Sammlung von 74 Forschungsnotizbüchern festgehalten, die der British Mycological Society vermacht und später im British Museum hinterlegt wurden. Sie enthalten eine Fülle von Material, darunter die Ergebnisse der frühen Klassifizierungsstudien der Listers zu historischen Sammlungen, Berichte über ihre eigenen Sammlungen und Forschungen, Notizen zu Material, das ihnen von Sammlern aus aller Welt zugesandt wurde, und viele Aquarellillustrationen. Eine lange Reihe ihrer in botanischen Fachzeitschriften veröffentlichten Artikel umfasst mehrere Berichte über Myxomyceten aus der Schweiz, wo Lister und ihr Vater auch sammelten, obwohl ihr eigentliches Sammelgebiet der Epping Forest und die Region um Lyme Regis waren. Lister verfolgte auch die Studien anderer Forscher auf diesem Gebiet und lernte Polnisch, um die Arbeit von Józef Rostafiński nachvollziehen zu können.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lister, Gulielma |
| KURZBESCHREIBUNG | britische Botanikerin, Mykologin und Illustratorin |
| GEBURTSDATUM | 28. Oktober 1860 |
| GEBURTSORT | Leytonstone, Essex, England |
| STERBEDATUM | 18. Mai 1949 |
| STERBEORT | Leytonstone, Essex, England |