
Freiherr Carl Gustaf Emil Mannerheim [] (* 4. Juni 1867 auf Schloss Louhisaari in Askainen, Großfürstentum Finnland; † 27. Januar 1951 in Lausanne) war ein finnischer Offizier und Staatsmann. Mannerheim war Oberbefehlshaber der finnischen Armee während des Winterkrieges 1939/40 sowie im Fortsetzungskrieg (1941 bis 1944) gegen die Sowjetunion. Von 1944 bis 1946 war Mannerheim Staatspräsident Finnlands.
Gustaf Mannerheim entstammte der einflussreichen, schwedischsprachigen Familie Mannerheim, die zur schwedischsprachigen Minderheit Finnlands gehörte. Finnland war zu dieser Zeit ein autonomes Großfürstentum innerhalb des Russischen Kaiserreichs. Mannerheim wurde als Sohn des Grafen Carl Robert Mannerheim und der Gräfin Hedvig Charlotta Helena, geborene von Julin, auf dem Familiengut Schloss Louhisaari (schwedisch Villnäs) in Askainen geboren. Als dritter Sohn erhielt er den Titel eines Freiherrn; der Grafentitel wurde durch Primogenitur vererbt, während die übrigen Familienmitglieder dem freiherrlichen Geschlecht angehörten.
Sein Vater verließ 1880 die Familie und zog mit seiner Geliebten nach Paris. Die finanziellen Schwierigkeiten der Familie waren auf die wirtschaftlichen Misserfolge und Spielschulden des Vaters zurückzuführen. Mannerheims Mutter starb 1881. Nach ihrem Tod wurden die Geschwister bei Verwandten in Finnland und Schweden untergebracht. Für Gustafs Erziehung war hauptsächlich sein Onkel mütterlicherseits Albert von Julin verantwortlich. Mannerheim hatte Schwierigkeiten in der Schule und wurde wiederholt mit Disziplinarstrafen belegt.
Sein Onkel schickte den jungen Mannerheim 1882 im Alter von 15 Jahren nach Hamina, wo er zunächst eine Schule zur Vorbereitung auf den Eintritt in das Finnische Kadettenkorps besuchte. Anschließend wurde er in dessen Kadettenschule aufgenommen. Mannerheims finanzielle Verhältnisse waren angespannt, sodass er häufig Geld von seinem Onkel Albert von Julin leihen musste. Seine Zeit an der Kadettenschule verlief schwierig; er hatte Probleme mit dem schulischen Umfeld und dessen strengen Vorschriften und wurde wiederholt bestraft. 1886 wurde er wegen Disziplinarverstößen aus der Kadettenschule entlassen. Anschließend setzte er seine Ausbildung fort und absolvierte Sprachstudien in Russland. Am 14. Juni 1887 legte er als Externer am Böökschen Lyzeum in Helsinki die Reifeprüfung ab. Im September desselben Jahres wurde er an der Nikolajew-Kavallerieschule in Sankt Petersburg aufgenommen, die er 1889 mit Auszeichnung abschloss. Am 22. August 1889 wurde er zum Kornett befördert und dem 15. Alexandrijski-Dragonerregiment in Kalisz in Polen zugeteilt.
Am 10. August 1889 schloss Mannerheim die Nikolajew-Kavallerieschule in Sankt Petersburg ab. Seine Abschlussprüfung verlief erfolgreich; insbesondere hatte er seine Kenntnisse der russischen Sprache verbessert. Bereits im Frühjahr desselben Jahres war er vor seiner Ernennung zum Kornett zum Portepee-Junker befördert worden, einem besonderen Rang für Offiziersanwärter im russischen Militärsystem.
Mannerheim strebte eine Laufbahn in der angesehenen Kaiserlich Russischen Garde an, insbesondere im Chevalier-Garde-Regiment der Kaiserin Maria Fjodorowna. Nach einer anfänglichen Ablehnung trat er am 22. August 1889 als Kornett in das 15. Alexandrijski-Dragonerregiment ein, das in Kalisch im damaligen russischen Teil Polens stationiert war. Das Regiment war für seine schwarzen Pferde und seine schwarze, mit silbernen Schnüren verzierte Uniform bekannt und wurde weiterhin als „Todeshusaren“ bezeichnet, eine Erinnerung an seine frühere Zugehörigkeit zur Husaren-Kavallerie. Auf Fürsprache seiner Taufpatin stimmte die Kaiserin schließlich seiner Aufnahme in die Garde zu. Am 13. Dezember 1890 wurde er dem Chevalier-Garde-Regiment zugeteilt und am 8. August 1891 offiziell dorthin versetzt.
Am 2. Mai 1892 heiratete Mannerheim Anastasia Arapova, die Tochter eines russischen Generalmajors und Erbin eines beträchtlichen Vermögens. Die Ehe verbesserte seine zuvor angespannte finanzielle Lage erheblich. Im Laufe seiner Karriere wurde Mannerheim auch in den Hofdienst aufgenommen und gehörte zum Umfeld des russischen Kaiserhofs. Bei der Krönung Nikolaus' II. am 26. Mai 1896 in Moskau ritt er in der Eskorte vor dem Kaiser und der Kaiserin.

Von 1897 bis 1903 war Mannerheim zur kaiserlichen Hofstallverwaltung kommandiert, wo er unter anderem mit der Beschaffung von Pferden betraut war. Am 11. Juni 1903 wurde er zum Leiter der Mustereskadron an der Kavallerieoffiziersschule in Sankt Petersburg ernannt. Am 20. Oktober 1904 wurde er als Oberstleutnant zum 52. Njeschinski-Dragonerregiment versetzt und nahm am Russisch-Japanischen Krieg (1904–1905) in der Mandschurei teil. Am 11. Dezember 1905 wurde er zum Oberst befördert, rückwirkend zum 4. März 1905.
1906 erhielt Mannerheim vom russischen Generalstab den Auftrag zu einer militärischen Aufklärungs- und Forschungsreise durch Russisch-Turkestan, Zentralasien und Westchina bis nach Peking. Der Generalstab interessierte sich insbesondere für die politischen und militärischen Verhältnisse in der Qing-Dynastie sowie für die geografischen und strategischen Gegebenheiten der Region im Rahmen des russisch-britischen Wettstreits um Einfluss in Innerasien.
Als wissenschaftlicher Rahmen diente eine Expedition des französischen Archäologen Paul Pelliot, der sich Mannerheim im Juli 1906 in Samarkand anschloss. Die russischen Behörden nutzten die Forschungsreise mit Zustimmung der französischen Regierung, um einen russischen Offizier in ziviler Funktion zur Informationsgewinnung einzusetzen. Die Reise verband somit militärische Aufklärung mit geografischen, ethnografischen und archäologischen Untersuchungen. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die Finanzierung und Leitung der Expedition trennten sich später ihre Wege; Mannerheim setzte den größten Teil der Reise eigenständig fort.


Mannerheim legte die rund 14.000 Kilometer lange Strecke von Zentralasien bis nach Nordchina überwiegend zu Pferd zurück. Die Reise dauerte von 1906 bis 1908 etwa zwei Jahre. Vor seiner Abreise hatte er sich von der Finnisch-ugrischen Gesellschaft wissenschaftlich beraten lassen. Der Forscher Kai Donner bezeichnete ihn später als einen gebildeten und aufgeschlossenen Entdecker. Mannerheim hatte sich außerdem mit Reiseberichten von Marco Polo, Nikolai Michailowitsch Prschewalski, Sven Hedin und Aurel Stein vertraut gemacht.
Die Reise erbrachte bedeutende geografische, kartografische und ethnografische Ergebnisse. Mannerheim trug rund 1.200 Gegenstände für die Sammlungen des Nationalmuseums Finnlands zusammen und fertigte etwa 1.300 Fotografien an. Zu seinen bekanntesten Aufnahmen gehört ein Porträt der kirgisischen Herrscherin Kurmanjan Datka, das später auf der kirgisischen 50-Som-Banknote verwendet wurde. Seine sprachwissenschaftlichen Beobachtungen veröffentlichte er in der Arbeit A visit to the Sarö and Shera Yögurs, die im 27. Band der Zeitschrift der Finnisch-ugrischen Gesellschaft erschien. Von besonderer militärischer Bedeutung war die Kartierung einer rund 2.000 Kilometer langen Route durch die bereisten Gebiete.
Nach seiner Rückkehr wurde Mannerheim am 18. Januar 1909 zum Kommandeur des 13. Wladimir-Ulanenregiments ernannt, das in Nowominsk (heute Mińsk Mazowiecki) in Polen stationiert war. Am 13. Januar 1911 übernahm er das Kommando über das Ulanenregiment der Leibgarde Seiner Majestät des Kaisers in Warschau. Am 26. Februar 1911 wurde er zum Generalmajor befördert. Am 18. Oktober 1912 wurde er in den engeren Kreis des kaiserlichen Gefolges aufgenommen. Am 6. Januar 1914 erhielt er das Kommando über die selbständige Garde-Kavallerie-Brigade in Warschau.
Während des Ersten Weltkriegs war Mannerheim Befehlshaber verschiedener militärischer Verbände. Im Juli 1914 führte er als Generalmajor die selbständige Garde-Kavallerie-Brigade im Raum Lublin und nahm an der Schlacht von Kraśnik teil. Im Februar 1915 wurde er nach Ostgalizien versetzt und dem Kavalleriekorps von Chan Nachitschwanski im Raum Sambir zugeteilt. Von Juni 1915 bis Mai 1917 kommandierte er die 12. Kavalleriedivision, als Nachfolger von General Kaledin. Im Juli 1916 war die Division im Verband der 8. Armee westlich von Riwne an der Brussilow-Offensive beteiligt. Am 13. Juni 1917 übernahm Mannerheim das Kommando über das 6. Kavalleriekorps. Im Mai 1917 war er zum Generalleutnant befördert worden.
Der Zusammenbruch des Russischen Kaiserreichs während der Februarrevolution von 1917 erschütterte Mannerheim. Im September 1917 wurde er zunächst von der Front beurlaubt und anschließend in die Reserve des Militärbezirks Odessa versetzt. Nach der Oktoberrevolution nahm er seinen Abschied aus der russischen Armee und kehrte im Dezember 1917 nach Finnland zurück. Zunächst beabsichtigte er, eine zivile Laufbahn einzuschlagen. Als Rückkehrer erhielt er jedoch zunächst weder einen finnischen Pass noch eine Lebensmittelkarte.
Am 16. Januar 1918 ernannte der finnische Senat Mannerheim zum Oberbefehlshaber der im Aufbau befindlichen Streitkräfte. Seine erste entscheidende militärische Maßnahme war die Entwaffnung der russischen Garnisonen in Österbotten, die rund 5.000 Mann umfassten. Gleichzeitig übernahmen die finnischen Sozialdemokraten und die Roten Garden in Südfinnland die Macht. Damit begann der Finnische Bürgerkrieg zwischen den bürgerlichen „Weißen“ und den aufständischen „Roten“.
Mannerheim wollte den Bürgerkrieg mit den eigenen Kräften der Weißen beenden und widersetzte sich einer weitreichenden deutschen Einflussnahme auf die finnischen Streitkräfte. Der nach Vaasa geflohene Senat ersuchte dennoch das Deutsche Kaiserreich um militärische Unterstützung, die Deutschland gewährte. Mannerheims Verhältnis zu den deutschen Truppen und zur deutschen Einflussnahme blieb angespannt. Auch ein Teil der Jäger begegnete ihm wegen seiner militärischen Vergangenheit in der russischen Armee mit Misstrauen.
Mannerheim führte die Truppen der Regierung zum Sieg über die Roten. Eine entscheidende Rolle spielte dabei die Schlacht um Tampere im Frühjahr 1918. Der aristokratische Kavalleriegeneral, dessen schwedische und russische Prägung ihn von Teilen der finnischen Bevölkerung unterschied, wurde zu einer zentralen Führungsfigur des weißen Finnlands. Insgesamt starben im Bürgerkrieg rund 30.000 Finnen; etwa 5.200 davon waren Soldaten, die in den Kampfhandlungen fielen.
Am 16. Mai 1918 fand in Helsinki die Siegesparade der Weißen statt. Mannerheim ritt an der Spitze seiner Truppen durch die Hauptstadt. Die Parade unterstrich zugleich den Anspruch auf Eigenständigkeit der finnischen Streitkräfte gegenüber den deutschen Truppen unter dem Befehl von General Rüdiger von der Goltz. Am 20. Mai reichte Mannerheim seinen Rücktritt als Oberbefehlshaber ein. Vorausgegangen waren Meinungsverschiedenheiten mit dem Senat über den Umfang der deutschen Einflussnahme auf die Organisation der finnischen Armee und die außenpolitische Ausrichtung des Landes. Der Senat nahm seinen Rücktritt am 29. Mai an.
Nach dem Zusammenbruch des „roten Finnlands“ wurden rund 80.000 Angehörige der Roten Garden und als deren Unterstützer Verdächtigte von den siegreichen Weißen gefangen genommen und in Gefangenenlager gebracht. Unter den Gefangenen befanden sich auch Tausende Frauen und Kinder. Etwa 12.000 bis 13.500 Gefangene starben infolge von Hunger, Krankheiten und den katastrophalen Haftbedingungen, überwiegend im Sommer 1918. Obwohl Mannerheim persönlich keine Grausamkeiten vorzuwerfen waren, ist nicht vorstellbar, dass er über die Zustände im größten Konzentrationslager, der Festung Suomenlinna, nicht informiert war: Hier wurden 3000 „Rote“ erschossen, gehängt, bajonettiert oder erschlagen. Zwar ordnete er die Tötungen nicht an, unternahm aber auch kaum etwas dagegen. Zu der Zeit erhielt er den Spitznamen „der blutige Baron“. Mannerheim war Monarchist und überzeugt, dass es genügte, die roten Führer zu erschießen und die Arbeiter sofort wieder in die Fabriken zu bringen.

Mannerheim lehnte die bolschewistische Herrschaft in Russland entschieden ab und hoffte auf eine Gegenrevolution, aus der eine bürgerliche Regierung hervorgehen sollte. Den deutschen Kriegsanstrengungen misstraute er und rechnete mit einer deutschen Niederlage. Er beabsichtigte, die finnische Weiße Armee in Richtung Sankt Petersburg marschieren zu lassen und sich als Unterstützer einer bürgerlichen Neuordnung Russlands zu präsentieren.
Nach der Niederlage der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg wurde Mannerheim gebeten, das Amt des finnischen Reichsverwesers (finnisch valtionhoitaja, schwedisch riksföreståndare) zu übernehmen. Am 12. Dezember 1918 wählte ihn das Parlament in dieses Amt. Mannerheim nahm die Wahl an. Während seiner Amtszeit setzte er sich für die internationale Anerkennung des unabhängigen Finnlands ein. Zugleich wurde die neue republikanische Verfassung ausgearbeitet, die er am 17. Juli 1919 bestätigte.
Bei der Präsidentschaftswahl am 25. Juli 1919, die gemäß der neuen republikanischen Verfassung vom Parlament durchgeführt wurde, unterlag Mannerheim dem Präsidenten des Obersten Verwaltungsgerichts, K. J. Ståhlberg. Nach seiner Niederlage zog er sich ins Privatleben zurück.

Im Zweiten Weltkrieg führte Mannerheim die finnische Armee als Oberbefehlshaber im Winterkrieg 1939/1940, obwohl er gewisse Zugeständnisse an die UdSSR befürwortete. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 führte er im Fortsetzungskrieg wiederum die finnischen Truppen, war aber immer bemüht, die Sowjetunion nicht allzu sehr zu provozieren – unter anderem weigerte er sich, finnische Truppen zur Belagerung von Leningrad zu entsenden und die Murmanbahn zum Nordmeerhafen von Murmansk anzugreifen.
Im Jahre 1941 wurde ihm zu Ehren der Tapferkeitsorden des Mannerheim-Kreuzes gestiftet. 1942 wurde er aus Anlass seines 75. Geburtstags zum Marschall von Finnland befördert.


Adolf Hitler nutzte Mannerheims 75. Geburtstag zu einem kurzfristig vereinbarten Besuch in Finnland am 4. Juni 1942. Hitler informierte Mannerheim erst am Vortag über sein Vorhaben, hatte diese Reise jedoch Wochen vorher bis ins Detail geplant. Bei der unsanften Landung fing ein Reifen des Flugzeuges Feuer, was Hitler ignorierte, um sich auf sein Auftreten vor der Kamera zu konzentrieren – die Ankunft wurde für Die Deutsche Wochenschau gefilmt. Später wurden die Szenen mit dem Brand retuschiert und teilweise neu gedreht.
Mannerheim wirkte skeptisch und ernst gegenüber Hitler und ließ diesen hauptsächlich seine bekannten Monologe führen, wohingegen er im Gespräch mit seinen eigenen Gefolgsmännern scherzte und lachte. Während des Aufenthalts Hitlers in Finnland, der, um den Anschein eines Staatsbesuchs zu vermeiden, unter weitgehender Geheimhaltung in der Nähe einer Eisenbahnstation am Flugplatz Immola stattfand, entstand in einem Sonderzug die einzige private Gesprächsaufnahme Hitlers. Thor Damen, ein finnischer Tontechniker, zeichnete heimlich Hitlers Geburtstagsrede und Mannerheims Dankesrede sowie 17 Minuten von deren anschließendem Gespräch auf (siehe Tonaufnahme des Gespräches zwischen Hitler und Mannerheim).
Hitler wollte nach einigen Berichten die Finnen zu stärkerem militärischem Vorgehen gegen die Sowjetunion auffordern, machte aber keine diesbezüglichen Bemerkungen. Einer Anekdote zufolge zündete Mannerheim sich bei dem Gespräch bewusst eine Zigarre an, um den für seine Aversion gegen Raucher bekannten Hitler zu provozieren. Eine Reaktion Hitlers blieb entgegen den Erwartungen der Begleiter aus, Mannerheim meinte daher um die schwache Position der Deutschen zu wissen.
Am 4. August 1944 wurde der 77-jährige Mannerheim zum Präsidenten der Republik Finnland gewählt. Zuvor hatte er seinen Vorgänger Risto Ryti noch zum Abschluss des Ryti-Ribbentrop-Vertrags gedrängt. Durch das Militärbündnis mit Deutschland, verbunden mit Waffenlieferungen und einem Verzicht auf einen Separatfrieden, sollte die Sowjetunion insgeheim zu günstigeren Friedensbedingungen für Finnland bewegt werden.
Wilhelm Keitel reiste am 15. August 1944 nach Helsinki, um Mannerheim im Bündnis der Achsenmächte zu halten, und überreichte ihm das von Hitler verliehene Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub. Mannerheim antwortete, die deutsche Nation könne bis zum Letzten kämpfen, ohne eine Auslöschung zu befürchten, das kleine finnische Volk hingegen nicht.
Mannerheim brach in der Folge alle Beziehungen zum NS-Staat ab und schloss am 24. August 1944 den Waffenstillstand von Moskau mit der Sowjetunion. Die günstigen Friedensbedingungen wurden durch die erfolgreiche Schlacht von Tali-Ihantala ermöglicht, den größten militärischen Erfolg Finnlands im Krieg.
Im Lapplandkrieg wurden die Truppen der Wehrmacht aus Finnland vertrieben, die Kampfhandlungen und die von der Wehrmacht angewandte Taktik der verbrannten Erde führten zu erheblichen Schäden. Unter anderem wurde Rovaniemi fast restlos niedergebrannt.
Mannerheim blieb Staatsoberhaupt bis zum Jahr 1946, als er aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat und von Juho Kusti Paasikivi abgelöst wurde. Mit Paasikivis Übernahme der Präsidentschaft begann eine neue Epoche in der finnischen Politik.
Seine letzten Lebensjahre verbrachte Mannerheim hauptsächlich im Schweizer Sanatorium Valmont in Glion, wo er seine Memoiren, Minnen, schrieb.
Am 27. Januar 1951 verstarb Mannerheim nach einer Magenoperation in Lausanne. Er wurde mit militärischen Ehren auf dem Friedhof Hietaniemi in Helsinki inmitten eines militärischen Gräberfeldes beigesetzt.
Am 2. Mai 1892 heiratete Mannerheim die Russin Anastassija Nikolajewna Arapowa (1872–1936), mit der er zwei Töchter, Anastasia (1893–1978), die Karmeliternonne in London wurde, und Sophie (1895–1963), sowie einen Sohn Wladimir (* 1894), der früh verstarb. Die Ehe wurde 1919 geschieden, endete jedoch inoffiziell bereits 1902. Mannerheim war später noch mit mehreren Frauen liiert, heiratete aber nicht mehr.


Von einem kaum bekannten Offizier wurde Mannerheim zum finnischen Nationalhelden, noch zu Lebzeiten erlangte er den mythischen Status als „Retter des Vaterlandes“. Er wurde zum bewunderten Idol, zum Symbol des Sieges über den Bolschewismus; für seine Gegner war er hingegen der „blutige Baron“, der „Weiße Teufel“, „Henker“ oder „Schlächter“.
1960 errichtete man im Zentrum von Helsinki ein Denkmal, eine Reiterstatue am Mannerheimintie, einer ebenfalls zu Ehren Mannerheims benannten Hauptstraße.
Am 16. Juni 2016 wurde in St. Petersburg eine Gedenktafel für den „Helden der zaristischen Armee“ errichtet, der während des Ersten Weltkriegs Einheiten befehligt hatte. Die Einweihung fand unter lautstarkem Protest der Bewegung Antimaidan statt. Es wurde auch gegen die Anbringung der Tafel geklagt.
Mannerheim, seine Familie und insbesondere der von ihm angeblich erfundene „Marschall-Schnaps“ (Marskin ryyppy, eine Mischung aus Aquavit, Gin und Wermut oder je nach Quelle anderen Zutaten), spielen eine Nebenrolle im 2013 erschienenen Roman Die Analphabetin, die rechnen konnte von Jonas Jonasson.
| Personendaten | |
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| NAME | Mannerheim, Carl Gustaf Emil |
| KURZBESCHREIBUNG | finnischer Offizier und Staatsmann |
| GEBURTSDATUM | 4. Juni 1867 |
| GEBURTSORT | Askainen, Finnland |
| STERBEDATUM | 27. Januar 1951 |
| STERBEORT | Lausanne, Schweiz |