Im Jahr 2000 wurden die Dörfer Dobrzec und Sulisławice eingemeindet.
Stadtwappen
Das Wappen von Kalisz besteht aus einem zweitürmigen Kastell, über dessen Tor ein polnisch gekleideter Wächter in das Horn stößt, umgeben von vier Sternen. Auf den Zinnen der Türme sprießen je drei Rohrkolben hervor. Farben Rot in Silber.
Kalisz wird bereits um das Jahr 150 n.Chr. als Calisia, ein Ort der germanischen Diduni (Vandalen) vom alexandrinischen Geografen Claudius Ptolemäus erwähnt und ist somit eine der ersten urkundlich nachgewiesenen Städte auf dem Gebiet des heutigen Polen. Ab 1193 war Kalisz die Hauptstadt eines piastischen Herzogtums, das 1305 zur Woiwodschaft umgewandelt wurde. Statut kaliski (deutsch: Statut von Kalisch) war ein Judenschutzbrief, der von Herzog Bolesław dem Frommen (poln.: Bolesław Pobożny, 1224/27–1279) am 8. September 1264 in Kalisz erlassen wurde.
Nach 1815 entwickelte sich Kalisz zur Industriestadt mit vielen Textil-, Handschuh-, Strumpf- und Spitzenfabriken. Kalischer Spitzen waren weltberühmt. Jüdische Kaufleute trugen zu dieser Entwicklung bei; in den 1890er Jahren betrug der jüdische Bevölkerungsanteil um die 38 Prozent.
Im Ersten Weltkrieg August 1914 wurde die Stadt durch deutschen Artilleriebeschuss großenteils zerstört (siehe Zerstörung von Kalisz) und anschließend teilweise in traditionellem und teilweise in modernem Stil wiederaufgebaut.
Kalisz ist seit 1992 Sitz eines katholischen Bistums. Seit 1793 existiert auch eine Gemeinde der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen in der Stadt, der heute etwa 300 Mitglieder angehören. Daneben gibt es eine polnisch-orthodoxe Gemeinde (etwa 50 Mitglieder) sowie eine Baptistengemeinde. Die Juden der Stadt wurden 1940 von den deutschen Besatzern deportiert.
Politik
Stadtpräsident
Der Stadtpräsident steht dem Stadtvorstand vor und ist gleichzeitig Chef der Verwaltung. Seit 2014 war dies Grzegorz Sapiński, der früher der PO angehört hatte, aber im Vorfeld der Selbstverwaltungswahlen 2014 aus der Partei ausgeschlossen worden war. Er wurde sodann als unabhängiger Kandidat gewählt. Bei der turnusgemäßen Neuwahl im Oktober 2018 kandidierte er erneut für sein eigenes Wahlkomitee, schied aber bereits im ersten Wahlgang aus. Zu seinem Nachfolger wurde Krystian Kinastowski gewählt. Die turnusmäßige Wahl 2024 führte zu folgenden Ergebnis:
Bei der damit notwendigen Stichwahl, die der bisherige Amtsinhaber Sapiński als sechstplatzierter Kandidat deutlich verpasst hatte, setzte sich Kinastowski mit 63,5% der Stimmen deutlich gegen den KO-Kandidaten Grodziński durch und wurde neuer Stadtpräsident.
Stadtrat
Der Stadtrat umfasst 23 Mitglieder. Die Wahl im April 2024 führte zu folgendem Ergebnis:
Das Wirtschaftsleben der Stadt wird von der Industrie dominiert. Vorherrschende Branchen sind die Textilindustrie, die schon im 19. Jahrhundert über Polen hinaus bekannt war, die Nahrungsmittel- und die Getränkeindustrie sowie die Luftfahrt- und die Metallindustrie. Die Herstellung von Klavieren wurde 1878 von Arnold Fibiger begründet. Heute hat die Firma Wilhelm Schimmel einen Produktionsstandort in Kalisz.
Verkehr
Im Jahr 2023 hatte Kalisz keinen Anschluss an das Fern- und Schnellstraßennetz.
Die städtische Busgesellschaft KLA befördert mit ihren neu erworbenen Bussen auf 16 innerstädtischen und zwölf Vorortlinien insgesamt 19 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Die Einwohner von Kalisz können den Nahverkehr seit Januar 2023 kostenfrei nutzen. Dies gilt vorerst bis Ende 2024.
Als Stadt mit der höchsten PKW-Dichte Polens leidet Kalisz unter einem Parkplatzmangel, der durch Einführung von Parkraumbewirtschaftung gemildert werden soll.
Öffentliche Einrichtungen
Bildungseinrichtungen
Neben zwölf Berufs- und 24 Fachschulen gibt es drei Hochschulen mit insgesamt 5500 Studenten.
Evangelischer Friedhof (ab 17. Jahrhundert). Dort begegnen wir allen Namen der Industriellen, deren Namen in der Geschichte der Stadt Kalisz (19. Jahrhundert) aufgeführt sind.
Russisch-orthodoxer Friedhof (ab 18. Jahrhundert)
Jüdischer Friedhof (Stadtteil Widok). Einziger noch erhaltener kleiner jüdischer Friedhof (19. Jahrhundert) in der heutigen Stadt. Der älteste, nicht weit von der Stadtmitte gelegen, mit teilweise mittelalterlichen Gräbern, wurde um 1940 von den Nazis zerstört.
Soldatenfriedhof (1916). Hier liegen auch viele Deutsche, die ab 1939 in Kalisch angesiedelt wurden.
Sowjetischer Ehrenfriedhof (1946). Die große Gedenksäule besteht aus dem Granit der Neuen Reichskanzlei in Berlin.
Umgebung
Schloss Gołuchów, 20 Kilometer nordwestlich der Stadt. Monumentale Adelsresidenz mit Landschaftspark und Kunstsammlungen, Teil des Nationalmuseums Posen.
Bahnhof Nowe Skalmierzyce, zwei Kilometer südlich von der heutigen Stadtgrenze entfernt. Riesiger neugotischer Bau, um 1905 errichtet, bis 1918 Grenzbahnhof des Deutschen Kaiserreiches.
Regelmäßige Veranstaltungen
1986 fand im Muzeum Okręgowe Ziemi Kaliskiej die I. Triennale der Zeichnung (Triennale Rysunku) statt
Konzerte des städtischen Sinfonieorchesters und des Studenten-Chores Polifonia
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Sabbatai Ben Josef (1641–1718), jüdischer Schriftsteller, Schöpfer der ersten jüdischen Buchdruckerei in Dyhernfurth
↑Barbara Kowalska, Iwona Anna Raszke-Rostkowska:I Triennale Rysunku: pod patronatem Tadeusza Kulisiewicza Kalisz 1986. Muzeum Okręgowe Ziemi Kaliskiej, 1986 (google.de[abgerufen am 22.Oktober 2026]).