Halunkenpostille

Die Halunkenpostille ist eine Lyriksammlung des deutschen Schriftstellers Fritz Graßhoff, die erstmals 1947 erschien. Sie zählt zu den erfolgreichsten Lyrikbüchern der Nachkriegszeit; zahlreiche Texte und Balladen wurden vertont und von namhaften Interpreten aufgenommen.

Der Autor

Fritz Graßhoff (1913–1997) verdiente sein Geld mit Schlagertexten; am bekanntesten ist sein Evergreen Nimm mich mit Kapitän, auf die Reise, den er für Hans Albers schrieb. Seine Berufung sah er jedoch als Maler, Zeichner, Übersetzer und Schriftsteller. Seine Lyrikbände fanden wenig Anklang; größeren Erfolg hatte er mit seinen manchmal derben Lyriktexten und Balladen, von denen einige gerne als Chansons gesungen wurden und viele in den Ausgaben der Halunkenpostille versammelt sind.

Das Buch

Die Halunkenpostille enthält mehr als 100 Gedichte. Da sie durchgehend gereimt sind, bieten sie sich geradezu für Liedvertonungen an. Thema sind die Menschen und Nöte der Unterschicht, kleine Anarchisten, die der Autor zeitkritisch mit oftmals überraschendem Humor und großer Sympathie darstellt. Graßhoff war selbst in einem Milieu – sein Vater, erst Seemann, später Kohlenhändler – aufgewachsen, in dem Kneipen, Trinker, Huren, Schläger und Halunken alltäglich waren. Die Titel der Gedichte weisen meist gleich auf diese Thematik hin: Halunkenlied, Pennergeschichte, Im Tingeltangel tut sich was, Moritat vom eiskalten Gasanstaltsdirektor oder Einmal wird man dich shanghaien und Käptn Byebye.

Das Buch hatte großen Erfolg, die Gesamtauflage beträgt inzwischen, überraschend für ein Lyrikbuch, über 200.000 Exemplare. Graßhoff liebte es, seinen Büchern längere Untertitel zu geben und wechselte sie manchmal bei neuen Ausgaben aus. Man kann Graßhoff mit seinen Halunkenpostillen-Texten ohne weiteres als Nachfahre von Erich Kästner, Walter Mehring und Joachim Ringelnatz bezeichnen.

Wirkungen

Für das Kabarett waren manche Texte wie geschaffen, und so ist es nicht verwunderlich, dass viele große deutsche Chansonnièren (Hannelore Schroth, Hanne Wieder, Kirsten Heiberg und Inge Brandenburg) mit Rezitationen seiner Lyrik und Liedvorträgen auftraten. Auch einige Komponisten begaben sich an Bearbeitungen, so z. B. Hans-Martin Majewski, Norbert Schultze und Alfons Nowacki. In der Mitte der sechziger Jahre wurde Graßhoff von jungen Menschen entdeckt und geschätzt; in den progressiveren Bünden der Jugendbewegung wurden Vertonungen des bis heute beliebten „Halunkenliedes“ Mein Gaul ist alt und will nicht mehr oder von der „Lumpenbrüderschaft“ Schnorrer, Penner, schräge Narrn, Kesselflicker, Diebe gesungen. Das Gesangsduo Schobert & Black schöpfte, besonders für ihre ersten beiden LPs, auch aus diesem Fundus, vertont von Wolfgang „Schobert“ Schulz.

Ausgaben

Buchausgaben

Vertonungen (Auswahl)

Tonträger mit Liedern aus der Halunkenpostille (Auswahl)

Die klassische Halunkenpostille

Graßhoff übersetzte die Epigramme des römischen Dichters Martial

In einer zweiten „Halunkenpostille“, die Graßhoff publizierte und der er den Titel Die klassische Halunkenpostille gab, veröffentlichte er in freier dichterischer Bearbeitung Texte einiger griechischer und römischer Dichter der Antike (z. B. Martial, Catull und Philodemos) über die Nöte und Freuden des Mannes auf der Straße und die Torheiten der Reichen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Adele, Adele, das Gold in deiner Kehle, Deutsche Nationalbibliothek