Schlager

Phonographen, hier auf einer Reklame von 1907, …
… und Grammophone ermöglichten das Schlagerhören auch zu Hause.

Als Schlager oder Schlagermusik, eine Erscheinungsform vor allem europäischer Musik, werden allgemein leicht eingängige instrumentalbegleitete Gesangsstücke der populären Musik mit oft landessprachigen Texten bezeichnet. Das Spektrum reicht dabei von ernsten und sentimentalen Texten bis hin zu fröhlichen und humorvollen Texten. Manche Schlager entwickeln sich zu sogenannten Gassenhauern. Ausgehend von populären Operettenmelodien machte sich seit den 1920er Jahren der Einfluss von jazzigen Rhythmen und Harmonien in der Schlagermusik bemerkbar.

Seit den 1950er Jahren wird Schlager als „schwer zu umgrenzender Begriff in der neueren Unterhaltungsmusik“ sowie als „Kurzform für leicht eingängige Tanz- und Unterhaltungsmusik“ beschrieben.

Die Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden definiert in ihrer 21. Auflage Schlager als „populäres Unterhaltungs-, Stimmungs- und Tanzlied.“ Dabei konnte sich der im 19. Jahrhundert entstandene Begriff, der zunächst nur gleichbedeutend zu „Gassenhauer“ für erfolgreiche Musiktitel verwendet wurde, im Lauf des 20. Jahrhunderts als Gattungsname und somit als Bezeichnung für das musikalische Genre durchsetzen, wobei sich dies auf deutschsprachige Produktionen beschränkt.

Die große Blütezeit des Schlagers begann im Nachkriegs-Deutschland: die Sehnsucht der Menschen nach Glück und einem „Heile Welt“-Gefühl trug ebenso zum großen Erfolg des Schlagers bei, wie die zunehmende Verbreitung des Radios in Privathaushalten. Später trug auch der Siegeszug des Fernsehens ganz maßgeblich zur Popularisierung des Schlagers bei. In zahlreichen Unterhaltungssendungen waren regelmäßig Auftritte von Schlagerinterpreten zu sehen und mit eigenen Musiksendungen gab es auch Formate, die sich ausschließlich dieser Musik widmeten. Neben der massenmedialen Verbreitung war ein weiterer wichtiger Faktor die zunehmende Verbreitung von Schallplatten, die in Musikboxen und immer öfter auch auf Plattenspielern in Privathaushalten jederzeit das eigene Musikprogramm ermöglichten. Bedeutende Plattenlabel, die Schlager-Platten verbreiteten, waren beispielsweise Electrola, Polydor, Ariola, Teldec und Hansa. Heutige Plattenlabel, die Kompilationen alter Schlager anbieten, sind zum Beispiel Bear Family Records und Musictales. Moderne Schlagermusik erscheint heute bei allen Major-Labeln, aber auch bei Independent-Labeln.

Die Schlager-Texte „variieren meist die Grundthemen Liebe, Heimweh, Fernweh und Glücksverlangen.“ Musikalisch lässt sich der Schlager nicht auf eine eindeutige Stilrichtung festlegen und hat sich immer wieder aktuellen Trends und veränderten Geschmäckern angepasst. So unterscheidet Peter Wicke in der Musikenzyklopädie Die Musik in Geschichte und Gegenwart historisch die Operetten-Schlager um 1900, die Kabarett-Schlager aus den 1910er-Jahren, die Tanzschlager der 1920er-Jahre, die Filmschlager der 1930er-Jahre sowie die Schlager der Tanz- und Unterhaltungsmusik aus den 1950er- und 1960er-Jahren und weist darauf hin, dass sich diese gravierend voneinander unterscheiden. In den 1980er-Jahren öffnete sich der Schlager für elektronische Instrumente und es wurden immer öfter die bis dahin üblichen akustischen Arrangements durch den Einsatz elektronischer Instrumente ersetzt, was wiederum eine völlig neue Stilistik des Schlagers zur Folge hatte.

Durch die häufig sehr eingängigen Melodien und die große mediale Präsenz in Radio und Fernsehen wurden viele deutsche Schlager im Lauf der Zeit zu Evergreens.

Definition und Begriffsherkunft

Notenblatt des Walzers An der schönen blauen Donau von Johann Strauss, 1867

Eine eindeutige Definition von „Schlager“ gibt es in der Musikwissenschaft nicht und wird von einzelnen Autoren als „schwierig“ und „nicht möglich“ bezeichnet. Die systematische Abgrenzung zu anderen Genres erweist sich ebenso als schwierig. Im Jahre 1870 lässt sich der Begriff erstmals für besonders erfolgreiche Operettennummern und volkstümliche Singspiele nachweisen.

Sprachlich ist der Ausdruck „Schlager“ auf das Wienerische zurückzuführen, laut Duden „wohl nach dem durchschlagenden Erfolg, der mit einem Blitzschlag verglichen wird“. Das DWDS übernimmt gemäß einer musikalischen Zeitungskritik und dem Wörterbuch von Kluge (1967) das Jahr 1881, in dem das Wort „als Ausdruck der Musikkritik, durch die Tagespresse verbreitet“ etabliert und dann auf andere insbesondere „aktuelle und wirkungsvolle Erscheinungen (Buch, Theaterstück, eine reißend abgehende Ware) übertragen“ wurde. Bei Kluge/Götze wurde bereits vermutet, dass das Bild vom einschlagenden Blitz stamme und von der Erwähnung in der Zeitungskritik dann auf Politik und andere Gebiete übertragen wurde.

Historisch hat es ab dem ausgehenden Mittelalter scherzhafte oder auch derbe Lieder nachweislich gegeben, die im einfachen Volk kursierten und von der Kunstmusik entweder ignoriert oder assimiliert wurden – zum Beispiel als Kirchenlied mit neuem Text oder als versteckte musikalische Grundlage von geistlicher Figuralmusik. Die Erfindung des Notendrucks mit Typen im 16. Jahrhundert ermöglichte erstmals die massenhafte und europaweite Verbreitung von Musik, so dass Melodien wie Pavane de Spaigne, La Spagnoletta (beziehungsweise Españoleta und so weiter, die „kleine spanische Melodie“), La Follia und viele andere allbekannt wurden.

Der Begriff des Schlagers im heutigen Sinne entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der erste, auf ein bestimmtes Werk und eine Aufführung bezogene Nachweis des Wortes ist im Wiener Fremdenblatt vom 17. Februar 1867 zu lesen, das über die Uraufführung des Walzers An der schönen blauen Donau schrieb: „Die Eröffnungsnummer der zweiten Abteilung war ein entschiedener Schlager.“ In Deutschland verwendete der Journalist und Theaterkritiker Paul Lindau als einer der ersten diesen Ausdruck, zum Beispiel für die Gesangsdarbietungen der Pariser Café-chantants (in Berlin und Hamburg auch Tingeltangel oder Singspielhalle) oder für Wienerlieder.

Schlager in einem Café chantant in Kopenhagen, 1919

Die Erfindung des Grammofons sowie die aufkommende Filmindustrie trugen schnell zur Verbreitung des Schlagers bei. Er ist somit ein Produkt der Industriegesellschaft. Allein seine Schnelllebigkeit zeigt, dass er eher eine Ware als ein auf Dauer setzendes Kunstwerk darstellt. Der Schlager sucht das Massenpublikum, indem er in den Texten Wunschträume anspricht, die er als „Botschaften“ in Kehrreimen stetig wiederholt. Musikalisch richtet sich der Schlager meist nach der jeweils herrschenden Tanzform. Einfache Rhythmen und Melodienfolgen, die auf schnelle Wiedererkennung angelegt sind, bestimmen seinen Charakter.

In Frankreich sowie im Französisch sprechenden Teil Belgiens werden Schlager entgegen dem deutschen Sprachgebrauch nicht „chansons“ genannt (dies ist vielmehr ein Ausdruck für Lieder mit „literarischem Anspruch“), ebenso wenig „chansons à la mode“ (diesen veralteten Ausdruck findet man allenfalls noch in alten Lexika), sondern „variétés“.

Theodor W. Adorno sagte über die Wirkung des Schlagers und seine gesellschaftliche Funktion: „Schlager beliefern die zwischen Betrieb und Reproduktion der Arbeitskraft Eingespannten mit Ersatz für Gefühle überhaupt, von denen ihr zeitgemäß revidiertes Ich-Ideal sagt, sie müssten sie haben.“

Die ursprüngliche Definition von Schlager, wie sie etymologisch begründet ist, ist heute äußerst schwer an einzelnen Genres festzumachen.

Geschichte

Anfangszeit (1900–1919)

Paul Lincke, Briefmarke der Deutschen Bundespost (1956) zum 10. Todestag

Die ersten deutschsprachigen Schlager finden sich in den zahlreichen Operetten, die vor 1900 in Wien erfolgreich waren. Johann Strauss Vater und Sohn belieferten die unterhaltungssüchtigen besseren Stände mit Operettenmelodien. Allein Die Fledermaus (1874), der Gipfel der klassischen Wiener Operette, war voll von eingängigen Melodien: Alfreds Lied Täubchen, das entflattert ist, Prinz Orlofskys Couplet ’s ist mal bei mir so Sitte, Rosalindes Csárdás und Adeles Ariette Spiel ich die Unschuld vom Lande, Alfreds Trinklied Trinke, Liebchen, trinke schnell und der Abgesang Glücklich ist, wer vergisst. Fast 500 Werke umfasst das Lebenswerk von Johann Strauss Sohn.

Auch Berlin, das Operettenzentrum Preußens, hatte entsprechende Komponisten. Der bekannteste war Paul Lincke, der mit Frau Luna 1899 seinen größten Erfolg hatte. Einzelne Lieder von Lincke waren jahrzehntelang zu hören: Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft; Glühwürmchen, Glühwürmchen glimmre, Glühwürmchen, Glühwürmchen schimmre aus Lysistrata und Schlösser, die im Monde liegen. Eduard Künnekes Der Vetter aus Dingsda mit dem Lied des Fremden Ich bin nur ein armer Wandersgesell und dem Tango Kindchen, du mußt nicht so schrecklich viel denken wurde 1921 in Berlin uraufgeführt.

Aufstieg durch die Massenmedien Schallplatte, Rundfunk und Tonfilm (1920–1933)

Comedian Harmonists
Otto Reutter

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Schlager stark durch die weitere Verbreitung der Schellackplatte und vor allem das Aufkommen des regulären Rundfunkbetriebs beeinflusst, die den Schlager nun als millionenfache Ware in die Wohnstuben brachten. Dadurch wurden die verschiedensten Schlager nun auch einem breiteren Publikum zugänglich und man sprach auch vom Schlager als sogenanntem Gassenhauer. Um 1930 kam der kommerzielle Tonfilm hinzu. Die Lieder besaßen oftmals einen eher einfachen Text. Dazu gehören zum Beispiel Reime wie Was macht der Maier am Himalaya? und Unter den Pinien von Argentinien sowie Mein Onkel Bumba aus Kalumba tanzt nur Rumba. Auch andere Schlager mit eingängigen Melodien, aber sehr einfachen Texten hatten Erfolg, wie zum Beispiel Mein Papagei frißt keine harten Eier von Walter Kollo und Hermann Frey aus dem Jahr 1928 oder aus demselben Jahr Wenn der weiße Flieder wieder blüht von Franz Doelle und Fritz Rotter.

Auch eine gewisse Frivolität kann man den Texten nicht absprechen. Wenn es in einem Stück heißt: Veronika, der Spargel wächst oder Ich hab das Fräulein Helen baden sehn und gar Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben, dann bezeugt das zum einen die sogenannten „Goldenen Zwanziger“, zum anderen aber auch eine aufkommende Aufklärung und Emanzipation. Sehr populär und auch heute noch oft zu hören ist der bekannte Schlager Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt. In den Ballsälen wurde Foxtrott und Charleston sowie der „Skandaltanz“ Shimmy getanzt.

Trude Hesterberg
Fritzi Massary, 1929

Beliebte Vertreter dieser Art Musik waren vor allem die Comedian Harmonists, Marlene Dietrich, Erwin Hartung, Claire Waldoff, Fritzi Massary (Josef, ach Josef, was bist du so keusch), Trude Hesterberg, Max Pallenberg, Otto Reutter, Liane Haid, Paul Preil, Rudi Godden, Mady Rahl, Lizzi Waldmüller, Willy Fritsch und Lilian Harvey. Vor allem die Kirche war gegen diese Art der Vergnügung, vor allem wenn Texte wie der folgende auf der Straße oder bei Veranstaltungen gesungen wurden:

„‚Lieber Schatz‘, sprach er, ‚Du bist mein Süßchen.
Werd doch mein, und zwar im Gänsefüßchen.
Lieber Schatz, was soll ich dir erzählen.
Schau, ich könnt’ für dich vom Hund das Futter stehlen.
Glaube mir, ich sag das nicht zu jeder.‘,
sprach er leis’ und küßte eine Feder.
‚Sei doch lieb, und werd’ nicht immer spröder.
Es ist Mai, komm leg’ mit mir ein Ei.‘“

– Comedian Harmonists: Maskenball im Gänsestall

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden Lieder mit Passagen wie „Dein Wesen war einst treudeutsch und germanisch – Auf einmal ist es ausgesprochen spanisch“ aus dem Schlager Mein lieber Schatz, bist du aus Spanien der Comedian Harmonists nicht mehr verkauft. Viele jüdische Künstler verließen Deutschland, vor allem, weil sie bereits von Auftrittsverboten betroffen waren. Mit den Rassegesetzen von 1935 begann die juristische Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung. Ihre wirtschaftliche Diskriminierung kulminierte 1938 mit den Novemberpogromen.

Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945)

Verteilung von Volksempfängern, genannt „Goebbelsschnauze“, 1938

In der Zeit des Nationalsozialismus fiel auch der Schlager der Gleichschaltung zum Opfer und musste für Propagandazwecke herhalten. Die leicht frivolen Texte der zurückliegenden Jahre verschwanden, die Film- und Schallplattenindustrie fiel unter staatliche Aufsicht. Vor allem jüdische Musiker wie die Comedian Harmonists, die mit Ich küsse Ihre Hand, Madame, Veronika, der Lenz ist da, Wochenend und Sonnenschein, Ein Lied geht um die Welt, Mein kleiner grüner Kaktus und zahlreichen weiteren Titeln erfolgreich waren, erhielten Auftrittsverbot.

Grabstein des Autors und Kabarettisten Fritz Grünbaum (* 7. April 1880 in Brünn; † 1941 im KZ Dachau) auf dem Wiener Zentralfriedhof

Fritz Löhner-Beda, der Autor von Operetten wie Das Land des Lächelns und der Blume von Hawaii, der die Texte für zahlreiche Schlager, darunter Ausgerechnet Bananen, Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren, Oh, Donna Clara, Dein ist mein ganzes Herz, Was machst du mit dem Knie lieber Hans?, Wo sind deine Haare, August? und In Nischni-Nowgorod schrieb, wurde 1942 in Auschwitz ermordet. Auch Richard Fall, Komponist zahlreicher Titel, zu denen häufig Löhner-Beda die Texte schrieb, wurde in Auschwitz kurz vor der Befreiung des Lagers ermordet. Fritz Grünbaum, der Autor des berühmten Titels Ich habe das Fräulein Helen baden sehn, wurde in Dachau ermordet. Der österreichisch-jüdische Schlager- und Filmmusikkomponist Ralph Erwin floh zunächst vor den Nazis nach Frankreich, wo er jedoch nach dem Einmarsch der Deutschen interniert wurde. Seine Frau konnte ihn zwar befreien, er starb jedoch 1943 an den Folgen eines Bauchschusses.

Die Juden Alfred Grünwald, Fritz Rotter (Maier am Himalaya), Walter Jurmann (Veronika, der Lenz ist da und Olga, Tochter der Wolga), Robert Katscher (Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt), Friedrich Schwarz (Wenn ich die blonde Inge abends nach Hause bringe, Nach Hause gehen wir nicht) und Robert Gilbert, Komponist und Texter von auch noch nach dem Krieg viel gesungener Hits wie Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n / Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden / Was kann der Sigismund dafür, daß er so schön ist, sowie der Musikverleger und Textdichter Armin L. Robinson und der Textdichter, Drehbuchautor und Regisseur Walter Reisch, emigrierten und mit ihnen emigrierte auch das Anzügliche, Frivole und Witzige in den Liedtexten. Kurt Schwabach musste ebenso wie Ernst Neubach aus Deutschland fliehen; beide kehrten jedoch nach dem Krieg zurück und waren noch bis in die 1960er-Jahre erfolgreich. Der Schlager- und Filmmusikkomponist Hans May, der durch Titel wie Ein Lied geht um die Welt und Heut’ ist der schönste Tag in meinem Leben bekannt war, landete nach seiner Flucht vor den Nazis schließlich in Großbritannien, wo er noch einige Jahre erfolgreich war. Der Komponist und spätere Musikverleger Rolf Marbot konnte nach seiner Flucht in Frankreich Fuß fassen, während Bert Reisfeld und Arthur Rebner in den USA landeten.

Auch Werner Richard Heymann musste aufgrund seiner jüdischen Herkunft aus Deutschland fliehen, doch seine Musik, die er für frühe Tonfilme wie Die Drei von der Tankstelle und Der Kongreß tanzt geschrieben hat, haben den Nationalsozialismus überlebt und waren auch danach beliebte Schlager, darunter Titel wie Ein Freund, ein guter Freund, Liebling, mein Herz läßt dich grüßen, Das muß ein Stück vom Himmel sein, Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder, Das ist die Liebe der Matrosen, Hoppla jetzt komm ich, Irgendwo auf der Welt u. a. Auch der Revue- und Tonfilmkomponist Friedrich Hollaender (Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt / Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre) musste wegen seiner jüdischen Abstammung emigrieren.

Lale Andersen mit ihrem Ehemann Artur Beul, 1953

Auch der weltberühmt gewordene Schlager Lili Marleen, zuerst gesungen von Lale Andersen, fiel in diese Zeit. Das bereits 1915 getextete und 22 Jahre später vertonte Lied sollte laut Goebbels zuerst als Marsch gespielt werden, doch Lale Andersen weigerte sich. Als es 1941 im Rundfunk gespielt wurde, war der Siegeszug der Melodie nicht mehr aufzuhalten. Wegen seines „unheilvollen Charakters“ wurde das Abspielen von Lili Marleen im Großdeutschen Reich schon bald verboten. Allerdings hinderte dies den deutschen Soldatensender Belgrad nicht, es weiter zu verbreiten, und bald entstanden auch anderssprachige Fassungen.

Jim Cowler (Kleine Möwe, flieg nach Helgoland) war zwar kein Jude, bekam aber auch Ärger mit den Nazis, woraufhin er zunächst nach London und New York emigrierte. Da er sich dort nicht wohl fühlte, kehrte er nach Deutschland zurück und versuchte, sich mit der Situation zu arrangieren. Auch Peter Igelhoff (Tante Jutta aus Kalkutta, Das Nachtgespenst, In meiner Badewanne bin ich Kapitän, Der Onkel Doktor hat gesagt u. a.) fiel wegen seiner swingenden, jazzigen Titel bei den Nazis in Ungnade, wurde mit einem Auftrittsverbot belegt und tauchte schließlich unter.

Robert Stolz (Servus Du / Im Prater blüh’n wieder die Bäume / Hallo, du süsse Klingelfee / Die ganze Welt ist himmelblau / Mein Liebeslied muß ein Walzer sein / Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n / Adieu, mein kleiner Gardeoffizier), der zwar kein Jude war, aber vielen Juden geholfen hatte, floh wegen seiner Ablehnung des Nationalsozialismus aus Deutschland und verbrachte die Kriegsjahre in New York.

Auch Marlene Dietrich, die in Deutschland bereits ein gefeierter Filmstar war und mit dem Titel Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt (1930) einen musikalischen Hit hatte, machte aus ihrer Ablehnung der Nazi-Diktatur kein Geheimnis. Nachdem sie bereits in den USA erfolgreich war, verlegte sie ein Jahr vor Kriegsausbruch ihren europäischen Hauptwohnsitz nach Paris, von wo aus sie begann, Flüchtlinge aus Deutschland und emigrierende Künstler aktiv und finanziell zu unterstützen. Am 9. Juni 1939 legte Dietrich die deutsche Staatsbürgerschaft ab und nahm die US-amerikanische an. Zur Unterstützung der US-Truppen bei ihrem Kampf gegen die Nazi-Diktatur trat sie bei der Truppenbetreuung vor amerikanischen Soldaten auf, wo sie ab 1943 den Titel Lili Marleen von Lale Andersen sang, der auch in ihrer Fassung ein großer Erfolg wurde. Nach dem Krieg konnte sie nicht nur an ihre internationale Film-Karriere anknüpfen, sondern hatte auch weitere musikalische Erfolge mit Titeln wie Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre (1947), Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin (1955) und Sag mir, wo die Blumen sind (1962).

Zurück blieb lediglich, was dem „arischen Humor“ entsprach. Andere Interpreten und Schauspieler wie Marika Rökk (In einer Nacht im Mai / Ich brauche keine Millionen / Für eine Nacht voller Seligkeit / So schön wie heut‘, so müßt‘ es bleiben / In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine) oder Johannes Heesters (Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen / Einmal von Herzen verliebt sein / Da geh’ ich ins Maxim / Man müßte Klavier spielen können / Durch Dich wird diese Welt erst schön / Ein Glück, daß man sich so verlieben kann) wurden für Propagandazwecke eingespannt. Gerade gegen Ende des Krieges, als die Alliierten deutsche Städte bombardierten, wurden explizit Texte gesucht, die der deutschen Bevölkerung wieder Mut machen und zum Durchhalten animieren sollten. Goebbels ließ Aufträge für neue Lieder ausschreiben. Dabei entstanden Texte wie Davon geht die Welt nicht unter und Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n, gesungen von Zarah Leander, und Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern und Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n von Heinz Rühmann. Diese wurden, obwohl im Nationalsozialismus erstmals aufgenommen, nach dem Krieg wieder oft im Radio gespielt. Marika Rökk, Johannes Heesters und Heinz Rühmann konnten auch nach dem Krieg an ihre Erfolge als Schauspieler anknüpfen und waren neben weiteren Filmrollen regelmäßig in Unterhaltungssendungen des Fernsehens zu sehen.

Dies galt auch für Zarah Leander, die nach dem Krieg zwar nur wenige neue Hits hatte (z. B. Wunderbar), aber auch mit ihren früheren Hits (Yes, Sir! / Der Wind hat mir ein Lied erzählt / Eine Frau wird erst schön durch die Liebe / Kann denn Liebe Sünde sein? / Nur nicht aus Liebe weinen / Er heißt Waldemar! / Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n / Davon geht die Welt nicht unter) weiterhin erfolgreich war. Auch Hans Albers, der in erster Linie Schauspieler war, aber mit Liedern wie Hoppla, jetzt komm’ ich, Komm’ auf die Schaukel, Luise, Das ist die Liebe der Matrosen, Auf der Reeperbahn nachts um halb eins, Jawohl, meine Herr’n, Good Bye, Jonny, La Paloma, Das gibt es nur in Texas und Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise, die er in seinen Filmen gesungen hat, ebenfalls erfolgreich war, konnte nach dem Krieg an seine Popularität anknüpfen.

Auch Ilse Werner, die als junge Frau in den 1940er-Jahren bereits Erfolge mit Titeln wie Die kleine Stadt will schlafen geh’n, Sing ein Lied wenn du mal traurig bist und Wir machen Musik hatte, konnte in der Nachkriegszeit mit diesen und weiteren Titeln wieder Erfolge feiern und hatte bis in die 1960er Jahre Charterfolge. Neben ihrer Karriere als Schlagersängerin war sie auch als Kunstpfeiferin erfolgreich.

Bedeutende Komponisten dieser Zeit waren Theo Mackeben, Fred Raymond, Peter Kreuder, Lothar Brühne, Friedrich Schröder, Ralph Maria Siegel, Ludwig Schmidseder, Anton Profes, Gerhard Winkler, Franz Grothe und Michael Jary; bekannte Textdichter waren Bruno Balz, Günther Schwenn, Peter Schaeffers, Aldo von Pinelli, Ernst Marischka und Hans Fritz Beckmann. Sie schrieben zahlreiche Schlager, unter anderem für Heinz Rühmann und Zarah Leander.

Als Balz wegen seiner Homosexualität zum zweiten Mal verhaftet wurde und ihm eine Einweisung in ein KZ drohte, intervenierten Jary und Zarah Leander für seine Freilassung. Jary betonte, ohne Balz könne er die von Propagandaminister Joseph Goebbels für den Film Die große Liebe als einen „Beitrag zur Kriegsanstrengung“ geforderten Lieder nicht fertigstellen, woraufhin Balz innerhalb weniger Stunden freigelassen wurde.

Jary und Balz waren auch noch bis weit in die Nachkriegszeit im Schlagerbereich aktiv, während Brühne und Mackeben nach dem Krieg noch einige Jahre lang vor allem Musik für Filme schrieben. Auch Beckmann schrieb nach dem Krieg noch einige Jahre Liedtexte für Filme. Auch Raymond, Kreuder, Schröder, Siegel, Winkler und Grothe waren nach dem Krieg noch lange als Komponisten erfolgreich. Marischka war nach dem Krieg vor allem noch im Filmgeschäft als Regisseur und Drehbuchautor erfolgreich. Schaeffers gründete nach dem Krieg einen Musikverlag, der sich zu einem der führenden westdeutschen Unternehmen im Bereich der Unterhaltungsmusik entwickelte und war auch im Filmgeschäft tätig. Schwenn verfasste weiterhin Texte und war neben seiner künstlerischen Tätigkeit auch in verschiedenen Berufsverbänden tätig.

Nachkriegszeit (1945 bis etwa 1949)

Als nach dem Krieg die ersten Rundfunkstationen wieder genehmigt wurden, begann auch die Plattenindustrie wieder zu produzieren. Manchmal waren Schlager dieser Zeit einfach als Faschingslieder komponiert, die sich über die närrische Zeit hinaus behaupteten. Dazu zählt das Lied Ich fahr mit meiner Lisa, zum schiefen Turm von Pisa, das zuerst von Jupp Schmitz 1949 gesungen wurde, ferner Wer soll das bezahlen? (Jupp Schmitz, 1949) und der Nummer-eins-Hit Am 30. Mai ist der Weltuntergang (Kurt-Adolf Thelen, Sunshine-Quartett, Golgowsky-Quartett sowie Will Glahé und sein Blasorchester, 1954).

In der Nachkriegszeit war der musikalische Geschmack des „Otto Normalverbrauchers“ (Figur aus dem Film Berliner Ballade (1948), dargestellt von einem schlanken Gert Fröbe) bunt gemischt. Dabei handelten die Texte von so unterschiedlichen Themen wie dem Mariandl (1947), das eher österreichisch daherkam, dem Theodor im Fußballtor (1948 zuerst gesungen von Margot Hielscher, später wurde Theo Lingen damit sehr bekannt), bis zum kabarettwürdigen Couplet Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien. Mit „Trizonesien“ waren die westlichen Zonen des damals in vier Besatzungszonen geteilten Deutschland gemeint.

Beliebt waren auch Lieder mit Berliner Lokalkolorit, so zum Beispiel die von Erika Brüning getexteten und teilweise auch komponierten Titel Berliner Jungens, die sind richtig, Du mein Berlin kannst nicht untergeh’n, Kommste mit, kommste mit zum Sportpalast? und O diese Jöre.

Populäre typisch österreichische Schlager dieser Zeit waren neben dem Mariandl die von Hans Lang und Erich Meder geschriebenen Lieder – meist von Maria Andergast gesungen –, wie zum Beispiel Du bist die Rose vom Wörthersee, Aus Urfahr war mein Vorfahr, A Gitarr und a Jodler oder A fesche Katz.

Wirtschaftswunder (circa 1950 bis etwa 1962)

Schellackplatte des Schlagers Der Mond hält seine Wacht von Peter Alexander, 1955

Nach der Währungsreform 1948 und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 begann ab 1950 ein beispielhafter Aufschwung der deutschen Wirtschaft, der als Wirtschaftswunder in die Geschichte einging. Die Arbeitslosenzahlen sanken zunächst langsam und später immer stärker, es entstanden viele neue Unternehmen und Betriebe und langsam aber stetig hatten immer mehr Haushalte wieder mehr Geld zur Verfügung und wollten nach dem Leid und den Entbehrungen der Kriegsjahre wieder mehr Freude haben. Diese Entwicklung spiegelte sich auch im deutschen Film und in der Musik wider: Im Film wurden zahlreiche Komödien, Operettenfilme, Revuefilme und Schlagerfilme gedreht und in der Musik wurde der deutsche Schlager immer populärer und begann einen einmaligen Siegeszug.

Bully Buhlan, 1946

Interpreten dieser Zeit waren beispielsweise Bully Buhlan (Ich hab’ mich so an dich gewöhnt, 1951; Es liegt was in der Luft, 1954 mit Mona Baptiste; Ich möcht auf deiner Hochzeit tanzen, 1955), Rita Paul (Bobby, back’ einen Kuchen, 1950; Spiel mir eine alte Melodie, 1952; Mäcki-Boogie, 1952 mit Bully Buhlan), Renée Franke (Ding Dong Boogie, 1954; Sailors Boogie, 1954), die Kilima Hawaiians (Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand, 1953), Bruce Low (Das alte Haus von Rocky Docky, 1955) sowie der gerade mit seiner Karriere startende Peter Alexander zusammen mit Leila Negra und ihrem viel gespielten Titel Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere (die deutsche Fassung des italienischen Papaveri e papere von Nilla Pizzi). Der Saxophonist und Schlagersänger Detlev Lais hatte in der Nachkriegszeit einige Solo-Erfolge, sang jedoch auch zusammen mit Anneliese Rothenberger und vor allem mit Renée Franke. Während die Schlagersänger-Karriere von Hans-Arno Simon (Anneliese; Ach sag doch nicht immer wieder Dicker zu mir; Ludwig; Wodka-Fox; alle aus dem Jahr 1954) nur kurz währte, hatte er danach noch Erfolg als Komponist für andere Schlagerinterpreten. Auch Fred Rauch war in einer Doppelfunktion erfolgreich: er hatte sowohl Erfolge als Interpret wie auch als Textdichter.

Eine weitere erfolgreiche Sängerin der späten 1940er- und frühen 1950er-Jahre war Evelyn Künneke, die Tochter des Operettenkomponisten Eduard Künneke und der Opernsängerin Katarina Garden. Zunächst trat sie als Stepptänzerin auf, was ihr jedoch 1939 von den Nazis verboten wurde. Daraufhin begann sie eine Karriere als Sängerin und hatte erste Erfolge mit Sing, Nachtigall, sing (1941) und Haben Sie schon mal im Dunkeln geküßt? (1942). Nachdem sie zunächst bei der Truppenbetreuung eingesetzt worden war, wurde sie 1944 wegen Wehrkraftzersetzung verhaftet und im Januar 1945 in die Haftanstalt Berlin-Tegel eingeliefert, wo sie kurz vor Kriegsende wieder freigelassen wurde. In den frühen 1950er-Jahren hatte sie dann noch Erfolge mit Schlagern wie Allerdings, sprach die Sphinx (1949), Winke-winke (1950), Hab’n ’se nich ’nen Mann für mich? (1951), Egon (1953) und Herr Kapellmeister, bitte einen Tango (1953).

Caterina Valente in dem Musikfilm … und abends in die Scala,
Filmplakat (1958) von Helmuth Ellgaard

Nach dem verlorenen Krieg versuchten auch Caterina Valente (Ganz Paris träumt von der Liebe, 1954), Lys Assia (Oh mein Papa, 1954) und Vico Torriani (Siebenmal in der Woche, 1957) die Stimmung einer heilen Welt zu verbreiten. Konjunktur Cha-Cha mit seinem Refrain „Geh’n Sie mit der Konjunktur!“ hieß ein dem Zeitgeist entsprechendes Stück vom Hazy Osterwald Sextett, das das Wirtschaftswunder zum Thema hatte. Die Mischung aus Wiederaufbruchstimmung und Wirtschaftswunder zeigte sich auch beispielhaft im Lied Es geht besser, besser, besser, das Caterina Valente 1956 mit ihrem Bruder Silvio Francesco sang.

René Carol hatte erste Erfolge mit Maria aus Bahia (1950), Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein (1952), Bella Donna (1953) und Deinen Namen den hab ich vergessen (1954). Im Jahr 1952 erhielt er mit Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein gar die erste Goldene Schallplatte der Nachkriegszeit.

Auch das Fernweh der Deutschen und die Sehnsucht nach südlichen Urlaubsorten fand sich im Schlager wieder. Gegen Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre begannen viele Deutsche ihren Urlaub im Süden, bevorzugt in Italien, zu verbringen. Zum einen wurde dies durch das sogenannte „Wirtschaftswunder“ ermöglicht, das den Arbeitern und Angestellten mehr Geld ins Portemonnaie spülte, zum anderen waren es viele entsprechende Schlager, die Sehnsucht nach Italien weckten. Friedel Hensch und die Cyprys hatten es 1953 in ihrem Schlager Ja, für eine Fahrt ans Mittelmeer bereits prognostiziert. So fuhren im Jahre 1956 etwa 4,5 Millionen Deutsche mit Heinkel-Rollern, VW Käfer und Goggomobil in den Süden auf der Suche nach einer „heileren Welt“. Möglicherweise hatte Rudi Schuricke mit dem bereits 1943 aufgenommenen, aber erst 1950 zum Hit avancierten Schlager Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt (auch bekannt geworden unter dem Titel Caprifischer) bereits den Grundstock für die Suche nach Harmonie, Süden, Meer und Glück gelegt. Arrivederci Roma und Addio, bella Napoli, gesungen von Lys Assia, Rocco Granata mit seinem Hit Marina oder auch die in Deutschland überaus populäre Caterina Valente mit Ciao, ciao Bambina sind nur wenige Beispiele. Caterina Valente nahm 1955 mit ihrem Bruder Silvio Francesco den Titel Steig in das Traumboot der Liebe gemeinsam auf und 1956 sang sie gemeinsam mit Peter Alexander den Titel Komm ein bißchen mit nach Italien, die ebenfalls das Fernweh der Deutschen bedienten und große Erfolge wurden. Auch in der DDR gab es Italien-Schlager, so zum Beispiel A-mi-amore von Günter Hapke.

Freddy Quinn, 1971

Seemannslieder und Meeresballaden hatten ebenso Hochkonjunktur. Zu nennen ist hier insbesondere Freddy Quinn, der wochenlang die Hitparaden mit seinen Schlagern Die Gitarre und das Meer, Junge, komm bald wieder und Unter fremden Sternen besetzt hielt. Er war der erfolgreichste Schlagersänger aller Zeiten, der 1956 mit dem Titel Heimweh gestartet war. Er verkaufte schnell Millionen von Schallplatten und sang auch beim ersten Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute Eurovision Song Contest) 1956 den Titel So geht das jede Nacht, der sich an Bill Haleys Rock Around the Clock anlehnte. Aber auch die Österreicherin Lolita mit ihrem Hit, der in japanische und in die US-Charts gelangte Seemann (deine Heimat ist das Meer) und Lale Andersen mit Unter der roten Laterne von St. Pauli, Blaue Nacht am Hafen, Wenn du heimkommst, Ein Schiff wird kommen oder Die kleine Bank im Alsterpark. Auch Hawaii und Südsee waren beliebte Motive im deutschen Schlager dieser Zeit, entsprechende Titel wurden zum Beispiel von Jimmy Makulis und vom Hula Hawaiian Quartett gesungen. In der DDR war zu dieser Zeit beispielsweise Jenny Petra mit Weiße Wolken, blaues Meer und Du populär.

Auch die gebürtige Belgierin Angèle Durand bediente das Fernweh der Deutschen und sang damals sehr erfolgreich zahlreiche Titel, die sich der Stadt Paris widmeten: z. B. So ist Paris; C’est magnifique; Melodie d’amour; Chanson d’amour; Er macht Musik am Montparnasse; Paris, du bist die schönste Stadt der Welt und andere.

Stellvertretend für die Schlager der frühen 1960er Jahre steht hier das 1962 von Mina gesungene und von Kurt Feltz getextete Stück Heißer Sand, dessen Text vieldeutig ist und dennoch – oder gerade deshalb – den Geschmack der Jugend dieser Zeit trifft:

„Schwarzer Tino, deine Nina war dem Rocco schon im Wort.
Weil den Rocco sie nun fanden, schwarzer Tino mußt du fort.
Heißer Sand und ein verlorenes Land und ein Leben in Gefahr,
Heißer Sand und die Erinnerung daran, daß es einmal schöner war.
Schwarzer Tino, deine Nina tanzt im Hafen mit den Boys.
Nur die Wellen singen leise, was von Tino jeder weiß.
Heißer Sand […]“

Ebenfalls zu erwähnen sind die damaligen Vorbilder der Teenager Conny Froboess (Zwei kleine Italiener) und Peter Kraus (Sugar Sugar Baby), die sowohl im Duett als auch solo mit mehreren Filmen und Schlagertiteln erfolgreich waren. Nicht minder erfolgreich war Ted Herold mit Titeln wie Ich bin ein Mann oder Moonlight. Die erste Girlgroup der deutschsprachigen Schlagermusik waren die Jacob Sisters, die mit dem Gartenzwerg-Marsch („Adelbert, Adelbert, schenk mir einen Gartenzwerg …“), der Coverversion eines Billy-Sanders-Titels, bekannt wurden.

Eine Besonderheit dieser Zeit war die besondere Bedeutung von Orchestern. Aufgrund der noch frühen Aufnahmetechniken und der noch in den Kinderschuhen steckenden Möglichkeiten der Tonmischung mussten bei den Schallplattenaufnahmen die Interpreten und die Orchester gleichzeitig im Studio die Aufnahmen einspielen. Bei einem Fehler musste der jeweilige Titel wieder komplett von Beginn an aufgezeichnet werden. Da auch das Auftreten mit Halbplayback noch nicht verbreitet war, fanden Fernsehauftritte und Auftritte bei den diversen Galas und Tourneen ebenfalls mit Orchester statt. Auch nach Fortschritten bei den Plattenaufnahmen hielt der Trend von Orchestern bei Live-Auftritten noch bis in die 1960er- und teilweise 1970er-Jahre an. Dies führte dazu, dass die entsprechenden Orchester und ihre Orchesterleiter häufig ähnliche Bekanntheit erlangten wie die Interpreten der Titel und oft auch mit eigenen Instrumentaltiteln Erfolg hatten. Bekannte Orchester dieser Zeit waren zum Beispiel die von Kurt Edelhagen, Willy Berking, Paul Biste, Werner Müller, Horst Jankowski, Johannes Fehring, Max Greger, Paul Kuhn, Hugo Strasser und Ambros Seelos. Während bei Plattenaufnahmen und Fernsehauftritten meist Big Bands der erwähnten Orchesterleiter spielten, wurden bei Tourneeproduktionen und Galaauftritten neben diesen Bigbands teilweise auch kleinere Combos eingesetzt, wie zum Beispiel das Jochen-Brauer-Sextett. Den Hintergrundgesang übernahmen häufig kleine Gesangsensembles, die nicht nur andere Schlagerinterpreten begleiteten, sondern teilweise auch eigene Schlagertitel sangen. Beispiele sind das Sunshine-Quartett (die auch als „Die Sunshines“ oder später als „Die Sunnies“ auftraten) und das um Peter Cornehlsen gegründete Cornel-Trio, das auch als „Die Cornels“ oder „Die Coronels“ auftrat.

Eines der erfolgreichsten Autorenteams für deutschen Schlager der Nachkriegsgeschichte waren Heinz Gietz und Kurt Feltz, die bis zu Beginn der 1980er-Jahre mit zahlreichen Schlagern für diverse Interpreten Erfolg hatten. Ein erfolgreicher Komponist und Textdichter dieser Zeit, der schon seit den frühen 1950er-Jahren erfolgreich war, war Heino Gaze. Weitere erfolgreiche Komponisten, Texter und Produzenten deutscher Schlager der 1950er-Jahre, die teilweise noch bis weit in die 1960er-Jahre in diesem Bereich tätig waren, waren Nils Nobach, Hans-Arno Simon, Ernst Bader, Walter Brandin, Karl Götz, Charly Niessen, Franz Rüger, Werner Twardy, Joe Menke, Artur Beul sowie Hans Bertram und seine Frau Lilibert, die noch bis in die 1970er-Jahre Schlager schrieben und produzierten.

Caterina Valente, 1966
Margot Eskens, 1961
Gerhard Wendland, 1963

Erfolgreiche Schlagerinterpreten dieser Zeit waren (in alphabetischer Reihenfolge, jeweils mit einigen ihrer größten Hits):

Die 1960er Jahre – Aufspaltung von Schlager und Popmusik

Udo Jürgens, 1966
Peggy March (mit Guus Oster), 1969
Roy Black, 1970
Manuela, 1971

Die Ära des Nachkriegsschlagers der Wirtschaftswunderjahre endete mit den ersten Erfolgen der Beatles in Deutschland mit Komm gib mir deine Hand und Sie liebt dich. Während zuvor nur Elvis Presley öfter die Phalanx der deutschen Nummer-1-Hits durchbrechen konnte, geschah dies jetzt immer öfter mit englischsprachigen Titeln. Die Beatmusik, der Rock und der Pop eroberten den deutschen Musikmarkt. Sie sprachen die „rebellische“ Jugend an und setzten sich auch mit politisch und gesellschaftlich kritischen Themen auseinander, während der Schlager weitestgehend unpolitische Inhalte thematisierte und für die Jugend zunehmend unattraktiv wurde.

Während die neuen Musikstile neue experimentelle Wege in Sprache und Musik einschlugen, blieb der Schlager deutschsprachig und knüpfte an bereits etablierte Rhythmen und Melodien an, die jedoch immer häufiger durch neue Einflüsse zeitgenössischer Popmusik beeinflusst wurden und so versuchte der Schlager eine vorsichtige Annäherung.

Bereits seit Ende der 1950er-Jahre und bis in die 1960er-Jahre hinein hatte Peter Kraus Erfolge mit deutschsprachigen Schlagern, die musikalisch eindeutig vom Rock ’n’ Roll inspiriert waren, wobei sie jedoch im Vergleich zum Original musikalisch und auch in der Präsentation deutlich gemäßigter waren. Auch andere Interpreten bezogen sich zumindest in ihren Texten auf neue musikalische Trend, so zum Beispiel Illo Schieder, die 1959 in ihrem Titel Teenager Mamie auf veränderte Mode und Musikgeschmack der Jugend einging.

Auch die nach der Rock-’n’-Roll-Welle Deutschland erfassende Beatwelle beeinflusste den deutschen Schlager. Teilweise zeigte sich das nur in Texten, die zum Beispiel auf Hippie-Bewegung und Flower-Power Bezug nahmen, dabei aber musikalisch dem Schlager-Genre treu blieben wie 1968 im Titel Flower-Power-Kleid von Wencke Myhre. Jedoch fanden sich schnell auch Interpreten, deren Titel sich auch musikalisch eindeutig von früheren Schlagern unterschieden und sich moderneren Klängen öffneten, so zum Beispiel Manuela, der Brite Graham Bonney und die US-Amerikaner Gus Backus, Connie Francis und Peggy March. Letztere nahm 1969 in ihrem Titel In der Carnaby Street auch direkten Bezug auf London als Zentrum der neuen Musikstile.

Aber nicht nur Interpreten aus englischsprachigen Ländern sollten den Schlager trotz des Verbleibens bei deutschen Texten musikalisch modernisieren sowie in Kleidungsstil und Auftreten internationaler wirken. Auch Interpreten aus anderen Ländern sollten immer öfter dem Schlager (manchmal auch verbunden durch die mit ihrer Herkunft verbundene Aussprache der deutschen Texte) mehr internationales Flair verleihen. Beispiele sind die Italiener Rita Pavone, Peppino di Capri und Vittorio Casagrande, die Franzosen France Gall, Sacha Distel und Gilbert Bécaud, die Niederländerinnen Corry Brokken und Greetje Kauffeld, die Südamerikaner Billy Mo und Carlos Otero sowie zahlreiche weitere. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich insbesondere skandinavische Sängerinnen aus Dänemark, Schweden und Norwegen, die in den 1960er Jahren mit musikalisch wie textlich modernen deutschen Schlagern Erfolge feierten und diese teilweise bis weit über die 1960er-Jahre hinaus fortsetzen konnten. Zu nennen sind beispielsweise Siw Malmkvist, Wencke Myhre, Gitte Hænning, Vivi Bach, Dorthe, Kirsti und Lill-Babs.

Während diese Vertreter zwar Musik und Auftreten modernisierten, blieben sie jedoch eindeutig dem Schlager verwurzelt. Es gab jedoch auch Ausnahmen, die eindeutiger von der Beatwelle beeinflusst waren und deren Arrangements deutlich rockiger waren, als man das bislang von Schlagern gewohnt war. Ein Beispiel ist Drafi Deutscher, der 1965 mit Marmor, Stein und Eisen bricht einen Titel präsentierte, der eindeutig nicht mehr dem klassischen Schlager zuzuordnen war. Auch in Texten wurden jetzt teilweise ernste Themen behandelt, die man aus der Schlagermusik bislang nicht kannte, so zum Beispiel 1968 in Mein Freund, der Baum von Alexandra.

Die teilweisen Modernisierungen des Schlagers in Musik, Texten und Präsentation führten jedoch nicht zu einer völligen Abkehr von der bisherigen Schlagermusik, sondern verbreiterten durch mehr musikalische Vielfalt seine Basis. Es gab parallel zu den neuen Schlagerströmungen auch Schlager, die bewusst traditionellerer Schlagermusik folgten. So zum Beispiel der Aufstieg von Roy Black, der zahlreiche Hits landen konnte, oder auch der Kinderstar Heintje, der von 1967 bis in die 1970er-Jahre äußerst erfolgreich war.

Insgesamt blieb vorherrschendes Thema der Schlagermusik, dass sie vor allem unterhalten sollte. So sagte Peter Alexander, der nicht nur als Schlagersänger, sondern auch als Schauspieler und Moderator von Unterhaltungsshows im Fernsehen über Jahrzehnte zu den führenden Vertretern der deutschsprachigen Entertainmentbranche gehörte, einmal „Ich bin nicht dazu da, den Leuten auch noch nach Feierabend ihre Probleme aufzutischen.“ So war im Bereich der Unterhaltungsmusik der deutsche Schlager zwar seit den 1960er-Jahren der Konkurrenz durch englischsprachige Popmusik ausgesetzt, blieb jedoch letztlich erfolgreich.

Auch in den 1960er-Jahren gab es weiterhin kleine Gesangsensembles mit meist maximal sechs bis sieben Mitgliedern, die traditionelle Schlagertitel sangen, aber teilweise auch als Chor bei den Schlagern anderer Solisten mitwirkten; bekannte Beispiele waren der Botho-Lucas-Chor und der Günter Kallmann Chor.

Einer der erfolgreichsten Komponisten und Produzenten von Schlagern der 1960er- & 1970er-Jahre ist Christian Bruhn. Darüber hinaus war er für zahlreiche Film- und Fernsehmusikkompositionen verantwortlich. Ein weiterer erfolgreicher Schlager-Komponist und -Produzent der 1960er- und 1970er-Jahre war Hans Blum, der bereits in den 1950er-Jahren als Bandleader und mit seinem Gesangsensemble Hansen-Quartett erfolgreich war und sowohl unter seinem Namen als auch unter dem Künstlernamen Henry Valentino ebenfalls als Schlagersänger erfolgreich war. Auch Fred Weyrich, der zunächst als Bandleader, Radiomoderator und Sänger tätig war, wurde später als Texter und Produzent zahlreicher Schlager bekannt. Weitere erfolgreiche Autoren von Schlagern der 1960er-Jahre (und 1970er-Jahre) waren Kurt Hertha, Henry Mayer, Hans Hee, Rolf Arland sowie die häufig zusammen arbeitenden Werner Scharfenberger und Fini Busch.

Das sich immer weiter verbreitende Fernsehen mit seinen frühen Unterhaltungssendungen, in denen auch immer wieder Schlagerinterpreten auftraten, trug zur weiteren Verbreitung der Schlagermusik bei. So entstanden auch erste reine Musiksendungen: Von 1961 bis 1976 moderierte Chris Howland, der auch selbst als Schlagersänger erfolgreich war, die Musiksendung Musik aus Studio B, in der zahlreiche Schlagerinterpreten auftraten.

Von den zahlreichen Sängerinnen und Sängern jener Zeit seien hier einige genannt (die Aufzählung enthält keine Wertung und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit):

Gleichzeitig versuchten sich viele Sportler als Schlagersänger. Während der Hürdenläufer Martin Lauer bereits in den Jahren zuvor mit einer gewissen Musikalität und Liedern wie Taxi nach Texas und Ich sitz’ so gern am Lagerfeuer erfolgreich war, waren die Erfolge der Eiskunstläufer Marika Kilius Wenn die Cowboys träumen, Hans-Jürgen Bäumler Honeymoon in St. Tropez und Manfred Schnelldorfer Wenn du mal allein bist sowie der Fußballspieler Franz Beckenbauer Gute Freunde und des Torwarts Petar Radenković Bin i Radi, bin i König wohl lediglich ihrer sportlichen Laufbahn zu verdanken. In Österreich waren es die Skifahrer Karl Schranz und Toni Sailer mit Tiroler Hula Hup.

Die 1970er Jahre (1968–1980)

Udo Jürgens, 1987
Mireille Mathieu in der Musikhalle Hamburg, 1971

Ein Bruch kam mit den linksgerichteten Studenten- und Bürgerbewegungen 1968.

Doch in den 1970er Jahren blühte der Schlager nochmals auf, was auch auf die zunehmende Verbreitung von Fernsehgeräten (Olympische Spiele München 1972; Fußball-Weltmeisterschaft 1974) und damit einhergehenden einschlägigen Musiksendungen zurückzuführen war. Die von Dieter Thomas Heck moderierte ZDF-Hitparade präsentierte ab 1969 monatlich alte und neue Interpreten und Lieder und wurde ein großer Erfolg beim Fernsehpublikum. Dabei war oft Udo Jürgens mit seinen zahlreichen Hits (Zeig mir den Platz an der Sonne / Griechischer Wein / Ein ehrenwertes Haus / Aber bitte mit Sahne / Mit 66 Jahren) zu Gast.

Gerade in den 1970er Jahren war die Anzahl der Schlager-One-Hit-Wonder enorm hoch. Auch wenn die von Media Control wöchentlich ermittelte „Top-10“ der meistverkauften Titel in Deutschland immer häufiger englischsprachige Songs auf den vorderen Plätzen ermittelte, schien der Schlager doch eine sichere Position im Musikgeschmack der Deutschen einzunehmen. Die ab 1971 von Ilja Richter im ZDF moderierte Sendung Disco griff daher anfänglich auf einen Mix aus nationalen und internationalen Sängern zurück. Doch die aufkommende Disco-Welle sorgte auch in Deutschland für einen veränderten Musikgeschmack. Die Schlagersänger nahmen sich teilweise der neuen und vor allem schnelleren Rhythmen an und versuchten, diese auf das Konzept der Schlagermusik zu übertragen. Hierbei blieb allerdings auch der Aufwand auf der Strecke, der bis dahin in die Schlagerproduktion gesteckt worden war. Wurden früher noch ausgefeilte Arrangements geschrieben und mit einer Studio-Combo – oft auch noch mit Hintergrundchor – eingespielt (zum Beispiel Dann schon eher der Piano-Player von France Gall), so übernahm mehr und mehr ein einfacher Synthesizer die gesamte Begleitung des Interpreten. Dadurch verloren die einzelnen Titel ihre besondere Unverwechselbarkeit zugunsten einer schnellen und preisgünstigen Produktion.

Mit dem Wiederaufblühen des Schlagers vermehrte sich unter dem abwertenden Begriff Schnulze auch die Kritik. Schon 1968 reduzierte ORF-Generalintendant Gerd Bacher im sogenannten Schnulzenerlass drastisch die Quote deutschsprachiger Musik auf Ö3. Stattdessen entstand dort etwas später die Sendung Das Schnulzodrom mit Moderator Haymo Pockberger, der neue deutsche Schlager mit eigenen Reimen spöttisch kommentierte und sich regelmäßig mit „Auf Wiederweinen!“ verabschiedete. 1974 erschien mit dem erfolglosen Zwei im siebten Himmel der letzte konventionelle Schlagerfilm. Aufgrund der zunehmenden Kritik schrieb, veranlasst von Dieter Thomas Heck, im selben Jahr Jack White den Titel Wir lassen uns das Singen nicht verbieten, den Tina York erfolgreich interpretierte.

Drei Komponisten und Produzenten, die seit den 1970er-Jahren bis weit in die 2010er-Jahre das Schlagergeschäft geprägt haben und über Jahrzehnte zahlreiche Erfolge mit diversen Interpreten verbuchen konnten, sind Ralph Siegel, der mit seinen Kompositionen auch zahlreiche Teilnahmen beim Eurovision Song Contest bestritt, Jean Frankfurter, der nicht nur im Bereich des Schlagers, sondern auch in der volkstümlichen Musik erfolgreich war, sowie Jack White, der nicht nur im Schlagerbereich aktiv war, sondern auch im Bereich englischsprachiger Musik zahlreiche internationale Erfolge feierte. Auch Michael Holm war nicht nur als Interpret erfolgreich, sondern hat auch als Autor und Produzent für Kollegen gearbeitet. Ab den 1970er-Jahren schrieb Irma Holder in den nächsten fünf Jahrzehnten rund 1000 Schlagertexte für viele bekannte Interpreten.

Obwohl in den 1970er-Jahren der Schlager deutlich seine Charakteristik änderte, waren im Fernsehen auch die Schlagerstars der 1950er- und 1960er-Jahre in nostalgisch geprägten Musiksendungen weiterhin präsent. So präsentierte der selbst als Schlagersänger erfolgreiche Lou van Burg von 1976 bis 1982 im ZDF unter wechselnden Titeln jährliche Musiksendungen, in denen die Schlagerstars der 1950er- und 1960er-Jahre nochmal mit einem großen Orchester und Ballett auftraten. Die erste dieser Sendungen war zunächst nur als einmalige Sendung geplant, der jedoch aufgrund des anhaltenden Erfolgs weitere sechs Sendungen folgten. Auch in anderen Sendungen der 1970er- und frühen 1980er-Jahre waren immer wieder diese frühen Interpreten des Schlagers zu Gast, so zum Beispiel auch in der Reihe Musik ist Trumpf.

Roberto Blanco (links), Karel Gott (Mitte), Bata Illic (rechts), 1971
Jürgen Marcus, 1974
Rex Gildo, 1975
Chris Roberts, 1976

Bekannte Schlager-Interpreten der 1970er-Jahre waren (in alphabetischer Reihenfolge und mit einigen ihrer größten Hits):

Die 1980er Jahre

Roland Kaiser, 2016

Ab Anfang der 1980er setzte die sogenannte Neue Deutsche Welle (NDW) ein, die mit dem Genre Schlager anfangs nur wenig gemeinsam hatte und deren Kommerzialisierung durch Interpreten wie Nena, Markus oder Fräulein Menke dem Erfolg des klassischen Schlagers stark zusetzten. Auch englischsprachige Popmusik wurde immer populärer und so wurden immer mehr Schlager aus der Media-Control-Hitparade zugunsten von Titeln der Neuen Deutschen Welle und englischsprachigen Titeln verdrängt und auch im Radio wurden immer weniger Schlager gespielt.

In der Folge versuchten sowohl einige Schlager-Interpreten als auch die Musikindustrie, den Schlager in den zahlreichen Fernsehsendungen der volkstümlichen Musik neu zu positionieren. Jedoch hatten auch in den 1980er-Jahren zahlreiche Schlagerinterpreten weiterhin Erfolge, so dass der Schlager auch ohne die Dominanz, die ihm vorher zukam, erfolgreich war. Und spätestens mit dem Ende der nur kurz währenden Neuen Deutschen Welle um 1984 konnte der Schlager seine Rolle als bedeutende deutsche Musikrichtung neben der englischsprachigen Popmusik behaupten.

So hatte Howard Carpendale, der bereits in den 1970er-Jahren zahlreiche Hits landen konnte, im Jahr 1984 mit dem Titel Hello Again einen großen Erfolg. Auch Roland Kaiser, der bereits in den 1970er-Jahren mit Titeln wie Sieben Fässer Wein (1977), Amore Mio (Amada Mia, Amore Mio) (1978) und Schach Matt (1979) große Erfolge feierte, konnte in den 1980er-Jahren zahlreiche weitere Hits in den Hitparaden platzieren. So zum Beispiel Santa Maria (1980), Lieb’ mich ein letztes Mal (1981), Dich zu lieben (1981), Manchmal möchte ich schon mit dir (1982), Wohin gehst du? (1982), Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben (1984), Joana (1984), Flieg mit mir zu den Sternen (1985) und Ich glaub es geht schon wieder los (1988).

Roger Whittaker, 1971

Auch der britische Sänger und Kunstpfeifer Roger Whittaker, der bereits in den 1970er-Jahren mit Titeln wie Du warst mein schönster Traum (The Last Farewell) (1975), Das alte Schiff (River Lady) (1976) und Indian Lady (1977) erste Erfolge in Deutschland feierte, war in den 1980er-Jahren regelmäßig in den Hitparaden und häufiger Gast in Musiksendungen. Während seine Erfolge der 1970er-Jahre stilistisch eher in den Bereich britisch-irischer Folk-Musik gehörten, die er zunächst auf Englisch und dann auf Deutsch sang, wechselte er aufgrund seines großen Erfolgs in Deutschland in den 1980er-Jahren stilistisch immer mehr ins Schlager-Genre. Zu seinen größten Erfolgen der 1980er-Jahre zählen Albany (1981), Wenn es dich noch gibt (1983), Tanz heut Nacht mit mir (1983), Abschied ist ein scharfes Schwert (1984), Eloisa (1984), Leben mit dir (1985) und Ein bisschen Aroma (1986).

Ingrid Peters, die bereits 1976 mit dem Titel Komm doch mal rüber in den Hitparaden vertreten war, hatte in den 1980er-Jahren noch mehrere Hits, wie beispielsweise Weißt du, wo du hingehst? (1980), Afrika (1983) und Über die Brücke geh’n (1986), mit dem sie auch beim Eurovision Song Contest 1986 teilgenommen hat. Auch Nana Mouskouri, die bereits in den frühen 1960er-Jahren mehrere Nummer-1-Hits hatte und auch in den 1970er-Jahren Erfolge feierte, war bis weit in die 1980er-Jahre erfolgreich mit Titeln wie La Provence (du blühendes Land) (1981) und Aber die Liebe bleibt (1985) in den Hitparaden vertreten.

Nachdem sie in den 1970er-Jahren ihre größten Hits hatte, konnte auch Juliane Werding in den 1980er-Jahren noch einige Hitparaden-Erfolge platzieren, so zum Beispiel Nacht voll Schatten (1983), Sonne auf der Haut (1984), Stimmen im Wind (1986). Hanne Haller hatte bereits in den 1970er-Jahren erste Singles herausgebracht, hatte ihre größten Erfolge jedoch in den 1980er-Jahren mit Titeln wie Samstag Abend (1981), Weil Du ein zärtlicher Mann bist (1981) und Mein lieber Mann (1989). Als Komponistin, Texterin und Produzentin schrieb und produzierte sie auch für andere Schlagerinterpreten. Erste Erfolge hatte auch Isabel Varell, die seit den 1980er-Jahren regelmäßig neue Schlager herausbringt, aber auch als Schauspielerin und seit den 1990er-Jahren auch als Moderatorin verschiedener Fernsehsendungen erfolgreich ist.

Nicole, 2010

Eine der erfolgreichsten Schlagersängerinnen der 1980er-Jahre war Nicole mit Titeln wie Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund (1981), Der alte Mann und das Meer (1981), Ein bißchen Frieden (1982), Papillon (1982), Ich hab’ dich doch lieb (1983), Wenn die Blumen weinen könnten (1983), Laß mich nicht allein (1986), Ein leises Lied (1991), Mit dir vielleicht, vielleicht auch nicht (1992) und Wirst du mich lieben (1999).

Ein erfolgreicher Schlagersänger der 1980er-Jahre war Andy Borg, der später auch als Moderator diverser Fernsehsendungen Erfolg hatte. Zu seinen Hits zählen Titel wie Adios Amor (1982), Arrivederci Claire (1982), Die berühmten drei Worte (1982), Ich will nicht wissen, wie Du heißt (1984) und Barcarole vom Abschied (1984). Weitere erfolgreiche Schlagersänger der 1980er-Jahre waren Tommy Steiner, der seine größten Erfolge 1983 und 1984 mit Die Fischer von San Juan, Das Märchen von Rhodos und Das ewige Feuer hatte, sowie Nino de Angelo, zu dessen größten Erfolgen Jenseits von Eden (1983) und Flieger (1989) gehören. Das Brüder-Duo Hoffmann & Hoffmann hatte bereits 1977 einen Erfolg mit dem Titel Himbeereis zum Frühstück, worauf in den 1980er-Jahren weitere Hits folgten, so zum Beispiel Alles, was ich brauche, bist du (1980) und Rücksicht (1983).

Im Jahr 1985 hatte der niederländische Sänger Benny Neyman einen großen Erfolg mit dem Titel Dann ruf’ ich wieder Deinen Namen, der deutschen Fassung seines größten niederländischen Hits, der auch in Deutschland sein größter Erfolg wurde. Zwei Jahre später hatte er noch Erfolg mit Titeln wie Laß mich träumen, Im Himmel darf man sich nicht küssen und Lieder sind manchmal so schön, bevor er sich später wieder ganz der niederländischen Musik widmete. Ebenfalls 1985 hatte Ibo mit dem Titel Ibiza seinen Durchbruch. Es folgten weitere Erfolge mit Titeln wie Bungalow in Santa Nirgendwo (1987), Das schaffst du nicht (1987) und An deiner Stelle nähm’ ich mich (1989).

Andreas Martin war seit den 1980er-Jahren nicht nur als Schlagersänger aktiv und hatte Erfolge mit Amore mio (1982), Du bist alles (1987), Nur bei dir (1989) und Herz an Herz (1989), sondern war auch als Komponist und Produzent für andere Interpreten in diesem Bereich tätig. Ein weiterer Schlagersänger, der auch als Komponist, Texter und Produzent für andere Schlagerinterpreten tätig war, war Jürgen Renfordt, der seine größten Hits als Sänger mit Zu verkaufen: Ein schneeweißes Brautkleid (1988) und Du hast ihre Augen (1989) hatte. Auch G. G. Anderson war nicht nur als Interpret mit Titeln wie Mama Lorraine (1981), Cheerio (1981), Am weißen Strand von San Angelo (1984), Santa Lucia – versunken im Meer (1985), Sommernacht in Rom (1985), Mädchen, Mädchen (1986) und Sommer – Sonne – Cabrio (1989) erfolgreich, sondern war auch als Komponist und Produzent für andere Schlagerinterpreten tätig.

Eine erfolgreiche Schlager-Band der 1980er-Jahre war Wind, die mit Titeln wie Für alle (1985) und Laß die Sonne in dein Herz (1987) erfolgreich war. Einen stilistischen Wandel zu mehr Synthesizer-Musik im Schlager leitete die Band Die Flippers ein. Sie setzten auf elektronisch erzeugte Musik in einem Maße, wie es vorher nicht gekannt wurde und machten dies zu ihrem unverwechselbaren Sound. Bereits Ende der 1960er-Jahre und Anfang der 1970er-Jahre hatten sie erste Erfolge mit Titeln wie Weine nicht, kleine Eva (1969) und Sha La La, I Love You (1970). Nachdem es etwas ruhiger um die Band geworden war, hatten sie dann in den 1980er-Jahren wieder viele Erfolge mit Titeln wie Die rote Sonne von Barbados (1986), Mexico (1987), St. Tropez (1988) und Lotosblume (1989). Bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2011 hatten sie noch einige weitere Erfolge, so z. B. Sieben Tage (1990), Mona Lisa (1991) und Wir sagen danke schön (2009).

Neben dem Trend zum vermehrten Einsatz von Synthesizern und anderen elektronischen Musikinstrumenten brachten die 1980er auch eine stilistische Öffnung des Schlagers für andere musikalische Genres. Ein Beispiel ist die deutschsprachige Country-Musik, die musikalische Elemente US-amerikanischer Country-Musik und des Country-Pop mit deutschen Texten kombinierte und damit auch im deutschen Schlagerbusiness erfolgreich war. Ein bedeutender Vertreter war die Band Truck Stop, die bereits seit Ende der 1970er-Jahre mit Titeln wie Ich möcht’ so gern Dave Dudley hör’n (1977), Take It Easy, altes Haus (1979) und Der wilde, wilde Westen (1980) Erfolge feierte und Musiksendungen, die bis dato dem deutschen Schlager vorbehalten waren, auch für dieses Genre öffnete.

Während Truck Stop stilistisch noch sehr stark der US-amerikanischen Country-Musik verhaftet war, hatten in der Folge andere Interpreten Erfolge, die Country-Musik und Schlager vermischten. So zum Beispiel Tom Astor, der zunächst Schlager sang und sich dann seit den frühen 1980er-Jahren dem deutschen Country-Schlager widmete. Im Jahr 1984 gelang ihm der Durchbruch mit dem Titel Hallo, guten Morgen Deutschland, der ihn in zahlreiche Schlagersendungen brachte, wo sich Astor als Sänger des deutschen Country-Schlagers fest etablieren konnte und zum Beispiel 1993 mit Flieg junger Adler einen weiteren Hit landen konnte. Auch Gunter Gabriel, der sich schon seit den 1970er-Jahren stilistisch zwischen Schlager, Country und Rock bewegt hatte, widmete sich nun verstärkt der deutschen Country-Musik und Renate Kern, die in den 1960er- und 1970er-Jahren reinen Schlager sang, widmete sich nun unter dem Namen Nancy Wood der Country-Musik, setzte dabei jedoch zur Hauptsache auf englische Texte.

Die 1990er Jahre

Guildo Horn, 2004

In den 1990er Jahren gab es in Deutschland, ausgelöst durch eine Retrowelle, in der „alte Modetrends“, also Musik, Kleidung und Accessoires der 1970er Jahre, wieder populär wurden, ein Schlager-Revival, zum Beispiel durch Guildo Horn, Dieter Thomas Kuhn oder Petra Perle. Seit 1997 findet jedes Jahr in Hamburg-St. Pauli der Schlagermove statt, auf dem Partyschlager und Klassiker des deutschen Schlagers ab den 1970er Jahren gespielt werden. Ebenfalls 1997 wurde erstmals in Deutschland eine Formathitparade für Titel dieses Genres eingeführt. Die „Deutschen Schlager Charts“ erschienen in ihrer ersten Ausgabe im November 1997 mit Unterstützung von Uwe Hübner (damals Moderator der ZDF-Hitparade). Hier fanden sich Titel des Schlager-Revivals, „klassische Schlager“ sowie deutschsprachige Popnummern unter einem Dach vereint. Die Offiziellen Deutschen Schlagercharts wurden von 2001 bis 2015 durch Media Control und seit 2015 durch die GfK Entertainment publiziert, wo sie als reine Verkaufscharts geführt werden.

Erfolgreiche Schlagersängerinnen der 1990er-Jahre waren Claudia Jung, Rosanna Rocci, Michelle und Kristina Bach, die auch als Produzentin, Komponistin und Texterin Erfolge feierte. Alle vier sind noch heute (Stand: 2024) erfolgreich im Schlagergeschäft. Die Fernsehmoderatorin Uta Bresan ist ebenfalls seit den 1990er-Jahren als Schlagersängerin aktiv. Auch Michael Morgan, Oliver Thomas, Olaf Berger sowie das Bruder-Duo Brunner & Brunner, die ihre Karrieren in den 1990er-Jahren begannen, konnten sich langfristig im Schlagergeschäft etablieren. In den 1990ern waren auch Wolfgang Petry, der bereits ab Mitte der 1970er-Jahre erste Erfolge hatte, und Peter Sebastian, der bereits in den 1980er-Jahren seine Schlagerkarriere begann, auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren. Auch die Schlagerband Fernando Express hatte in den 1990er-Jahren ihren Durchbruch. Der Schweizer Schlagersänger Leonard, der bereits in den 1980er-Jahren als Schlagersänger anfing, konnte in den 1990er-Jahren erste Erfolge feiern und ist bis in die 2020er-Jahre als Schlagersänger aktiv.

Patrick Lindner, 2018

In den 1990er Jahren begann auch die Blütezeit des volkstümlichen Schlagers. Dessen Entwicklung begann bereits in den 1970er und 1980er Jahren mit Sendungen wie Lustige Musikanten (1971–2007) und dem Musikantenstadl (1981–2015). In der Folge vermischte sich traditionelle Volksmusik immer öfter mit Stilelementen, Instrumenten und Arrangements des Schlagers zum neuen volkstümlichen Schlager. In den 1990er Jahren wurden zahlreiche entsprechende Fernsehformate etabliert, die bis weit in die 2000er Jahre großen Erfolg bei den Zuschauern hatten, wie zum Beispiel der Grand Prix der Volksmusik (1986–2010), Kein schöner Land (1989–2007), Zauberhafte Heimat (1993–2006), Straße der Lieder (1995–2007) und die Musikantenscheune (1995–2003). Zu den erfolgreichsten Interpreten dieses Genres zu jener Zeit zählten beispielsweise Maria und Margot Hellwig, Marianne und Michael, Gitti und Erika, Uschi Bauer und die Wildecker Herzbuben. Teilweise wechselten auch Interpreten vom traditionellen Schlager zum volkstümlichen Schlager, so wie Mel Jersey, der bereits seit Anfang der 1970er Jahre als Schlagersänger und Produzent erfolgreich war und seit Mitte der 1980er Jahre gemeinsam mit seiner Frau als Judith und Mel im Bereich des volkstümlichen Schlagers tätig war. Umgekehrt wechselten später auch Interpreten des volkstümlichen Schlagers zum eher klassischen Schlager und vermischten damit die Grenzen zwischen diesen beiden Genres weiter, so zum Beispiel Patrick Lindner.

2000er Jahre bis heute

Helene Fischer, 2013
Beatrice Egli, 2017

Die ZDF-Hitparade wurde im Dezember 2000 eingestellt. Doch auch im neuen Jahrtausend feierte der Schlager Erfolge. So wiesen Alben der Schlagersängerinnen Helene Fischer, Andrea Berg, Vanessa Mai, Linda Feller, Ute Freudenberg, Maite Kelly, Anna-Maria Zimmermann, Ella Endlich und Beatrice Egli Erfolge aus. Seit den frühen 2000er-Jahren ist auch Uwe Busse als Schlagersänger erfolgreich, der bereits in den 1980ern als Schlagersänger tätig war, sich danach jedoch zunächst als Produzent, Komponist und Texter für verschiedene andere Interpreten (u. a. Die Flippers, Roland Kaiser und weitere) etablierte. Auch Nik P. ist sowohl als Komponist als auch Sänger von Schlagermusik erfolgreich. Auch das Schlagerduo Fantasy ist seit den 2010er-Jahren erfolgreich. Ein weiterer erfolgreicher Schlagersänger ist Michael Heck. Teilweise gibt es auch Interpreten, die neben anderen Musikgenres auch Schlager präsentieren wie zum Beispiel Ross Antony. Seit 2020 ist Ramon Roselly als Schlagersänger erfolgreich.

„Gitte, Wencke, Siw – Die Show“, 2005

Von 2004 bis 2007 tourten die Schlagersängerinnen Gitte Hænning, Wencke Myhre und Siw Malmkvist, die bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren große Schlager-Erfolge hatten, mit ihrer Tour Gitte, Wencke, Siw – Die Show erfolgreich durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Danach widmeten sie sich wieder ihren Solo-Karrieren.

Auch Udo Jürgens, der seit den 1960er-Jahren große Erfolge feierte, tourte regelmäßig mit seiner Stammband, der Pepe Lienhard Band, mit großem Erfolg durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, wo er neben neuen Kompositionen auch stets seine alten Hits der letzten Jahrzehnte präsentierte. Seine 25. Tournee konnte er nicht mehr beenden, da er im Dezember 2014 in der Weihnachtspause zwischen zwei Tourneeblöcken im Alter von 80 Jahren verstarb.

Mary Roos, 2015
Ireen Sheer, 2018

Auch andere Schlagerinterpreten der 1960er- und 1970er-Jahre waren noch lange im Musikgeschäft tätig, bevor sie nach mehreren erfolgreichen Jahrzehnten ihre Karriere beendeten. Mary Roos verabschiedete sich 2020 mit 70 Jahren von ihrem Publikum. Die knapp zwei Monate jüngere Ireen Sheer beendete ihre Gesangskarriere 2023. Während beide freiwillig ihre Karrieren aufgrund ihres Alters beendeten, musste Jürgen Drews im Jahr 2022 seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen beenden.

Peggy March, die seit den 1960er-Jahren im Musikbusiness erfolgreich ist, tritt weiterhin auf und veröffentlicht regelmäßig neue Titel (Stand: Dezember 2024). Auch Roland Kaiser, dessen Durchbruch in den 1970er-Jahren war, feiert nach wie vor große Erfolge; er hat Live-Auftritte in großen Hallen und seine Alben können hohe Chartpositionen erzielen und werden mit goldenen Schallplatten und Platin-Schallplatten geehrt (Stand: Dezember 2025). Seit der Auflösung der Band Die Flippers tritt deren ehemaliges Mitglied Olaf Malolepski solo als Olaf der Flipper auf und singt sowohl alte Hits der Flippers als auch neue Titel.

Max Raabe, 2018

Max Raabe dagegen feiert (auch international) Erfolge mit Schlagern der 1920er und 1930er Jahre, die er vor allem mit seinem Palast Orchester vorträgt.

Bereits Ende der 1980er Jahre wurde der deutsche Schlager unter anderem von der Punkband Die Toten Hosen unter ihrem Pseudonym Die Roten Rosen mit dem Album Never Mind The Hosen – Here’s Die Roten Rosen auch in der Rockmusik rezipiert. Tom Angelripper, Sänger und Bassist der Metal-Band Sodom spielte 2011 gemeinsam mit Roberto Blanco auf dem Wacken Open Air, wo sie eine Metal-Version von Blancos Hit Ein bißchen Spaß muß sein vortrugen. 2013 trat Heino dort gemeinsam mit Rammstein mit ihrem Titel Sonne auf.

Seit den späten 1990er Jahren hat sich der sogenannte Partyschlager beziehungsweise die Partymusik etabliert (auch „Ballermann-“, „Après-Ski-“ und „Oktoberfest-Musik“ genannt), die Schlager mit Elementen von (Euro-)Dance kombiniert und sich in den 2000er Jahren etablieren konnte. Seit 2006 wird dafür der Ballermann-Award verliehen, seit 2011 werden in Kategorien des Smago! Award Partyschlager prämiert. Einer der bekanntesten und populärsten Interpreten des Partyschlagers war Jürgen Drews, der bereits in den 1970er-Jahren zunächst als Mitglied der Les Humphries Singers und später als Solist mit klassischen Schlagern erfolgreich war. Er prägte maßgeblich das Genre des Partyschlagers und war in diesem Bereich erfolgreich, bis er 2022 seine Karriere beendete. Weitere erfolgreiche Interpreten des Partyschlagers sind DJ Ötzi, Jürgen Milski, Markus Becker, Mickie Krause, Tim Toupet und Isi Glück.

Der Anteil der Schlagermusik wurde – basierend auf Umfrageergebnissen innerhalb des Zielpublikums – in den Radioprogrammen der ARD reduziert. Andererseits haben sich einige deutschsprachige Internetradiosender spezialisiert, ausschließlich für Schlagerfans zu senden. Inzwischen hat der Privatfunk den Schlager zurück ins Radio gebracht. Mit Schlager Radio gibt es einen Sender, der sowohl über UKW wie auch DAB+ sein Programm in Deutschland über Sendetürme terrestrisch ausstrahlt.

Eine 2014 veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der dpa ergab, dass 55 Prozent (51 % der Männer und 59 % der Frauen) deutschsprachigen Schlager mögen. Beliebt ist er besonders bei den über 55-Jährigen (77 %), während bei den 18- bis 24-Jährigen lediglich 29 Prozent Gefallen daran finden, zudem gibt es ein Bildungsgefälle (Abiturienten 46 %, Haupt- oder Volksschulabschluss 65 %). Heutzutage wird auch immer häufiger der Begriff „Popschlager“ mit modernem Schlager gleichgesetzt und findet zahlreiche Anhänger.

Auch im Fernsehen werden wieder vermehrt Schlager präsentiert und es gibt auch Formate, die sich schwerpunktmäßig dem (Pop-)Schlager widmen, wie zum Beispiel die von 2004 bis 2021 ausgestrahlte Sendung Willkommen bei Carmen Nebel sowie die seit 2018 gezeigte Sendung Schlager-Spaß mit Andy Borg oder die dem (Pop-)Schlager zumindest viel Raum einräumen, wie die Giovanni Zarrella Show seit 2021 und die Beatrice Egli Show von 2022 bis 2025.

Schlagerfilme (Auswahl)

Die Popularität des Schlagers wirkte auch im Film nach: es entstanden Dutzende Schlagerfilme, in denen jeweils mehrere Schlager gesungen wurden. Die Original-Interpreten der Schlager wurden teilweise mit eigenen Rollen in die Handlung integriert, sangen jedoch oft auch nur in einer Nebenrolle ihre Titel. Die Handlung hat meist viele komödiantische Elemente und orientiert sich bei den frühen Beispielen an der Operette und dem Operettenfilm oder dem Revuefilm; später wird sie dann häufig von verliebten jungen Leuten und eher verständnislosen Erwachsenen dominiert. Die Blütezeit des Schlagerfilms waren die 1950er- und 1960er-Jahre; nach einigen letzten Schlagerfilmen bis zur Mitte der 1970er-Jahre war die Zeit dieses Genres vorbei.

Eine Auswahl einiger Schlagerfilme:

Siehe auch

Literatur

Dokumentarfilme

Terra X History:

Commons: Schlager – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Schlager – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Schlager – Zitate

Einzelnachweise

  1. ↑ Hans H. Eggebrecht: Terminologie der Musik im 20. Jahrhundert. Handwörterbuch der Musikalischen Terminologie. Franz-Steiner-Verlag, 1995, S. 392.
  2. 1 2 Stichwort: Schlager In: Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden. Band 24. 21. völlig neu bearbeitete Auflage. F. A. Brockhaus, Leipzig / Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, Mannheim 2006. ISBN 3-7653-4124-X. S. 283.
  3. ↑ Stichwort: Schlager In: Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden. Band 24. 21., völlig neu bearbeitete Auflage. F. A. Brockhaus, Leipzig / Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, Mannheim 2006. ISBN 3-7653-4124-X. S. 284.
  4. ↑ Peter Wicke: Stichwort: Schlager. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart – Allgemeine Enzyklopädie der Musik begründet von Friedrich Blume. Zweite, neubearbeitete Ausgabe, Sachteil 8. Bärenreiter, Kassel / Metzler, Stuttgart 1998. ISBN 3-7618-1109-8 (Bärenreiter) / ISBN 3-476-41008-0 (Metzler). S. 1064.
  5. ↑ Wolther Irving: Kampf der Kulturen – Der „Eurovision Song Contest“ als Mittel national-kultureller Repräsentation. Königshausen & Neumann, 2006, S. 88 ff.
  6. ↑ Schlager. duden.de; abgerufen am 28. Juni 2014.
  7. ↑ Zündende Melodie – Schlager nennt sie der Wiener. In: Nat.-Ztg., 34, Wien 1881, S. 526.
  8. ↑ Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 652.
  9. ↑ Schlager. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 28. Juni 2014
  10. ↑ Frederick Noad: The Renaissance Guitar. (= The Frederick Noad Guitar Anthology. Teil 1) Ariel Publications, New York 1974; Neudruck: Amsco Publications, New York / London / Sydney, UK ISBN 0-7119-0958-X, US ISBN 0-8256-9950-9, S. 22 (Spagnoletta).
  11. ↑ Vgl. auch Jerry Willard (Hrsg.): The complete works of Gaspar Sanz. 2 Bände (Band 1: The complete musical contents of Gaspar Sanz’s masterwork, Instrucción de Música sobre la Guitarra Española. […]. Band 2: A selection of over forty-five musical gems from Gaspar Sanz’s masterwork, Instrucción de Música sobre la Guitarre Española, presented in arrangements for the modern classical guitar. Amsco Publications, New York 2006 (Übersetzung des Originaltextes ins Englische durch Marko Miletich), ISBN 978-0-8256-1695-2, Band 1, S. 38 (Españoleta), 52–53 (Españoleta) und 122–127 (Españoletas und Son de Españoletas).
  12. ↑ Norbert Linke: Musik erobert die Welt. Wie die Wiener Familie Strauß die „Unterhaltungsmusik“ revolutionierte. Herold, Wien 1987, ISBN 3-7008-0361-3, S. 204.
  13. ↑ 100 Gassenhauer – frech – frivol – witzig. Historische Tonaufnahmen. Membran Music, Pforzheim 2004, ISBN 978-3-937730-15-8
  14. ↑ Jim Cowler. Ein Komponistenporträt
  15. ↑ Frank Sistenich: Suite 45 – Marlene Dietrichs Hotelwohnung in Paris. In: Die Welt, 27. Oktober 2011.
  16. ↑ Axel Frohn: Kühle Quickies. In: Der Spiegel. Nr. 19, 2002 (online – zu Marlene Dietrichs FBI-Akte).
  17. ↑ Wie die Diva Marlene Dietrich im Zweiten Weltkrieg für alliierte Soldaten sang. Abgerufen am 3. Oktober 2024.
  18. 1 2 Deutschland, deine Schlager – Kult oder Kitsch?. Auf ZDF History, abgerufen am 12. Oktober 2009.
  19. ↑ Wunder geschahen. In: profil.at. 29. Dezember 2011, abgerufen am 18. April 2021.
  20. ↑ lyrix.at abgerufen am 12. Februar 2020
  21. ↑ Sunshine-Quartett bei Discogs
  22. ↑ Sunshines bei Discogs
  23. ↑ Die Sunnies bei Discogs
  24. ↑ Peter Cornehlsen bei Discogs
  25. ↑ Cornel-Trio bei Discogs
  26. ↑ Die Coronels bei Discogs
  27. ↑ Werner Mezger: Schlager – Versuch einer Gesamtdarstellung unter besonderer Berücksichtigung des Musikmarktes der Bundesrepublik Deutschland. Tübinger Vereinigung für Volkskunde, 1975, S. 171–174.
  28. ↑ Werner Mezger: Schlager – Versuch einer Gesamtdarstellung unter besonderer Berücksichtigung des Musikmarktes der Bundesrepublik Deutschland. Tübinger Vereinigung für Volkskunde, 1975, S. 172–173.
  29. ↑ Matthias Bardong, Hermann Demmler, Christian Pfarr: Das Lexikon des deutschen Schlagers. 2., erweiterte und überarbeitete Auflage. Schott, Mainz 1993, S. 31.
  30. ↑ Matthias Bardong, Hermann Demmler, Christian Pfarr: Das Lexikon des deutschen Schlagers. 2., erweiterte und überarbeitete Auflage. Schott, Mainz 1993, S. 30–31.
  31. ↑ Matthias Bardong, Hermann Demmler, Christian Pfarr: Das Lexikon des deutschen Schlagers. 2., erweiterte und überarbeitete Auflage. Schott, Mainz 1993, S. 30.
  32. ↑ Werner Mezger: Schlager – Versuch einer Gesamtdarstellung unter besonderer Berücksichtigung des Musikmarktes der Bundesrepublik Deutschland. Tübinger Vereinigung für Volkskunde, 1975, S. 209–210.
  33. ↑ Werner Mezger: Schlager – Versuch einer Gesamtdarstellung unter besonderer Berücksichtigung des Musikmarktes der Bundesrepublik Deutschland. Tübinger Vereinigung für Volkskunde, 1975, S. 226–238.
  34. ↑ Fee Zschocke: Die Skandale sind vergessen, die Erfolge sind geblieben. In: Stern. Nr. 30, 1972, S. 75.
  35. ↑ Matthias Bardong, Hermann Demmler, Christian Pfarr: Das Lexikon des deutschen Schlagers. 2., erweiterte und überarbeitete Auflage. Schott, Mainz 1993, S. 32.
  36. ↑ Musik aus Studio B bei Fernsehserien.de
  37. ↑ Werner Mezger: Schlager – Versuch einer Gesamtdarstellung unter besonderer Berücksichtigung des Musikmarktes der Bundesrepublik Deutschland. Tübinger Vereinigung für Volkskunde, 1975, S. 90.
  38. ↑ Die ZDF-Hitparade bei Fernsehserien.de
  39. ↑ Fernando Express - hitparade.ch. Abgerufen am 17. Februar 2024.
  40. ↑ Die 10 beliebtesten Schlagersängerinnen Schlager.de
  41. ↑ Acht der zehn Top-Alben von Deutschen, Spiegel Online vom 4. Januar 2010.
  42. ↑ Nr. 1-Act FANTASY bei der „smago! Hits auf Tour“ mit dabei! (Memento vom 20. September 2014 im Internet Archive) In: smago.de. smago!, 13. Mai 2014.
  43. ↑ Daniel Teplan: Fantasy erhalten Gold für „Endstation Sehnsucht“. (Memento vom 30. Oktober 2014 im Internet Archive) In: musikmarkt.de. Musikmarkt, 28. November 2013.
  44. ↑ Gitte Hænning, Wencke Myhre, Siw Malmkvist – Gitte Wencke Siw – Die Show. In: discogs.com. Abgerufen am 10. Dezember 2024.
  45. ↑ Tourneen – Udo Jürgens. In: udojuergens.de. Abgerufen am 10. Dezember 2024.
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  47. ↑ Datenbank: BVMI. In: musikindustrie.de. Bundesverband Musikindustrie, abgerufen am 14. Dezember 2024.
  48. ↑ »Wir verblüffen das Publikum« Focus vom 5. März 2011.
  49. ↑ Mendívil 2008, S. 226 f.
  50. ↑ Kein Schlager-Boom. Deutschlandfunk, 28. September 2013.
  51. ↑ Deutscher Schlager spaltet die Nation. Tagesspiegel, 25. März 2014.
  52. ↑ Popschlager Aktuell. 10. Juli 2015, abgerufen am 1. Juni 2024.