Hans Tröbst (geboren am 27. Oktober 1891 in Weimar; gestorben am 5. Juli 1939 in Dalian, Mandschukuo, China) war ein deutscher Berufssoldat, Freikorpskämpfer und Journalist.



Hans Tröbst war ein Sohn des Rechtsanwalts Paul Tröbst, damit Enkel des Weimarer Gymnasialdirektors Christian Gottlob Tröbst, und der Luise Tröbst; er hatte zwei Geschwister. Sein Vater starb, als er zehn Jahre alt war, woraufhin die Mutter die Familie aus ihrem eigenen Erbe in einer Bauernschaft in Heisede durchbringen musste. Tröbst besuchte das Gymnasium zunächst in Jena und legte das Abitur in Weimar ab. 1910 trat er als Offiziersanwärter in das Magdeburgische Pionier-Bataillon Nr. 4 ein und wurde 1911 zum Leutnant befördert. Als Pionieroffizier erhielt er eine militärische Ausbildung, die ihn später auch für technische und eisenbahntechnische Aufgaben geeignet machte.
Im Ersten Weltkrieg war Tröbst an der Ostfront und in Frankreich eingesetzt und stieg bis zum Hauptmann auf. 1918 nahm er an der deutschen Intervention im Finnischen Bürgerkrieg teil. Als Pionieroffizier der Pionier-Reserve-Kompanie 78 gehörte er zum deutschen Verband unter Otto von Brandenstein und war an den Kämpfen um Lahti im April und Mai 1918 beteiligt. Seine später aufgefundenen Tagebücher enthalten eine ausführliche Schilderung der Kämpfe und des deutschen Einsatzes in Finnland.
1919 schloss er sich in Lissa dem Grenzschutz Ost beziehungsweise der Eisernen Division an, die im Baltikum gegen bolschewistische Kräfte eingesetzt wurde. Dabei hielt er sich insbesondere in Lettland und Estland auf. In dieser Zeit lernte er seine spätere erste Ehefrau May von Lueder kennen. Im März 1920 wurde er Mitglied der Brigade Ehrhardt und beteiligte sich am Kapp-Putsch gegen die Weimarer Republik.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges fiel es Tröbst schwer, sich in das zivile Leben einzufügen. Der Soldatenberuf blieb für ihn eine zentrale Lebensbestimmung. In der späteren biografischen Darstellung seines Lebens heißt es entsprechend, dass er, „solange es noch irgendwo Soldatenarbeit gab“, dieser nachging. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem regulären Militär suchte er daher nach Möglichkeiten, seine militärischen Fähigkeiten in bewaffneten Konflikten einzusetzen. Seine Beteiligung an den Kämpfen im Baltikum, der Eintritt in die Brigade Ehrhardt und schließlich sein Entschluss, sich der türkischen Nationalbewegung anzuschließen, können auch vor diesem Hintergrund verstanden werden.
Nach der Auflösung der Freikorpsverbände suchte Tröbst nach einer neuen militärischen Verwendung im Ausland. Er entwickelte ein besonderes Interesse an der türkischen Nationalbewegung unter Mustafa Kemal Atatürk, deren Kampf gegen die Besatzungsmächte und die Bedingungen des Vertrags von Sèvres er als mögliches Vorbild für Deutschland betrachtete. Er wollte als ausländischer Offizier auf Seiten der Kemalisten am Türkischen Befreiungskrieg teilnehmen.
Bereits 1920 versuchte er, in die Türkei zu gelangen, blieb jedoch zunächst in Warna in Bulgarien, da er kein türkisches Visum besaß. Im Januar 1921 gelangte er unter Umgehung der alliierten Kontrollen in das seinerzeit britisch kontrollierte Istanbul und von dort weiter nach İnebolu an der anatolischen Schwarzmeerküste. Nach einem längeren Aufenthalt in İnebolu reiste er im März 1921 weiter nach Ankara und wurde mit Genehmigung der Regierung der Großen Nationalversammlung als Pionierhauptmann in türkische Dienste übernommen.
Entgegen seiner ursprünglichen Absicht wurde er jedoch nicht als Frontkämpfer eingesetzt. Die türkische Führung verwendete ihn vor allem in technischen, ingenieurtechnischen und eisenbahnbezogenen Aufgaben im Hinterland. Tröbst bemühte sich wiederholt um einen Einsatz an der Front, erhielt jedoch keine entsprechende Verwendung und nahm an den entscheidenden Gefechten gegen die griechische Armee nicht teil.
Nach seiner Ankunft in Ankara wurde er zunächst im Bereich des westlichen Kriegsschauplatzes eingesetzt und kam nach Eskişehir, wo er mit Aufgaben der militärischen Ingenieur- und Eisenbahnverwaltung betraut wurde. Im Laufe des Jahres 1921 wurde er zu einer Eisenbahneinheit versetzt, die im Raum Ankara und später im Bereich der Strecke nach Konya eingesetzt wurde. Während dieser Zeit erkrankte er an Malaria und musste mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen. Anfang Januar 1922 übernahm er die Leitung des militärischen Eisenbahnwesens in Ereğli.
In dieser Funktion war er für einen wichtigen Teil des türkischen militärischen Eisenbahnverkehrs verantwortlich. Das Eisenbahnnetz war für den Transport von Truppen, Munition, Lebensmitteln und anderem militärischen Material zur Westfront von erheblicher Bedeutung. Tröbst blieb daher während der entscheidenden Phasen des Krieges in das militärische System der kemalistischen Regierung eingebunden, ohne selbst an den Schlachten von Sakarya oder dem späteren türkischen Großangriff teilzunehmen.
Während des Sommers 1922 befand sich Tröbst weiterhin im Hinterland und war mit seinen eisenbahntechnischen Aufgaben beschäftigt, während die türkische Offensive und der Zusammenbruch der griechischen Front ihren Verlauf nahmen. Nach der türkischen Eroberung von Izmir im September 1922 wurde er Anfang 1923 zum Befehlshaber des wichtigen Eisenbahnknotens Eskişehir ernannt. Damit erreichte er seine bedeutendste Stellung innerhalb des türkischen Eisenbahnwesens. Seine militärische Tätigkeit in der Türkei bestand somit überwiegend in der Organisation und Aufrechterhaltung des Eisenbahnverkehrs sowie in technischen und logistischen Aufgaben hinter der Front.
Tröbst heiratete 1922 in Istanbul May von Lueder. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Im Juni 1923 wurde er aus der türkischen Armee entlassen. Im Juli 1923 verließ er mit seiner Ehefrau die Türkei und kehrte nach Deutschland zurück. Dort war er zunächst als arbeitsloser Hauptmann a. D. bei seinem Bruder Woldemar Tröbst in München untergebracht. Die Ehe wurde 1929 geschieden.
Auf Empfehlung von Erich Ludendorff veröffentlichte die von Wilhelm Weiß herausgegebene völkische Wochenzeitung Heimatland im September und Oktober 1923 den sechsteiligen Bericht Mustapha Kemal Pascha und sein Werk. Von Hauptmann Tröbst. Darin schilderte Tröbst die türkische Nationalbewegung und Mustafa Kemal in stark zustimmender Weise. Die türkische Nationalbewegung erschien ihm zunehmend als Vorbild für eine nationale Erneuerung Deutschlands. Zugleich vertrat Tröbst in seinen politischen und publizistischen Schriften ausgesprochen feindselige Ansichten gegenüber Griechen und Armeniern. In seinen Darstellungen bezeichnete er Griechen und Armenier unter anderem als „Blutsauger“ und „Parasiten“ und begrüßte die von ihm als „völkische Säuberung“ verstandene Homogenisierung der Türkei. Die Entfernung der christlichen Bevölkerungsgruppen aus Anatolien interpretierte er als Bestandteil der nationalen Umgestaltung des Landes und stellte sie als Beispiel für eine konsequente Nationalpolitik dar.
Adolf Hitler zeigte Interesse an Tröbst und wollte ihn wegen seiner Erfahrungen aus den Bürgerkriegs- und Freikorpskämpfen zu einem Vortrag vor SA-Angehörigen einladen. Tröbst und seine Frau waren jedoch inzwischen auf das Familiengut der mütterlichen Familie nach Heisede weitergezogen. Ende Oktober holte Weiß ihn erneut nach München, wo er als militärischer Führer beim Bund Oberland fungieren sollte. Tröbst war in die Vorbereitungen zum Hitler-Putsch eingeweiht, befand sich jedoch am 9. November noch auf der Rückreise von einem konspirativen Treffen in Berlin und entging dadurch der Festnahme.
Tröbst blieb weiterhin ohne feste berufliche Existenz und plante 1924, sich als Außenhandelsvertreter deutscher Unternehmen in der Türkei niederzulassen und in Eskişehir eine Getreidemühle zu gründen. Stattdessen begann er als freier Auslandskorrespondent für verschiedene deutsche Zeitungen zu arbeiten. Sein beruflicher Schwerpunkt lag zunächst in der Türkei und auf dem Balkan. Zwischen 1925 und 1933 schrieb er unter anderem für den Berliner Lokal-Anzeiger und mehrere Regionalzeitungen. 1925/26 verfasste er zusammen mit Jesco von Puttkamer neunzehn Anatolische Reisebriefe.
1925 veröffentlichte Tröbst seine Erinnerungen an die Jahre im Baltikum und in der Türkei unter dem Titel Soldatenblut. Vom Baltikum zu Kemal Pascha. Das Buch wurde von Franz Schauwecker lektoriert und verband Tröbsts persönliche Kriegserlebnisse mit einer stark nationalistischen Interpretation des türkischen Nationalkampfes. In seinen politischen Schriften dieser Zeit stellte er die kemalistische Nationalbewegung wiederholt als mögliches Vorbild für eine deutsche nationale Erneuerung dar.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wandte sich Tröbst zunehmend dem Journalismus zu und kehrte in den folgenden Jahren wiederholt als Auslandskorrespondent in die Türkei zurück. 1926 berichtete er über das Attentatsverfahren von Izmir und die anschließenden Hinrichtungen von Gegnern der Regierung. In seinem Artikel Fünfzehn Galgen! Das Blutgericht von Smyrna kritisierte er die Vorgänge und berichtete ausführlich über die Hinrichtungen. Im Oktober 1926 wurde er aus der Türkei ausgewiesen. Nach den späteren Ermittlungen der deutschen Botschaft erklärten türkische Behörden seinen despektierlichen Bericht beziehungsweise insbesondere den Artikel Fünfzehn Galgen! zum Anlass der Ausweisung. Tröbst erfuhr nach seinen Tagebuchaufzeichnungen erst unmittelbar vor seiner Abreise, dass er das Land verlassen musste, und wurde mit dem Schiff nach Griechenland gebracht.
Nach seiner Ausweisung ließ sich Tröbst zunächst in Athen nieder und arbeitete weiterhin als Journalist. Die Ausweisung aus der Türkei bedeutete dabei keinen nachweisbaren Bruch mit seinen früheren anti-griechischen und anti-armenischen Vorstellungen; Anzeichen für eine grundsätzliche Revision seiner diesbezüglichen politischen Haltung sind in den verfügbaren Quellen nicht erkennbar. Im Juni 1927 ging er von Athen nach Belgrad, wo er erstmals eine feste Anstellung als Auslandskorrespondent des Scherl-Verlages erhielt. 1928 wurde er aus Jugoslawien ausgewiesen und anschließend von Scherl in der Hamburger Redaktion beschäftigt. 1929 arbeitete er erneut für Scherl und die Telegraphen-Union in Griechenland. Auch aus Griechenland wurde er 1930 ausgewiesen, nachdem er sich abfällig über einen griechischen Politiker geäußert hatte. Anschließend hielt er sich im damals italienischen Rhodos und im Dodekanes auf, von wo er Feuilletons und Reiseberichte veröffentlichte.
Anschließend zog Tröbst nach Bukarest und schrieb nach einer Reise zu den deutschsprachigen Siedlungen in Bessarabien mehrere Reiseberichte für den Berliner Lokal-Anzeiger und den Tag. Seine wirtschaftliche Lage verschlechterte sich ab 1931 infolge der Weltwirtschaftskrise. 1932/33 war er etwa ein halbes Jahr lang Redakteur der deutschsprachigen Bukarester Post.
Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten 1933 wurden die Telegraphen-Union und das Wolffsche Telegraphenbüro zum Deutschen Nachrichtenbüro (DNB) zusammengeschlossen, und Tröbst wurde Mitarbeiter des DNB. Im Unterschied zu seinem Bruder Woldemar trat er nicht der NSDAP bei. Seine politische Haltung blieb jedoch von deutschem Nationalismus, Antisemitismus, Militarismus und der Vorstellung einer autoritär geführten Nationalbewegung geprägt. Die türkische Nationalbewegung und Mustafa Kemal blieben für ihn wichtige politische Bezugspunkte.
Im Juli 1934 wurde Tröbst aus Rumänien ausgewiesen, nachdem er sich abfällig über den rumänischen König und die rumänische Armee geäußert haben soll. Ende 1934 ging er nach Harbin in die japanisch besetzte Mandschurei. Vor seiner Abreise holte er sich das politische Einverständnis der NSDAP/AO, um dort journalistisch tätig werden zu können. Von Harbin aus belieferte er das DNB und deutsche Provinzzeitungen mit Feuilletons und politischen Berichten.
Nachdem seine zweite Ehefrau Octaviana Sylver und der zweijährige Sohn Cord Christian im Juni 1935 nachgekommen waren, ließ sich die Familie in Dairen im japanischen Pachtgebiet Kwantung nieder. Tröbst arbeitete dort als deutscher Auslandskorrespondent und berichtete über die politischen und militärischen Entwicklungen in Ostasien. Bei Ausbruch des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges 1937 bemühte er sich um eine Akkreditierung als Kriegskorrespondent in Tientsin. Außerdem unternahm er Reisen nach Korea und Japan, über die er in deutschen Zeitungen berichtete.
Tröbst starb am 5. Juli 1939 während seines Aufenthalts in Dairen an einem Schlaganfall. Seine Frau und sein Sohn befanden sich zu diesem Zeitpunkt zu einem Erholungsaufenthalt in Rumänien.

| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tröbst, Hans |
| ALTERNATIVNAMEN | Troebst, Hans |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Berufssoldat und Journalist |
| GEBURTSDATUM | 27. Oktober 1891 |
| GEBURTSORT | Weimar |
| STERBEDATUM | 5. Juli 1939 |
| STERBEORT | Dalian |