Helma Schimke, geborene Zagler (geboren am 16. Februar 1926 in Seekirchen am Wallersee; gestorben am 7. April 2018 in Salzburg), war eine österreichische Kletterin und Bergsteigerin. Sie zählte in den 1950er und 1960er Jahren zu den besten Kletterinnen und Bergsteigerinnen weltweit und galt als Pionierin des Frauenbergsteigens. Sie bewältigte viele der damals als schwierigst geltenden Kletterrouten in den Ostalpen, oft war sie die erste Frau, die die Route beging. Ihre Bücher Auf steilen Bergen aus dem Jahr 1961 und Über allem der Berg von 1964 gehören zu den Klassikern des alpinen Schrifttums. Sie zählte zu den ersten drei Frauen, die in Österreich als Architektin zugelassen wurden.
Helma Zagler wuchs als Einzelkind in ihrem Geburtsort Seekirchen am Wallersee auf, das rund 15 km von Salzburg entfernt ist. Bereits früh konnte sie mit Brettern, Leisten und Nägeln ein Baumhaus errichten. Ihrem Wunsch Häuser zu bauen entsprachen ihre Eltern, indem sie ihr den Besuch der Höheren Technischen Lehranstalt in Salzburg ermöglichten. Mit der Matura 1944 erwarb sie die Berufsbefähigung zur Bauingenieurin. Bevor sie in diesem Beruf arbeiten konnte, wurde sie zum Reichsarbeitsdienst eingezogen und musste diesen in Vorarlberg ableisten. Erst bei Kriegsende kehrte sie zu ihren Eltern zurück. Um Übergriffen durch Besatzungstruppen zu entgehen, verbarg sie sich auf einer Hütte am Untersberg. Dort kannte sie sich bereits gut aus, da sie hier ihre ersten Klettererfahrungen gemacht hatte.
Bereits im Herbst 1945 nahm Zagler ein Studium der Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien auf, unter anderem bei Clemens Holzmeister. Die Studienbedingungen waren hart, das Gebäude der Akademie war beschädigt, die Hörsäle waren ungeheizt, und ihr Studentenzimmer hatte im ersten Winter keine Fensterscheiben. Zudem war eine Frau in diesem Fach eine Seltenheit, die eher Unverständnis erregte. Trotzdem erlebte sie das Studium als intensive, spannende Zeit. Nur zum Klettern kam sie anfangs kaum, da es sehr lange dauerte, mit den desolaten Verkehrsmitteln ins Gebirge zu fahren. Zudem war das Überschreiten von Besatzungszonen kompliziert.
1949 schloss Zagler das Studium erfolgreich ab und begann im Architekturbüro ihres ehemaligen Lehrers in Salzburg zu arbeiten. Sie zählte zu den ersten drei Frauen, die in Österreich als Architektinnen zugelassen waren. Ab Mitte der Fünfziger Jahre arbeitete sie als selbständige Architektin, 1957 realisierte sie ihr erstes Haus, für eine Auftraggeberin. Sie heiratete 1951 einen Studienkollegen und bekam mit ihm einen Sohn. Ihr Mann teilte ihre Liebe zu den Bergen und zum Klettern jedoch nicht. Ihre alpine Träume und die Zeit, die sie dafür benötigte, waren eine zu große Hürde für die Beziehung, so dass diese scheiterte. 1957 heiratete sie ein zweites Mal, den Richter Konrad Schimke, einen begeisterten Kletterer. Mit ihm bekam sie eine Tochter und einen Sohn. Wenn das Kletterpaar in den Wänden unterwegs war, betreute Helma Schimkes Mutter alle drei Kinder. Konrad Schimke kam im März 1961 beim Versuch einer Winterbegehung in einer Lawine in der Watzmann-Ostwand ums Leben. Mit 35 Jahren war Helma Schimke nun Alleinerzieherin und ernährte als Architektin ihre Familie. Ihre Mutter unterstützte sie stark, um die dreifache Belastung Schimkes als Ernährerin der Familie, Mutter und Kletterin gerecht werden zu können.
Trotz ihrer Arbeit, ihrer Leidenschaft zum Klettern und ihrer Mutterpflichten fand Schimke noch Zeit, zwei Bücher zu schreiben: 1961 erschien Auf steilen Wegen und 1964 Über allem der Berg. Außerdem veröffentlichte sie mehrere Beiträge in Zeitschriften und Sammelbänden. 2002 wurde Helma Schimke im Dokumentarfilm Über allem der Berg von Ulrike Gschwandtner und Annette Mäser porträtiert. Bis zuletzt arbeitete sie als freiberufliche Architektin in Salzburg und sorgte damit für den Lebensunterhalt ihrer Familie. Sie starb mit 92 Jahren in Salzburg. Sie hatte drei Kinder und fünf Enkelkinder.
Als sie im Alter von 5 Jahren mit ihrem Vater, einem Agraringenieur für Wildbachverbauungen, im Lungau unterwegs war, kletterte sie heimlich auf einen kleinen Felsklapfen – von da an faszinierte sie Fels. Als Jugendliche stieg sie in schönen Juninächten aus dem Fenster, damit sie auf den Untersberg, ihren Hausberg, gehen konnte. Mit 13 Jahren begann Helma Schimke mit dem Klettern. Mit Schulkameraden aus der Höheren Technischen Lehranstalt ging sie auf Bergtouren am Watzmann, im Hochkönig, im Dachsteingebirge und im Tennengebirge. Von ihrem ersten selbstverdientem Geld kaufte sich die Vierzehnjährige Leo Maduschkas Junger Mensch im Gebirge, die „Kletterbibel“ der damaligen Jahre. Sie las es intensiv und schrieb die Ränder mit Kommentaren voll. Besonders beeindruckte sie Maduschkas Feststellung, Bergsteigen sei nicht nur Sport, sondern auch eine Lebensform.
Um 1950 begann sie mit anspruchsvollen Klettertouren, zuerst im Steinernen Meer und dann im Wilden Kaiser. Sie empfand die Tiroler Gebirgsgruppe als „Zauberreich“ und war ihr seither „verfallen“. Sie wurde sehr schnell besser, und es gelangen ihr anspruchsvolle Touren, wie die „Dülfer“ an der Fleischbank-Ostwand (VI, V+/A0 UIAA), die „Wießner/Rossi“ (V+ UIAA) an der Fleischbank Südostwand, die Durchsteigung der Predigtstuhl Westwand, die Fleischbank Südostverschneidung (VII+, VI/A0 UIAA). Insbesondere die Fleischbankverschneidung war damals eine der schwierigsten Routen; hatte man diese gemeistert, war man unter den Spitzenkletterern angekommen.
1952 gelang ihr eine Wiederholung der damals gefürchteten Buhl-Route an der Maukspitze. Als sie und ihre Seilpartner am Abend vorher auf der Gaudeamushütte den Erstbegeher trafen, musterte Buhl sie abschätzig. Einer Frau traute er diese anspruchsvolle Tour nicht zu. Er musste sich eines Besseren belehren lassen. Ein anderes Mal sagte ein Hüttenwirt zu ihrem Seilpartner „Ös mit eure Weiber gehörts ned in meine Wände“. Es war auch heikel für sie, die Führung zu übernehmen; sie durfte führen, wenn es nebelig war, damit niemand sah, dass sie führte. Ihre Absicht war aber nicht, den Männern etwas zu beweisen, sie wollte sicher sein, wenn irgendetwas passiert, könne sie selbstständig handeln. Außerdem wollte sie in der Lage sein, die Touren zu machen, die sie reizten. Später übernahm sie immer wieder die psychisch anspruchsvollere Führungsarbeit.
Im Nachkriegseuropa gab es starke Rivalitäten zwischen den Bergsteigernationen Frankreich, Schweiz, Österreich und Italien. Als sie 1953 am Mont Blanc in der Westwand der Aiguille Noire die schwierige, damals neue Tour „Ratti-Vitali“ machen wollte, wurden ihre Seilpartner am Abend vor der Tour verspottet: „Die wollen mit einer Frau durch die Ratti!“ Um die Tour zu verhindern, verweigerte der Hüttenwirt Schimke das Teewasser. Jahre später erinnert sich Schimke daran, dass sie dies sehr gekränkt habe. Am nächsten Tag stieg sie mit ihren Gefährten über den zerklüfteten Freney-Gletscher zur Wand auf. Nach harter Kletterei mussten sie im oberen Drittel der Wand noch in einem Biwak die Nacht verbringen. Am nächsten Tag erreichten sie den Gipfel. Schimke selbst bezeichnete das Gelingen der Tour und das Panaroma als eines ihrer besten Bergerlebnisse.
Im Sommer 1961 wollte sie gemeinsam mit Rudolf Bardodej, ihrem Mann Konrad Schimke und dem Salzburger Arzt Georg Scharfetter eine Expedition zur Erstbesteigung des Diran (7270 m) in Pakistan unternehmen. Trotz ihrer beeindruckenden bergsteigerischen Leistungen stieß sich die Unterstützung der Expedition aus Sicht des Verwaltungsausschusses (VA) des ÖAV an der Teilnahme einer Frau: „Grundsätzliche, ernsteste Bedenken hat der VA … gegen die Teilnahme einer Mutter dreier unmündiger Kinder“. Die Expedition kam durch den Tod ihres Mannes nicht zustande. Erst mit 78 Jahren konnte sie an einer Trekkingtour in Nepal teilnehmen.
Der Tod ihres Mannes im März 1961 traf sie tief, bald nach dem Unglück ging Schimke in die Ostwand des Watzmanns. Sie hatte zuerst Angst vor der gedanklichen Verbindung, hatte aber das Gefühl, dass ihre Trauer leichter werde. Die Tour sei für sie im Nachhinein eine Gedenktour für ihren Mann geworden, so Schimke. Nach seinem Tod habe sie um jede Tour gekämpft, das Klettern aber auch als große Befreiung erlebt. Sie kletterte nach wie vor viel und meisterte viele schwere Touren. Große Expeditionen, wie die Einladung von Silvia Metzeltin zu einer Expedition nach Patagonien versagte sie sich aber, sie fühlte sich ihrer Familie verpflichtet.
In den 1960er Jahren war sie häufig mit der Schirennläuferin Christl Haas als Frauenseilschaft unterwegs, sie bewältigten viele Mixed Touren in Fels und Eis. Sie unternahmen auch Winterbegehungen, so z. B. 1970 die Schi-Überschreitung der Palagruppe vom Cimon della Pala bis Fiera di Primiero in den Dolomiten.
Helma Schimke ging noch im hohen Alter klettern, besonders gerne zusammen mit ihrer Tochter und ihren Enkeln. Sie habe dies „himmlisch-höllisch“ genossen.
Ab den 1950er Jahren gelangen Schimke zahlreiche schwere Bergtouren bis zum VI. Grad UIAA, mit der damaligen Sicherungstechnik und Material war das die Leistungsgrenze. Damit gehörte Schimke in den 1950er und 1960er Jahren zu den besten alpinen Kletterinnen ihrer Zeit und ist gleichbedeutend mit den Leistungen von Spitzenkletterinnen wie Paula Wiesinger, Betty Favre, Loulou Boulaz oder Mary Varale. Frauen wurde Klettern und Bergsteigen in den konservativen und wirtschaftlichen harten Zeiten vom gesellschaftlichen Mainstream nicht oder kaum zugestanden. Wenn sie es dennoch machten, ernteten sie Unverständnis, Ablehnung und zum Teil auch harte Kritik. Insbesondere als sie Witwe und alleinerziehende Mutter dreier kleiner Kinder wurde, war die Ablehnung groß. Sie musste sich immer wieder vorwerfen lassen, dass Klettern unverantwortlich sei. Sie selbst war aber überzeugt, dass es die einzige richtige Entscheidung gewesen sei, auch für ihre Kinder. Diese waren ebenfalls früh von den Bergen begeistert.
Das große Vorbild von Schimke war Cenzi von Ficker, die bereits 1903 an einer Expedition in den Kaukasus teilgenommen hatte und seither Uschba-Mädel genannt wurde. In ihrem Buch Auf steilen Wegen erinnert sie sich an sie und das hartes Schicksal Fickers. Ficker bestärkte Schimke darin, dass man Widerstände nur selbst überwinden könne: „Für uns Frauen ist nicht der Berg das Schwierigste, sondern was sich um ihn herum baut und sich gegen uns stellt. Niemand kann uns helfen, diese Widerstände zu überwinden. Im Letzten sind wir immer allein.“ Genau das hatte Schimke in ihrem Leben getan.
Im letzten Drittel ihres Lebens wurde sie mehr und mehr zur Philosophin. Sie sah den tieferen Sinn des Bergsteigens nicht mehr notwendigerweise in der Bewältigung immer höherer Schwierigkeiten in der Wand, sondern mehr als Schulung der Persönlichkeit und als Ausgleich zu einem monotonen Alltag. Bergsteigen trainiere die Ausdauer und die Kraft und sei auch eine gute Strategie gegen den körperlichen und geistigen Abbau. Sie wirkte damit als motivierendes Vorbild für alle, die Gebrechen und Probleme haben.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schimke, Helma |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische Architektin und Pionierin des Frauenbergsteigens |
| GEBURTSDATUM | 16. Februar 1926 |
| GEBURTSORT | Seekirchen am Wallersee |
| STERBEDATUM | 7. April 2018 |
| STERBEORT | Salzburg |