
Helmut Dirnaichner (* 1942 in Kolbermoor) ist ein deutscher Künstler. In seinem gattungsübergreifenden Werk finden sich Rauminstallationen, Skulpturen, Wandobjekte, Aquarelle und Künstlerbücher, deren zentrales Element Farben und Pigmente sind. Er lebt in München, Apulien und Mailand.
Von 1970 bis 1976 studierte Dirnaichner an der Akademie der Bildenden Künste München bei Günter Fruhtrunk. Er entwickelte seine Kunst im Umfeld von Minimalismus, Konzeptkunst, gegenstandsloser und konkreter Kunst. Durch die Thematisierung der Materialität der Farbe selbst schlug er jedoch innerhalb dieser Kunstrichtungen einen eigenen Weg ein.
Grundlage seiner Arbeitsweise sind seit 1982 natürliche Materialien wie Erde, Steine und Mineralien, z. B. Azurit, Malachit und Lapislazuli. Im Jahr 1985 lernte Dirnaichner darüber hinaus bei einem Aufenthalt in Mexiko von den Otomí die Technik des Amate-Papiers kennen und wandelte sie künstlerisch ab, beispielsweise in seinem Zyklus Atla. Die durch Zerstoßen, Mörsern und Zerreiben gewonnenen Pigmente werden ohne Bindemittel in Zellulose hineingeschöpft. Es entstehen lanzett- oder blattförmige Elemente in kräftigen Farbtönen, die zu dynamischen, oft ortsbezogenen Installationen zusammengefügt werden. Beispielhaft dafür sind seine Sassi volanti oder die schwebende Rauminstallation Meteore. Je nach Lichteinfall erzeugen die durch das Schöpfen entstandenen Oberflächenstrukturen unterschiedliche Tiefen- und Farbwirkungen, die dem Betrachter Ruhe vermitteln.
Dirnaichners Kunst interpretiert die Farbe nicht als Mittel zum Anstrich, sondern als eigentliches Thema, das „Struktur, Materialität, Geschichte und Erdvergangenheit“ besitzt. Indem seine Arbeiten der Farbe die Rolle eines Akteurs zuweisen und Pigmente und Bildträger zu autonomen „Farbformen“ verbinden, gehen sie über die herkömmliche Malerei hinaus und führen zugleich zu deren Ursprüngen zurück. Dabei tritt Dirnaichner nach eigener Aussage „in Dialog mit den Steinen“. In den Worten Eugen Gomringers enthält Dirnaichners Kunst darüber hinaus einen Aspekt der „Erneuerbarkeit“, da sie aus „den Rohstoffen der Natur […] das Leichte in vielfältiger Form entstehen lässt“. Aufgrund der materiellen und körperlichen Verortung in den natürlichen Grundlagen von Farben wird sein Werk vielfach als „elementare Malerei“ bezeichnet.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Dirnaichner, Helmut |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Künstler |
| GEBURTSDATUM | 1942 |
| GEBURTSORT | Kolbermoor |