Lecce

Lecce
Lecce (Italien)
Lecce (Italien)
Staat Italien
Region Apulien
Provinz Lecce (LE)
Koordinaten 40° 21′ N, 18° 10′ OKoordinaten: 40° 21′ 0″ N, 18° 10′ 0″ O
Höhe 49 m s.l.m.
Fläche 238 km²
Einwohner 94.387 (31. Dez. 2025)
Postleitzahl 73100
Vorwahl 0832
ISTAT-Nummer 075035
Bezeichnung der Bewohner Leccesi
Schutzpatron Sant’Oronzo, San Giusto und San Fortunato (26. August)
Website Lecce
Luftaufnahme von Lecce

Lecce [ˈlettʃe] (aus dem Lateinischen Lupiae) ist eine Stadt auf der Halbinsel Salento in Apulien in Italien. Der Ort ist die Hauptstadt der Provinz Lecce und hat 94.387 Einwohner (Stand 31. Dezember 2025).

Geografie

Im Umland von Lecce wird ein weicher Tuffstein «Kalkarenit» abgebaut (Pietra Leccese), der die rasche Ausbreitung des Lecceser Barocks ermöglichte, dessen zahlreiche Bauwerke in der Stadtmitte von Lecce kunstvolle Verzierungen an Kirchen, Palästen und Denkmälern sichtbar sind. Wegen des der Stadt eigenen barocco leccese wurde sie auch das „Florenz des Rokoko“ oder „Florenz des Südens“ genannt. Eines der berühmtesten Beispiele des Barockstils von Lecce ist die Fassade der Basilika Santa Croce, die Piazza del Duomo mit der Kathedrale von Lecce und die Piazza Sant'Oronzo mit einem römischen Amphitheater.

Der Salento, die südliche Halbinsel Apuliens, bietet trotz der aufgelisteten, reizvollen Orte keinen Massentourismus. Die Region zeichnet sich durch ihre vielfältigen Küstenlandschaften und historischen Städte aus. Dazu gehören die Orte

Geschichte

Die Gründung der Stadt liegt der Sage nach im Jahr 1211 v. Chr. und wird Malemnius zugeschrieben, dem Sohn des Dasumnus und ersten König der Messapier. Weiter berichtet die Legende, die Stadt sei nach der Zerstörung Trojas von Lictius Idomeneus besetzt worden, der ihr auch ihren Namen verliehen und sie der griechischen Kultur erschlossen haben soll. Der tatsächliche Ursprung der Stadt Lecce ist unbekannt. Im 1. Jahrhundert soll der legendäre Heilige Orontius von Lecce (Oronzo), der erst seit der Pestepidemie 1658 als Stadtheiliger verehrt wird, die Region christianisiert haben und erster Bischof von Lecce geworden sein.

Nach dem Fall des Weströmischen Reichs wurde Lecce durch die Ostgoten unter König Totila geplündert. 549 wurde es von Byzanz zurückerobert und blieb über fünf Jahrhunderte Teil des oströmischen Reichs, unterbrochen durch kurzzeitige Eroberungszüge von Sarazenen, Langobarden, Ungarn und Slawen.

Seit der Eroberung Süditaliens durch die Normannen bildete Lecce das Zentrum der Grafschaft Lecce. Die Stadt erlebte ihre Glanzzeit im späten Mittelalter. Die Grafschaft Lecce war damals (um 1360) mit der den Grafen von Enghien gehörenden Grafschaft Conversano vereinigt worden und erwachte langsam zu neuem Leben nach dem Abstieg, dem sie nach dem Untergang des Weströmischen Reiches und im Verlauf der folgenden Jahre anheimgefallen war.

Ihre wirtschaftliche und künstlerische Blütezeit erlebte die Stadt zwischen 1550 und 1750. Unter Karl V. wurde Lecce stark befestigt und als Verwaltungszentrum des Salento bestimmt. Damals erhielt die Altstadt von Lecce auch ihr heutiges charakteristisch-barockes Aussehen. Die zahlreichen Gebäude des typischen Lecceser Barockstils haben Lecce den Beinamen „Florenz des Barock“ eingebracht. Obwohl sich Lecce den Errungenschaften der Neuzeit keineswegs verschloss, hat sie doch ihr ursprüngliches Aussehen weitgehend beibehalten. Das römische Amphitheater wurde zur Zeit Mussolinis teilweise freigelegt, wobei wertvolle ältere Gebäude abgerissen wurden.

Lecce ist Sitz des römisch-katholischen Erzbistums Lecce.

Sehenswürdigkeiten

Politik

In den letzten 20 Jahren (von 2004 bis 2024) wurde das Amt des Bürgermeisters (Sindaco) von Lecce von drei verschiedenen Personen bekleidet, die im Wesentlichen zwei politische Lager repräsentierten:

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung

Jahr 18611881190119211936195119711991200120092024
Einwohner 15.59425.44232.02939.55649.26163.83183.050102.21383.30394.77494.253

Quelle: ISTAT

Ethnien und Migration

Am 31. Dezember 2019 lebten in Lecce 8325 nicht-italienische Staatsbürger. Die meisten von ihnen stammen aus folgenden Ländern:

  1.  Sri Lanka – 930
  2.  Philippinen – 921
  3.  Senegal – 770
  4.  Rumänien – 761
  5.  Albanien – 640
  6.  Indien – 593
  7. China – 375
  8.  Nigeria – 304
  9.  Pakistan – 291
  10.  Brasilien – 282

Wirtschaft

Die Wirtschaft von Lecce ist durch eine starke Dynamik im Dienstleistungssektor geprägt, wobei die Stadt als wirtschaftliches Zentrum der Halbinsel Salento fungiert. Wichtige Wirtschaftszweige der heute noch wohlhabenden Stadt sind der Weinhandel und Tabakverarbeitung. In der Umgebung hat sich ein intensiver Agritourismus entwickelt. Die Umgebung ist geprägt von Weinbau und Olivenölproduktion. Apulien produziert etwa 40 % des italienischen Olivenöls.

Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist auch das Militär. Südlich der Stadt befindet sich der Militärflugplatz Lecce-Galatina, im Osten an der Adriaküste zwischen Frigole und San Cataldo die Kavallerie- und Panzertruppenschule des Heeres mit dem Übungsplatz Torre Veneri. Die Schule hat auch Einrichtungen in der Innenstadt.

In Lecce befindet sich eine Fabrik für Baumaschinen von CNH Industrial. Dort werden unter anderem die Radlader der Marken Case und New Holland gebaut.

Verkehr

Lecce ist mit der italienischen Staatsbahn über die Bahnstrecke Ancona–Lecce aus Richtung Norden zu erreichen.

Direkte Verbindungen mit Hochgeschwindigkeitszügen (Le Frecce) bestehen unter anderem mit Mailand, Bologna, Venedig und Rom.

Nachtzüge der Marke InterCity Notte verbinden Lecce mit Turin, Mailand, Bologna und Rom.

Zwei von den Ferrovie del Sud Est betriebene Nebenstrecken führen in die Region:

Der nächstgelegene internationale Verkehrsflughafen ist der Flughafen Brindisi, nördlich von Lecce ca. 50 km entfernt. In der Umgebung der Stadt befinden sich mehrere kleine Flugplätze, darunter der Flugplatz Lecce-San Cataldo.

Mit dem Auto ist Lecce über die gut ausgebaute und mautfreie SS 16 (E 55) von Bari via Brindisi zu erreichen. Die Kernstadt ist von einem Ring der Staatsstraße SS 16 mit circa 7 km Durchmesser umgeben, so dass die engen Straßen im Innenbereich kaum mit Durchgangsverkehr belastet sind.

Bildung

1955 wurde auf Initiative von Giuseppe Codacci Pisanelli die staatliche Universität Lecce gegründet. Bis 2007 firmierte die Hochschule unter Università degli Studi di Lecce, heute als Università del Salento. Sie unterhält außer in Lecce Standorte in Monteroni di Lecce, Mesagne und Brindisi. Angegliedert ist das Scuola Superiore ISUFI, ein Hochschulinstitut für interdisziplinäre Studiengänge und das Centro Studi Valentino.

Weitere Bildungsinstitutionen sind die staatliche Kunstakademie Accademia di Belle Arti di Lecce, das Konservatorium Conservatorio di Musica Tito Schipa und die Schauspielschule Accademia Mediterranea dell'Attore (AMA). Die Fernhochschulen Università degli Studi eCampus sowie UniPegaso, UniMercatorum und Uni San Raffaele haben Prüfungszentren in Lecce.

Sport

Lecce ist Heimat des italienischen Fußballvereins US Lecce, der seine Spiele im örtlichen Stadio Via del Mare austrägt.

Städtepartnerschaften

Lecce pflegt partnerschaftliche Beziehungen zu

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

Commons: Lecce – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Lecce – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. ↑ Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2025. ISTAT. (Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2025).
  2. ↑ Dorothee Kemper: SS. Niccolò e Cataldo in Lecce als ein Ausgangspunkt für die Entwicklung mittelalterlicher Bauplastik in Apulien und der Basilicata (= Manuskripte für Kunstwissenschaft in der Wernerschen Verlagsgesellschaft 41). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1994, ISBN 978-3-88462-940-6.
  3. ↑ "Elezioni comunali 2017". Ministero dell'Interno.
  4. ↑ "Adriana Poli Bortone: Die neue, aber erfahrene Bürgermeisterin von Lecce" auf ilmessaggero.it vom 24. Juni 2024, abgerufen am 8. November 2025
  5. ↑ Istituto Nazionale di Statistica
  6. ↑ Commune Lecce – Gemellaggi (Memento des Originals vom 19. August 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.