Seine Hochschullaufbahn begann er 1977/1978 als Assistent von Hannes H. Wagner im Sachgebiet Malerei an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein. Von 1978 bis 1980 hatte er eine Aspirantur bei Ruddigkeit im Sachgebiet Grafik. 1980 bis 1982 wirkte er als künstlerischer Assistent an dieser Kunsthochschule. 1983 bis 1986 war Deparade Meisterschüler an der Kunsthochschule Halle bzw. der Akademie der Künste der DDR bei Willi Sitte.
Danach stellte er zusammen mit seiner Frau, der Malerin Steffi Deparade-Becker, den „Antrag auf ständige Ausreise aus der DDR“, worauf 1989 die Übersiedlung nach Nordrhein-Westfalen folgte. Anfang 1992 wurde er künstlerischer Assistent an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein. Im Herbst des gleichen Jahres folgte ein Ruf für eine Professur für künstlerische Grundlagen in dem Studiengang Architektur der HTW Dresden.
Seit 1995 arbeitet und lebt er mit eigenem Atelier für Malerei und Grafik in Dresden.
Werk
Der Maler Henri Deparade weist ein umfangreiches und ein sehr unterschiedliches, in verschiedene Schaffensphasen differenziertes Œuvre in Malerei und Zeichnung auf. Der künstlerische Weg von Deparade beginnt in den noch akademischen Anfängen als veristischer Figurenmaler, dann als junger Maler tritt er bereits als Porträtist mit einer Malweise und einer Bildkonzeption hervor, die an die altdeutsche Malerei und an den Verismus von Malern wie Otto Dix und Karl Völker oder auch – auf die Zeit der 1980er Jahre bezogen – an die „Leipziger Schule“ angelehnt ist.
So schreibt Camilla Blechen im Feuilleton der FAZ vom 13.Oktober 1987 in einer Kritik zur letzten Kunstausstellung der DDR:
Als Porträtisten könnten Henri Deparade und Neo Rauch, peinturistische Begabungen, bald stärker ins Gespräch kommen.
Zunächst war er als Zeichner von Stadtlandschaften im Gespräch; so schrieb der Kunsthistoriker Wolfgang Hütt im Katalog „Handzeichnungen der DDR“ von 1988 zu Deparades Kohlezeichnungen von 1985/86: Die Metapher vom grellen Licht des Alltags trifft genau zu auf das, was auch Henri Deparade mit dem Schwarz der Kreide unverwechselbar macht, seine Art, das Schicksalhafte im schon wieder Malerischen einer dem Verfall preisgegebenen Stadtlandschaft aufzudecken, zugleich die Unvermeidbarkeit dessen in Frage zu stellen, was sie ersetzt. Wie diese Architektur- und Straßenbilder bezeugen Akte und Porträts seine herausragende Zeichenkunst.
Nach einer Zeit verschiedener formaler Experimente in den Jahren 1989, 1990 und 1991 gelangt Deparade, beeinflusst durch sein neues Dresdener Umfeld, zu einer neoexpressiven Formensprache, die sich zum Teil der menschlichen Figur und zum Teil landschaftlicher Motive bedient. Seit dem Jahr 2000 zeigt sich in seinem malerischen Œuvre die Entwicklung einer ihm eigenen figürlichen Formensprache, meist freie Thematisierungen antik-mythologischer Stoffe. Es entstehen großformatige Ölgemälde mit ihren spezifisch angelegten transparenten, vielschichtigen Bildräumen und sich überlagerten Figurenkonstellationen. Deparades malerisch-zeichnerische Andeutungstechnik ist dabei assoziativ gestimmt.
Rezeption
„Es ist ihm weniger wichtig die Mythen detailgetreu zu erzählen. ... Der Mythos ist sein Mittler, um das Treiben des Menschen zu charakterisieren ... Es geht hier um Grundlegendes, es geht um die menschliche Existenz in all ihren tragischen Abgründen und in all ihren dramatischen Beziehungsgeflechten, es geht um archaische Begriffe wie Liebe, Stolz, Eitelkeit, es geht um Sehnsucht, Hass, es geht um Krieg und Frieden im kleinsten Bereich.“
Barbara Leicht, Kunsthistorikerin, 2015 zur Eröffnung der Ausstellung in der Galerie LS in Nürnberg
2018: La Valletta, Malta, Museum „St. James Cavalier“, „International Visual Arts Festival der Kulturhauptstadt“
2018: Dresden, „Ouverture“, group show, Galerie Antonstadt
Ehrung
1984: „Preis für Malerei“ der Ausstellung „Junge Künstler der DDR“
Literatur
Andrea Schatz: Henry Deparade. Atelierbesuche bei jungen Künstlern. In: Bildende Kunst, Berlin, 1980, S. 439–440
Anton Gugg: Adolf Frohner und Henri Deparade. Malerei-Festspielausstellung in der Galerie Weilinger, Salzburg. In: Weltkunst. Heft 7. München 2001.
Anton Gugg: Alexander Waltner und Henri Deparade. Malerei-Festspielausstellung in der Galerie Weilinger, Salzburg. In: Weltkunst. Heft 7. München 2002.
Henri Deparade, Malerei. Mit Beiträgen von Rainer Beck, Dresden, Peter Engel, Hamburg. Husum-Verlag der Kunst, Husum 2012, ISBN 978-3-86530-167-3.
Joachim Goslar: Mythos und Metamorphose. Henri Deparade – Malerei. Katalog des Kunstvereins Coburg. Coburg 2011.
Henri Deparade, Malerei. (Werke 1999–2005). Katalog. Mit Beiträgen von Klaus Hammer, Berlin, Andreas Kühne, München, Ingrid Koch, Dresden. 2005, ISBN 3-00-015722-0.
Kürschners Handbuch der Bildenden Künstler. Band I. Saur, München, Leipzig 2005, ISBN 3-598-24734-6.