Hermann Wiebe (* 27. Oktober 1818 Thorn in Westpreußen; † 26. März 1881 in Berlin; vollständiger Name: Friedrich Carl Hermann Wiebe) war ein deutscher Mühlenbau- und Maschinenbau-Ingenieur. Er war der erste Rektor der Technischen Hochschule Berlin, der heutigen Technischen Universität Berlin.
Wiebe war der älteste Sohn des Kreisgerichts-Direktors Friedrich Leonhard Wiebe (1791–1860) in Tiegenhof und dessen Ehefrau Ottilie, geb. Schirmeister. Er hatte drei Brüder, darunter den Bauingenieur Adolf Wiebe und den Direktor im Reichspostamt, Friedrich Wilhelm Leonhard Wiebe (1819–1900). Der Eisenbahnbaumeister Friedrich Wiebe war vermutlich ein Cousin.
Das Gymnasium in Elbing verließ Wiebe bereits vor dem Abitur und lernte von 1836 bis 1839 das Mühlenbauhandwerk und die Müllerei an einer Danziger Mühle. Im Jahr 1839 nahm er ein Studium am Gewerbeinstitut in Berlin auf und bestand 1842 die Prüfung als Mühlenbaumeister. Als sein bedeutendstes praktisches Werk gilt die Neisser Mühle.
Schon früh zeigten sich seine Stärken vor allem auf didaktischem Gebiet. Bereits bald nach seinem Examen, seit 1843, wurde er Herausgeber des Archivs für praktischen Mühlenbau und wurde 1845 von Christian Peter Wilhelm Beuth zum ordentlichen Lehrer am Gewerbeinstitut und ein Jahr später auch an der Berliner Bauakademie ernannt. Im Jahre 1853 wurde er zum Professor für Maschinenbaukunde am Gewerbeinstitut (ab 1866 Gewerbeakademie) berufen. Wiebe veröffentlichte zahlreiche Lehrbücher, so 1858 das Handbuch der Maschinen-Kunde. In Berlin war er Mitglied der Freimaurerloge Zu den drei Seraphim und von 1862 bis 1871 deren Meister vom Stuhl. Von 1867 bis 1876 war er Vorstandsmitglied im Verband Deutschen Müller.
1877 wurde er als Nachfolger des verstorbenen Richard Lucae Leiter der Berliner Bauakademie und zum Geheimen Regierungsrat ernannt. 1879 wurde die Bauakademie mit der Gewerbeakademie zur Technischen Hochschule Charlottenburg zusammengelegt. Wiebe wurde zunächst zum Gründungsrektor ernannt und ein Jahr später gewählter Rektor der Hochschule. 1880 wurde er Mitglied der Akademie des Bauwesens. Im März 1881 verstarb er als Geheimer Regierungsrath unerwartet an seinem Arbeitsplatz. Er wurde auf dem Alten Kirchhof der Zwölf-Apostel-Gemeinde in Schöneberg beigesetzt. Das Grab ist nicht erhalten.
Eine Straße in Berlin-Moabit ist nach ihm und anderen Mitgliedern der Familie benannt.
Wiebe heiratete seine Cousine Friederike Auguste Ottilie Höpfner. Das Paar hatte sieben Töchter. Die älteste Tochter Ottilie heiratete den Architekten Wilhelm Tuckermann.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wiebe, Hermann |
| ALTERNATIVNAMEN | Wiebe, Friedrich Carl Hermann (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maschinenbau-Ingenieur |
| GEBURTSDATUM | 27. Oktober 1818 |
| GEBURTSORT | Thorn |
| STERBEDATUM | 26. März 1881 |
| STERBEORT | Berlin |