
Hubert Cremer (* 27. Dezember 1897 in München; † 26. Februar 1983 in Merzhausen) war ein deutscher Mathematiker. Cremer war von 1949 bis 1966 ordentlicher Professor für Mathematik am Lehrstuhl C für Mathematik und Großrechenanlagen an der RWTH Aachen und Autor mehrerer Bücher.
Hubert Cremer war das älteste von drei Kindern des Physiologieprofessors Max Cremer und dessen Frau Elisabeth Rothmund, ihrerseits Tochter des Universitätsprofessors Viktor Rothmund. Er wuchs in einem akademischen Umfeld auf; seine Schwester war die Physikochemikerin Erika Cremer und sein Bruder der Elektrotechniker und Akustiker Lothar Cremer. Die Familie zog den Berufungen des Vaters folgend 1909 nach Köln und 1911 nach Berlin. Dort besuchte er das Dorotheenstädtische Realgymnasium, bis er im März 1916 zum Kriegsdienst in das Deutsche Heer eintrat. Im Dezember 1916 legte er sein Notabitur ab. Er diente bis März 1919 und wurde nach eigenen Angaben 1917 in Rumänien durch ein feindliches Artilleriegeschoss schwer am Kiefer verwundet.
Hubert Cremer studierte seit 1919 an der Universität Berlin zunächst Medizin und dann ab dem zweiten Semester hauptsächlich Mathematik und Physik. Er hörte Vorlesungen unter anderem bei Albert Einstein, Max Planck, Max von Laue, Richard von Mises, Erhard Schmidt, Gábor Szegő und Ludwig Bieberbach; bei letzterem wurde er 1927 in Mathematik promoviert (Dissertation: Zum Zentrumproblem).
Nach wechselnder Tätigkeit als Assistent in Münster und Leipzig habilitierte er sich 1931 an der Universität zu Köln. Hier wurde er auch 1938 zum außerordentlichen Professor ernannt. 1940 erhielt er einen Ruf als ordentlicher Professor an die Technische Hochschule Breslau, wo er bis Kriegsende blieb. 1946 kam er im Rahmen eines Lehrauftrages an die RWTH Aachen. 1949 wurde er unter Ernennung zum ordentlichen Professor auf den Lehrstuhl für Mathematik berufen und zum Direktor des Mathematischen Instituts ernannt.
Im Juli 1952 organisierte er die erste Konferenz über elektronische Computer in Deutschland an der RWTH Aachen, bei der der Astrophysiker Ludwig Biermann (Göttingen, wo als erste deutsche elektronische Rechenanlage die G1 seines Mitarbeiters Heinz Billing lief), Alwin Walther, Konrad Zuse, Joachim Weyl (der über die Entwicklung in den USA berichtete) und Hans Bückner (Analogrechner, Firma Schoppe und Faeser in Minden) Vorträge hielten.
Auf Cremers Initiative hin wurde 1956/57 das erste Rechenzentrum heutigen Typs des Landes Nordrhein-Westfalen an der RWTH Aachen gegründet, dessen Leitung er bis 1965 innehatte. 1958 setzte sich Cremer für die Beschaffung des ersten serienmäßig hergestellten Röhrenrechner ein, der Z 22 der Zuse KG. Die Anlage war bis Ende 1966 in Betrieb und stand anschließend im ehemaligen Computermuseum der RWTH Aachen.
Er war verheiratet mit Elisabeth Rahner. Seine Kinder sind der Physiker Christoph Cremer, der Humangenetikers Thomas Cremer und der Wirtschaftswissenschaftlers Georg Cremer, Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes.
Cremer forschte schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der Funktionentheorie, insbesondere zur von Pierre Fatou und Gaston Julia in den Jahren 1918/19 begründeten Iterationstheorie rationaler Funktionen. Im Jahre 1925 verfasste Cremer einen Übersichtsartikel über die Fatou-Juliasche Theorie. Bei seinen eigenen Ergebnissen zum Thema sind vor allem seine Beiträge zum Zentrumsproblem zu nennen. Die von ihm als „Nichtzentren“ bezeichneten Punkte werden heute zu seinen Ehren Cremer-Punkte genannt. Weitere wichtige Arbeiten wurden von ihm den Gebieten der Theoretischen Akustik und Stabilitätstheorie der Regelungstechnik gewidmet und er befasste sich mit Schiffs-Hydrodynamik und Strömungsproblemen bei Windkanälen. Im Bereich der Lehre sind vor allem seine Vorlesungen über elektronische Rechenanlagen und seine Programmierkurse hervorzuheben.
In seinen Carmina mathematica (auf Deutsch) versuchte Cremer mathematische Einsichten in heiterer Versform zu vermitteln.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cremer, Hubert |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Mathematiker und Computerpionier; Gründer Rechenzentrum RWTH Aachen |
| GEBURTSDATUM | 27. Dezember 1897 |
| GEBURTSORT | München |
| STERBEDATUM | 26. Februar 1983 |
| STERBEORT | Merzhausen |