I Am Queen Mary

I Am Queen Mary vor dem Vestindisk Pakhus, 2018

I Am Queen Mary (‚Ich bin Königin Mary‘) ist eine monumentale Skulptur von Jeannette Ehlers und La Vaughn Belle, die am 31. März 2018 vor dem Vestindisk Pakhus am Kopenhagener Hafen enthüllt wurde. Das sieben Meter hohe Werk erinnert an Mary Thomas, genannt Queen Mary, eine führende Figur des Fireburn-Aufstandes im Jahr 1878 auf Saint Croix, und war das erste öffentliche Monument Kopenhagens, das eine schwarze Frau darstellte.

Entstehung

Jeannette Ehlers und La Vaughn Belle (2018)

Ehlers und Belle schufen das Werk als selbst initiiertes Gegenmonument zur eurozentrisch geprägten Erinnerung an Dänemarks Kolonialgeschichte. Die Figur entstand aus 3D-Scans ihrer beiden Körper, die digital zu einer hybriden Person verschmolzen wurden. Sie sitzt barfuß in einem Pfauenstuhl und hält eine Fackel sowie ein Zuckerrohrmesser; der Stuhl verweist zugleich auf das bekannte Porträt des Black-Panther-Mitbegründers Huey P. Newton aus dem Jahr 1967. Die zunächst aus beschichtetem Polystyrol gefertigte Figur stand auf einem Sockel mit Korallensteinen aus Saint Croix, welche auf die Arbeit versklavter Menschen verweisen. Der Standort vor dem früheren Lagerhaus für Waren aus den dänischen Karibikkolonien und neben einem Abguss von Michelangelos David setzte die schwarze Widerstandsfigur in Beziehung zur europäischen Kunst- und Kolonialgeschichte.

Historischer Hintergrund

Der Fireburn-Aufstand (1878) richtete sich gegen die harten Arbeits- und Lebensbedingungen auf Saint Croix nach der Abschaffung der Sklaverei in Dänisch-Westindien im Jahr 1848; Mary Thomas wurde nach dem Aufstand zum Tode verurteilt, die Strafe später allerdings in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Während sie auf Saint Croix als Widerstandsfigur in Erinnerung blieb, war ihre Geschichte in Dänemark lange kaum präsent. Das Monument wurde deshalb auch als Eingriff in die Frage verstanden, an wen im öffentlichen Raum erinnert wird und aus wessen Blickwinkel die Kolonialgeschichte erzählt wird. Trine Ross würdigte die erinnerungspolitische Bedeutung, kritisierte hingegen die thronende Form als ästhetisch wenig eigenständig und der westlichen Tradition sitzender Machthaber verpflichtet. Mathias Danbolt und Michael K. Wilson hielten dem entgegen, diese Lesart unterschätze Material, Standort und die Zeichen von Plantagenarbeit und schwarzem Widerstand.

Beschädigung und Zukunft

Am 27. Dezember 2020 rissen starke Winde den Kopf und Teile der Stuhllehne ab; bereits zuvor war die provisorische Konstruktion wetterbedingt beschädigt worden. Die Figur wurde entfernt, jedoch verfolgt das Projekt eine dauerhafte Bronzeversion und entwickelte nach der Beschädigung zusätzlich eine Fassung mittels erweiterter Realität. Die Künstlerinnen sammeln seither Mittel für eine dauerhafte Fassung in Kopenhagen und ein Schwesterdenkmal auf Sankt Croix.

Commons: I Am Queen Mary – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Brigit Katz: New Statue Immortalizes Mary Thomas, Who Led a Revolt Against Danish Colonial Rule. In: Smithsonian Magazine. 4. April 2018, abgerufen am 12. Oktober 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 Gudrun Marie Schmidt: København får kæmpestort monument over kolonitiden. In: Politiken. 26. März 2018, abgerufen am 12. Oktober 2026 (dänisch).
  3. 1 2 3 Mathias Danbolt; Michael K. Wilson: En monumental udfordring for dansk historieskrivning. In: Kunstkritikk. 26. April 2018, abgerufen am 12. Oktober 2026 (dänisch).
  4. ↑ Thomas Borchert: Statue des Anstoßes. In: Frankfurter Rundschau. 4. Januar 2019, abgerufen am 12. Oktober 2026.
  5. ↑ Trine Ross: Anmeldelse: 'I Am Queen Mary' har stor betydning - men ser man bort fra det, er den er ikke voldsomt interessant. In: Politiken. 9. April 2018, abgerufen am 12. Oktober 2026 (dänisch).
  6. ↑ Torben Benner: Antikolonialistisk statue i København mister hovedet. In: Politiken. 29. Dezember 2020, abgerufen am 12. Oktober 2026 (dänisch).
  7. 1 2 I Am Queen Mary. In: I Am Queen Mary. Abgerufen am 12. Oktober 2026 (englisch).

Koordinaten: 55° 41′ 10,3″ N, 12° 35′ 51,6″ O